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Vorbereitende Maßnahmen zur Restaurierung des Chorgestühls der Nicolaus-Gäthke-Kapelle der St. Elisabethkirche in Breslau/Wroclaw

Um die anstehenden Restaurierungen vorzubereiten, fanden sich deutsche und polnische Dozentinnen und Dozenten, Restauratorinnen und Restauratoren sowie Studentinnen und Studenten in der Zeit vom 12.11. bis 18.11.2006 in Breslau zu einer gemeinsamen Arbeitswoche zusammen. Gegenstand der Arbeiten war die sogenannte Nikolaus-Gäthke-Kapelle im südlichen Seitenschiff der St. Elisabethkirche in Breslau, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts erbaut wurde. Die Ausstattung besteht aus  kunstvollen Epitaphien von 1589 und 1625, einem bedeutenden Chorgestühl aus der Zeit  um 1590 sowie einer barocken Außentür.
Das Projekt wurde im Juli 2005 in Deutsch-Polnischer Zusammenarbeit begonnen und nun im zweiten Planungsabschnitt weitergeführt. Beteiligt sind:
- Goering Institut e.V. München. Staatlich anerkannte Fachakademie für Restauratorenausbildung
- Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn; Fachbereiche: Lehrstuhl für die Denkmalpflege, Lehrstuhl für die Konservierung architektonischer Elemente und Details und Lehrstuhl für die Technik und Technologie der Malerei.
- Kirchengemeinde der Elisabethkirche Breslau
Alle Maßnahmen werden in Kooperation mit der Stadt- und  Landesdenkmalpflege durchgeführt.
Feuchtigkeitsschäden am Mauerwerk, Übermalungen der originalen Anstriche, Überfassung der farbigen Epitaphien, Estrich auf den ursprünglichen Bodenfliesen und das vom Verfall bedrohte Chorgestühl aus der Zeit der Renaissance erfordern dringend konservatorische und restauratorische Maßnahmen. In einzelnen Arbeitsabschnitten wird die Kapelle und ihre Ausstattung deshalb jetzt  erforscht, dokumentiert und restauriert.
Die Arbeiten sind für den Zeitraum von 2006 bis 2009 angelegt. Im November 2006 wurde mit den notwendigen Klimamessungen und Befunduntersuchungen an der Bausubstanz (Wand, Boden) begonnen. Die Epitaphien wurden auf ihre ursprüngliche Farbigkeit und ihren Erhaltungszustand hin untersucht.
Am Chorgestühl konnten bereits erste konkrete Arbeiten ausgeführt werden, da in einem Vorprojekt die dafür notwendigen Untersuchungen bereits begonnen und dokumentiert wurden: Das Gestühl wurde demontiert und im Seitenschiff der Kirche aufgestellt, um es bis zur Beseitigung der Feuchtigkeitsquellen im Wandbereich vor weiterer Zerstörung durch Mauerfeuchte zu schützen. Damit können die notwendigen, in Zukunft anstehenden Restaurierungsmaßnahmen, wie etwa die Festigung der maroden Holzsubstanz der Rückwand, durchgeführt werden.
Die anderen hölzernen Ausstattungsteile wurden untersucht und dokumentiert. Ein überraschender Fund kam dabei zutage: Eine fehlende hölzerne Rosette, die als Schlussstein des Gewölbes diente, wurde an einem bisher unzugänglichen Ort in der Krypta gefunden, wo sie wahrscheinlich schon sehr lange eingelagert und in Vergessenheit geraten war. Alle Maßnahmen wurden durch die kunsthistorische Erfassung und Dokumentation der Kapelle und ihrer Ausstattung begleitet.
Auf Basis aller Informationen und bisherigen Tätigkeiten werden nun weitere Arbeiten für 2007 geplant und kalkuliert. Insgesamt wird mit einem notwendigen Gesamtbetrag von ca. 200.000,-€ gerechnet. Dabei werden Teile als Eigenleistung der Beteiligten - Kirchengemeinde Breslau, Universität Thorn und Goering Institut e.V. München  - erbracht.
Durch die Förderung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Referat K 45 Förderung deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa, ist die Realisation  2006 ermöglicht worden, für die nachfolgenden Jahre werden weitere Anträge auf dringend notwendige Förderung gestellt.
Aufgrund des hohen Engagements und der finanziellen Beteiligung der unterschiedlichen Institutionen ist es somit möglich, Kunst- und Kulturgut kostengünstig zu erhalten.
Durch die Erforschung und den Erhalt des uns allen anvertrauten Kunst- und Kulturguts aus ehemals schlesischem, heute polnischem Besitz wird ein Beitrag zur deutsch-polnischen Zusammenarbeit geleistet. Das Projekt mit Studenten aus Thorn und München dient ganz pragmatisch der völkerverbindenden Verständigung. Die gemeinsame Unterbringung und Exkursionen tragen in nicht unerheblicher Weise dazu bei.
Die Untersuchungen der Kapelle und ihrer Ausstattung dienen als Grundlage für die durchzuführenden Arbeiten und der wissenschaftlichen Aufbereitung ihrer kunsthistorischen Aspekte.
Durch Öffentlichkeitsarbeit wird ein großer Personenkreis über das Projekt und den Umfang der Arbeiten sowie über die Verwendung der Fördermittel informiert.

