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Operationelles Programm 2007-2013: „Niederschlesien“

1. Regionales operationelles Programm für die Woiwodschaft Niederschlesien, Konvergenzziel, kofinanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

2. Am 6. September 2007 billigte die Europäische Kommission für den Zeitraum 2007‑2013 ein regionales operationelles Programm für die Woiwodschaft Niederschlesien in Polen mit dem Titel „Operationelles Programm für die Woiwodschaft Niederschlesien für den Zeitraum 2007-2013“. Mit diesem Programm werden für die Woiwodschaft Niederschlesien Fördermittel der Gemeinschaft im Rahmen des Ziels „Konvergenz“ verfügbar gemacht. Der Gesamtetat des operationellen Programms beläuft sich auf rund 1,56 Mrd. EUR, und der Gemeinschaftsbeitrag über den EFRE beträgt 1,21 Mrd. EUR (dies entspricht etwa 1,8 % der gesamten EU-Fördermittel, die im Rahmen der Kohäsionspolitik im Zeitraum 2007-2013 in Polen investiert werden).

3. Zweck und Ziel der EU-Investition
Das operationelle Regionalprogramm für die Woiwodschaft Niederschlesien ist das erste breit angelegte, koordinierte, mehrjährige Entwicklungsprogramm der Region mit stabiler finanzieller Grundlage. Die strategischen Ziele des Programms umfassen die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, des sozialen Zusammenhalts und der Anbindung der Region sowie die Nutzung ihres einzigartigen wirtschaftlichen und kulturellen Potenzials, wobei gleichzeitig ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt gewährleistet werden soll. Das operationelle Regionalprogramm für die Woiwodschaft Niederschlesien ist folglich das wichtigste Instrument der Region, um den Strukturwandel zu vollziehen. Darüber hinaus ist das Programm auch ein wichtiges Instrument zur Umsetzung der überarbeiteten Lissabon-Strategie: über 40 % der Gesamtmittel des EFRE entfallen auf die Lissabon-Ziele.
Das Programm verfolgt das strategische Ziel, die Lebensqualität der Einwohner Niederschlesiens und die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu erhöhen und dabei gleichzeitig die Grundsätze einer nachhaltigen Entwicklung zu beachten.

4. Erwartete Wirkung der Investition
Das Programm gewährleistet die Schaffung von rund 8400 neuen Arbeitsplätzen, die Hälfte davon für Frauen. Geplant ist die Verlegung von 540 km neuer Abwasserrohre, wodurch 40 000 Menschen an die Kanalisation angeschlossen werden können. 250 000 Menschen werden Breitband-Internetzugang erhalten.

5. Prioritätsachsen
Das Programm gliedert sich in folgende Prioritätsachsen:

Prioritätsachse 1: Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Niederschlesien („Unternehmen und Innovation“)
Diese Prioritätsachse zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Niederschlesien insbesondere durch Maßnahmen zu verbessern, die die Entwicklung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) unterstützen und das Potenzial im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) ausbauen und nutzen. Vorgesehen sind Instrumente zur direkten und indirekten finanziellen Förderung von KMU. Die Entwicklung der Unternehmen in Niederschlesien, insbesondere der KMU, wird unter anderem hauptsächlich dadurch behindert, dass es kaum Finanzierungsmöglichkeiten gibt und Eigenmittel nur begrenzt zur Verfügung stehen. Daher werden im Rahmen dieser Prioritätsachse innovative Investitionen von Unternehmen einschließlich Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung gefördert. Dies soll durch den Kauf von Sachanlagen im Zusammenhang mit F&E‑Tätigkeiten in Unternehmen sowie durch die Förderung revolvierender Instrumente geschehen, die für die KMU finanziert werden, insbesondere die regionalen Darlehens- und Garantiefonds. Auch die Initiative JEREMIE kann in diesem Bereich genutzt werden. Der zweite Hauptinterventionsbereich ist die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen sowie zwischen Unternehmen und F&E‑Zentren.

