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Sommerlager unter dem Motto "Jüdische Spuren in Wroclaw"

Die Edith Stein Gesellschaft Polen und ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.) laden auch dieses Jahr wieder herzlich zu einem Sommerlager unter dem Motto Jüdische Spuren in Wroclaw vom 22.07. bis 05.08.2007 ein.

Was ist ein Sommerlager ?
Jedes Jahr finden im Sommer ungefähr zur gleichen Zeit etwa 20 solcher Sommerlager, organisiert durch ASF, statt. In ganz Europa treffen sich dabei junge Erwachsene, aber auch ältere Menschen, die sich kurzfristig freiwillig engagieren wollen. In dieser Zeit leben, lernen und arbeiten sie zwei Wochen lang gemeinsam in internationalen Gruppen in ausgewählten Projekten.

Kurzbeschreibung des Sommerlagers in Wroclaw:
Das diesjährige deutsch-polnisch-ukrainische Sommerlager in Wroclaw soll zum zweiten Mal unter dem Motto Jüdische Spuren in Wroclaw stattfinden. Wroclaw, als ehemals deutsche Stadt, bietet heute zahlreiche interessante Plätze, deren Geschichte wir gemeinsam erkunden wollen. Nicht alle sind in dem Zustand, der ihnen gebührt. Beispielsweise werden Stätten ehemaligen jüdischen Lebens heute ganz alltäglich genutzt, ohne dass Bewusstsein über die historische und religiöse Bedeutung besteht, die diese Orte einst hatten. Wir möchten deswegen zum einen in der Stadt nach solchen Plätzen suchen und sie gemeinsam erkunden. Zum anderen wollen wir auf einem der beiden heute noch vorhandenen jüdischen Friedhöfe Grabsteinen wieder einen Namen geben, denen man heute nicht mehr entnehmen kann, wer darunter einst seine letzte Ruhe finden sollte. Dafür ist geplant, dass wir von einem Teil des Friedhofes eine möglichst vollständige Karte erstellen. Sie soll zukünftigen Besuchern ermöglichen, Grabstätten zu identifizieren. Außerdem ist ein Ausflug geplant und nicht zuletzt wollen wir euch natürlich nach Wroclaw einladen, in eine ganz besondere, geschichtsträchtige aber auch moderne Stadt, die es zu entdecken lohnt!

Daten und Fakten:
Termin: So. 22.07.2007 - So. 05.08.2007
Ort: Breslau / Wroclaw in Polen
Alter: 18 bis 26 Jahre
Teilnahmebeitrag: 100,00 (für Nichtverdienende) / 130,00 (für Verdienende)
(für Teilnehmer aus D-Land) inkl. Unterbringung, Verpflegung und Programmkosten (KEINE Anreise)
Gruppe: 21 TeilnehmerInnen (je 7 aus Deutschland, Polen und der Ukraine)
Quartier: Studentenwohnheim
Weitere Informationen: per E-Mail:  Michael.Wahl(at)edytastein.org.pl oder unter:  http://www.asf-ev.de/sommerlager/

Erinnerung. Jüdisches Leben in Zielona Góra/Grünberg – Gestern und Heute.

Ein Student der Universität Leipzig führt während eines Erasmus-Auslandsstudiums von Februar bis August 2007 ein Projekt an der Universität Zielona Góra durch. Er erforscht zum einen die Geschichte der ehemaligen jüdischen Minderheit von Grünberg. Dabei geht es ihm vor allem um Erinnerungsorte, die von Bedeutung waren und vielleicht noch erhalten sind.
Anderseits führt er eine Befragung an einigen Schulen der Stadt durch, um zu erfahren, welches Wissen die junge Generation von Zielona Góra über die Geschichte des Judentums in Polen und im Ort selbst besitzt.

Die Ergebnisse sollen die Grundlage für weitere pädagogische und erinnerungskulturelle Aktivitäten bilden.

