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Internationale Tagung „Das multikulturelle Schlesien – Mythos oder Wirklichkeit?“ (07.12.2007-08.12.2007)

Veranstalter: Centre Interdisciplinaire de Recherches Centre-Européennes (CIRCE) - Université Paris IV - Sorbonne, Paris
Veranstaltungsort: Centre universitaire Malesherbes, 108 Bd Malesherbes, 75017 Paris, U-Bahn : Malesherbes, Hörsaal 117

Das im Herzen Europas zwischen germanischer und slawischer Welt gelegene Schlesien war seit jeher eine Region des Volkerkontakts und der Völkervermischung. Seit dem 19. Jahrhundert und der Geburt der Nationen bzw. der Nationalstaaten erlebt es darüber hinaus das Schicksal eines Grenzgebiets. Im 20. Jahrhundert leben Deutsche und Polen hier nebeneinander und bekriegen sich. Nach der Volksabstimmung im Jahre 1921 werden die deutsche und die polnische Bevölkerungsgruppen durch die ersten Bevölkerungsbewegungen getrennt. Gleichzeitig entwickelt sich Breslau und gewinnt kulturell, wirtschaftlich und politisch immer stärker an Ausstrahlung. Im bewegten Kontext der zwanziger und dreißiger Jahre, der Wirtschaftskrise und des Aufstiegs des Nationalsozialismus erscheint die schlesische Hauptstadt in dieser Region dann als ein Ort der Austausches, wo nationale und religiöse Gemeinschaften, soziale und berufliche Milieus bis zur unheilvollen Machtergreifung Hitlers nebeneinander bzw. miteinander leben.
Das Ende der dreißiger Jahre und der Zweite Weltkrieg markieren schließlich einen zweiten Einschnitt: Das Verschwinden der jüdischen Gemeinschaft (Exil, Deportation) und die Konfrontation zwischen Polen und Deutschen aus Schlesien verwandelt den Ort des Austausches in einen Ort der Konflikte.
Nach 1945 werden die meisten Deutschen umgesiedelt und durch Polen und Ukrainer, welche aus den durch die UdSSR annektierten Ostgebieten deportiert wurden, ersetzt. Das deutsche Schlesien wird ausgelöscht und von einem polnischen bzw. einem für manche seiner Einwohner ukrainischen Schlesien abgelöst. Als Zeuge der nationalsozialistischen Barbarei, des deutschen Widerstandes, der Vertreibung der Deutschen 1945, des Kommunismus, der großen Streiks der 80er Jahre, hat Schlesien die Erinnerung an die erlebten Leiden bewahrt, gleich welcher Staatsangehörigkeit die Opfer sind.
Die Darstellung der kulturellen Vielfältigkeit, die die verschiedenen Gemeinschaften zu dieser Zeit in Schlesien prägen, wirft die Frage nach der Dichotomie auf, welche Alltag und Vorstellungswelt möglicherweise charakterisiert. Wurde nebeneinander, miteinander oder gegeneinander gelebt? Gab es gemeinsame Lebensorte oder vielmehr getrennte Viertel? Wie sah das Leben der Breslauer und der Einwohner Schlesiens in der Zwischenkriegszeit aus? Ist die Multikulturalität eine Erfindung der Nachkriegszeit? Ist sie gleichbedeutend mit wirklichem Austausch oder gegenseitiger Ignoranz? Welches waren die Orte der städtischen Multikulturalität und wie äußerte sie sich? Die Spuren, die sie hinterlassen hat - seien sie topographischer, schriftlicher, mündliche Art – sollen den Ausgangspunkt der verschiedenen Untersuchungen bilden.