Prioritätsachse 2: Entwicklung der Informationsgesellschaft in Niederschlesien („Informationsgesellschaft“)
Hauptziel dieser Prioritätsachse ist die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Region durch die Entwicklung einer grundlegenden regionalen und lokalen Infrastruktur für die Informationsgesellschaft.
Dies wird dazu beitragen, die Ungleichheiten bei Zugang und Nutzung des Internets und anderer Informations‑ und Kommunikationstechnologien zwischen der niederschlesischen Gesellschaft und anderen Regionen in der Europäischen Union abzubauen. Außerdem sollen die derzeitigen Unterschiede insbesondere zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gebieten verringert werden. Fördervorhaben in ländlichen Gebieten und Kleinstädten werden wenigstens 38 % der für diese Prioritätsachse veranschlagten Mittel erhalten.

Prioritätsachse 3: Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Niederschlesiens („Verkehr“)
Diese Prioritätsachse betrifft insbesondere die Modernisierung und den Ausbau der derzeitigen Verkehrsinfrastruktur, damit die Verkehrsanbindung an die angrenzenden Regionen und das inländische Straßennetz modernisiert wird, was zur Entwicklung der Wirtschafts‑ und Fremdenverkehrstätigkeit in den betreffenden Gebieten beiträgt. Dies führt zur Anbindung des regionalen Straßennetzes an das nationale und internationale Verkehrswegesystem. Durch diese Maßnahmen soll das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ausgebaut und verbessert werden, um die nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern und die Transportmittel behindertengerecht zu gestalten. Fördervorhaben in ländlichen Gebieten und Kleinstädten werden wenigstens 38 % der für diese Prioritätsachse veranschlagten Mittel erhalten.

Prioritätsachse 4: Verbesserung der natürlichen Umwelt sowie Erhöhung der ökologischen Sicherheit und Hochwassersicherheit in Niederschlesien („Umwelt und ökologische Sicherheit“)
Diese Prioritätsachse zielt darauf ab, die Qualität der Umwelt zu verbessern, ihrer Verschmutzung vorzubeugen und die Artenvielfalt und die natürlichen Ressourcen in Niederschlesien zu erhalten. Gleichzeitig soll die Sicherheit in der Region erhöht werden, indem natürlichen und technologischen Risiken entgegengewirkt wird, ihre Auswirkungen beseitigt und die in diesem Bereich tätigen Rettungsdienste verstärkt werden. Fördervorhaben in ländlichen Gebieten und Kleinstädten werden wenigstens 38 % der für diese Prioritätsachse veranschlagten Mittel erhalten.

Prioritätsachse 5: Umweltfreundliche Energieinfrastruktur in der Region („Energie“)
Ziel dieser Prioritätsachse ist die Verbesserung der Energiesicherheit in der Region durch Modernisierung des Vertriebssystems, damit Übertragungsverluste vermieden werden und die Sicherheit der Energieversorgung gewährleistet ist. Besondere Beachtung erhält die Verringerung des Einsatzes fester Brennstoffe und die Berücksichtigung von Erfordernissen des Umweltschutzes bei der Energieerzeugung einschließlich der Nutzung erneuerbarer Energieträger. Fördervorhaben in ländlichen Gebieten und Kleinstädten werden wenigstens 38 % der für diese Prioritätsachse veranschlagten Mittel erhalten.

Prioritätsachse 6: Erschließung und Förderung des Potenzials Niederschlesiens in den Bereichen Tourismus, Kultur und Bäderwesen („Tourismus und Kultur“)
Im Rahmen dieser Prioritätsachse sollen vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus in Niederschlesien verbessert und sein kulturelles Erbe genutzt werden, um die Anziehungskraft dieser Region im In‑ und Ausland zu erhöhen. Dies wird dazu beitragen, dass Tourismus und Kultur einen stärkeren Einfluss auf die sozioökonomische Entwicklung in der Woiwodschaft ausüben.

