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Tagbericht: Junge Akademie Schlesien - Nachwuchstagung der historischen Schlesienforschung im Schlesischen Museum zu Görlitz (24.11.2006-26.11.2006)

„Auf der Suche nach Schlesien" lautet der Titel der Dauerausstellung des Schlesischen Museums Görlitz, das erst im Mai dieses Jahres im historischen Schönhof am Görlitzer Untermarkt wieder eröffnet wurde. Auf die Suche nach Schlesien begaben sich auch die Teilnehmer der Tagung, die auf Einladung der Historischen Kommission für Schlesien, des Gerhard-Möbus-Instituts für Schlesienforschung und des Schlesischen Museums zu Görlitz in den Räumen des Schlesischen Museums zur internationalen Nachwuchstagung „Junge Akademie Schlesien" zusammenkamen. Von den Veranstaltern waren 28 Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland, Polen, Tschechien und sogar Frankreich eingeladen worden, deren größtenteils Dissertations- und Habilitationsprojekte sich mit verschiedenen Aspekten der schlesischen Geschichte beschäftigen. Ziel war es, die Kommunikation und Vernetzung zwischen den über Schlesien forschenden jungen Wissenschaftlern voran zu treiben und mögliche themenübergreifende Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen. In einem sehr dichten Programm wurde versucht, in drei Tagen eine Brücke zu schlagen vom Spätmittelalter bis in die jüngste Vergangenheit, wobei alle Landschaften des historischen Schlesien ihre Berücksichtigung fanden.

Zu Beginn der Tagung wurden die Teilnehmer und Zuhörer von den Veranstaltern, Prof. Dr. Thomas Wünsch (Passau), Prof. Dr. Joachim Bahlcke (Stuttgart) und dem Gastgeber, Dr. Markus Bauer vom Schlesischen Museum, begrüßt. Nach einem Einstieg mit einem Vortrag über die Geschichte der Burgwallforschung und ihre Instrumentalisierung (Karin Reichenbach/Leipzig), ging es über die schlesischen Herzogtümer im Spätmittelalter (Petr Kozak/Opava) und die Politik von Ungarn, Böhmen, Sachsen und Brandenburg im Glogauer Erbfolgestreit (Mario Müller/Innsbruck) zu Christian Speer/Dresden, der über städtische Eliten und deren Beziehungen zu kirchlichen Institutionen in Görlitz in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sprach. Ein kunstgeschichtlicher Vortrag von Urszula Bonczuk-Dawidziuk/Wroclaw führte ins Hirschberger Tal des frühen 19. Jahrhunderts und lenkte den Blick auf das kulturelle Handeln der Gräfin Friederike von Reden (1774-1854).

Der Samstag war mit 16 Vorträgen und einer Führung durch das Schlesische Museum der inhaltsreichste Tag. Eingangs referierte Christine Absmeier(Stuttgart) zur schlesischen Bildungsgeschichte im Zeitalter der frühen Konfessionalisierung, wobei der Kontext einer intendierten umfassenden Gesellschaftsreform zur Sprache kam, ebenso wie die Herausbildung von Gelehrtennetzwerken. Bartlomiej Bartelmus (Wroclaw) präsentierte die Ergebnisse seiner kunstgeschichtlichen Spurensuche nach dem Maler Andreas Riehl d.Ä., der, aus Breslau kommend, wahrscheinlich einige Zeit am Krakauer Königshof tätig war. Offen blieb die Frage, welchen Stellenwert die Person des Malers einnimmt und inwieweit man von einem eigenständigen „schlesischen Stil" in der Hochrenaissance sprechen kann, was der Referent als These formulierte. Ein zeitlich ähnlich angelegtes Projekt präsentierte Ewa Szala (Wroclaw) mit ihrem Vortrag über die Kunst der Reformation in der Oberlausitz zwischen 1520-1697. Besonders betont wurde hierbei die Rolle und Bedeutung der Kunst im Prozess der lutherischen und katholischen Konfessionalisierung, wobei die geplante Herausgabe eines Katalogs mit den erhaltenen Kunstdenkmälern aus der Oberlausitz auf Interesse stieß.

Eine längere, anregende Diskussion folgte dem Vortrag von Joanna Jendrych (Wroclaw), der Reiseberichte über Schlesien vom Ende des 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert zum Thema hatte. Dabei wurden 50 deutschsprachige (mit einer Ausnahme), publizierte Berichte ausgewertet und nach ihrer Stellung im aufklärerischen Diskurs der Zeit, den Einstellungen gegenüber der einheimischen Bevölkerung und dem literarischen Wert gefragt. Im Zentrum der Diskussion stand vor allem der Leserkreis, die gegenseitige Wahrnehmung von Reisenden und Einheimischen und die Originalität der Beschreibungen. Es folgten zwei Vorträge von Vertretern der Schlesischen Universität in Opava, wobei Marketa Kourilova ihr Projekt präsentierte, im Rahmen dessen sie versucht, durch mehrere Mikrosonden zu neuen Ergebnissen zum Untertanentum und zur Besitzverteilung in Österreichisch-Schlesien nach 1742 zu kommen. Martin Pelc beleuchtete die Kontakte zwischen deutschsprachigen Gebirgsvereinen im preußischen und österreichischen Teil Schlesiens im Kontext seiner entstehenden Dissertation zu den deutschen Touristenvereinen in Böhmen im 19./20. Jahrhundert. Gefragt wurde in der folgenden Diskussion nach den nationalen Aspekten in den Aktivitäten solcher Organisationen und den tatsächlichen Auswirkungen der Grenze vor und nach 1918. Im letzten Vortrag vor der Mittagspause ging es wieder um Tourismusgeschichte, diesmal dargestellt anhand des Baus einer Nebenbahn von Glatz nach Kudowa (Przemyslaw Dominas/Wroclaw). Dabei wurde klar, dass es trotz der schwierigen geographischen Verhältnisse und der Finanzierungsprobleme vor allem der Fremdenverkehr war, der die Errichtung solcher Strecken inspirierte und vorantrieb.