Kontakt: Jörg Schart,  joerg_schart(at)web.de

 

Neuer Vorstand im HAUS SCHLESIEN

Der Trägerverein des Kultur- und Bildungszentrums HAUS SCHLESIEN e.V. in Königswinter hat einen neuen Vorstand gewählt.
Am 29. April 2007 entschieden sich die Delegierten der Mitgliederversammlung im HAUS SCHLESIEN mit großer Mehrheit für weitere drei Jahre für ihren alten und neuen Präsidenten, Reinhard Blaschke. Der Neusser Unternehmer und gebürtige Schlesier steht dem Vorstand seit 1999 vor. 
Ebenfalls im Amt der 1. Vizepräsidentin wurde die Geschäftsführerin, Petra Meßbacher (Bonn), bestätigt. Die Betriebswirtin zeichnet für den Geschäftsbetrieb seit 1996 verantwortlich.
In weitere Ämter wurden der Neusser Rechtsanwalt Friedrich von Poser als 2. Vizepräsident und der Banker Ernst Kückels (Ratingen) als Schatzmeister gewählt.
Die drei Ämter der Beisitzer werden von Herrn MinDirig. a.D. Dr. Michael von Websky (Hennef), Herrn Adrian Sobek (Köln) und Herrn Dr. Albrecht Tyrell (Bonn) wahrgenommen.
Der Vorstand wird sich insbesondere mit der weiteren Etablierung von HAUS SCHLESIEN als bildungspolitischer Einrichtung beschäftigen und das Kultur-zentrum in der Region weiter verankern.

Pressemitteilung vom 30.04.2007
Museum für schlesische Landeskunde im  HAUS SCHLESIEN
Dollendorferstr. 412
D-53639 Königswinter-Heisterbacherrott
Tel. +49 (0) 22 44/ 886 -0, -231, Fax -230

Zu Besuch im Görlitzer Naturkundemuseum: Der stellvertretende Hirschberger Bürgermeister Jerzy Łużniak und der Vorsitzende des Stadtrates Hubert Papaj mit Hirschberger Stadtverordneten. 

Görlitzer Naturkundemuseum als Vorbild für Polen

Andrzej Paczos ist Direktor des Naturkundemuseums in Bad Warmbrunn / Cieplice Śląskie-Zdrój einem Stadtteil von Hirschberg / Jelenia Góra in Polen. Er besuchte heute mit Vertretern des Hirschberger Stadtrates und der Stadtverwaltung das Görlitzer Naturkundemuseum. „Es geht mir darum, den Entscheidungsträgern die Bedeutung eines modernen Naturkundemuseums zu verdeutlichen. Hierfür erscheint mir das Staatliche Museum für Naturkunde Görlitz ein ideales Beispiel zu sein“, so Paczos. Besonders fasziniert den Geomorphologen die kulturelle, wissenschaftliche und touristische Rolle die das Museum in Görlitz und der Region spielt. Er ist davon überzeugt, dass auch der Hirschberger Stadtrat beeindruckt sein wird und erhofft sich daraus eine Impulse für sein Museums.
Das Museum für Naturkunde Jelenia Góra-Cieplice ist dienstags bis sonntags ab 9:00 Uhr geöffnet. Ausstellungsschwerpunkte sind Vögel und Schmetterlinge. Das Museum arbeitet bereits seit vielen Jahren eng mit dem Görlitzer Naturkundemuseum zusammen. So tauschen die beiden Institutionen z.B. Wanderausstellungen aus.

