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Stipendienprogramm des Deutschen Kulturforums östliches Europa

Richtlinien zur Vergabe der Reise- und Aufenthalts-Stipendien Das Deutsche Kulturforum östliches Europa e.V. vergibt Reise- und Aufenthaltsstipendien für publizistische, literarische und Film- und Fernseharbeiten, die das gemeinsame kulturelle Erbe der Regionen des östlichen Europa mit kulturellen oder historischen deutschen Bezügen reflektieren und sich zukunftsorientiert mit ihm auseinander setzen.

Ziel und Adressaten
Das Deutsche Kulturforum östliches Europa e.V. vergibt Reise- und Aufenthaltsstipendien für publizistische, literarische und Film- und Fernseharbeiten, die das gemeinsame kulturelle Erbe der Regionen des östlichen Europa mit kulturellen oder historischen deutschen Bezügen reflektieren und sich zukunftsorientiert mit ihm auseinander setzen. Gefördert wird die Aufarbeitung und Vermittlung der Traditionen und Interferenzen deutscher Kultur und Geschichte im partnerschaftlichen Dialog, um zum gegenseitigen Verständnis und zum interkulturellen Austausch zwischen den Deutschen und den Völkern und Staaten in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa beizutragen.
Die Stipendien kann das Kulturforum in Kooperation mit anderen Einrichtungen oder Organisationen vergeben; das Kulturforum kann sich mit seinen Stipendien an Stipendienprogrammen Dritter beteiligen.
Das Stipendium ist gedacht für Journalist(inn)en, Publizist(inn)en, Filmemacher(innen), Autor(inn)en, Übersetzer(innen), Künstler(innen), Denkmalpfleger(innen), Restaurator(inn)en, Mitarbeiter(innen) von Museen, Religionsgemeinschaften, Verlagen usw., aber auch für wis-senschaftliche Projekte, die sich an ein breiteres Publikum wenden.

Umfang der Stipendien
Die zeitlich befristeten Reise- und Aufenthaltsstipendien werden an Stipendiaten aus dem europäischen Ausland und aus Deutschland für ein konkretes Projekt oder Teilprojekt vergeben. Das Kulturforum unterstützt die Stipendiaten bei der Organisation der Reise und des Aufenthalts.
Das Stipendium ist ausschließlich für projektbedingte Fahrt-, Aufenthalts- und Sachkosten gedacht. Eine Eigenbeteiligung bzw. Teilfinanzierung durch Dritte ist erwünscht und wird bei Stipendienbewerbungen aus Deutschland und Westeuropa vorausgesetzt.
Beantragt werden können Stipendien bis zur Höhe von € 4.500,00.

Vergabebedingungen
Bei der Bewerbung für das Stipendium sind einzureichen:
- ein Exposé über das Projekt (einschließlich Arbeits- und Zeitplan),
- ein Finanzierungsplan,
- zwei Gutachten oder Empfehlungen,
- Angaben zur Person (Kurzbiografie, Verzeichnis bisheriger Arbeiten, Anschrift, Bankverbindung),
- die schriftliche Anerkennung der Regelungen des Stipendienprogramms.
Das Projekt oder der durch das Stipendium zu finanzierende Projektteil darf nicht vor der Vergabe des Stipendiums begonnen werden.
Der Stipendiat verpflichtet sich, spätestens drei Monate nach Abschluss des geförderten Pro-jektes/ Projektteils einen Arbeitsbericht vorzulegen und seine Ergebnisse auf den Internetsei-ten des Kulturforums vorzustellen. Von publizistischen und filmischen Arbeiten ist dem Kulturforum je ein Belegexemplar einzureichen; Ausstellungs- und künstlerische Projekte sind nach ihrer Realisierung in geeigneter Weise darzustellen.
Der Stipendienbetrag wird frühestens zwei Monate vor Antritte der Reise oder des Aufent-haltes an den Stipendiaten/ die Stipendiatin ausgezahlt.