Von einem „entwicklungsunfähigen" liberal-revolutionären Schriftsteller und Aktivisten berichtete Dr. Gabriela Jelitto-Piechulik aus Opole. Theodor Opitz (1820-1896) entwickelte mit seinen Studien und Publikationen zur Geschichte der Französischen Revolution, insbesondere zur Rolle Robespierres, früh radikale Positionen, die ihn später ins Schweizer Exil führten. Dort schloss er sich aber nicht der entstehenden sozialistischen Bewegung an, sondern verharrte auf seinen Positionen und starb vereinsamt den Hungertod. Im Kontext der problematischen geistesgeschichtlichen Einordnung dieser Figur wurde auch die geplante Werkausgabe von Theodor Opitz in der Diskussion angesprochen. Einen Teilaspekt seines Habilitationsprojektes, das in ein größeres Forschungsvorhaben eingebettet ist, präsentierte Dr. Michael Hirschfeld aus Vechta. Er beschäftigte sich mit den Breslauer Bischofswahlen nach dem Ende des Kulturkampfes und vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Er arbeitete dabei prägnant die politischen Rahmenbedingungen und die Konfliktpotenziale heraus, wobei auch hier nach dem tatsächlichen gesellschaftlich-historischen Stellenwert dieses „zentralen Konfliktfelds" gefragt wurde. Arne Thomsen (Detmold) sprach im Anschluss daran über die sog. „Zentrumspolnische Bewegung" innerhalb der Zentrums-Partei, nach dem wichtigsten Blatt dieser Gruppierung auch „Katolik"-Partei genannt. Die Versuche des Zentrums, polnische und pro-polnische Aktivisten in den eigenen Reihen gewähren zu lassen, um die oberschlesischen Wähler für sich zu gewinnen, scheiterten mit der Zeit an der Radikalisierung der nationalen Frage und führten zur faktischen Abspaltung der Fraktion unter Führung von Adam Napieralski bei den Reichstagswahlen 1903. Den religions-politisch-historischen Block beschloss dann Sascha Hinkel (Mainz) mit der Präsentation seiner entstehenden „Teilbiografie" von Kardinal Adolf Bertram. Die umstrittene Gestalt des Breslauer Erzbischofs „zwischen Kaiserreich, Republik und Diktatur" war Anlass einer intensiven Diskussion, die u.a. sein Verhalten gegenüber gewissen Erscheinungen (z.B. Rechtskatholizismus) und Personen (Kardinal Michael Faulhaber, Primas August Hlond) ansprach.

Dr. Rüdiger Ritter von der Universität in Oldenburg eröffnete den kleinen Themenblock zu den Abstimmungskämpfen in Oberschlesien nach dem Ersten Weltkrieg. Eine geplante Quellenedition (in Zusammenarbeit mit Prof. Hans-Henning Hahn) soll die Argumentationsmuster und Propaganda beider Seiten beleuchten sowie auf den europäischen Kontext des Konflikts eingehen. Genau mit diesem Aspekt beschäftigte sich das darauf folgende Doppelreferat von Dr. Marie-Emmanuelle Reytier (Caluire) und Dr. Dorota Schreiber-Kurpiers (Opole). Unter der Überschrift „Dienst im Osten" wurde der Alltag der französischen Truppen im oberschlesischen Abstimmungsgebiet 1920-1922 beschrieben, wobei die Aspekte Prostitution und Geschlechtskrankheiten näher beleuchtet wurden, was den anwesenden Medizinhistoriker zu ausführlichen Diskussionsbeiträgen provozierte. Ein geographisch und thematisch anderes Terrain wurde in den letzten beiden Samstagsvorträgen beschritten: Daniela Schmohl (Leipzig) referierte zum sozialistischen Milieu Breslaus zwischen 1933 und 1936, während Thomas Ditt (Frankfurt am Main) mit seinem Referat mit dem Titel „Stoßtruppfakultät Breslau" das Wirken der Juristischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zwischen 1933 und 1945 vorstellte. Neben dem gut erforschten Osteuropainstitut der Breslauer Universität – auch und insbesondere im Vergleich mit der polnischen Westforschung der Zwischenkriegszeit – stelle die Personal- und Veröffentlichungspolitik der rechtswissenschaftlichen Abteilung, die der Referent anhand konkreter Beispiele erläuterte, ein besonders aufschlussreiches Untersuchungsfeld dar.

Der abschließende Themenblock am Sonntag beschäftigte sich mit der Geschichte Schlesiens in der Nachkriegszeit, wobei vor allem erinnerungspolitische Fragen angesprochen wurden. Zunächst skizzierte Mateusz J. Hartwich (Frankfurt an der Oder) sein Forschungsvorhaben zu deutschen und polnischen Bildern vom Riesengebirge nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei vor allem touristische und landeskundliche Aspekte in Betracht gezogen wurden. Die Diskussionsbeiträge kreisten dabei insbesondere um Fragen der Methodik und mögliche Quellen. Sonia Waindok(Opole) präsentierte danach erste Ergebnisse ihrer Dissertation zum Leben und Wirken von Ruth Storm, deren Romane die Wahrnehmung der „alten Heimat" in der Bundesrepublik beeinflusst haben. Ausführlich wurde auf ihre Biografie eingegangen, wobei ihr aktives Wirken im Nationalsozialismus in späteren Jahren von Ruth Storm nachträglich relativiert wurde. Christian Lotz (Leipzig) präsentierte einen „thesenartigen Ausschnitt" aus seiner abgeschlossenen Dissertation zum Vertreibungsdiskurs in Deutschland bis zum Jahr 1972. Den Untersuchungszeitraum unterteilte der Referent in drei Abschnitte, die er kurz charakterisierte, und stellte drei Akteure der Debatte vor: die Landsmannschaft Schlesien, evangelische Schlesierverbände und die Helmut-von-Gerlach-Gesellschaft, die laut Referent als Repräsentant sozialistischer Anschauungen auf das Thema herangezogen wurde. In der Diskussion wurde die mangelnde Ausdifferenzierung der untersuchten Milieus und die Fokussierung auf die Frage der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze bemängelt, wobei die Herausarbeitung einer „unfreiwilligen Allianz" zwischen Landsmannschaften und Kommunisten anerkannt wurde, die zu einer Marginalisierung und Verdrängung des Themas an den rechten Rand der gesellschaftlichen Diskussion führte. Cornelia Schmidthals (Berlin) stellte Ergebnisse eines größeren, abgeschlossenen Projekts zu den Arbeitslagern im Nationalsozialismus vor, wobei für ihr Untersuchungsgebiet, den niederschlesischen Kohlebergbau, kaum Quellen oder Zeitzeugenberichte existieren, die man einer Auswertung unterziehen kann. Einen kirchenhistorischen Exkurs analysierte Gregor Ploch (Wien) in seinem Beitrag zu den deutschen katholischen Vertriebenenorganisationen und ihrer Rolle im Verständigungsprozess mit Polen, wobei besonders auf das Wirken von Clemens Riedel eingegangen wurde. Den Abschluss bildete eine anschauliche Präsentation zur geplanten Edition des „Glogauer Arzneibuches" aus dem 15. Jahrhundert von Milena Slon und Prof. Dr. Gundolf Keil, der in Vertretung von Knut Richter auf den Stellenwert schlesischer Arzneimittelbücher aus dem Spätmittelalter einging.