Bernhard Kügler
Direktor / Institutsleiter
Staatlich anerkannte Fachakademie zur Ausbildung von Restauratoren für Möbel und Holzobjekte des A.R. Goering Instituts e.V.
Giselastrasse 7
80802 München
Tel. 089/383950-0
E-Mail:  kuegler(at)restaurierung-goering.de

 

 

Schlesien, Heimatland des Pfefferkuchens. Ausstellungsprojekt des Vereins zur Pflege Schlesischer Kunst und Kultur (VSK)

Das Handwerk der Pfefferküchlerei findet nicht etwa in Nürnberg oder Thorn erstmals schriftliche Erwähnung, sondern in Schweidnitz und Oppeln. In Schweidnitz gab es schon 1293 die piperatas tortas facientes, in Oppeln werden die mensae pipertortorum im Jahre 1357 erstmalig erwähnt. Die hohe Blüte des schlesischen Pfefferküchlergewerbes setzte sich bis in die Neuzeit fort. Noch 1925 gab es in Neisse 12 Pfefferküchlereien.
Der VSK ( http://www.vsk-schlesien.de/) will nun zu diesem kultur- und alltagsgeschichtlich hochinteressanten Thema ein Ausstellungsvorhaben verwirklichen. Darin soll auch die bis heute lebendige schlesische Familientradition des heimischen Pfefferkuchenbackens ihren Platz finden.
Wir würden uns daher sehr freuen, wenn Sie uns einige Ihrer Rezepte – wenn möglich verbunden mit einigen Daten zur ihrer Entstehung – zur Verfügung stellen könnten. Selbstverständlich werden wir jedes Rezept unter Ihrem persönlichen Namen veröffentlichen. Vielleicht besitzen Sie auch Backmodel, spezielle Handwerksgeräte oder ähnliche Gegenstände, die sich für eine Ausstellung eignen?
Ich hoffe, Sie haben Interesse an unserem Projekt gefunden und  freue mich über jede Zuschrift.
Meine Adresse lautet:
Dr. Gerhard Schiller
c/o Beata Kubica, Sieradzka 5/708
PL 45-334 Opole
0048-77-4580083
 gerhardschiller(at)web.de.

 

