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Ehrgeizige städtebauliche Projekte waren auch ein Resultat der Grenzziehung in Oberschlesien: Modellskizze für die Gestaltung des Reichspräsidentenplatzes mit Rathaus in Gliwice/Gleiwitz. Entwurf: Stadtbaurat Schabik und Stadtbaumeister Sattler. Aus: Karl Schabik, Albert Stütz, M. Wolf (Hrsg.), Dreistädteeinheit: Beuthen, Gleiwitz, Hindenburg, Landkreis Beuthen, Berlin-Leipzig-Wien 1929, S. 18. 

Grenzgänger zwischen Deutschen und Polen. 85 Jahre nach der Grenzziehung in Oberschlesien. Erzählte Zeiten, erzählte Menschen, erzählte Orte. Das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen-Hösel sucht Fotos aus den 20er und 30er Jahren, die im geteilten Oberschlesien gemacht wurden

Dieses bisher kaum einem breiteren Publikum präsentierte Thema wurde vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit aufgegriffen. Im Herbst dieses Jahres soll es hierzu eine Ausstellung in Oberschlesien geben, die das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen-Hösel auch mit diesem Aufruf unterstützen möchte. Gesucht werden Bilder, die den Alltag an der deutsch-polnischen Grenze in Oberschlesien 1922–1939 illustrieren.
Ehrgeizige städtebauliche Projekte waren auch ein Resultat der Grenzziehung in Oberschlesien: Modellskizze für die Gestaltung des Reichspräsidentenplatzes mit Rathaus in Gliwice/Gleiwitz. Entwurf: Stadtbaurat Schabik und Stadtbaumeister Sattler. Aus: Karl Schabik, Albert Stütz, M. Wolf (Hrsg.), Dreistädteeinheit: Beuthen, Gleiwitz, Hindenburg, Landkreis Beuthen, Berlin-Leipzig-Wien 1929, S. 18. Nach der turbulenten Zeit der Aufstände und des Plebiszits wurde vom Botschafterrat in Genf im Herbst 1921 der endgültige Verlauf der deutsch-polnischen Grenze in Oberschlesien festgelegt.
Eine seit Jahrhunderten zusammengewachsene, multikulturelle Region sollte fortan im Rahmen zweier verschiedener Staaten funktionieren. Nach der Bekanntgabe der neuen Grenzziehung setzte die „erste oberschlesische Völkerwanderung” ein. Ca. 200.000 Einwohner des ehemaligen Abstimmungsgebiets wechselten bis 1924 ihren ständigen Wohnsitz. Die einen wollten weiter als deutsche Bürger in Deutschland leben, die anderen ihren Traum vom polnischen Oberschlesien in Erfüllung bringen.
Wie sah das Leben im Schatten der Grenzpfähle aus? War dies tatsächlich eine „brennende” Grenze? Wie haben sich die Oberschlesier in den 1920er Jahren mit der neuen Realität abgefunden? Diese und viele weitere Fragen sollen mit der Ausstellung aufgegriffen und beleuchtet werden. Im Rahmen der Ausstellung und einer Veröffentlichung sollen der Alltag im ehemaligen Grenzgebiet sowie die materiellen und immateriellen Überreste einer Grenze präsentiert werdem, die zwischen 1922 und 1939 die Region teilte. So wird anhand von Landkarten und Bildmaterialien der (mancherorts kuriose) Grenzverlauf veranschaulicht. Hier und da stehen noch die „stummen Zeugen” der Geschichte: deutsche und polnische Zollhäuser sowie grasbewachsene Grenzbunker. Neben Bildern und Landkarten werden im Rahmen der Ausstellung Ton- und Filmaufnahmen präsentiert, die das visuelle Material ergänzen werden.
Ihre Beteiligung an dem Vorhaben haben bereits die Städte Hindenburg und Beuthen, das Museum Hindenburg, das Staatsarchiv Kattowitz/Gleiwitz und die Stadtbibliothek in Beuthen bestätigt. Weitere Partner sind angefragt. Auch die Kattowitzer Redaktion der landesweit auflagestärksten Tageszeitung “Gazeta Wyborcza” sowie andere regionale Medien werden laufend über das Vorhaben berichten.