Insgesamt haben die Vorträge und die anschließenden Diskussionen bewiesen, dass der Bereich Schlesische Geschichte ein keineswegs altersschwaches Fach ist, sondern, wie Prof. Bahlcke unterstrich, allein schon aus der vorgestellten Fülle an Forschungsprojekten jüngerer Wissenschaftler Lebenskraft schöpfen kann. Zu erwähnen ist auch, dass es unter den anwesenden Nachwuchshistorikern keinerlei Berührungsängste gab, z.B. was die Verwendung deutscher Ortsnamen angeht. Auch das Meiden von „Tabuzonen", bei denen es zu emotionalen Auseinandersetzungen über die Deutung gewisser Ereignisse aus der Geschichte gekommen wäre, war nicht zu beobachten. Dies liest sich wie eine Selbstverständlichkeit, ist aber im Kontext der deutsch-polnischen (aber auch der polnisch-tschechischen und deutsch-tschechischen) Beziehungsgeschichte, besonders im Hinblick auf die auch historiografisch bis in die jüngste Zeit umkämpfte Region Schlesien, als Verdienst zu würdigen – eine Errungenschaft, die nicht zuletzt auf konstruktive Kontakte unter Historikern in den letzten 30 Jahren zurückzuführen ist. Die sehr breit gefächerten Themen und die interdisziplinäre Herangehensweise sowie die anregenden Diskussionen sind auf jeden Fall als Erfolge zu verbuchen, wobei die Frage nach dem Verbindenden der vorgestellten Forschungsprojekte, jenseits des nicht klarer umrissenen Bezugsrahmens Schlesien, nicht thematisiert wurde und Stoff für weitere Veranstaltungen liefern könnte.

Bericht von: Mateusz J. Hartwich / Ivo Nußbicker  ivo.nussbicker(at)po.hi.uni-stuttgart.de
URL zur Zitation dieses Beitrages <

hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1474&gt;

Tagungsbericht: Szlachta na Slasku. Wladza – kultura – wizerunek wlasny / Adel in Schlesien. Herrschaft - Kultur – Selbstdarstellung

Veranstalter: Prof. Dr. Jan Harasimowicz, Instytut Historii Sztuki Uniwersytetu Wroclawskiego / Institut für Kunstgeschichte der Universität Breslau; Prof. Dr. Matthias Weber, BKGE Oldenburg; Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Datum, Ort: 26.10.2006-28.10.2006, Wroclaw/Breslau