Zeitungsartikel: Vertriebene erzählen Führerwitze
von Gerhard Gnauck

"Es geht alles vorüber", singt mit ihrer dünnen Stimme Angela Hubrich, "es geht alles vorbei." Nichts geht vorüber, nichts ist vorbei. Schon gar nicht die Bilder im Gedächtnis. Im Falle Angela Hubrichs die Bilder von der "Festung Breslau" 1945: "die brennende rote Stadt". Oder die Szene im dortigen Bunker, während sowjetische Fliegergeschwader über die Stadt ziehen. Die zierliche Frau auf der Bühne krümmt sich und hält ihre Hände über dem Kopf verschränkt. So saß sie im Bunker, während um sie herum deutsche Soldaten stöhnten. Vor Schmerz.
Das "Teatr Wspolczesny" in Breslau (Wroclaw), eines der wichtigsten Theater der Stadt, hat derzeit "Romeo und Julia" im Programm und "American Blues", doch keine Inszenierung hat landesweit soviel Aufsehen erregt wie "Transfer!" - eine Collage von Erinnerungen polnischer und deutscher Vertriebener, die selbst auf der Bühne stehen und dort mit den (von Schauspielern verkörperten) Herren Stalin, Churchill und Roosevelt konfrontiert werden. Die Anregung zu dem Stück und ein finanzieller Zuschuss kamen vom Berliner "Büro Kopernikus" und der Kulturstiftung des Bundes; der für unkonventionelle Inszenierungen mit Laien bekannte polnische Regisseur Jan Klata (33) wagte sich an die Verwirklichung. Am Wochenende war Premiere, die nächsten Aufführungen sind ausverkauft.
Eine junge Senatorin der Warschauer Regierungspartei PiS hatte angesichts der vermeintlichen Verletzung der "historischen Wahrheit" in dem Stück und seiner möglichen Instrumentalisierung durch deutsche Vertriebenenverbände Besorgnis geäußert und Einsicht in das Skript verlangt. Theaterdirektorin Krystyna Meissner, die selbst als Kind den Warschauer Aufstand erlebte, ließ sie abblitzen: "Das ist ein Anzeichen von Zensur, wie ich sie seit 1989 nicht mehr erlebt habe." Der weltoffene Breslauer Oberbürgermeister, vor einer Woche mit Dreiviertelmehrheit im Amt bestätigt, wahrte wohlwollende Neutralität.
So spielten sie denn. Fünf Polen, fünf Deutsche, alle um die siebzig, kommen auf die mit einer Schicht Erde - Heimaterde? - bestreute Szene. Sie reden wirr durcheinander. Plötzlich schreit Stalin, hoch oben auf einer Hebebühne platziert, zu ihnen herunter: "Ruhe! Raus!" Die Menschen treten ab. Doch nur, um wiederzukommen, einer nach dem anderen, und ihre kleinen Geschichten aus Krieg und Nachkrieg zu erzählen.
Die Deutschen lesen aus Feldpostbriefen, erzählen Führerwitze, versuchen sich zu erinnern, ob "Mein Kampf" bei ihnen im Bücherschrank stand, schildern die Vergewaltigungen durch die Russen. Die Polen erinnern sich an das Leben bei den Partisanen, an die Szenen, in denen Deutsche Juden erschossen oder Sowjetsoldaten im Dorf einen Ukrainer aufhängten. Da wiegen Stalin, Churchill und der kongenial tatterig gespielte Roosevelt (Zdzislaw Kuzniar) auf ihrem Olymp die Köpfe und kommen überein: "Der Krieg ist eben schrecklich." Dann hängt sich Stalin seine Elektrogitarre über den Uniformmantel, Roosevelt rückt in seinem Rollstuhl ans Keyboard, und die Großen Drei geben einen röhrenden Post-punk-Schlager der englischen Gruppe Joy Division zum besten: "We knocked on the doors of hell's darker chamber."
Wer die "dunklere Kammer der Hölle" erlebte, waren die einfachen Menschen. Sie erzählen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, jeder in seiner Muttersprache; Kopfhörer helfen dem Publikum, die jeweils andere Sprache zu verstehen. Nachdem die Großen Drei auf ihrem Olymp in Jalta, der "Riviera des Hades", mehrstimmig die "Moskauer Nächte" vorgetragen haben, antwortet die 80-jährige Karolina Kozak aus dem schlesischen Dorf Pielaszkowice mit einem polnischen Volkslied. Szenenapplaus! Doch die drei Herren, nach den Worten Klatas "zwei Gentlemen und ein guter Onkel", schreiten zur Tat. Churchill spielt sein berühmtes Spiel mit den drei Streichhölzern: Ein Stück von Polen im Osten wegnehmen und im Westen dranlegen.
Nach der Aufführung stehen einige Zuschauer noch auf der Straße in der Breslauer Altstadt beisammen, viele Frauen, auch jüngere, sprechen stockend und haben Tränen in den Augen. Die anwesenden Gäste aus Deutschland empfinden das Stück eher als "soft", viele Polen dagegen, von künstlerischen Provokationen nicht so intensiv berieselt, als aufwühlend. In einer Podiumsdiskussion wurde von Vertretern der patriotischen Organisation "Rodlo" die Frage vorgetragen, die auch der Haupteinwand mancher Beobachter der Berliner Ausstellung "Erzwungene Wege" war: Bilden ostdeutsche und ostpolnische Vertriebene, die einstigen und die heutigen Schlesier, eine Erlebnisgemeinschaft? Darf man sie kontextlos nebeneinander stellen?
Regisseur Klata hat diese Klippe umschifft. Er hat den Vorgang der Vertreibung selbst auf der Bühne weitgehend ausgeklammert. Indem er die Kriegs- und Nachkriegserfahrung beider Laiengruppen - immer aus ihren eigenen Erlebnissen schöpfend - weiter fasste, werden auch Unterschiede deutlich. In die friedlichen schlesischen und pommerschen Dörfer kam die Vertreibung 1945 wie ein kontextloser Blitz aus heiterem Himmel, während bei den Ostpolen die Front seit 1939 bereits dreimal durchgezogen war. So erklärt sich das Wort polnischer Publizisten, Vertreibung sei im 20. Jahrhundert ein "kleineres Übel" gewesen.
Am 18. Januar 2007 hat "Transfer!" im Berliner Theater "Hebbel am Ufer" Premiere.