Die Identität der Schlesier

Am 11. Mai fand im Vorlesungssaal der Katholisch-Theologischen Fakultät der Schlesischen Universität in Kattowitz ein Symposium zum Thema „Wer bin ich: Pole, Deutscher oder Schlesier? Die Problematik der Identität und des Nationalbewusstseins der Bewohner Schlesiens“ statt.
Die Tagung wurde von drei Organisatoren durchgeführt: der Katholisch-Theologischen Fakultät in Kattowitz, dem Schlesischen Museum zu Görlitz sowie der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (gdpv), Münster. Dabei wurde der Akzent sehr gezielt auf die gegenwärtige Situation gelegt, um gerade junge Leute für diese Thematik zu interessieren. Über Hundert Teilnehmer – Schüler der Oberstufe, Studenten sowie weitere Interessenten – folgten dieser Einladung und erlebten einen höchst interessanten und diskussionsreichen Tag.
Das Symposium wurde in drei thematische Blöcke gegliedert, wobei abwechselnd ein Referent aus Deutschland und einer aus Polen zu einem verwandten Thema sprach. Im ersten Teil wurde die Schwierigkeit der eigenen Identität und Selbstwahrnehmung besprochen. Zunächst stellte Gregor Ploch die Problematik der sog. „Spätaussiedler“ aus Polen in der Bundesrepublik vor. Da der größte Teil der Gruppe aus Oberschlesien stammt und katholisch ist, konnten gerade diese beiden Faktoren besonders zur Geltung kommen. Besonders in der Zeit des Kommunismus standen die Aussiedler im Vordergrund der deutsch-polnischen Streitigkeiten um die Existenz der deutschen Minderheit in Polen. Für viele Aussiedler verlief der Integrationsprozess sehr schwer, weil von ihnen erwartet wurde, dass sie sich als Deutsche assimilierten. Und genau das war für die meisten unmöglich, da sie eine polnische Sozialisation – gerade im religiösen Bereich – erfahren haben. Eine häufige Folge war, dass die Aussiedler verunsichert waren und versuchten nicht aufzufallen. Heute fühlen sich viele von ihnen zwischen ihren beiden Heimaten hin und her gerissen. Dennoch haben die Aussiedler den deutschen Katholizismus sehr stark geprägt und nicht selten die kulturelle Brückenfunktion zwischen Polen und Deutschland übernommen.
Im Anschluss daran verdeutlichte der Kattowitzer Soziologieprofessor Wojciech Świątkiewicz anhand zahlreicher Beispiele die sehr langsam verlaufende Integration der polnischen Neusiedler in Oberschlesien. Dieses Problem ist vor allem in den künstlich entstandenen Industriestädten und -siedlungen Oberschlesiens virulent. Diese Städte wurden in der Nachkriegszeit um die Kohle- und Hüttenreviere angelegt und beherbergen zum größten Teil Polen aus allen Regionen des Landes, die ihre Wohnstätte bis heute nicht als ihre Heimat betrachten. Dies verdeutlichte der Referent an einem anschaulichen Beispiel: Nach der Wegbeschreibung zur benachbarten Ortschaft gefragt, antwortete eine Person, die seit rund dreißig Jahren in seiner Stadt lebt, sie sei nicht von hier und könne deshalb keine Antwort geben.
Im zweiten Block wurden Kurzbiographien eines polnischen und eines deutschen Priesters, die sich in der Zwischenkriegszeit besonders für die deutsch-polnische Verständigung ausgezeichnet haben, präsentiert. Die Schüler des Emil Szramek-Lyzeums in Kattowitz, Maria Jabłońska und Maciej Wacławik stellten ihren Schulpatron vor. Der inzwischen selig gesprochene Emil Szramek stammte aus Tworkau im Kreis Ratibor und setzte sich in der Zeit des aufkeimenden Nationalismus rund um die schlesischen Aufstände für die Annäherung zwischen den beiden Völkern ein. Szramek entschied sich bewusst für die Annahme der polnischen Staatsbürgerschaft, auch wenn seine Familie deutsch blieb. Dennoch war er jeglichen Polarisierungen fern und betonte die christliche Pflicht der Nächstenliebe. Seine kritische Tätigkeit führte ihn in das KZ von Dachau, Gusen und Mauthausen, in dem er starb. Gerade die Person Szrameks lässt die Frage aufwerfen, wie seine schlesische Identität ausgesehen hat. Auch wenn diese Frage nicht beantwortet werden kann, so zeigt es doch, dass das Schlesiertum für ihn gerade nicht bedeuten konnte, dass polnische wie deutsche Schlesier gegeneinander kämpften und sich hassten.
Auf der deutschen Seite wirkte auch ein bekannter Priester für die Verständigung zwischen Polen und Deutschen, Hermann Hoffmann. Patryk Szkudlarek trug das Referat von Evelyne Adenauer vor, die aus persönlichen Gründen nicht erscheinen konnte. Hermann Hoffmann engagierte sich in seinen zahlreichen Funktionen dafür, dass Polen und Deutsche einander vorurteilsfrei begegnen konnten. Er war Breslauer Priester, Lehrer am St. Matthiasgymnasium, der Mitbegründer der bedeutsamen Jugendbewegung Quickborn und Mitglied der International Fellowship of Reconciliation (IFoR), für die er zahlreiche Reisen durch Polen und ins Ausland unternahm, um für die Idee des gegenseitigen Verständnisses zu werben. Genauso wie Szramek ist er in seinen Bemühungen gescheitert, da sein weiteres Schicksal – die Vertreibung aus Schlesien – die Folge des Nationalismus, vor dem er beide Seiten ständig warnte, gewesen war.