Dass die Adelsforschung seit einigen Jahren wieder im Auftrieb ist, bezeugt ein Blick auf aktuelle Publikationen, Ausstellungen und Konferenzen, etwa das Projekt „Adel im Wandel“.[1] Der dort erprobte regionale Zugriff bietet sich in besonderer Weise an, um ausgehend von einer spezifischen sozialen Gruppe, auch die religiös, politisch und kulturell stark zerklüftete Landschaft Schlesiens zu betrachten. Wie einer der Organisatoren, Matthias Weber, unterstrich, eignet sich der Adel zudem als gesamteuropäisches Kulturphänomen, das aber regional verankert war, besonders um eine transnationale Wissenschaftskooperation anzustoßen.
Hervorgegangen ist die Konferenz aus dem gleichnamigen binational angelegten Forschungsverbund „Adel in Schlesien / Szlachta na Slasku“,[2] der an den Universitäten Dresden, Passau, Stuttgart, Wroclaw und dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa Oldenburg angesiedelt ist.[3] Realisiert wurde sie unter der Ägide des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Wroclaw und des BKGE Oldenburg.
Das breit angelegte Programm umspannte einen zeitlichen Rahmen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. In vier Sektionen näherten sich die Teilnehmer dem Phänomen Adel aus unterschiedlichen disziplinären (historischen, kunstgeschichtlichen, literaturwissenschaftlichen) und regionalen Blickwinkeln.
Die ersten beiden Referenten der Sektion „Herkommen, Tradition, Memoria und Selbstverständnis des Adels“ entwickelten in ihren Vorträgen einleitend ein historiografisches Panorama vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Thomasz Jurek (Poznan) problematisierte in seinem Vortrag „Vom Rittertum zum Adel – das schlesische Rittertum im Mittelalter“ die Verwendung beider Begriffe als Analysekategorien in der polnischen und deutschen Geschichtsschreibung, um auf der Grundlage dieser kritischen Betrachtung den Forschungsstand zur Herausbildung des schlesischen Adels als Gruppe neu nachzuzeichnen.
Eckart Conze (Marburg) skizzierte in seinem Beitrag zu „Adel und Moderne in Ostmitteleuropa“ mögliche Bestandteile eines Forschungsprogramms zum europäischen Adel mit einem Schwerpunkt auf den Adelslandschaften Ostmitteleuropas. Er betonte anhand jüngerer Forschungen zum Verhältnis von Adel und Nationalität in den Böhmischen Ländern, dass die Auswirkungen von Modernisierungsprozessen auf die Tradierung und Umbildung von Kernbeständen adeliger Identität überall zu spüren seien, ihnen regional aber ganz verschiedenes Gewicht zukomme. Dabei warf er am Beispiel der schlesischen Unternehmeraristokraten die Frage nach einem vom Bürgertum genuin verschiedenen Umgang des Adels mit der Moderne auf, dessen Eigensinn zu erfragen sei. Schließlich hob er die Beziehung von Zentrum und Peripherie (besonders im Verhältnis lokaler Adelsdominanz zum modernen Anstaltsstaat) und die Bedeutung zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung sowie von Krisenerfahrungen als möglichen Rahmen einer Adelsgeschichtsschreibung hervor.
Jan Harasimowicz (Breslau) verfolgte in seinem Vortrag den Aspekt der adeligen Repräsentation an zahlreichen Beispielen aus der schlesischen Kunst des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Jerzy Gorzelik (Breslau) betonte in seinem Vortrag über die Architektur- und Kunststiftungen des katholischen Adels in Oberschlesien, dass gerade das religiöse Moment in der Zeit der Konfessionalisierung bestimmend für das Selbstverständnis des oberschlesischen Adels war, der darin auch seine Loyalität gegenüber Wien und Rom bekundete und sich dergestalt in die Pietas Austriaca einbinden ließ. Die künstlerischen Mittel der visuellen Kultur der Konfessionalisierung wie Mariensäulen, Altarstiftungen, Stiftungen an Wallfahrtsorten sowie Mausoleen manifestierten neben der religiös-politischen Verortung eben auch adelige Selbstvergewisserung und landesherrschaftliches Selbstbewusstsein. Die beiden letzten Vorträge der Sektion schließlich waren der Sepulkralkultur gewidmet. So befasste sich Maciej Kulisz (Breslau) mit dem evangelischen Adel Niederschlesiens im Spiegel seiner Grabdenkmäler und Grabinschriften.
Der Abendvortrag „Westen und Osten: Über die Ausbreitung adliger Verhaltensweisen im späten Mittelalter” wurde von Werner Paravicini (Paris) bestritten, der gestützt auf Quellen aus dem Westen Europas die Frage aufwarf, wie peripher das mittelalterliche Schlesien eigentlich war. Am Beispiel von Fürstenheiraten und den damit verbundenen Reisen vor allem nach Frankreich, aber auch einer regen Diplomatie bis nach Südeuropa und England, zeigte Paravicini die Vernetzung Schlesiens mit den Kulturzentren nördlich der Alpen auf. Zugleich stellte er heraus, dass der schlesische Adel demselben Kulturmodell folgte und über dieselben Repräsentationsmittel verfügte wie seine westlichen Standesgenossen, darunter Geschlechtswappen, das Pferd, soziale Praktiken wie Minnedienst und Turnier sowie den von Ludwig II. von Brieg gestifteten „Rüdenbandorden“, einen exklusiven weltlichen Ritterorden, zu dem es im mittelosteuropäischen Raum nur eine Parallele im Eidechsenbund des Kulmer Lands gibt. Die für den Vortrag Paravicinis bestimmende Dimension des Kulturtransfers sollte auch für die folgende Sektion „Beziehungsgeschichte“ von Bedeutung sein.
Diese wurde von Petr Mat’a (Praha) mit einem vergleichend angelegten Vortrag eingeleitet, der deutlich machte, dass sich in Schlesien und Böhmen sehr unterschiedliche Adelslandschaften ausprägten, die wenige Berührungspunkte miteinander hatten, so etwa im über die Landesgrenzen hinausreichenden Landbesitz einzelner Familien. Der schlesische Adel unterschied sich vom böhmischen sowohl quantitativ als in zunehmendem Maße auch soziostrukturell. Während der böhmische Raum eine zunehmende Vereinheitlichung und Ausrichtung auf das Zentrum erfuhr, blieb Schlesien fragmentiert. Der böhmischen Entwicklung in Ritterstand und Herren stand in Schlesien ein Konflikt zwischen Landesherrn und landständigem Adel gegenüber. Den zunehmenden Bedeutungsverlust der einstmals souveränen Fürstenhäuser bis zu deren Aussterben vermochte daher auch der erst allmählich entstandene nachrückende Herrenstand nicht auszugleichen. Anders als in Böhmen fanden nach der Schlacht am Weißen Berg bis auf wenige Ausnahmen in Schlesien kaum Enteignungen statt, so dass sich der landfremde Adel in der schlesischen Adelslandschaft mit Ausnahme der Hatzfeld kaum herausgehoben positionieren konnte. Ähnlich differenziert analysierte Mat’a das Dienstverhältnis beider Adelsgesellschaften zum habsburgischen Landesherren und damit die Karriere- und Bildungswege. Tomas Knoz (Brünn) griff in seinem Vortrag den Begriff der Integration auf, der in der Forschung für die Assimilation des fremden Adels an den Höfen in Prag und Wien steht, und wandte ihn für die Einwanderung des schlesischen Adels nach Mähren an. Er verwies dabei auf die Schwierigkeiten, überhaupt den schlesischen Adel gemäß seiner Herkunft definieren zu können. Des weiteren skizzierte er die verschiedenen Möglichkeiten des Integrationsprozesses nach Ämter- oder Besitzübernahmen. Anschließend entwarf Ulrich Schmilewski (Würzburg) ein Bild der Beziehungen des schlesischen Adels ins Heilige Römische Reich, wobei er vorrangig die Rechts- und Herrschaftsverbindungen Schlesiens zum Reich beschrieb. Demgegenüber analysierte Marek Cetwinski (Czestochowa) aus sozialgeschichtlicher Perspektive die verschiedenartigen Verflechtungen, die sich durch den Adel zwischen Schlesien und Polen ergaben. So sei Polen durch den dort relativ leicht möglichen Aufstieg in die Szlachta ein interessanter Karriereraum für nicht-adelige Schlesier gewesen, während umgekehrt polnische Adelige in Schlesien ähnliche Möglichkeit zum gesellschaftlichen Aufstieg gefunden hätten. Die Schlesier seien darüber hinaus ein interessantes Rekrutierungspotenzial für die Habsburger Diplomatie zu Polen gewesen. Petr Mat’a hob in der Diskussion ergänzend hervor, dass es sich bei dem Versuch, Adel nach regionalen und nationalen Kategorien zu definieren, nur um eine vertikale Dimension handeln könne, die immer auch durch eine horizontale Ausrichtung, etwa den Kulturaustausch, die Reisetätigkeit etc. zu ergänzen ist.