Artikel erschienen in der WELT am 21.11.2006. siehe auch  www.wteatrw.pl

Ausschreibung für das Collegium Pontes 2007 - Die Stärke der Schwäche

Macht gilt vielen als lineares Phänomen: Mächtiger und Ohnmächtiger stehen sich gegenüber. Aber schon der Katalog der Zaubermärchen von Aarne-Thompson zeigt, dass der vermeintlich Schwache über ein reiches Arsenal an Widerstandmöglichkeiten verfügt und – jedenfalls im Märchen – zu unserem Entzücken triumphiert. Als Schwejk vor die Musterungskommission berufen wird, leiht er sich Rollstuhl und Krücken; von einem alten Mütterchen unter immer größerem Volksauflauf quer durch Prag geschoben, macht er die k.u.k.-Kriegsmaschinerie lächerlich. Was Märchen und Opern schon lange wissen, zeigen nun Politik- und Sozialwissenschaften: Macht und Ohmacht sind in einen jeweils konkreten gesellschaftlichen Kontext gestellt und stellen ein höchst multipolares Kräftefeld dar. Die Kriegswissenschaft hat schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts darauf hingewiesen, dass im Zeitalter der sog. Asymmetrischen Bedrohungen die Stärke traditioneller Streitkräfte ins Leere zu laufen droht. Mit Asymmetrien und falschen Augen schützen sich Tiere vor Entdeckungen. Wie schützen sich Schriftsteller in totalitären Systemen? Ist nicht auch Unhöflichkeit eine Schutzmaßnahme, jedenfalls pragmalinguistisch als Spiel zwischen Stärke und Schwäche erkennbar? Wie haben es die Sorben der Oberlausitz vermocht, ihre kulturelle Eigenständigkeit so erfolgreich zu bewahren? Warum gab es wenig Kriege, insbesondere nicht zulasten der Zivilbevölkerung, als nach 1648 für gut hundert Jahre die politische Entscheidungsfindung in den Boudoiren Europas verankert war, bis die Geburt des Nationalismus aus dem Geist der Männlichkeit Europa für lange - und Ex-Jugoslawien jetzt wieder - in ein Schlachtfeld verwandelte? Sind Investitionen in einen strong state, der über Nacht seine Regelwerke verändern kann, aus Sicht der Wirtschaft problematisch? Oder umgekehrt gefragt: Ist die vielpropagierte Stärke von Netzwerkstrukturen am Ende vielleicht eine Schwäche im Vergleich zu Hierarchien?
Ganz ohne Rückgriff auf indische Philosophien ist das Verhältnis von Schwäche und Stärke ein die europäische Kulturgeschichte zutiefst strukturierendes Phänomen. Seine Erforschung in einzelnen Disziplinen bietet mannigfaltige Diskursmöglichkeiten zwischen diesen Disziplinen: Sind Erkenntnisse aus der einen in die andere zu übertragen, widersprechen sie sich, lassen sich daraus Rückschlüsse für die alles überschattende Frage „Wie weiter mit Europa, seinem Verfassungsprozess und dem Verhältnis seiner Länder?“ ziehen?

Teams 2007

In interdisziplinären Teams wird der VI. Jahrgang des Collegium Pontes zu diesen Problemen forschen. Doktoranden und Post-Docs aller geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen sind eingeladen, sich um die Teilnahme an einem der vier Teams zu bewerben:

Team I: Strategien der Machtunterwanderung in den Künsten
Team II: Sprache als Waffe – Grammatik der Unhöflichkeit
Team III: Spezifika der mitteleuropäischen Unternehmenskultur im Vergleich: Deutschland-Polen-Tschechien
Team IV: Groß und klein aus zoologischer Sicht

Termine:
Bewerbungsschluss für Doktoranden und Post-Docs ist der 31. Januar 2007 (siehe links unter "Bewerbung"). Die Bewerber werden bis Ende Februar über das Ergebnis benachrichtigt.
Die siebenwöchige Präsenzphase geht von der Eröffnungskonferenz (18. und 19. Juni) bis zum „Wissenschaftskloster“ (30. Juli bis 3. August).