Rechtliches
Über die Vergabe der Stipendien entscheidet ein Ausschuss.
Bei Abbruch oder Teilrealisierung des Projekts ist das Stipendium insgesamt oder anteilig zurückzuzahlen.
Ein Rechtsanspruch auf Gewährung eines Stipendiums besteht nicht. Der Rechtsweg gegen die Entscheidung des Stipendienausschusses ist ausgeschlossen. Gründe für Annahme oder Ablehnung eines Antrags werden nicht mitgeteilt.

Termine
Anträge für ein Stipendium sind bis zum 31. März eines Jahres (Posteingang) an das Deutsche Kulturforum östliches Europa zu richten. Die Stipendienvergabe erfolgt bis zum 31. Mai desselben Jahres. Das Stipendium ist spätestens am 1. Dezember des Bewilligungsjahres anzutreten. Danach verfällt der Anspruch. Diese Richtlinien werden mit Beschluss des Kuratoriums vom 07. November 2006 in Kraft gesetzt.

Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V.
Am Neuen Markt 1
D-14467 Potsdam
T. +49 331 200980
F. +49 331 2009850
 http://www.kulturforum.info
 deutsches(at)kulturforum.info

Neue Freiwilligendiensteinsatzstelle in Niederschlesien

in Niederschlesien gibt es eine neue Freiwilligendiensteinsatzstelle. Die Akademia Przygody (Abenteuerakademie) sucht fuer dieses Jahr noch Freiwillige, die sowohl Lust haben einen Teil der alten Klodzkoer Festung wieder auf zu bauen und als auch mit Jugendlichen zu arbeiten.
Die Akademia Przygody besteht aus ein paar netten jungen Maennern, die nach der Fahrtfinderphilosophie versuchen den Charakter von Jugendlichen zu formen, indem man zusammen in die Berge faehrt, Lagerfeuer macht, Bergsteigen geht und zusammen zum Beispiel die alte Festung aufbaut. Das Ganze findet in Klodzko (Glatz) und der Umgebung statt. Klodzko ist eine kleine Bergstadt mit 30.000 Einwohnern, deren touristische Atraktion nicht nur die Festung ist, sondern auch ein altes Franziskaner Kloster, die Altstadt und natuerlich die Lag in den Bergen, von wo aus man die schoensten Wandertouren machen kann. Sowohl Bahn als auch eine grosse Anzahl Busse verbinden die Stadt mit der Umgebung und mit Wroclaw. Da in Klodzko auch noch andere Freiwilligendienste arbeiten, kann man auch noch an dere internationale Jugendliche in der Stadt treffen.
Wichtige Vorraussetzung ist vor allem Motivation! Den Rest kann man lernen. Weitere Informationen unter:  www.akademiaprzygody.org

Telefony
+ stacjonarny: (74) 867 04 53
+ komórkowy: 0603 929 753

Adres pocztowy:
Biuro Komendantury Akademii Przygody
ul. Lukaskiego 79
PL 57-300 Klodzko
E-mail:  akademia_przygody(at)wp.pl

Vielen Dank, Anna Juraschek 

 

 

Schaffung eines offenen Begegnungszentrums in Trebaczow für die Region im Zentrum d. Kreise Syzow, Namyslow und Olesnica (Polen)

2007 Konkretisierung durch Einzelmaßnahmen/Projekte, des im Jahr 2008 fertigzustellenden Zentrums o 27.-29. April 2007 Fortsetzung der Arbeiten am kommunalen Friedhof in Trembaczow (2006 haben die Trebaczower Einwohner umfangreiche Vorarbeiten geleistet, Jugendliche aus Deutschland (Arbeitscamp) werden weitere Arbeiten am Friedhofsgelände ausführen, Mitarbeit u. Teilfinanzierung durch die Gemeinde Trebaczow ist wieder zugesichert, finanzielle Unterstützung/Anteilfinanzierung in Höhe von ca. 8.000 EUR aus Deutschland wird noch gesucht, Abschluss dieser Openair- Begegnungsstätte sollte im Oktober 2007 stattfinden!)