Information Kontakt:
Oberschlesisches Landesmuseum
Stiftung Haus Oberschlesien
Bahnhofstr. 62
Tel.: +049 (0) 2102/965-0 / Fax: +049 (0) 2102/965-400
e-mail:  info(at)oslm.de / home:  www.oslm.de

 

 

Professor Arno Herzig mit einer Festschrift in Breslau geehrt

Mit Prof. Dr. Arno Herzig (Hamburg) wurde erstmals ein deutscher Historiker von polnischen Historikern und Germanisten mit einer Festschrift geehrt. Am 23. Juni 2007 überreichten in einer Feierstunde die Herausgeber Dr. Krzysztof Ruchniewicz und Prof. Dr. Marek Zybura  in der Breslauer Akademie für Musik und Literatur Arno Herzig aus Anlass seines 70. Geburtstages  diese Schrift, an der sich 23 Wissenschaftler beteiligt hatten. Der Titel  „Z Gorzanowa w swiat szeroki (Von Grafenort in die weite Welt)“ nimmt dabei Bezug auf den Ort, in dem Arno Herzig bis 1946 gelebt hatte, eine Gegend, die ihn mit ihrem Reichtum an Geschichte in jungen Jahren wesentlich prägte.
Die Laudatoren – Prof. Dr. Rościsław Żerelik für das Historische Institut  und Prof. Dr. Marek Hałub für das Germanistische Seminar – hoben die fruchtbare Zusammenarbeit von Prof. Herzig und den Mitarbeitern ihrer Institute hervor und sagten u.a.: „Prof. Arno Herzig ist einer der wenigen Historiker, die sehr schnell die Zusammenarbeit mit den polnischen Historikern und Germanisten und Kunsthistoriker aufgenommen haben. Dies fand auch Ausdruck in seiner  Teilnahme am 16. Kongress der polnischen Historiker in Breslau 1999  und den vielen anderen polnischen Wissenschaftskonferenzen...Herr Prof. Herzig hat für die schlesische Kulturgeschichte unumgänglich notwendige Sensibilisierung aufgebracht....Seine Forschungstätigkeit ist der beste Beweis dafür, dass der Vorwurf des „Dialoges der Taubstummen“ zwischen den deutschen und polnischen Wissenschaftlern abgelehnt werden muss. ... Gerade in der heutigen Zeit, in der die deutsch-polnischen Wechselbeziehungen in den Medien beider Länder mit Begriffen wie „Versöhnungskitsch“ „kalter Krieg“ und „Neurose“ umschrieben werden, erscheint der Einsatz von Arno Herzig auf diesem Gebiet – ohne zu übertreiben – als imponierend und beispiellos.“  Darauf wies ebenfalls der deutsche Generalkonsul Dr. Helmut Schöps in seiner Ansprache bei der Ehrung hin.
Die Festschrift enthält zum Abschluss ein Verzeichnis der Veröffentlichungen von Arno Herzig. Es umfasst 19 Monographien, die Herausgabe und das Redigieren von 18 Sammelbänden sowie 159 Aufsätze. Nicht wenige der Veröffentlichungen befassen sich dabei mit Schlesien und der Grafschaft Glatz. Dabei muss erwähnt werden, dass Arno Herzig seine Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg auch auf die Geschichte Osteuropas im Kontext der europäischen Geschichte sowie Ostmitteleuropas als Geschichte eines auch durch Deutsche geprägten Kulturraumes ausrichtete, damit auch bei seinen Hamburger Studenten das Bewusstsein u.a. für die Geschichte Schlesiens weckte. In diesem Zusammenhang entstand 1996 sein Buch „Refomatorische Bewegungen und Konfessionalisierung. Die habsburgische Rekatholisierungspolitik in der Grafschaft Glatz.“ Besonders hervorgehoben werden muss jedoch das Buch „Geschichte des Glatzer Berglandes“, das Arno Herzig  2006 zusammen mit Małgorzata Ruchniewiecz herausbrachte, und das in deutscher und polnischer Sprache erschien. Die polnische Ausgabe war bereits nach kurzer Zeit vergriffen – inzwischen erschien eine 2. Auflage. Daran wird deutlich, wie groß das Interesse der heutigen Bevölkerung Schlesiens an der Geschichte des Landes ist, das nun ihre Heimat ist. Das dokumentiert aber auch, wie wichtig es ist, das historische Wissen weiterzugeben, so wie es Prof. Herzig neben zahlreichen Veröffentlichungen ebenso in einem Zyklus von Lehrveranstaltungen und Vorlesungen am Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Breslau getan hat.
Nicht nur in Polen weiß man die Verdienste von Prof. Arno Herzig zu würdigen. Bereits 2003 erhielt Arno Herzig für seinen Einsatz um den wissenschaftlichen Austausch zwischen den Universitäten Hamburg und Prag die Gedenkmedaille der Prager Universität verliehen.
Im Namen der Breslauer Germanisten sagte Prof. Marek Hałub in seiner Laudatio abschließend: „Trotz Ihres 70. Geburtstages werden Sie sich sicher, lieber Herr Prof. Herzig, von den „Breslauer Verpflichtungen“ nicht befreien können ... Ihre Gastvorträge sind eine wichtige Bereicherung unseres Lehrprogrammes“.