Abgabetermin der Manuskripte ist der 30. September; die Gesamtpublikation soll gegen Jahresende vorliegen.

Ansprechpartner:
Agnieszka Mazur M.A.
Koordination Collegium Pontes
Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen
Klingewalde 40 | D-02828 Görlitz
Tel. +49-3581-42094.23 | Fax .28
mazur(at)kultur.org |  www.kultur.org

 

 

Straßenbahn auf den Namen "Partnerstadt Breslau - Wroclaw" in Dresden

Zur zweitältesten Partnerstadt hat Dresden seit 1959 eine ewig junge Verbindung. Was sind schon 270 Kilometer, wenn man zusammenkommen will? Zwischen beiden Verwaltungen - vor allem zwischen den beiden Europabüros - gibt es einen ständigen Austausch, besonders durch das grenzüberschreitende Projekt ENLARGE-NET und dessen Folgeprojekte.  Doch die Kooperation erstreckt sich auf viele weitere Akteure in beiden Städten.

Kontakt:
Jörn Timm
Europabeauftragter
Landeshauptstadt Dresden
Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters
Referat für europäische und internationale Angelegenheiten
Postfach 12 00 20
D-01001 Dresden
Tel. 0049 / 351 / 488 - 2130
Fax 0049 / 351 / 488 - 2146
E-Mail:  JTimm(at)dresden.de
 www.dresden.de/europa
 http://enlarge-net.dresden.de

Forschungsprojekt: Wege zu Eintracht und Partnerschaft. Brandenburg, Sachsen, Böhmen und Ungarn im Glogauer Erbfolgestreit 1476-82

Zu einer erfolgreichen Politik im Hinblick auf benachbarte Herrscher waren Landesherren im späten Mittelalter gezwungen, wenn ein gefestigter und dauerhafter Ausbau der eigenen Landesherrschaften gelingen sollte. Obwohl es zahlreiche expansive, kriegerische Übergriffe auf nachbarliche Länder gab, überwog doch der Wille der Landesherren, eine friedliche und einträchtige auswärtige Politik zu verfolgen. Auf rechtlicher Ebene bot sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, Frieden an den Grenzen zu schaffen. Neben Heiratsverbindungen existierten unterschiedliche Vertragsverhältnisse, die zeitlich befristete oder erbliche Partnerschaften begründeten. Sie sicherten den Vertragsparteien u. a. gegenseitigen Rat und Hilfe zu; sie ermöglichten ein starkes Auftreten der Parteien gegenüber ihren Konkurrenten. Am Beispiel des Glogauer Erbfolgestreits werden die Inhalte fürstlicher Partnerschaften, ihr Entstehen und ihre praktische Umsetzung untersucht mit all den Hemmnissen, die sich aus dem räumlich weit ausgreifenden Erbstreit ergaben.

Fallbeispiel
Das niederschlesische Herzogtum Glogau lag in direkter Nachbarschaft zum Kurfürstentum Brandenburg. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gehörte es lehnsrechtlich zu den böhmischen Kronländern, unterstand aber dem ungarischen König Matthias Corvinus, der seit 1469 zuerst gegenüber Georg von Podiebrad und anschließend gegenüber Władysław II. (IV.) Jagiełło die böhmische Krone beanspruchte. 1479 einigten sich Matthias und Władysław: Mähren, Schlesien und die Lausitz sollten unter der Herrschaft des ungarischen Königs stehen, das Kernreich Böhmen unter der Herrschaft Władysławs. Von dieser neuen politischen Situation wurde die Hochzeit der Tochter des brandenburgischen Kurfürsten Albrecht Achilles, Barbara, mit Herzog Heinrich XI. von Glogau begleitet. Nach kurzer Ehe verstarb Heinrich 1476 und hinterließ Barbara sein Herzogtum als Erbe. Ihr neuer Gemahl wurde der böhmische König Władysław. Dadurch zogen er und die Markgrafen von Brandenburg sich den Unwillen Matthias Corvinus zu, der in dieser Verbindung einen unrechtmäßigen Übergriff seitens des böhmischen Königs auf sein Land erkannte. Władysław vollzog die Ehe mit Barbara niemals und half ihr nicht bei den langjährigen Anfeindungen des ungarischen Königs. Der hatte mit Johannes II. von Sagan einen zähen und rücksichtslosen Mann zum Herrn über das Herzogtum Glogau ernannt. Fortan gerieten die Markgrafen von Brandenburg als Helfer Barbaras in Feindschaft zu Herzog Johannes und König Matthias; dadurch wurden sie in die weit ausufernden Auseinandersetzungen um die böhmische Königskrone hineingezogen, die bis zum Tod des ungarischen Königs 1490 zwischen Matthias, den Jagiełłonen und Kaiser Friedrich III. andauerten.