Begegnung Interessierter 8.-10. Juni 2007 in Trebaczow (Busfahrt, Kulturprogramm, Informationsveranstaltung zur Regionsgeschichte und zum kommunalen Friedhof)

September 2007 konstituierende Sitzung der Initiativbewegung in Trebaczow und Festlegung der Maßnahmen zur Schaffung des Begebniszentrums

Oktober 2007 Begegnung und Abschlussfeierlichkeiten der Friedhofsanierung Wir bitten um Unterstützung und Begleitung, besonders dringlich sehen wir die Benennung finanzieller Ressourcen für die Friedhofsarbeiten und im dokumentarischen Bereich. Hier stellen Sie bitte den interessierten Projektgruppen die Möglichkeit einen Dokumentarfilmes zu unserer Pilotinitiative vor.

Weitere Informationen:
 www.gross-wartenberg.de/orte/trembatschau/index.htm

Reinhard Otto
Hauptstr. 53
D-01945 Frauendorf
Tel.: +49 - 35755 - 550 100
Fax: +49 - 1805 - 233 633 746 88
E-Mail: Reinhard.Otto@vewato.de

 

Tagungsbericht: Deutsch-polnische Nachbarschaft im Jahrhundert der Diktaturen

Veranstalter: Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (Dresden) in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum im Schloss Fürstenstein(Walbrzych) und der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder) Ort: 16.02.2007-18.02.2007, Walbrzych (Polen)
Bericht von: Annett Zingler, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden, E-Mail:  zingler(at)hait.tu-dresden.de; Daniela Heitzmann, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden, E-Mail:  danielaheitzmann(at)web.de