Der dritte und letzte Block stellte einen historischen Rückblick und zugleich einen Ausblick in die Zukunft dar und behandelte die Chancen und Schwierigkeiten des Kulturaustausches im Grenzgebiet. Der Ordinarius für Neuere und Neueste Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Kattowitz, Prof. Jerzy Myszor, analysierte zunächst die historische Entwicklung der kulturellen Vielfalt in Oberschlesien und ihrer Auswirkung auf die Bewohner. Eine Region wurde nicht nur durch die damals zahlreichen Grenzen zwischen Fürstentümern und später Staaten geprägt. Die kulturelle Entfaltung wurde ebenso durch die jeweilige Infrastruktur geformt. Hier betonte Myszor die Bedeutung der Ein- und Durchwanderung verschiedener Bevölkerungsschichten für den Einfluss auf die Bevölkerung. Waren es zunächst nur Soldaten, die die Grenzen überschritten, führte der Ausbau der Eisenbahnlinie in Schlesien zur verstärkten Migration, die einen kulturellen Austausch nach sich zog. Für die preußischen Behörden waren es gerade die Studenten, denen mit größtem Misstrauen begegnet wurde, da die Studenten politische Neuerungen, die den Behörden gefährlich erschienen, importieren konnten. Aber auch Gruppen wie durchziehende Bettler hinterließen nicht selten Spuren des kulturellen Austausches in der Bevölkerung, so dass der Kulturtransfer nicht nur der städtischen Oberschicht vorbehalten war. So konnte Myszor das Fazit ziehen, dass Oberschlesien wie kaum eine Region einen solchen vielfältigen Zusammenstoß verschiedener Kulturkreise erfahren hat, der bis heute in der Bevölkerung deutlich feststellbar ist.
Zum Schluss präsentierte der Kulturreferent am Schlesischen Museum zu Görlitz, Dr. Michael Parak die Problematik und Perspektiven der kulturellen Zusammenarbeit im Grenzgebiet anhand der Region Niederschlesien und Oberlausitz. Im deutschen Teil Niederschlesiens um Görlitz wird heute deutlich, dass zwei Identitäten nebeneinander bestehen. Die Region war bis 1815 ein Teil der Oberlausitz, die zunächst zu Böhmen, dann zu Sachsen gehörte. Vom Wiener Kongress bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war sie ein Bestandteil der preußischen Provinz Schlesien bzw. Niederschlesien. Vereinzelt führt der Versuch, sich in der Geschichte zu verankern, zu konkurrierenden Identitäten. So betonen z.B. einige Bewohner der Region bewusst, dass sie in der Oberlausitz leben und grenzen sich vehement von Schlesien ab. Andere sind ausschließlich an niederschlesischen Traditionen der Region interessiert. Parak hob hervor, dass diese verschiedenen Identitäten mit- statt gegeneinander wirken müssten, um die Region auf beiden Seiten der Grenze touristisch zu erschließen. Ein Schlesisches Museum in Görlitz und ein Museum der Lausitz in Zgorzelec könnten als Partner die Kultur der Region präsentieren. In einem kurzen Überblick über die grenzüberschreitenden Aktivitäten der „Europastadt“ Görlitz-Zgorzelec zeigte der Referent, dass noch ein steiniger Weg von der symbolischen Zusammenarbeit hin zu einem gemeinsamen Alltag zu beschreiten ist. In Zukunft sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass die Bewohner von Görlitz und Zgorzelec sich besser persönlich kennen lernten. Nur über gemeinsame positive Erfahrungen könne eine grenzüberschreitende regionale Identität Niederschlesiens und der Oberlausitz entstehen.
Es ist der sehr guten Führung des Moderators, Dr. Arkadiusz Wuwer, zu verdanken, dass die Teilnehmer – insbesondere die junge Generation – sehr engagiert in die Diskussion einbezogen wurde. Der Verlauf der Debatte zeigte, dass das Thema der Identität in Schlesien für jeden, auch für die Nichtschlesier, eine große Bedeutung hat. Was das genau ist, kann nicht allgemein definiert werden, da jeder einen anderen Bezug zum Schlesiertum hat. Dennoch ist es wichtig, dass sich die Bewohner Schlesiens, egal welcher Herkunft sie sind, die Frage stellen, welche Beziehung sie zu Schlesien, seiner Kultur und seinen Bewohnern aufgebaut haben bzw. aufbauen wollen.
Die Organisatoren sind mit dem Verlauf der Tagung sehr zufrieden und wollen solche deutsch-polnische Begegnungen mit der Jugend und der universitären Welt in Zukunft ausbauen.