Kontakt:
Mario Müller M. A.
Universität Innsbruck, Institut für Geschichte
Internationales Gradfuiertenkolleg „Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert“
Christoph-Probst-Platz, Innrain 52
A 6020 Innsbruck
 maricmiller(at)yahoo.de

Forschungsprojekt: Ratsherren und fromme Bürger. Zu den Praktiken bürgerlicher Frömmigkeit in Görlitz zwischen 1300 und 1550

Die Bündelung verschiedener Forschungsansätze (Memoria, Stiftungsgeschichten, Sakraltopographie, Institutionengeschichte etc.) lässt eine fruchtbare Auswertung der Görlitzer Quellen in Bezug auf die Klärung der Frage erwarten: ob und in wie weit lassen sich Zusammenhänge zwischen der politischen und wirtschaftlichen Verfassung der Stadt Görlitz und den Praktiken bürgerlicher Frömmigkeit erkennen? Diese Frage ist zugleich die These dieser Arbeit. Es ist anzunehmen, dass durch die Eigenheiten der Verfassung der Oberlausitz wie auch die der Stadt Görlitz, die in ihrer Autonomie mit einer freien Reichsstadt vergleichbar war, ebenso Besonderheiten im Bereich der religiösen bzw. frommen Praktiken der Bürgerschaft zu beobachten sind. Die Forschung hat gezeigt, dass weltliche und kirchliche Lebensbereiche innerhalb einer mittelalterlichen Stadt untrennbar miteinander verwoben waren. Die Ratsverfassung bestimmte den Rahmen des politisch Möglichen, innerhalb dessen die Gruppen der führenden Personen je nach Autonomiegrad agierten und ihre Interessen verfolgten. Handlungen mit religiösen Implikationen waren dabei nicht nur Ausdruck innerer Frömmigkeit, sondern auch Formen sozialer und politischer Kommunikation. Umgekehrt konnten auf den ersten Blick rein politisch anmutende Praktiken von einem religiösen oder sozialen Impetus motiviert sein. Die Behauptung eines politischen Führungsanspruchs war nicht nur mit der administrativen Leitung der städtischen Institutionen, der weltlichen wie der geistlichen, verbunden, sondern immer auch mit der Behauptung eines Führungsanspruchs oder der Deutungshoheit über religiöse und soziale Belange des städtischen Alltags. Durch die Analyse der Testier-, Stiftungs- und Memorialpraxis, bzw. deren »Wirklichkeit«, ist es möglich, die Beziehungen verschiedener sozialer Gruppen zu erschließen, Gruppenstrukturen zu skizzieren, aber auch allgemeine gesellschaftliche Strukturen offen zu legen. Administrative und institutionelle Verbindungen werden dabei genauso sichtbar wie personelle Netzwerke. Um ein Begriffspaar von Max Weber aufzugreifen, verschränken sich hier Formen der »Vergemeinschaftung« und Formen der »Vergesellschaftung«.
Auf den Punkt gebracht, geht es in der Untersuchung um die Analyse von politischen, sozialen und religiösen Verhaltensweisen der städtischen Führungsschicht von Görlitz zwischen 1300 und 1550. Dabei ist die zentrale Frage, welche Bedeutung religiösem Verhalten bzw. religiösen Praktiken in den Prozessen der politischen Machtausübung und der sozialen Statussicherung zukam und durch welche Angebote weiten Teilen der Stadtbevölkerung Integration und Partizipation am gesellschaftlichen Leben der Stadtgemeinde ermöglicht wurden. Es wird dann weiter nach den Kommunikationsmitteln und -formen gefragt, derer sich die Führungsschicht bediente, um den status quo der Machtverteilung zu perpetuieren, zu institutionalisieren und zu symbolisieren. Schließlich kann bei dem hier gewählten Beobachtungszeitraum von 1300 bis 1550 geprüft werden, wie stabil oder flexibel diese von der Führungsschicht installierten Mechanismen in Zeiten beschleunigten Wandels, wie etwa der Reformation, waren. Ziel der Untersuchung ist es, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen politischem Handeln und religiöser Praxis der städtischen Eliten als Einheit zu untersuchen, darzustellen, zu erklären und zu bewerten.