Die deutsch-polnische Nachbarschaft im Jahrhundert der Diktaturen ist als schwieriges und zugleich vielschichtiges Verhältnis zu beschreiben. So wie die Staaten selbst mehrfach dem Wandel unterlagen, so wechselten sich Phasen des Miteinanders und Phasen des Gegeneinanders ab, die Spaltung Deutschlands führte gar zu „zwei" deutsch-polnischen Nachbarschaften. Wo lagen die Probleme und Chancen der Beziehungen zwischen Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert? Spiegelten sich die politischen Richtungswechsel auf der gesellschaftlichen Ebene wider? Wie wurde die deutsche Minderheit in Polen und die Polonia in Deutschland davon berührt? Zur Erörterung und Diskussion solcher und weiterer Fragen fand vom 16. bis 18. Februar 2007 der Workshop „Deutsch-polnische Nachbarschaft im Jahrhundert der Diktaturen" auf Schloss Fürstenstein bei Walbrzych (Polen) statt. Der Workshop wurde vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (Dresden) in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum im Schloss Fürstenstein (Walbrzych) und der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder) veranstaltet. Es nahmen Vertreter der deutschen und französischen Minderheiten aus Walbrzych teil.
Im ersten Panel wurde die Frage nach dem möglichen Miteinander in der Zwischenkriegszeit gestellt. Mit der Wiedergründung des polnischen Staates und den deutschen Gebietsabtretungen an Polen ergaben sich neue Belastungen, gleichzeitig aber auch neue Herausforderungen, da sich (anders als nach 1945) noch keine reinen Nationalstaaten gegenüberstanden. Torsten Lorenz (Frankfurt/Oder) eröffnete mit seinem Vortrag „Kompromiss und Konflikt. Die Nachbarschaft von Deutschen und Polen in Großpolen zwischen Demokratie und Autoritarismus" den Workshop. Lorenz veranschaulichte am Beispiel der Kommunalpolitik der Kleinstadt Miedzychód / Birnbaum den Übergang von der Demokratie zur Diktatur in Großpolen. Mit dem Versailler Vertrag waren gut 125 Jahre preußische Herrschaft über Birnbaum zu Ende gegangen. In der Republik Polen hatte man der Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen relativ freien Lauf gelassen. Unter dem Pilsudski-Regime hingegen, das die Gleichschaltung der lokalen Selbstverwaltungen veranlasst hatte, war die deutsche Minderheit zunehmend auf das Wohlwollen der Polen angewiesen. Im Kontrast dazu referierte Johannes Frackowiak (Frankfurt/Oder) zu „Deutsche und/oder Polen? Zur Persistenz polnischer Ethnizität in Deutschland 1919-1945". An den in den 1920er-Jahren im mitteldeutschen Bitterfelder Kreis lebenden Polen arbeitete Frackowiak exemplarisch deren „situative Ethnizität" heraus, die durch eine Gleichzeitigkeit von Geschlossenheit und Offenheit gekennzeichnet war. Die Lage der polnischen Minderheit im „Dritten Reich" verdeutlichte einmal mehr den rassistischen und bürokratischen Charakter des Nazi-Regimes. In seinem Vortrag über „Die Hypothek von 1918/19: Das neue Polen und das geschrumpfte Reich" analysierte Gerhard Besier (Dresden) einen wichtigen Bestandteil polnischer Erinnerungskultur und Geschichtspolitik: Polen sah für sich selbst stets eine zentrale Rolle in Europa vor. Jedoch flossen diese – für die Zwischenkriegszeit in Europa nicht untypischen – Gedankenspiele unheilvoll in den so genannten Pilsudski-Kult ein, der immer auch ein antideutscher Kult ist und damit eine Gefahr für die europäische Integration in sich birgt.
Während des Jahrzehnts der Trennung von 1939 bis 1949 war die deutsch-polnische Nachbarschaft vor allem ein Gegeneinander, wie das zweite Panel zeigen sollte. Es wurde von Jochen Böhler (Warszawa) mit „Hitlers Vernichtungskrieg in Polen und die Zerstörung der Nachbarschaft" eröffnet. Der Zweite Weltkrieg, den die Wehrmacht am 1. September und zwei Wochen später die Rote Armee in Polen begannen, endete vor allem mit der Zerstörung der Städte und Dörfer und mit der Vernichtung von Menschen. So wurde – vor allem von deutscher Seite – jegliches nachbarschaftliches Miteinander beendet. Unter der Gewalt zweier Regime wurde die polnische Gesellschaft gleichsam atomisiert – jeder versuchte für sich zu überleben. Die Beziehungen zu Deutschland und Russland wurden langfristig ge- bzw. zerstört. Im Anschluss daran hatte Mike Schmeitzner (Dresden) „Breslau im Blick: Deutsche Nazi-Gegner zwischen Vertreibung und Neuansiedlung". Die Breslauer Widerständler sahen sich als „doppelte" Opfer: Vor 1945 wurden sie von den Nazis als politische Gegner verfolgt, nach 1945 wurden sie als Deutsche aus Polen vertrieben. Anhand der Auswertung von Briefen, die die vertriebenen Widerständler in den Jahren 1945/46 verfassten, zeichnete Schmeitzner ein Bild der Haft- und Vertreibungserfahrungen während des Krieges einerseits und den Vertreibungs- und Ansiedlungserfahrungen nach dem Krieg andererseits. Dabei schreckten einige Briefpartner nicht davor zurück, Vergleiche zwischen nationalsozialistischen Verfolgungs- und polnischen Vertreibungsmethoden zu ziehen. Andere wiederum stellten sich offen gegen einen solchen Aufrechnungsdiskurs, was in der deutschen Nachkriegsdiskussion eher untypisch war.