Gregor Ploch  

 

Tagungsbericht: Die schlesischen Piasten in der Kultur und Geschichte Europas (16.11.2006, Hindenburg/Zabrze)

Veranstalter: Societas Scientiis Favendis Silesiae Superioris, Instytut Górnoslaski, Urzad Miejski w Zabrzu, Polskie Towarzystwo Historyczne. Oddzial w Katowicach, Komisja Historyczna Polskiej Akademii Nauk. Oddzial w Katowicach
Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr hab. Antoni Barciak, Ks. Prof. Dr hab. Kazimierz Dola, Prof. Dr hab. Wojciech Iwanczak

Vom 16. bis zum 17. November 2006 fand im oberschlesischen Hindenburg(Zabrze/Polen) die internationale Tagung „Die schlesischen Piasten in der Kultur und Geschichte Europas" (Piastowie slascy w kulturze i europejskich dziejach) statt. Die Konferenz wurde von Prof. Dr. hab. Antoni Barciak geleitet und war die zehnte Veranstaltung im Rahmen der seit 1997 jährlich tagenden Reihe „Die Kultur Mitteleuropas" (Kultura Europy Srodkowej), deren Fokus sich stets auf die unterschiedlichen Aspekte der mitteleuropäischen Kultur mit besonderer Berücksichtigung Oberschlesiens richtet. Die Bandbreite reicht dabei von kirchen- und rechtshistorischen Themen bis zur Bildungs- und Wirtschaftsgeschichte.
Im Zentrum dieser von zahlreichen polnischen Institutionen unterstützten Tagung, an der sowohl polnische als auch tschechische Wissenschaftler teilnahmen, standen die schlesischen Piasten und deren Bedeutung für die mitteleuropäische Kultur aus politik-, kirchen- und beziehungsgeschichtlicher Perspektive. Das dichte Programm umspannte einen zeitlichen Rahmen vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit, wobei der Schwerpunkt der insgesamt 23 Referate auf mittelalterlichen Themen lag. Die zweitägige Konferenz gliederte sich in vier Sektionen: Die erste Sektion widmete sich dem politischen und kulturellen Wirken der Piasten in Schlesien, vor allem deren Bedeutung für die schlesische Kirche. Die zweite Sektion beleuchtete die auswärtigen Beziehungen des schlesischen Herzogsgeschlechts, während für die dritte das Bild der Piasten in der schlesischen, polnischen, tschechischen und deutschen Geschichtsschreibung im Vordergrund stand. Die vierte Sektion befasste sich schließlich mit gemischten Themen, darunter mit einzelnen, für die Geschichte der Piasten bedeutenden Quellen.
Nach einer kurzen Einführung wurde die erste Sektion von Slawomir GAWLAS mit dem Vortrag „Die schlesischen Piasten als Pioniere der Modernisierung" eröffnet, in dem er auf die Bedeutung dieses Geschlechts für die gesellschaftlichen Veränderungen im Schlesien des 13. Jahrhunderts einging und einen Zusammenhang mit dem Ausbau der Landesherrschaft im römisch-deutschen Reich herstellte. Gleichzeitig plädierte er für eine weite Definition dieses Transformationsprozesses, der nicht nur auf die deutsche Siedlungsbewegung beschränkt bleiben, sondern als ein gesamtgesellschaftlicher Prozess mit siedlungsgeschichtlichen wie auch sozialen, ökonomischen und rechtlichen Dimensionen angesehen werden sollte. In seinem Referat betonte Marcin PAUK die zentrale Rolle der Klosterstiftungen für die Herrscherideologie der schlesischen Herzöge im 12. und 13. Jahrhundert und stellte einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Klostergründungen einerseits und den piastischen Herrscherwechseln andererseits fest, wobei die Zisterzienser für die schlesischen Herzöge von besonderer Bedeutung waren. Bogdan KLOCH untersuchte die Beziehungen zwischen den Piasten und den lokalen Pfarrkirchen am Beispiel ausgewählter Kirchenstiftungen der oberschlesischen Herzöge zu Beginn des 13. Jahrhunderts, während Roscislaw ZERELIK die politische Tätigkeit Konrads II. von Oels anhand des um 1375 entstandenen Oelser Kopialbuches rekonstruierte. Jan KOPIEC sprach über die Ad-limina-Berichterstattung der Breslauer Bischöfe und die darin enthaltene Beurteilung der Piasten. In den als