Kontakt:
Christian Speer M. A.
Clara-Zetkin-Str. 3
D-01159 Dresden
 christian.speer(at)yahoo.de

 

Forschungsprojekt: Machtgruppierungen im Raum der schlesischen Länder im Spätmittelalter. Die Herzogtümer Troppau und Glogau im Vergleich

Im Rahmen der durchlaufenen Jungen Akademie Schlesien (Görlitz 24. – 26. November 2006) konnte ich mein Dissertationsprojekt, mit welchem ich mich an der Schlesischen Universität in Troppau (Tschechien) beschäftige, kurz vorstellen. Das Hauptziel meiner Forschung liegt im Aufdecken der Machtnetzwerke und Kommunikationsweise. Es geht mir dabei nicht um das Erkennen des korporativen Handelns einzelner Ständeschichten. Ich möchte hauptsächlich auf die konkreten Machtbewegungen im Rahmen der formellen Strukturen und informellen Macht- und Interessensgruppen fokussieren. Solche Gruppen entstanden naturgemäß in der Umgebung der Herrscher, der einflussreichen Amtmänner oder allgemein charismatischer Einzelpersonen. Die Mitglieder dieser Gruppen rekrutierten sich aus dem Gesamtspektrum der ständischen Gesellschaft. Also nicht Macht in den Händen der Stände, sondern die Identifikation der tatsächlich dominanten, einander durch die gemeinschaftlichen Interessen und Ambitionen verbündeten Machtbeteiligten stellt das Grundthema meines Forschungsprojektes dar.
Eine solche Ausrichtung bietet einen alternativen Blick auf die politische Aktivität der einzelnen Elemente der Ständegemeinden an. Das Erkennen des Charakters der Machterwerbs- Machtbewahrungs- und Machtausübungsprozesse ermöglicht vornehmlich die Mechanismen und Prinzipien der Machtübertragung oder hingegen des Einflusshaltens zu analysieren. Im Rahmen einer so profilierten Forschung kann man dann auch die Fragen über die Kontinuität bzw. Diskontinuität in der Ausübung der realen Macht stellen.
Der Machtwandel in den Beziehungen zwischen dem Landesherrn und der Landesgemeinde hing natürlich von einer langjährigen Entwicklung ab. Die einzelnen Machtgruppen stellten aber den Faktor dar, der die autonome und konkrete ständische Politik aktivierte. Diese enger begrenzten Blöcke standen an der Spitze der Landesgemeinden, reagierten auf die bestehenden Impulse und bestimmten die Aktivität der Stände. Proportional mit dem Zerfall der Macht des Landesherrn gewannen diese Gruppen und ihre Anführer die Hauptposition im Inneren des Landes und stellten die Quelle der emanzipierten ständischen Politik dar. Das von der Seite der Machtgruppen formulierte Programm der Ständegemeinden kann man auch deshalb als das Resultat von inneren Machtbewegungen und Kompromissen gegenläufiger Tendenzen bezeichnen.
Die Verteilung der inneren Kräfte in den größeren Ländern der Böhmischen Krone ist heute in den Grundrissen  bekannt. Im Fall der nördlichen Hälfte des Staates ist es aber nicht so klar. Die kleineren Herzogtümer stellen eine unterschiedliche Situation dar. Ihr innenpolitisches Leben wurde durch die spezifische Atmosphäre des alltäglichen Zusammentreffens aller Mitglieder des gesellschaftlichen Spektrums geprägt. Die Machtkommunikationsanalyse (und nicht nur bloße Analogienübertragung), die man programmatisch in den Grenzen der kleinen Territorien durchführt, kann dann auch, meiner Meinung nach, neue Kenntnisse über Etablierungsprinzipien des ständischen Systems im gesamtstaatlichen Maßstab bringen.