Das dritte Panel, in dessen Zentrum die Frage nach der Neuordnung der Nachbarschaft im Kalten Krieg und während der Détente stand, eröffnete Katarzyna Stoklosa (Dresden) mit dem Vortrag „VR Polen und DDR: die Nachbarschaft oder das Spannungsverhältnis?" Ihre Analyse konzentrierte sich auf die 1970er- und 1980er-Jahre. Auffallend ist die Diskrepanz zwischen den offiziellen und den gesellschaftlichen Darstellungen. Während Stoklosa die offizielle Seite als „Theater" charakterisierte, das immer an die politische Situation angepasst war, konstatierte sie für die gesellschaftliche Ebene eine weitaus differenziertere Entwicklung. Die Zeit der offenen Grenze bot, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage, eine erste Chance für den Aufbau einer Nachbarschaft. Jedoch wogen ökonomische Aspekte immer schwer – so stellten sich beispielsweise die Einkäufe im jeweiligen Nachbarland als stereotypverstärkend heraus. In ihrem Beitrag „Zwischen Eiszeit und Versöhnungsanspruch. Die staatlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der VR Polen" gab Wanda Jarzabek (Warszawa) einen Überblick über die Geschichte der „anderen" deutsch-polnischen Nachbarschaft. In der Zeit des Kalten Krieges war der Aufbau bilateraler Beziehungen nur bedingt möglich. So blieb es in den 1950er- und 1960er-Jahren vorrangig bei Handelskontakten. Erst ab 1975 kam es zur Entspannung in den deutsch-polnischen Beziehungen. Auf staatlicher Ebene hatte man das erreicht, was unter den weltpolitischen Gegebenheiten möglich war. Da die Verbesserung der Beziehungen vor allem auf Symbolen beruhte, konnte diese kaum in die Gesellschaft eindringen. Eine Vertiefung erfuhr die Problematik mit dem Beitrag von Dominik Pick (Frankfurt/Oder) über „Die Alltagsbeziehungen zwischen Polen und der Bundesrepublik der 70er und 80er Jahre". Zur Analyse der alltäglichen Kontakte wertete Pick das Reiseverhalten, die Kulturbeziehungen, die Städtepartnerschaften und die jeweiligen innen- sowie außenpolitischen Strategien aus. Trotz der Bemühungen der polnischen Politik, spontane und unkontrollierte Kontakte zu verhindern, entwickelten sich die Beziehungen in den 1970er-Jahren sehr positiv. Der Kriegszustand bedeutete einen Einbruch im Verhältnis. Zwar gab es danach Bemühungen, die Beziehungen wieder aufzunehmen, jedoch manifestierte sich bei den Deutschen vor allem der Eindruck der schlechten wirtschaftlichen Lage in Polen.
Die „Wende" öffnete als historische Zäsur den Blick für das „neue" Europa – und damit auch für ein neues Miteinander? Tytus Jaskulowski (Dresden) zeichnete in seinem Vortrag „Der Zusammenbruch des Realsozialismus in der DDR und der VR Polen aus der Sicht der polnischen und der DDR-Presse. Ein Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung?" anhand der Auswertung deutscher und polnischer jeweils unabhängiger und offizieller Zeitungen ein differenziertes Bild der gegenseitigen Wahrnehmung und Beschreibung und dessen Einfluss auf die deutsch-polnische Verständigung. Während sich in der DDR-Presse von Januar bis September 1989 eine Entwicklung von der „zwangsverordneten Freundschaft" hin zur „ehrlichen Feindschaft" feststellen ließ, bewegte sich die Presse in den letzten Monaten des Jahres „zwischen Feindschaft und Objektivismus". In Polen hingegen herrschte bis September 1989 „verordnetes Schweigen". Dieses wurde zwar schließlich auf einem Schlag gebrochen, setzte jedoch bereits im Januar 1990 wieder ein, da jetzt für die polnische Seite das Hauptaugenmerk auf der Sicherung der Oder-Neiße-Grenze, und nicht mehr auf den inneren DDR-Verhältnissen lag. Infolgedessen berichteten die polnischen Medien nicht mehr über die Ereignisse auf ostdeutschem Boden. „Die aktuelle Situation der deutschen Minderheit in Polen" war Gegenstand des Vortrags von Anna Tutaj und Jerzy Tutaj (Walbrzych). Die Schätzungen über die Größe der deutschen Minderheit in Polen schwanken zwischen 400.000 und 800.000 Personen. Nach der Wende war zu beobachten, dass sich der deutschen Minderheit einerseits neue positive Möglichkeiten boten, sie sich aber andererseits zunehmend mit dem polnischen Staat identifizierte. So verfügt die deutsche Minderheit über gut entwickelte Organisationen, Institutionen und Schulen, über ein breites kulturelles Engagement und ist in Parlamenten und Selbstverwaltungen zahlreich vertreten. Themen wie doppelte Straßen- und Ortsnamen, die doppelte Staatsbürgerschaft, Wehrdienstverweigerung und Fragen finanzieller Art gelten als problematisch, und auch die „schlesische Identität" wird weiterhin von der polnischen Regierung als eine Gefahr für die Integrität Polens betrachtet.
Im abschließenden Vortrag „Neue Mythen oder neue Wege? Zur aktuellen Debatte im deutsch-polnischen Verhältnis" warf Gerhard Gnauck („Die Welt", Warszawa) die Frage nach Geschichtspolitik als Balanceakt zwischen Sinnstiftung und Entmystifizierung auf. Einerseits markierte Gnauck die polnische Geschichtspolitik als mystifizierende statt kritisch aufarbeitende Geschichtsschreibung. Andererseits bescheinigte er Deutschland neben eindeutig positiven Entwicklungen erstens eine verstärkte Darstellung der Deutschen als Opfer, und zweitens das Bedürfnis nach guten Menschen/Deutschen in unmenschlichen Systemen. Als Anregung zur Diskussion gedacht, legte Gnauck mit Stefan Chwin, Andrzej Stasiuk und Lech Kaczynski gleichsam die „nackte polnische Seele" offen, die von der Angst vor den Deutschen gekennzeichnet sei, da – so glaube zumindest die polnische Seele – die Deutschen die Polen schon immer verachteten. Was bleibt? Es werden viele Stereotype (wieder) bedient, die als überwunden galten. Damit wird die deutsch-polnische Verständigung zu einer Bildungs- und Generationsfrage. Die Tendenzen in der polnischen Politik werden sehr kritisch und mit großer Sorge betrachtet – man hat das Gefühl, dass jede Seite die andere missverstehen möchte (Jochen Böhler). Die Vertreibungsproblematik – ein Zentrum gegen Vertreibungen in der deutschen Hauptstadt sowie die Nicht-Anerkennung der Vertreibungen durch die polnische Regierung –, oder ein geplanter Paragraph, der es unter Strafe stellt, Polen der Kollaboration mit diktatorischen Regimen zu bezichtigen – all dies zeichnet ein düsteres Bild der politischen Nachbarschaft. Fraglich bleibt, wie es sich auf die gesellschaftlichen und alltäglichen Ebenen niederschlägt. Es ist geplant, die überarbeiteten Beiträge in einem Sammelband zu publizieren.