Reaktion auf die Reformation eingeführten Berichten wurden ab dem Ende des 16. Jahrhunderts die einzelnen Diözesen nicht nur in regelmäßigen Abständen quantitativ erfasst, sondern auch deren allgemeiner Zustand und das Verhältnis zum Herrscher beschrieben. Zum einen stellen diese Berichte eine aus der Frühen Neuzeit stammende Quelle zur Geschichte der schlesischen Kirche im Mittelalter dar, zum anderen spiegeln sie den damaligen Zustand der Kirchenprovinz wider. Auch das Bild der Piasten habe sich darin verändert. Dem für das Mittelalter geltenden Lob auf die Herzogsdynastie folgte aufgrund der Einführung der Reformation eine scharfe Kritik der frühneuzeitlichen Piasten und statt dessen ein Lob auf die Habsburger. In seinem Vortrag „Die Piasten und die Kartographie" befaßte sich Boguslaw CZECHOWICZ mit den Widmungen an die Piastenherzöge von Liegnitz-Brieg, die auf Karten niederschlesischer Herzogtümer aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu finden sind. Diese Funktion übernahm nach dem Aussterben der Herzöge die Familie von Schaffgotsch, was auch auf kartografischen Werken sichtbar wurde.
Den auswärtigen Kontakten der Piasten widmete sich die zweite Sektion: Während Marie BLÁHOVÁ auf die dynastischen und politischen Beziehungen zwischen den schlesischen Piasten und den letzten Premysliden einging, stellte Kazimierz DOLA diejenigen Vertreter des schlesischen Geschlechts vor, denen es gelungen war, außerhalb Schlesiens einen Bischofsstuhl zu erlangen. Die Bandbreite der insgesamt sechs historisch nachgewiesenen und eines nur in der Historiografie existierenden Piasten reichte von Konrad von Glogau, der Mitte des 13. Jahrhunderts Bischof von Passau war, bis Heinrich von Liegnitz, der in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zum Bischof von Cambrai gewählt wude. Przemyslaw WISZEWSKI hob die engen sozialen Kontakte zwischen Mieszko I. von Polen und den geistlichen Eliten des römisch-deutschen Reiches hervor, die er aus der Bezeichnung des Piastenherzogs als „comes" und „marchio" in den Handschriften des Fuldaer Klosters ableitete. Martin CAPSKÝ behandelte den Zusammenschluss der schlesischen Herzöge im Kampf Kaiser Sigismunds gegen die Hussiten, während Jan TĘGOWSKI den Blick auf die sowohl von familiären Bindungen als auch von kriegerischen Auseinandersetzungen gekennzeichneten Beziehungen Wladislaw Jagiellos mit den oberschlesischen Piasten richtete. Die Sektion schloss mit einem Beitrag von Maciej SALAMON über die Verbindungen Wladislaws II. von Oppeln, der sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts am ungarischen Hof aufgehalten hatte, zum byzantinischen Kulturkreis und die orthodoxen Einflüsse auf die kirchlichen Stiftungen des Herzogs. Besonders dieser Vortrag zeigte die weitreichenden Beziehungen der oberschlesischen Piasten und den daraus folgenden Kulturtransfer.
Mit einem Referat von Lucyna HARC über das Bild der schlesischen Piasten in der Aufklärung begann die dritte Sektion. An den im 18. Jahrhundert verfassten Gesamtdarstellungen zur Geschichte Polens bzw. Schlesiens von Adam Naruszewicz, Samuel Benjamin Klose und Karl Ludwig von Klöber zeigte die Breslauer Frühneuzeit-Historikerin, welchen Einfluss der politische Standpunkt des Verfassers auf das Bild der Piasten hatte. Marek CETWILSKI unterstrich in seinem Vortrag „Die europäischen Kontakte der schlesischen Piasten aus der Sicht schlesischer Chroniken" die Bedeutung der schlesischen Chronisten für die Schaffung eines historischen Bewusstseins in Schlesien und stellte fest, dass darin besonders die familiären Bindungen der schlesischen Piasten zu den böhmischen Königen sowie den römisch-deutschen Königen und Kaisern betont wurden, was für ihn die Schlussfolgerung zuließe, die schlesischen Herzöge hätten zur europäischen Elite gehört. Nachdem Ivan HLAVÁCEK die Stellung der Piasten in der schriftlichen