Dr. Angelika Marsch, Hamburg
 angelika.marsch(at)web.de

 

Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Jürgen Rüttgers (links), informiert sich bei Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser (Mitte) und Ministerialrat Johannes Lierenfeld (rechts) über die Ausstellung „Heinz Tobolla“ im Schloss Plawniowitz. Mit im Bild: Ratsmitglied Sebastian Wladarz (Ratingen). 

Hoher Besuch beim Schloss Plawniowitz/Pławniowice. Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers besuchte die Bildungsstätte des Bistums Gleiwitz

Ein frischgetrautes Hochzeitspaar war sehr erstaunt, als es die ehemalige Ballestremsche Privatkapelle beim oberschlesischen Schloss Plawniowitz verließ. Dem eigenen geschmückten Wagen und der Festgesellschaft kam eine viel größere Wagenkolonne entgegen. Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen fuhr mit seiner hochrangigen Delegation und begleitet vom Marschall der Woiwodschaft Schlesien vor. Dr. Jürgen Rüttgers war erneut für einige Tage in der Partnerregion, um sich selbst mit aktuellen Entwicklungen vertraut zu machen. Den kulturellen Teil der Reise hatte das Oberschlesischen Landesmuseum arrangiert.
Seit vielen Jahren gibt es einen regen Austausch zwischen Nordrhein-Westfalen und Oberschlesien. In vielen Bereichen wird über historische und Zukunftsgewandte Fragen gesprochen. Zuletzt war Dr. Rüttgers vor zwei Jahren in Schlesien unterwegs. Bei seinem Besuch Ende Juni begleiteten ihn die Staatssekretäre Michael Mertens vom Ministerium für Bundes- und Europangelegenheiten und Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, zuständig für die Kultur in der Staatskanzlei.
Bei sommerlichem Wetter fühlten sich die Gäste in eine wohl gute Zeit zurückversetzt, als sie, geführt von Ministerialrat Johannes Lierenfeld und Direktor Dr. Stephan Kaiser, das eindrucksvolle 1885 errichtete Schloss umrundeten. Dessen Erbauer, der Zentrumspolitiker Franz Graf von Ballestrem, war als Industrieller in Oberschlesien erfolgreich. Ministerpräsident Dr. Rüttgers meinte, man sehe, damals sei mit Kohle noch viel Geld verdient worden.
Im Schloss übernahm Pfarrer Dr. Krystian Worbs, der Direktor des Diözesanbildungshauses, die Erläuterungen. Er berichtete von den langjährigen Renovierungsmaßnahmen. Große Hilfe kam dazu Anfang der 1990er Jahre durch das Bundesministerium des Innern der Bundesrepublik Deutschland.
In der neugotischen Schlossanlage stellte Direktor Dr. Kaiser eine Ausstellung zum Leben und Schaffen des Aachener Künstlers Heinz Tobolla vor. Zu sehen gab es Modelle einiger wichtiger Werke dieses 1925 in Hindenburg, heute Zabzre, geborenen bedeutenden Bildhauers, dem eine größere Ausstellung gewidmet ist. Sie wurde schon an vielen Orten gezeigt und befindet sich gegenwärtig in der schlesischen Kleinstadt Jauer/Jawor. Ministerpräsident und Marschall erfreuten sich an den Exponaten, denn beide sind Schirmherren der Schau.