Marian Ptak (Breslau) leitete die dritte Sektion, die sich mit den Dimensionen Politik, Wirtschaft und Verwaltung befasste, mit einem rechtshistorischen Vortrag zur politischen Bedeutung des schlesischen Adels ein, den er von dessen Etablierung als politisches Subjekt im 13. Jahrhundert bis zur Eingliederung Schlesiens ins Königreich Preußen spannte. Er betonte, dass bis zum Ende des 16. Jahrhunderts der Adel auf der Ebene des Weichbildes den größten Einfluss auszuüben vermochte, während dieser auf der Ebene der einzelnen Fürstentümer und schließlich der gesamtschlesischen Ebene spürbar abnahm. Grundlegende Veränderungen habe demgegenüber das 17. Jahrhundert durch die Einführung neuer Rechtsformen, etwa des Privatrechts gebracht. Über die „bischöflichen Traditionen des schlesischen Adels in der frühen Neuzeit“ berichtete Joachim Bahlcke (Stuttgart). Er analysierte Karrierewege und -möglichkeiten schlesischer Bischöfe im Rahmen der habsburgischen Kirchenpolitik und wies dabei besonders auf die starke Rückläufigkeit der Präsenz schlesischer Adeliger in Spitzenpositionen nach 1500 hin. Die Ursachen hierfür seien einerseits in der Reformation, andererseits in der Verdrängung durch andere, nicht-schlesische Gruppen zu suchen. Ob der Erhalt einer Mitra möglich war, sei stark von kirchlichen Raumstrukturen und durch die Kirchenpolitik selbst bestimmt gewesen. Krzysztof Szelong (Cieszyn) sprach über Andreas Kochtitzki d. Ä. und zeigte am Beispiel des 1634 im Kerker in Wien verstorbenen Protestanten die Einheit von politischem und militärischem Engagement mit dem Mäzenatentum Kochtitzkis auf. Der von diesem versammelte Dichterkreis sei vor allem auch ein Propagandainstrument zur Unterstützung der protestantischen Sache und zur Verbreitung des Ruhms der früh in den Herrenstand aufgestiegenen Familie gewesen. Die ständische Selbstinszenierung und sozioökonomische Interessenpolitik des Adels auf den schlesischen Provinziallandtagen von 1825-1845 nahm Roland Gehrke (Stuttgart) in den Blick. Er unterstrich, dass der schlesische Adel auf den Provinziallandtagen kaum als mehr oder weniger einheitliche Sozialformation agieren konnte. Vielmehr stellte die von den Provinzialständegesetzen vorgenommene Lösung der Standschaft vom Geburtsrecht einen Schritt zur Entstehung adelig-bürgerlicher Bündnisse unter den Rittergutsbesitzern dar. Dieser sei, führte Gehrke weiter aus, jedoch zugleich von einer grundlegenden Individualisierung politischen Handelns begleitet worden, was man etwa daran ablesen könne, dass Landtagskandidaten auf den Wahlversammlungen der vierziger Jahre zunehmend ihre politischen Überzeugungen und Zielsetzungen darlegen mussten.
Die letzte Sektion „Bildung und Mäzenatentum“ stellte geistesgeschichtliche Aspekte und die Dimension von Hochkultur als soziale Praxis in den Vordergrund.
Klaus Garber (Osnabrück) nutzte seinen Vortrag über die Bibliotheken der Schaffgotsch, Hochberg und Nostiz zu einem engagierten Plädoyer für die systematische Suche nach Altbeständen in den deutschen und polnischen Bibliotheken. Er warb dafür, bestehende und noch zu erstellende Sammlungsprofile mit jenen der Sammler zu kombinieren, um so für die einzelnen Geschlechter die longue duree der Bibliotheken als Artefakte und des Sammelns als kulturelle Praxis in den Blick zu bekommen. Am Beispiel der genannten Bibliotheken illustrierte er erste Befunde, nach denen vor allem geschlechter- und landeskundliche Literatur Schwerpunkte sammlerischer Tätigkeit gewesen seien, was sowohl als Rückversicherung über das eigene Herkommen wie auch dessen symbolische Repräsentation und die des Reichtums des Landes gedeutet werden könne. Jörg Deventer (Leipzig) zeichnete adelige Bildungswege und Kavalierstouren nach, die der Geschmacksbildung dienten, mit den aktuellen Kunstströmungen bekannt machten und dem Aufbau von persönlichen Beziehungen galten. Im Kontext der Bildungsexpansion vom späten 15. bis ins 18. Jahrhundert stellten die Reisen und mithin die Akademisierung des Adelsstandes eine gelungene Anpassung dar, um die adelige Stellung zu erhalten bzw. in der Adelshierarchie weiter aufzusteigen. Neben einer feineren geographischen Differenzierung, welche Länder zu welchen Zeiten beliebte Ziele der Grand Tour waren, kam in der Diskussion auch die Sprache darauf, dass man mit den Kavalierstouren das Phänomen einer auf ein bestimmtes Lebensalter beschränkten Mobilität vorzuliegen hat, wohingegen im Mittelalter noch eine generelle Mobilität vorherrschte. Detlef Haberland (Köln) betrachtete aus der Perspektive der Literatur die Beziehung von Adel und gelehrter Welt, die vielschichtig in einem Abhängigkeitsverhältnis miteinander verwoben war. So war zwar der Poet auf das fürstliche Mäzenatentum angewiesen, ebenso jedoch auch der Fürst auf seine eigene Verewigung durch die Poetik, wie es Opitz bereits erkannt hatte. Durch ein geschicktes Manövrieren passten sich die Dichter dem Adressaten an, ohne zum Teil ihre eigene Positionierung aufzugeben. Denn das Verfassen von Panegyriken und Adelskritik schloss sich nicht gegenseitig aus. Mit Adeligen als Kunstschaffenden bzw. der adeligen Repräsentation in der Literatur befassten sich auch die beiden nachfolgenden Vorträge. So thematisierte Miroslawa Czarnecka (Wroclaw) in ihrem Beitrag über adelige Dichterinnen Möglichkeiten und Grenzen der aktiven Partizipation von Frauen am Kulturleben im Schlesien des 17. Jahrhunderts. Sie verwies auf die doppelte Repräsentativität der Gruppe, da die Dichterinnen zum einen als adelige dem ständischen Bewusstsein ihrer Zeit Ausdruck verliehen hätten und zum anderen selbst als Teil einer Kommunikationskultur der Selbstinszenierung in Erscheinung getreten seien. Hinsichtlich der Bildungsmodelle adeliger Frauen betonte sie vor allem die Unterscheidung zwischen weiblicher und männlicher (universitärer) Gelehrsamkeit, wobei das Bildungsideal für adelige Frauen deutlich stärker auf Sprachen und Künste ausgerichtet war. Weiter hob Czarnecka hervor, dass die Adeligen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung den weitgehenden Ausschluss der Frauen von den institutionalisierten Bildungseinrichtungen ihrer Zeit eingeschränkt zu durchbrechen vermochten. Zu Beginn seines Vortrags über die (Selbst)Darstellung des oberschlesischen Adels und die Industrialisierung in der Literatur des 19. Jahrhunderts unterstrich Jürgen Joachimsthaler (Heidelberg), dass die Literatur aus der Feder von Adeligen im 19. Jahrhundert nicht mehr wie noch im 17. Jahrhundert als Repräsentationsmedium betrachtet werden dürfe, sondern zu einem Reflexionsmedium geworden sei, mit dessen Hilfe sich gesellschaftliche Veränderungen nachvollziehen ließen. Neben der zunehmenden Nationalisierung sind vor allem die regionalen Bezüge der Texte beachtenswert. Die Entwicklung von der Landschaftsutopie eines verlorenen Arkadiens – wie bei Eichendorf und Hauenschild (Max Waldau) – zur patriarchalischen Realutopie eines fürsorglich wirtschaftenden Industriellen zeichnet das Spannungsfeld von klassischer Agrarwirtschaft und Beteiligung an der Industrialisierung nach. Nicht unreflektiert blieb dabei die bürgerliche Kritik, die der adeligen Mentalität absprach, im bürgerlich rationalen Sinne wirtschaftlich erfolgreich in der Industrie agieren zu können. Als haptischen und visuellen Nachklang könnte man die Residenzarchitektur des schlesischen Adels betrachten, die Jerzy Kos (Wroclaw) auf Stil, Form und Funktion untersuchte. Wichtige Parameter in der „Evolution“ der schlesischen Architektur würden nach wie vor durch Künstler und Auftraggeber und ihre Orientierung auf bestimmte Vorbilder eingenommen. Eine Neubestimmung der Wanderung von Motiven war dabei herauszuhören. Der uneingeschränkten Orientierung auf die Berlin-Brandenburgische Residenzarchitektur wurde eine Absage erteilt und vielmehr der Fokus auf regionale und ostmitteleuropäische Bezüge gelenkt, die darin kulminierten, neben Berlin auch Warschau und Wroclaw als ausstrahlende Kunstzentren zu benennen. Welche Lücken die Forschung in den kommenden Jahren noch schließen muss, zeigte einmal mehr auch der Vortrag von Magdalena Palica (Wroclaw), die mit dem Versuch der Rekonstruktion von adeligen Sammlungen des 19. Jahrhunderts Neuland betrat. Die vorgestellten Ergebnisse könnten weiter gewinnen, wenn es gelingt, sie in die Sammlungspraxis des 19. Jahrhunderts einzuordnen und hier vor allem eine Abgrenzung zu den bürgerlichen Sammlungen vorzunehmen, um nachzuvollziehen, welchen Status eine Kunstsammlung als Ausdruck der Adeligkeit im „bürgerlichen Zeitalter“ noch besaß.
Der Konferenz ist es durch den breitangelegten disziplinären und zeitlichen Rahmen gelungen, ein Panorama der Adelskultur in Schlesien zu entwerfen. Zugleich hat die Tagung auch gezeigt, wie viele Lücken und Desiderate die Forschung zum schlesischen Adel noch aufweist und wie fruchtbringend die Kooperation zwischen verschiedenen Einrichtungen, Disziplinen und über Landesgrenzen hinweg ist. Der geplante Konferenzband verspricht eine gesättigte Grundlage für zukünftige Studien zu bilden.