Prioritätsachse 7: Entwicklung und Modernisierung der Bildungs­infrastruktur in Niederschlesien („Bildung“)
Wichtigstes Ziel dieser Prioritätsachse ist die Verbesserung von Qualität und Effektivität des Systems der allgemeinen und beruflichen Bildung durch Investitionen in die Bildungs‑ und Ausbildungseinrichtungen in Niederschlesien.
Dadurch wird unter anderem bewirkt, dass die höheren Bildungseinrichtungen eine größere Rolle spielen und darauf vorbereitet werden, entscheidend zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen Regionalwirtschaft beizutragen. Gefördert wird die Wettbewerbsfähigkeit auch dadurch, dass das Unterrichtsangebot in den Schulen und in den Einrichtungen verbessert wird, die in das Bildungssystem integriert sind oder lebenslanges Lernen ermöglichen; hierzu gehören auch die Aus‑ und Weiterbildungszentren für Lehrkräfte. Fördervorhaben in ländlichen Gebieten und Kleinstädten werden wenigstens 15 % der für diese Prioritätsachse veranschlagten Mittel erhalten.

Prioritätsachse 8: Ausbau der Infrastruktur im Gesundheitswesen Niederschlesiens („Gesundheit“)
Ziel dieser Prioritätsachse ist insbesondere die Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung durch Anhebung der Standards für medizinische Leistungen und durch besseren Zugang zu den Leistungen der Gesundheitseinrichtungen. Durch die Maßnahmen soll das Netz der Gesundheitseinrichtungen rationalisiert werden. Im Rahmen dieser Prioritätsachse werden die bereits angelaufenen Maßnahmen in diesem Bereich keine finanzielle Unterstützung erhalten.

Prioritätsachse 9: Sanierung heruntergekommener städtischer Gebiete in Niederschlesien („Städte“)
Hauptziel dieser Prioritätsachse ist die Vermeidung der Marginalisierung städtischer Gebiete in Niederschlesien, wo negative sozioökonomische Phänomene an Bedeutung gewinnen und die Umwelt sichtbar Schaden nimmt. Die Maßnahmen im Rahmen dieser Prioritätsachse werden zur Sanierung der am stärksten heruntergekommenen städtischen Gebiete und zum Ausbau der sozioökonomischen Strukturen führen. Vorrang haben dabei integrierte Konzepte zur umfassenden Lösung der sozialen und umweltbezogenen Probleme.

Prioritätsachse 10: Technische Hilfe
Mithilfe dieser Prioritätsachse sollen die Möglichkeiten erweitert werden, im Rahmen des regionalen operationellen Programms in Niederschlesien Strukturfondsmittel zu nutzen. Dies wird durch die Förderung einer zielgerichteten, wirkungsvollen Umsetzung des regionalen operationellen Programms geschehen. Im Rahmen dieser Prioritätsachse werden ferner die Vorbereitungsarbeiten für den nächsten Programmplanungszeitraum finanziert.

6. Verwaltungsbehörde: Marschallamt der Woiwodschaft Niederschlesien
Ansprechpartner: Ireneusz Ratuszniak
Abteilung für Regionalentwicklung
Marschallamt der Woiwodschaft Niederschlesien
ul. Wybrzeże Słowackiego 12-14
PL-50-411 Breslau (Wrocław)
Tel. + 48 71 776 9335
Telefax ++ 48 71 776 9003
E-Mail:  ireneusz.ratuszniak(at)umwd.pl
Website:  http://www.rpo.dolnyslask.pl
 http://www.zporr.dolnyslask.pl
7. Titel: „Operationelles Regionalprogramm für die Woiwodschaft Niederschlesien“, Programm im Rahmen des Ziels „Konvergenz“
Interventionsart: Operationelles Programm

CCI-Nr.: 2007PL161PO005
Nr. der Entscheidung: C/07/4207
Datum der endgültigen Annahme: 04/09/2007