Das Oberschlesische Landesmuseum ist ein Partner der Region. Das zeigt sich auch darin, dass die Zusammenarbeit mit dem Bistum Gleiwitz in Plawniowitz ausgebaut werden soll. Bei der Reise wurde über die Umsetzung einer Entwicklungskonzeption gesprochen. Diese sieht eine publikumswirksame Dauerausstellung im Schloss Plawniowitz vor. Mit der kurzfristig entstandenen Schau wurden erste Erfahrungen für das Vorhaben gesammelt. Aus aktuellem Anlass konnten Preisträgerarbeiten des NRW-Schüler­wett­bewerbes „Begegnung mit Osteuropa“ gezeigt werden. Ministerialrat Lierenfeld berichtete der Delegation von Landespolitikern von der Preisverleihung im Kreis Coesfeld. Von den 41 Schülergruppen kamen zehn aus Polen, Russland, Rumänien und der Ukraine. Sechs besonders gelungene Schülerarbeiten zu den Themen „Europa“, „On Tour“ und „Bräuche“ verwiesen auf eine Dimension, die bei den politischen Gesprächen großen Raum einnahm. Das Selbstverständnis der „Jüngsten“ für ein offenes Zusammenleben soll Vorbild für alle Generationen sein.
Die entspannte Atmosphäre des Dialoges in Plawniowitz machte deutlich, welche Chancen die moderierte Begegnung bietet. Beim Abschied schrieb Dr. Rüttgers in das Gästebuch, er sei „in großer Bewunderung für die große Leistung, dieses Schloss als Zeichen unserer gemeinsamen Geschichte der Nachwelt zu erhalten“. Somit war dieser Termin für alle Beteiligten von Bedeutung. Das Oberschlesische Museum trug seinen Teil dazu bei. Wieder erstaunte die Wagenkolonne, als die Delegation mit hoher Geschwindigkeit sich zum Zentralen Bergbauinstitut nach Kattowitz auf den Weg machte. Gesprächsgegenstand war dort die Zukunft von Kohletechnologie. Im Gegensatz zu Deutschland plant Polen keinen Kohleausstieg. Dennoch ist die notwendige Bereitstellung zumeist oberschlesischer Steinkohle zur polnischen Stromgewinnung langfristig keineswegs gesichert. Auch sind die technischen Optionen zur Endlagerung von CO2 in Kohleflözen noch lange nicht ausgereift.
Zur großen Politik in Warschau, zum regionalen Kulturaustausch und zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit gab es in den drei Tagen für die Landespolitiker aller Parteien viele neue Eindrücke. Beim üblichen gemeinsamen Abendessen auf Einladung von Marschall Janusz Moszynski wurde verkündet, alsbald die Zusammenarbeit durch eine neue Grundsatzvereinbarung auf weitere Felder, so den Sport und die Innere Sicherheit, zu vertiefen. Ein herausragender Bereich wird wieder die Kultur unter Einbeziehung bewährter Partner sein. Erbe und Auftrag sind auch für das Oberschlesische Landesmuseum tragende Begriffe.

Kontakt:
Oberschlesisches Landesmuseum
Stiftung Haus Oberschlesien
Bahnhofstr. 62/71
40883 Ratingen
Tel.: 02102/965-0
Fax: 02102/965-400
e-mail:  info(at)oslm.de
 www.oslm.de