Kontakt:
Mgr. Petr Kozák (Slezská univerzita v Opavě / Schlesiche Universität in Troppau)
Syrovická 613
Rajhrad
664 61
Czech Republic
 kozak.p(at)centrum.cz

 

Geschichte(n) schreiben. Schülerwettbewerb zu Flucht, Vertreibung und Integration

Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa und der Umgang mit diesem Teil deutscher und europäischer Geschichte stehen seit einigen Jahren wieder im Zentrum öffentlicher Diskussion. So gibt es die Ausstellung „Flucht, Vertreibung, Integration“ der Stiftung Haus der Geschichte, Bonn, in der die deutsche Geschichte Teil des „Jahrhundert der Vertreibungen“ ist. Diese Ausstellung ist ab 1. Dezember 2006 im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig zu sehen.
Im Schülerwettbewerb „Geschichte(n) schreiben“ erarbeiten Schüler allein oder in Kleingruppen (max. vier Personen) selbstständig Texte zu Themen wie: Flucht, Vertreibung, Umsiedlung, Integration oder Heimat im historischen Kontext und können einen Bogen zu aktuellen Diskussionen, z. B. über den deutsch-tschechischen/polnischen Dialog, das „Zentrum gegen Vertreibungen“, die Flüchtlingsproblematik oder die Integration von Deutschen aus Russland schlagen.

Eure Aufgaben:
Sucht nach Zeitzeugen, die von Flucht oder Vertreibung betroffen waren, die ihre Heimat verlassen mussten. Sehr gern sind wir dabei behilflich. Informiert Euch ausführlich über die Gründe und Ursachen. Stellt mit Hilfe von Kartenmaterial fest, woher sie stammten und wo sich die Menschen niederließen. Lasst Euch von ihnen die Zeit ausführlich schildern und stellt Fragen (Woher stammen sie? Was erlebten sie auf ihrer Flucht? Wie verlief der Integrationsprozess in der neuen Heimat? Welche Hilfen haben sie dort erhalten? Welchen Bezug haben sie heute noch zu ihrer alten Heimat? Was haben sie durch ihre Flucht verloren?).
Ankunft und Neubeginn spielen auch für Deutsche aus Russland eine wichtige Rolle. Fragt sie nach ihrer Sicht auf alte und neue Heimat, auf die Integration Deutscher in Deutschland. Stellt auch Euch Fragen. (Was für ein Verhältnis habe ich zu meiner Heimat, zu Flucht?).
Fertigt Euren Beitrag mit den Ergebnissen aus der Befragung der Zeitzeugen und/oder Eurer Recherche an. Sehr gern könnt Ihr auch Bilder oder Karten zur Unterstützung Eurer Arbeit verwenden.
Anregungen und Hinweise für die Arbeit findet Ihr unter
 www.jugendwerk.org

Euer Beitrag
Eingereicht werden kann jede Art von Texten, so Kurzgeschichten, Gedichte oder Dialogszenen. Der Umfang sollte je 10 000 Zeichen (vier Seiten) nicht übersteigen. Sendet nur eine Arbeit ein, die Ihr persönlich, ob allein oder in einer Gruppe, erstellt habt! Der Wettbewerbsbeitrag muss in deutscher Sprache verfasst sein. Inhaltliche und wörtliche Übernahmen aus anderen Werken (auch aus dem Internet) sind kenntlich zu machen.
Die Arbeit muss bis 20. Januar 2007 vorliegen (Einsendeschluss)
(bitte an Schuelerwettbewerb@jugendwerk.org senden).

Preise
Es gibt Preise im Gesamtwert von 1 500 Euro. Hauptpreise sind u. a. Fahrten zum Bundestag nach Berlin oder ins Schlesische Museum nach Görlitz, weiterhin gibt es Geld- und Sachpreise.

Teilnahmeberechtigung
Teilnehmen können alle (Schüler, Auszubildende, etc.), die nach dem 1. September 1988 geboren sind und im Freistaat Sachsen wohnen. Gleichaltrige aus dem Ausland, insbesondere aus den Gebieten die von Vertreibungen betroffen waren, dürfen ebenfalls mitmachen.
Benachrichtigung
Im März 2007 werden alle Einsender über das Auswertungsergebnis per e-Mail informiert. Im April 2007 erfolgt die Preisverleihung und alle Teilnehmer erhalten eine Urkunde.
Organisation
Ausgerichtet und geleitet wird der Schülerwettbewerb durch das Europäische Jugendwerk e. V., Bautzner Str.130, 01099 Dresden, in Zusammenarbeit mit Vertriebenen und Spätaussiedlern im Freistaat Sachsen.
Weitere Infos gibt es unter  www.jugendwerk.org

Der Schülerwettbewerb wird durch das Sächsische Staatsministerium des Inneren gefördert.