8. Aufschlüsselung der Finanzmittel nach Prioritätsachsen (in EUR)

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Prioritätsachse

Gemeinschafts­beitrag

Nationaler öffentlicher Beitrag

Öffentlicher Beitrag insgesamt

1. Unternehmen und Innovation

309 842 736

151 249 296

461 092 032

2. Informationsgesellschaft

97 051 591

22 835 668

119 887 259

3. Verkehr

227 950 624

45 512 610

273 463 234

4. Umwelt und ökologische Sicherheit

128 759 928

23 311 076

152 071 004

5. Energie

36 394 347

11 649 756

48 044 103

6. Tourismus und Kultur

108 479 487

26 540 377

135 019 864

7. Bildung

99 050 316

21 047 342

120 097 658

8. Gesundheit

52 722 970

11 888 513

64 611 483

9. Städte

106 867 090

25 800 021

132 667 111

10. Technische Hilfe

46 025 790

8 122 199

54 147 989

Insgesamt

1 213 144 879

347 956 858

1 561 101 737

MEMO/08/119
Brüssel, 26 Februar 2008

Jörn Timm
Referent für Europaangelegenheiten und Sonderaufgaben
Landeshauptstadt Dresden
Geschäftsbereich Finanzen und Liegenschaften
Postfach  12 00 20
D-01001 Dresden
Tel. 0049 / 351 / 488 – 2130
Fax 0049 / 351 / 488 – 2919
E-Mail:  JTimm(at)dresden.de

 

Zur Geschichte der Juden im niederschlesischen Grünberg

Seit mehreren Jahren befasst sich Andrzej Kirmiel, Geschichtslehrer aus Zielona Góra, ehemals Grünberg, mit der Geschichte der Juden in der Stadt und der Umgebung sowie mit den wenigen noch vorhandenen Spuren jüdischen Lebens. Er hat die Stiftung Lubuska Fundacja Judaica gegründet ( http://judaika-lubuskie.webpark.pl) und organisiert jährlich Jüdische Kulturtage. Wir kooperieren bereits seit längerer Zeit mit ihm. Andrzej Kirmiel nahm an unserer Konferenz „Was ist Heimat?“ im Collegium Polonicum in Słubice (November 2006) sowie am Workshop „Jüdische Spuren in der deutsch-polnischen Grenzregion“ in Groß Neuendorf (Juni 2007) teil und berichtete über seine Arbeit.
Am 9. November 1938 wurde die Grünberger Synagoge in Brand gesteckt und sie brannte vollständig ab. Zum 70. Jahrestag dieses Geschehens plant die Stiftung eine besondere Veranstaltung: ein Konzert des deutsch-polnischen Jugendorchesters in der Philharmonie, die sich heute am ehemaligen Standort der Synagoge befindet, die Enthüllung eines Gedenksteins und eine kleine Tagung zum Thema. Kirmiel fehlen aber noch ausreichende Materialien, Bilder, Erinnerungsberichte, geschichtliche Abhandlungen (auch zur jüdischen Geschichte in Niederschlesien mit Ausnahme von Breslau). Er wäre für alle Hinweise und Vorschläge dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Ruth Henning / Ewa Czerwiakowski
DPG Brandenburg / Deutsch-Polnischer Journalistenclub
Charlottenstr. 31, 14467 Potsdam
0049 (0) 331 280 45 83,
Fax: 280 45 84
 www.dpg-brandenburg.de

Jury für memoria. Freiwillige für Europas Kulturerbe. Ausschreibung 2008

Die Stiftung unterstützt mit dem Programm junge Menschen dabei, sich in Grenzregionen für den Erhalt des europäischen Kulturerbes einzusetzen. Gefördert werden Jahresprojekte und Sommerlager, die jungen Menschen praktische Erfahrungen und theoretisches Wissen rund um die Pflege und Vermittlung des Kulturerbes nahe bringen.
Mit diesem Programm regt die Stiftung junge Menschen zu einer transnationalen Auseinandersetzung mit der - häufig im Zweiten Weltkrieg zerstörten - facettenreichen Kultur der Grenzregionen an. Durch die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung fördert das Programm außerdem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
memoria. ist ein Programm, das in Kooperation mit der polnischen  Stefan-Batory-Stiftung durchgeführt wird.
Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und die polnische Stefan-Batory-Stiftung schreiben zum zweiten Mal einen gemeinsamen Förderwettbewerb aus. Gefördert werden zwei vierwöchige Sommercamps, die sich der Bewahrung des europäischen Kulturerbes in Grenzregionen widmen.
Die Ausschreibungsfrist endet am 31. März 2008. Die Bewertung der eingereichten Anträge erfolgt durch eine Jury, die den Vorstand der Stiftung bei der Auswahl der Projektvorhaben berät.