Anmerkungen:
[1] Hengerer, Mark u.a. (Hg.), Adel im Wandel - Oberschwaben von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Ostfildern 2006 (2 Bde.); Bumiller, Casimir (Hg.), Adel im Wandel: 200 Jahre Mediatisierung in Oberschwaben. Katalog zur Ausstellung in Sigmaringen vom 13. Mai bis 29. Oktober 2006, Ostfildern 2006. 
[2] URL: < www.szlachta-adel.hist.uni.wroc.pl> (19.01.2007) 
[3] Tagungsprogramm unter: < www.szlachta-adel.hist.uni.wroc.pl/index.php?sect=main&sub=plankonf&lang=de> (19.01.2007)

Bericht von:
Simon Donig, Philosophische Fakultät, Universität Passau / Antje Kempe, Berlin
E-Mail: <s.donig @<noscript></noscript>gmx.de> / <antje.kempe @<noscript></noscript>gmx.de>
Quellennachweis:  http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1438

 

 

Brückepreis Görlitz/Zgorzelec 2007 für den estnischen Komponisten Arvo Pärt

Der Internationale Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2007 geht an den estnischen Komponisten Arvo Pärt. Wie Prof. Dr. Willi Xylander und Dr. Michael Wieler, Präsident und Sekretär der Gesellschaft, mitteilten, wird Pärt den renommierten Preis im Herbst 2007 im Rahmen eines Festaktes in Görlitz entgegennehmen.
Die deutsch-polnische Europastadt an der Neiße ehrt seit 1993 mit dem Brückepreis Persönlichkeiten, die sich um die Verständigung in Europa in herausragendem Maße verdient gemacht haben. Allen Geehrten ist der Wille gemeinsam, Trennendes zwischen den Völkern zu überwinden, Brücken zu bauen und eine friedliche Zukunft für Europa zu gestalten.

Die bisherigen Preisträger sind:
Marion Gräfin Dönhoff 1993,
Adam Michnik 1995,
Jiři Grusa 1998,
Freya von Moltke 1999,
Arno Lustiger 2000,
Kardinal Miloslav Vlk 2001,
Prof. Dr. Wladyslaw Bartoszewski 2002,
Prof. Dr. Kurt Biedenkopf 2003,
Valdas Adamkus 2004,
Giora Feidman 2005,
Günter Grass 2006 (Annahme des Preises zurückgezogen).