Tradition Böhmens im 12. und 13. Jahrhundert thematisiert hatte, wandte sich Antoni BARCIAK den mittelalterlichen böhmischen Chroniken zu, die vor allem zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein großes Interesse an Schlesien zeigten. Für die Chronisten stand der Übergang der schlesischen Herzogtümer an Böhmen im Mittelpunkt, wobei hier vor allem die persönlichen Beziehungen zu den böhmischen Königen und die Lehenshuldigungen, weniger die Inkorporation Schlesiens in die Krone Böhmen, betont wurden. Entsprechend negativ stellten die böhmischen Chronisten diejenigen schlesischen Piasten dar, die sich – wie z. B. Bolko II. von Schweidnitz-Jauer – Böhmen nicht unterstellt hatten. Anschließend verglich Piotr BOROŃ das Bild Heinrichs IV. von Breslau in der polnischen und deutschen Historiografie. Vor allem die Charaktereigenschaften und ab dem 19. Jahrhundert auch die nationale Identität des Herzogs führten zu zahlreichen Kontroversen, die jedoch anhand der vorliegenden Quellen nicht ausreichend gelöst werden könnten. Wojciech IWAŃCZAK zeigte, wie die schlesischen Herzöge in der Synthese von František Palacký dargestellt wurden, in dessen Geschichtsbild Schlesien stets ein wichtiger Bestandteil des böhmischen Länderverbandes gewesen war.
Die vierte Sektion wurde mit einem Vortrag von Jacek MATUSZEWSKI über den Einfluss des Testaments von Boleslaw III. Schiefmund auf die Nachfolgeregelungen der schlesischen Piasten eingeleitet. Stanislaw ROSIK sprach über die in Vergessenheit geratene Frömmigkeit und Heiligkeit Herzog Heinrichs I. des Bärtigen, der von einigen mittelalterlichen Chronisten in den Schatten seines Sohnes, Heinrichs II. des Frommen, und vor allem seiner Frau, der Hl. Hedwig, gestellt wurde. Dabei berichten die Chronisten auch von einer eigenen Frömmigkeit des Herzogs, der nicht nur unter dem Einfluss seiner Frau gestanden haben soll. Nach einem Beitrag von Jan LIBOR über die schlesischen Piasten und den Johanniterorden wandte sich Waclaw GOJNICZEK der Korrespondenz der Bischöfe von Olmütz aus dem 16. Jahrhundert zu, die als eine wichtige Quelle zur Geschichte und Genealogie der Teschener Piasten herangezogen werden können. Anhand des Schriftverkehrs der mährischen Bischöfe können auf diese Weise zahlreiche biografische und genealogische Daten ermittelt werden. Schließlich informierte Roman STELMACH über den derzeitigen Forschungsstand und die Quellenlage zu spätmittelalterlichen Kanzleien der schlesischen Piasten.
Der letzten Sektion folgte eine abschließende Diskussion, in der die wichtigsten Ergebnisse der Tagung resümiert wurden. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Fähigkeit einzelner Piasten, Beziehungen mit zahlreichen auswärtigen Herrschern zu knüpfen und dadurch die kulturelle Entwicklung im eigenen Land zu fördern. Unterstrichen wurde auch der Wandel des Bildes, das sich Zeitgenossen wie auch spätere Geschichtsschreiber über die schlesische Dynastie vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert machten.
Der Konferenz ist es durch die große thematische Vielfalt gelungen, die Bedeutung der schlesischen Piasten für die Kultur Mitteleuropas herauszuarbeiten. Auch wenn neun von ursprünglich 32 geplanten Referaten nicht gehalten werden konnten, boten das dichte Programm und die lebhaften Diskussionen einen höchst interessanten Einblick in die Thematik. Es bleibt zu hoffen, dass die seit zehn Jahren sehr erfolgreiche Tagungsreihe auch in Zukunft fortgesetzt werden kann. Die Beiträge werden – wie auch bei den vorangehenden Konferenzen – in einem Tagungsband publiziert werden.

Bericht von:
Rafael Sendek, Abteilung Geschichte der Frühen Neuzeit / Projektbereich Schlesische Geschichte, Universität Stuttgart
E-Mail:  rafael.sendek(at)po.hi.uni-stuttgart.de

URL zur Zitation dieses Beitrages
 http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1572