Mitglieder der Jury:
Janusz Smaza, Denkmalpfleger und Konservator, Akademie der Schönen Künste Warschau
Milosz Czerniejewski, Jeden Swiat, Poznan
Darius Polok, Kulturmanager aus Mittel- und Osteuropa, Robert-Bosch-Stiftung, Berlin 

Ausschreibung  hier
Antragsformular deutsch  hier
Antragsformular polnisch  hier

Kontakt:
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
Corinna Jentzsch
Markgrafenstraße 12 - 14
10969 Berlin
Tel. +49 (0)30 259297-86
Fax: +49 (0)30 259297-42
E-Mail:  jentzsch@stiftung-evz.de

Stefan-Batory-Stiftung
Sapieżyńska 10a
00-215 Warsaw
Tel: +48-22-5360200
Fax : +48-22-5360220
E-Mail:  batory(at)batory.org.pl 

Projektpartner:
Jugendbauhütte Niederschlesien
Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung
Magda Zietkiewicz Krzyzowa 7
PL-58-112 Grodziszcze
Tel. +48 74 8500122
E-Mail:  magdaz(at)krzyzowa.org.pl
 www.wolontariat.net.pl

Jugendbauhütte Ermland und Masuren:
Stiftung "Borussia"
Beata Samojlowicz
ul. Kopernika 45
PL-10-513 Olsztyn
Tel. +48 89 5237293
E-Mail:  ochrona_zabytkow(at)borussia.pl
 www.borussia.pl

 

 

Geschichte der Juden in Polen im 20. Jahrhundert (Sammelrezension)