Die Gesellschaft hebt in der Begründung für ihren Preisträger des Jahres 2007 hervor, dass Arvo Pärt mit musikalischen Mitteln dazu beigetragen habe, die spirituell prägenden Kräfte Europas aufeinander zuzuführen. In seinem Schaffen träfen sich Traditionen aus dem östlich-orthodoxen, dem römisch-katholischen und dem protestantischen Europa und bereicherten sich wechselseitig. So sei es ihm gelungen, eine Brücke zwischen Ästhetik, Ethik und Spiritualität zu schlagen und Elemente der Musiksprache des Ostens in die Konzertsäle des Westens einzubringen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Pärt schärfe den Sinn für die menschliche Gemeinsamkeit und Grunderfahrungen und leiste damit einen Völker verbindenden, Frieden stiftenden Beitrag für alle Menschen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen und Kulturen.

Görlitz, den 15.01.2007
Prof. Dr. Willi Xylander
Dr. Michael Wieler

 

Schul- und Jugendwettbewerb „Frieden für Europa – Europa für den Frieden. Förderung internationaler Projektpartnerschaften

Beim internationalen Schul- und Jugendwettbewerb "Frieden für Europa – Europa für den Frieden" können wieder neue Projektideen eingereicht werden. Bewerbungsschluss für gemeinsame Vorhaben schulischer oder außerschulischer Partner ist der 15. März 2007. Gefördert werden mehrtägige Begegnungen zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Mittel-, Ost- und Südosteuropa oder Israel, die sich mit dem diesjährigen Thema befassen:
"Welche Männer und Frauen haben sich trotz Krieg und Diktaturen mutig für Menschlichkeit und Versöhnung, für den Frieden und die Wahrung von Menschenrechten eingesetzt?"
In gemeinsamer Projektarbeit soll das Leben und Wirken ausgewählter Personen erforscht und dokumentiert werden. Die Projektpartner können sich mit Menschen aus ihrem jeweiligen Umfeld befassen oder gemeinsam eine Persönlichkeit aus dem Blick verschiedener Nationen betrachten. Zusätzlich wählt eine Jury am Ende eines jeden Durchgangs aus allen durchgeführten Begegnungen die besten Projekte aus.
Der Wettbewerb "Frieden für Europa – Europa für den Frieden" wurde anlässlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes vom Fonds "Erinnerung und Zukunft" ins Leben gerufen. Er wird jährlich zweimal ausgeschrieben und hat bis heute mehr als 150 Projektvorhaben mit einer Fördersumme von insgesamt rund 1,8 Millionen Euro unterstützt.
Projektvorhaben, die zwischen September 2007 und Juli 2008 stattfinden sollen, können bis zum 15. März 2007 eingereicht werden. Gefördert werden Reise-, Unterbringungs- und Projektdurchführungskosten.
Um auch neuen oder wenig erfahrenen Partnerschaften eine Teilnahme zu ermöglichen, bietet der Wettbewerb ein zweistufiges Bewerbungsverfahren an, bei welchem zunächst eine Projektskizze eingereicht wird. Anschließend werden von einer Jury aus allen Einsendungen die besten Vorhaben ausgewählt und diese Partner zur Antragstellung aufgefordert. Bei der Ausarbeitung des Projektantrags bieten wir Fortbildung und Beratung an.
Anregungen zum Thema der Ausschreibung und die Bewerbungsunterlagen finden Sie auf unserer Internetseite: www.frieden-fuer-europa.de
Wir freuen uns auf Ihre Projektideen und stehen für Fragen gern jederzeit telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung!

Ulrike Daniel
Programmleitung

MitOst e.V.
„Frieden für Europa - Europa für den Frieden"
Schillerstraße 57
D-10627 Berlin 
Telefon: +49 (0)30 31 51 74 77
E-Mail:  info(at)frieden-fuer-europa.de
 www.frieden-fuer-europa.de

Der Wettbewerb „Frieden für Europa - Europa für den Frieden" wurde vom Fonds „Erinnerung und Zukunft“ initiiert und wird durchgeführt von MitOst e.V.

Forschungsprojekt: Das schlesische Schulwesen im 16. Jahrhundert

 

Im Laufe des 16. Jahrhunderts entstand in Schlesien eine qualitativ herausragende Bildungslandschaft, deren Träger, Mäzene und Gelehrte rund um die „Illustren Gymnasien“ und anderen Höheren Schulen, maßgeblich zur Entstehung des Schichten übergreifenden Kulturphänomens „schlesischer Späthumanismus“ beitrugen. In der vorliegenden Arbeit soll die Schul- und Bildungsgeschichte einer bisher kaum berücksichtigten Region des Alten Reiches mit Methoden der Elitensoziologie untersucht werden. Die Erforschung der Handlungsspielräume schlesischer Akteure in ihrem heimischen Umfeld sowie deren Partizipation an überregionalen intellektuellen Netzwerken, und der daraus entstehende Einfluss auf die religiöse und gesellschaftliche Entwicklung Schlesiens während des 16. Jahrhunderts ermöglichen Aussagen über das schlesische Schulwesen, das zugehörige Personal und seine Haltung in Konfessionsfragen. Darüber hinaus kann das in der Forschung vertretene Bild von Leistung und Funktion der höheren Schulen im so genannten „Zeitalter der Konfessionalisierung“ durch interessante Einsichten über Schlesien hinaus relativiert, und die sozialgeschichtlich geprägte Schul- und Bildungsforschung durch Anregungen aus der Kulturwissenschaft belebt werden.

Kontakt:
Christine Absmeier
70372 Stuttgart
 chrabs(at)web.de

 

 

Chcesz sie tandemowac? Das heißt: Dein Polnisch vertiefen und mit Leben füllen, während Du einen Monat mit polnischen Studenten verbringst?

Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation GFPS-Polska veranstaltet die GFPS e.V. zum dreizehnten Mal einen Tandemsprachkurs, bei dem 18 Polinnen und Polen und 18 Deutsche die jeweils andere Sprache lernen. Vormittags findet professioneller Sprachunterricht statt, nachmittags treffen wir uns zum Tandem in deutsch-polnischen Zweiergruppen. Das Freizeitprogramm und das Zusammenleben mit Muttersprachlern tragen zum Verfestigen des Gelernten und zum Ausbau Deiner Sprachfertigkeiten bei, so dass sich Dein Polnisch spürbar verbessern wird!
Die Teilnahme an dem Kurs beträgt 420,- EUR. Darin sind enthalten:
- 100 Stunden Unterricht von erfahrenen Lehrkräften auf zwei verschiedenen Sprachniveaus (inkl. Lehrmaterialien)
- Vier Wochen Unterkunft und Verpflegung   in Polen gibt es Vollverpflegung, in Deutschland kochen wir selbst
- Bustransfer von Polen nach Deutschland
- Exkursionen nach Torun, Poznan, Dresden, Meißen und Leipzig
- ein umfangreiches Kultur- und Freizeitprogramm
- eine Gruppen-Unfallversicherung
Der Tandemkurs kann von uns nur deshalb so günstig angeboten werden, da er vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk finanziell unterstützt wird. Dadurch ist der Kurs für alle ein Teilstipendium.
Frühentschlossene können sich bereits jetzt bewerben!
Anmeldeschluss ist der 1. Juni 2007.
Deine Bewerbung muss enthalten:
- Lebenslauf (kurz und tabellarisch)
- Kurzes Motivationsschreiben für die Teilnahme am Kurs
- Nachweis über Deine Polnischkenntnisse (etwa in Form eines Sprachzeugnisses oder eines selbstverfassten polnischen Textes)

Weitere Infos gibt es unter  www.gfps.org/tandem und bei:
Ina Waldhelm
Sievekingsallee 159b
22111 Hamburg
E-Mail:  tandem(at)gfps.org

 

XI. trilaterale Jugendwoche 2007 in Muhrau/Morawa unter dem Motto „Von Karl IV. bis Kafka“ (Verein Jugendforum Euroregion e.V. / Stowarzyszenie  Forum Mlodych Eureregiony)

wann?
Sonntag 7. bis Sonntag 14. Oktober 2007-01-18

wo?
Muhrau/ Morawa bei Striegau/Strzegom

wer?
je 10-12 Schüler und Studenten aus Deutschland, Polen und Tschechien (36 Teilnehmer, 9 Jurymitglieder, Moderatoren, Sprachvermittler und Gäste) was kann man erwarten? Workshops und Veranstaltungen zu gemeinsamer Ergründung gemeinsamer Wurzeln der Polen, der Deutschen und der Tschechien

es sollen...
drei Tage beschrieben werden, die einen Wendepunkt in der Geschichte herbeiführten.
Antworten auf die Fragen gesammelt werden: was aus unserem Kulturgut ist über die Landesgrenzen hinweg zu wenig bekannt? und was aus unserer Schatzkammer der Literatur und Geschichte ist so wertvoll, aber fast unbekannt und verdient daher für das Land, weiter entdeckt zu werden?
Persönlichkeiten gemeinsamer Historie illustriert werden: Karl IV., Gregor Mendel, Gustav Freytag, Mikolaj Kopernik, Gerhard Hauptmann...
Referenten und Gäste befragt werden
Darstellungen in Wort, Bild und Klang entstehen, die als Wanderausstallung präsentiert werden.
Gemeinsame Kulturabende, Konzerte, Theaterbesuche, Fahrt nach Breslau, Groß Rosen, Jauer und Schweidnitz bereichern das internationale Treffen. Gemeinsame Diskussionen werden durch Beiträge der eingeladenen Literaten, Historiker u.a. angeregt und mitgetragen.

Alle Interessierten an der Begegnung können sich jederzeit bei
Ewelina Biskup
Gerokstr.38, App.1101A
01307 Dresden
tel.01633540733
 ewelinabiskup(at)yahoo.de
melden

Ein ausführliches Programm wird auf Anfrage versendet.
Für die Teilnehmer werden voraussichtlich keine Kosten entstehen.

 

"Ende des Tabus? Flüchtlinge und Vertriebene in Sachsen-Anhalt ab 1945"

Die Dokumentation der am 14.Oktober 2006 in Halle/ Saale veranstalteten Tagung zum Thema: "Ende des Tabus? Flüchtlinge und Vertriebene in Sachsen-Anhalt ab 1945" ist jetzt im Internet erreichbar :

 Programm
1. Kurzer Abriss zum Thema  "Umsiedler"-Forschung in der DDR, Dr. Torsten Mehlhase, Historiker, Magdeburg
2.  Die vier Phasen von Flucht und Vertreibung - zur Vorgeschichte der Ankunft in der SBZ, Vortrag Dr. Bärbel Gafert
3.  Flüchtlinge und Vertriebene in Sachsen-Anhalt. Ihre Aufnahme und Bestrebungen zur Eingliederung in die Gesellschaft 1945 - 1948/49, Dr. Torsten Mehlhase
4.  Vertriebenenproblem und Umsiedlerpolitik in der SBZ/DDR, PD Dr. Michael Schwartz, Institut für Zeitgeschichte, Berlin
5.  Die Rolle der Antifa-Umsiedler in Sachsen-Anhalt, Dr. Heike van Hoorn, Historikerin, Wetzlar
6.  Dokumente zur Situation der Vertriebenen in Halle -aus den Recherchen des Vereins "Zeit-Geschichte(n)", Anne Kupke, Studentin, Leipzig
7.  Ende des Tabus? Schlußbemerkungen von PD Dr. Michael Schwartz

Es handelt sich um sieben schriftlich erweiterte Vorträge, die auch über die Situation in Sachsen-Anhalt hinausgehen. Die Tagung war vom Landesbüro Sachsen-Anhalt der Friedrich-Ebert-Stiftung mit namhaften Historikern organisiert und von über 60 Teilnehmern besucht worden, darunter nicht wenige Zeitzeugen aus Schlesien. U.a. wurde seitdem ein monatlicher Breslau-Stammtisch in Halle eingerichtet, jeweils am ersten Mittwoch Nachmittag (Auskunft bei:  wolfgang.kupke(at)t-online.de)

 http://www.fes.de/Magdeburg/inhalt/doku.htm