Freitag, 7. Dezember 2007

9h15 Eröffnung der internationalen Tagung durch Dr. Delphine Bechtel und Dr. Xavier Galmiche, Vorsitzende des CIRCE
Schlesien zwischen der slawischen und deutscher Welt : Historiographie der Ursprünge
9h30Dr. Marie-Thérèse Mourey (Université Paris IV - Sorbonne)
Schlesiens kulturelle Landschaft: Rückkehr zu den Ursprüngen
10h00 Dr. Wojciech Dominiak (Universität Opole)
Deutsche Siedlung als Ausgangspunkt eines Änderungsprozesses der sozialen und ethnischen Struktur Schlesiens
10h30 Diskussion
10h45 Kaffeepause
Politische Konflikte und neue sozialkulturelle Zusammensetzungen in der Zwischenkriegszeit …
11h Thomas Landwehrlen (IEP Aix-en-Provence / Universität Trier)
Die Rolle des Versailler Vertrags und der Volksabstimmung von 1921 in der Konfliktualisierung der Beziehungen zwischen den in Schlesien beheimateten „Deutschen“ und „Polen“. Das Beispiel Breslaus.
11h25 Juliane Haubold (Universität Göttingen)
Oberschlesien als nationales Kampfgebiet: Deutsche und polnische Oberschlesienmythen in der  Zwischenkriegszeit.
11h50 Dr. Ingo Loose (Humboldt-Universität zu Berlin)
Antisemitismus und die Separierung der jüdischen Gemeinschaft im Spiegel der jüdischen Presse in Breslau und Niederschlesien (1925–1938)
12h15 Diskussion
12h30 Mittagessen : Büfett im Saal 16
und in der Nachkriegszeit im polnischen Schlesien …
13h45 Agnieszka Niewiedzial (EHESS, Paris)
Die ethnische Uniformisierung des polnischen Staates nach Sicht seiner vor und nach 1945 ausgewiesenen Bürger
14h10 Dr. Adriana Dawid (Universität Opole)
Stellung der ehemaligen Mitglieder der Division 1 des Verband der Polen in Deutschland der nationalen Frage in Polen gegenüber 1944-1948
14h35 Piotr Kocyba (Technische Universität Dresden)
Über die Konstruktion kollektiver Identität : Nationalismus im heutigen Schlesien
15h00 Diskussion
und im tschechischen Schlesien …
15h10 Dr. Nicole Hirschler Nicole / Dr. Vladimir Horak (Universität Ostrava)
Multikulturalität in Grenzräumen? – Beobachtungen aus dem Alltagsleben in Hruschau / Hrusov an der Peripherie der Industriestadt Ostrava.
15h35 Dr. Jakub Grygar (Universität Masaryk, Brno / Karls-Universität, Prag)
Problematische Erinnerungen und bestrittene Orte. « Polen und Tschechen « / « Autochtone und Neuankömmlinge » im Teschener Schlesien.
16h00 Diskussion
16h15 Kaffeepause
16h30 Film: Forbidden Love – The Story of Bronia and Gerhard de Marek
Tomasz Pawlowski, Zoyda Art Production, WDR, 2002, 54 min.
 http://www.circe.paris4.sorbonne.fr/rubriques/3colloques/silesiefilm.htm
17h30 Diskussion

Samstag, 8. Dezember 2007
Die erzählte Multikulturaität: Geschichte und Politik
9h30 Corinna Felsch (Philipps-Universität Marburg)
Gemeinsame Geschichte – getrennte Wahrnehmung? Die polnische und deutsche Schlesien-Historiographie in der Zwischenkriegszeit.
9h55 Dr. Christian Lotz (Leipziger Kreis - Forum für Wissenschaft und Kunst, Leipzig)
Der Kampf um die Geschichte Schlesiens. Polnische, west- und ostdeutsche Interpretationen schlesischer Geschichte nach 1945.
10h20 Diskussion
Museen : konsensträchtige Erinnerungsorte?
10h30 Dr. Sophie Wahnich (CNRS, Paris)
Interkulturalität dem historischen Relativismus gegenüber. Am Beispiel der Erzählungen in den kriegsgeschichtlichen Museen.
10h55 Malgorzata Goc (Museum für Oppelner Schlesien,, Opole)
“Neue” Einwohner in der Woiwodschaft Opole, dargestellt im Museum für Oppelner Schlesien in Opole
11h20 Diskussion
11h30 Kaffeepause
Literatur: eine andere Geschichtsschreibung?
11h50 Nicole Bary (Universität Paris III)

Reise durch Schlesien: Identitätskonstruktionen der deutschen Schriftsteller nach 1989
12h15 Dr. Malgorzata Smorag-Goldberg (CIRCE, Paris)
12 Stationen von Tomasz Rozycki. Parodie eines identitäre Archetypen stiftenden Epos
12h40 Diskussion
12h50 Schließung der internationalen Tagung durch Dr. Delphine Bechtel und Dr. Xavier Galmiche (Vorsitzende des  CIRCE) und Dr. Florence Lelait, Dr. Malgorzata Smorag-Goldberg, Agnieszka Niewiedzial (Veranstalterinnen)

Kontakte :  florence_lelait(at)yahoo.fr,  maougocha(at)usa.net,  agajiao(at)yahoo.fr
Finanzielle Unterstützung:
Ministère de l’Education nationale (programme ACCES)
Université Paris IV – Sorbonne : Conseil scientifique de  l’Ecole doctorale IV Université Paris IV – Sorbonne : Ecole doctorale « Civilisations, cultures, littératures et sociétés » Centre interdisciplinaire de recherches centre-européennes (CIRCE)
Ambassade de Pologne