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Kobaltblaue Flasche mit Auflagen, Privatsammlung, Foto: G. Matoryn 

Flaschen mit Rollrädchendekor, Foto: J. Moniatowicz 

Archäologische Ausgrabungen an der Piaskowa-Straße in Bolesławiec in 2007; Blick in die Grube mit Gefäßen in situ, Foto: Muzeum Ceramiki. 

Sonderausstellung im Keramikmuseum in Bunzlau zeigt Funde des 15. bis 17. Jahrhunderts

Das weltweit bekannte und geschätzte Bunzlauer Steinzeug erfreut sich einer jahrhundertealten Tradition. Doch trotz langer Forschungen in Deutschland und Polen war es bisher nicht möglich, die genaue Entstehungszeit der ersten künstlerischen Erzeugnisse und die Standorte der ältesten Töpfereien in Bunzlau / Bolesławiec zu bestimmen, denen die Stadt ihre Berühmtheit und ihren Beinamen „Die Stadt des guten Tones” verdankt.

Erst dank der archäologischen Untersuchungen, die 2007 in Bunzlau durch die Mitarbeiter des Muzeum Ceramiki w Bolesławcu (Keramikmuseum Bunzlau) mit Unterstützung des Archäologischen Instituts der Universität Breslau / Wrocław durchgeführt wurden, konnten die Überreste der bis heute ältesten untersuchten Töpferei der Neuzeit geborgen werden. Die Ausgrabungen förderten etwa 18.000 Fragmente von keramischen Erzeugnissen zutage, darunter acht Objekte, die fast vollständig erhalten geblieben sind. Die ältesten Funde stellen Fragmente von Gefäßen dar, die der so genannten Falke-Gruppe zugeordnet und ins 15. und 16. Jahrhundert datiert werden. Die jüngsten Funde sind Tonpfeifen aus dem 18. Jahrhundert.

Diese Entdeckung bot die Voraussetzung für die Entstehung eines wissenschaftlich-museumspädagogischen Projekts, das vom Muzeum Ceramiki und dem Schlesischen Museum zu Görlitz mit Unterstützung des Sächsischen Landesamtes für Archäologie Dresden sowie des Kunstgewerbemuseums Schloss Pillnitz durchgeführt wurde. Die Ehrenpatenschaft übernahm der Minister für Kultur und Nationales Kulturerbe der Republik Polen, Herr Bogdan Zdrojewski.

Über zwei Jahre lang bearbeiteten die Mitarbeiter des Muzeum Ceramiki das Fundmaterial. Bei den Inventarisierungs- und Restaurierungsarbeiten konnten insgesamt 101 Gefäße aus dem Zeitraum vom Anfang des 16. bis Mitte des 17. Jahrhundert rekonstruiert werden. Dabei handelt es sich überwiegend um Töpfe, Dreibeinpfannen, Dosen mit Kugelfüßen, Apothekengefäße, Krüge, Tüllenkannen, Flaschen, Schüssel und Teller. Außerdem fanden die Wissenschaftler Schüssel- und Blattkacheln, Pfeifen und Figuren sowie technische Keramik: Brenn- und Stapelhilfen sowie Muffeln. Die Funde werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit in einer Sonderausstellung präsentiert, die im Muzeum Ceramiki in Bunzlau am 15. Dezember 2012 eröffnet wird. Hier ist sie bis zum 10. März 2013 zu sehen. Im Anschluss daran, vom 13. Juli bis 31. Oktober 2013, wird sie im Schlesischen Museum zu Görlitz gezeigt.

In der Ausstellung werden ebenfalls reich dekorierte Bunzlauer Gefäße des 17. Jahrhunderts zu bewundern sein, die aus zahlreichen privaten und musealen Sammlungen in Deutschland und Polen ausgeliehen wurden. Einen besonderen Platz nimmt der „Bunzlauer Schatz“ ein, die größte zusammenhängende Kollektion von frühen und sehr qualitätvollen Bunzlauer Gefäßen, die das Museum Ceramiki kürzlich erwerben konnte. Die Ausstellung lädt darüber hinaus zum Vergleich mit den Erzeugnissen aus den namhaftesten europäischen Standorten der Steinzeugproduktion ein und bietet einen einzigartigen Überblick über die mitteleuropäische Keramik um 1600.

Die Ausstellungsmacher möchten das spezifische Thema ihrer Schau durch moderne, interaktive Präsentationsformen, Filme und Multimedia-Anwendungen einem breiten Publikum näherbringen. Für die jüngsten Besucher wurde ein museumspädagogischer Bereich zur spielerischen Erforschung der Geschichte der Bunzlauer Keramik eingerichtet.

Ein umfangreicher, reich bebilderter deutsch-polnischer Katalog bietet wissenschaftliche Beiträge sowie Übersichten zur Bunzlauer Keramik des 17. Jahrhunderts und zu den wichtigsten europäischen Zentren der Keramikproduktion.

Die Ausstellung und die Publikationen sind ein Teil des Projektes: „Das moderne Museum – ein attraktives grenzüberschreitendes Bildungsangebot“, das aus den Mitteln des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Operationellen Programms der grenzübergreifenden Zusammenarbeit Sachsen – Polen 2007-2013“ finanziert wird.