URL zur Zitation dieses Beitrages <

hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1509&gt;

 

Zwischen Heimat und Fremde. Video-/DVD-Dokumentation

Eine Gruppe von Jugendlichen aus Wuppertal und der Wuppertaler Partnerstadt Legnica/Polen drehte im Frühjahr 2006 gemeinsam eine Videodokumentation über das Thema »Die doppelte Vertreibung«. Inhalt des Filmes ist die Vertreibung von Deutschen zum Ende des zweiten Weltkrieges aus ihrer schlesischen Heimatstadt Liegnitz nach Deutschland und die gleichzeitige Vertreibung von Polen aus dem damaligen polnischen Osten in das nun polnische Legnica. Die Fluchtgeschichten der Deutschen und der Polen mit allen ihren individuellen und kollektiven, positiven und negativen Konsequenzen wurden an Hand persönlicher biografischer Zeitzeugeninterviews für den Film von den Jugendlichen recherchiert, dokumentiert und reflektiert. Zur historischen Einordnung wurde ein Hintergrundinterview mit Dr. Ralf Giordano geführt. Im Zentrum des Filmes steht die jeweils persönliche Bedeutung von Vertreibung und Heimat und deren Relevanz - heute - für junge Menschen in beiden Ländern.

Der Film gliedert sich in folgende persönliche biografische Kapitel:
. Die Zeit des Nationalsozialismus
. Flucht und Vertreibung
. Zusammenleben von Deutschen und Polen
. Ankunft in der »neuen« Heimat
. Wo ist meine Heimat heute
. Zu Besuch in der ehemaligen Heimat
. Versöhnung und Verdrängung
. Perspektiven - gegen Vertreibungen und Kriege heute

Der Film kommt mit umfangreichem Bonusmaterial, zum Film gehört eine Broschüre mit Handreichungen zum Einsatz des Filmes in Schule und Jugendarbeit (75 Min.).

Medienprojekt Wuppertal
Jugendvideoproduktion und -vertrieb
Hofaue 59, 42103 Wuppertal
Fon: 0202-563 26 47
Fax: 0202-446 86 91
 borderline(at)wuppertal.de
 www.medienprojekt-wuppertal.de