Vor dem Völkermord war Polen das Land mit der größten jüdischen Bevölkerung. Über drei Millionen Juden lebten dort als religiöse wie als nationale Gemeinschaft. Doch galten sie zumeist als Fremde, oft als Feinde. Ihre großen Kulturleistungen waren weltweit anerkannt, wurden aber nur selten von ihren nichtjüdischen Nachbarn entsprechend wahrgenommen. Sogar nach dem Holocaust verschwanden die Probleme nicht.
Zwischen 1946 und 1968 verließen die meisten der Überlebenden aus Polen, und dies nicht immer freiwillig. Die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Polen ist zu Ende, doch keineswegs die emotionsgeladene Debatte um sie.[1]
Ein Schlüsselwort dieser Kontroversen ist der abwertende Terminus „Zydokomuna”, meist als „Judenkommune”, bisweilen auch als „Judäo-Kommune” übersetzt. Das Schlagwort entstand im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919-1921), in dem die Juden pauschal der Unterstützung für die Bolschewiki angeklagt wurden.
In der Tat besaß die polnische kommunistische Partei in der Zwischenkriegszeit Ansehen unter der jüdischen Bevölkerung, nahm sie doch, ebenso wie die polnische Sozialdemokratie, eindeutig gegen den grassierenden Antisemitismus Stellung. 1936 waren acht der fünfzehn KP-Leitungsmitglieder Juden; fast alle von ihnen wurden unter Hitler oder Stalin ermordet. Ein Viertel der Parteimigliedschaft war jüdischer Herkunft, in den Parteizellen der Großstädte lag der jüdische Anteil deutlich höher.
Im September 1939 sahen die meisten Polen die sowjetische Armee, die den Ostteil des Landes besetzte, als Invasionsarmee, ähnlich der deutschen Wehrmacht. Viele dort lebende Juden, bezeugt ist dies von Stanislaw Jerzy Lec und Adam Schaff, erblickten in der Roten Armee jedoch eine Kraft, die sie vor den Nazis schützte.
Hier setzt das Buch von Agnieszka Pufelska ein, das aus einer 2005 an der Universität Frankfurt (Oder) verteidigten Dissertation hervorging
Die Vorstellung, Juden seien für den Kommunismus besonders anfällig, während zum guten Polentum der Antikommunismus wie selbstverständlich dazugehöre, war vor 1939 eine Denkfigur nicht nur der nationalistischen polnischen Rechten, sondern sogar mancher Liberaler. Die Anwesenheit sowjetischer Truppen, die oft von russischsprechenden, wenngleich aus Polen stammenden Juden assistiert wurden, gab dieser Denkfigur dann gewaltigen Auftrieb. Doch obwohl manche Polen unter deutscher Herrschaft ein nur wenig besseres Schicksal als die Juden erwartete, blieb die Kluft zwischen Juden und nichtjüdischen Polen unüberbrückbar. Der jüdischen Hoffnung auf die Rote Armee (und selbst auf Stalin) als echter Alternative zu Hitler stand die Vorstellung einer jüdischen Fünften Kolonne entgegen: Juden würden sich zu Handlangern eines Regimes machen, das ebenso wie die Nazis zu bekämpfen sei. So erfüllte, während die jüdische Bevölkerung Polens ausgerottet wurde, die Idee einer jüdisch-kommunistischen Verschwörung geradezu „die Funktion einer identitätsstiftenden Weltanschauung” – so das Fazit der Autorin (S. 251). Dagegen stellt sie die (allerdings kritisch zu diskutierende) These, die meisten Juden seien gerade in den von der Sowjetunion besetzten Gebieten „vehemente Antikommunisten” gewesen oder geworden, da ihr Anteil unter den ins Landesinnere der UdSSR Deportierten gegenüber den Nichtjuden um das Dreifache höher gewesen sei (S. 88). Nicht selten rechneten sowjetische Geheimdienstler dabei mit wirklichen oder angeblichen Trotzkisten wie mit sonstigen kommunistischen Oppositionellen ab, unter denen der jüdische Anteil tatsächlich bemerkenswert hoch war (S. 84).
Mit großer Detailkenntnis rekonstruiert Agnieszka Pufelska ein besonders dunkles Kapitel polnisch-jüdischer Beziehungen: die Legitimierung von Judenmorden unter deutscher Besatzung. „Wenn die Deutschen zu uns kommen”, schrieb am 29. Juni 1941 ein polnischer Priester in sein Tagebuch, „kann mit den Juden was Böses passieren, zumal die Juden eng mit den Kommunisten und dem NKWD zusammengearbeitet haben. Die durch die bolschewistischen Verbrecher verfolgte Bevölkerung hat ihnen viel vorzuwerfen.” (S. 88) Nicht nur in Jedwabne, sondern in rund fünfzig weiteren Orten verübten Polen nach dem deutschen Einmarsch Pogrome an ihren jüdischen Mitbewohnern. Noch sechzig Jahre später sah der Historiker (und einstige Solidarnosc-Aktivist) Tomasz Strzembosz darin lediglich einen „Racheakt“ für die Kollaboration von Juden mit der sowjetischen Armee (S. 90). Doch wurden durch polnische Hilfe zwischen zwanzigtausend und vierzigtausend Juden gerettet, und mindestens eintausend Polen wurden als Helfer der Juden von den deutschen Besatzern hingerichtet (S. 187). Im Warschauer Ghettoaufstand leisteten Untergrundkämpfer der Polnischen Heimatarmee den jüdischen Märtyrern Unterstützung, doch sogar dann blieb der Argwohn bestehen, diese Unterstützung könne in erster Linie Kommunisten gelten (S. 135f.).
Zur gleichen Zeit nutzte die deutsche Propaganda die Toten von Katyn, „um antikommunistische wie antisemitische Ressentiments und Ängste der polnischen Bevölkerung vor der näher rückenden Roten Armee für eigene Zwecke zu mobilisieren“, so die Autorin (S. 138). In polnischsprachigen, aber in deutschem Auftrag verfassten Broschüren wurden jüdische Sowjetfunktionäre wie Lazar Kaganowitsch als Schreckbilder gezeichnet, gegen deren drohende Herrschaft Polen und Deutsche zusammen kämpfen sollten.
Doch auch die polnische Exilregierung war über der Frage eines künftigen Verhältnisses zu den Juden gespalten: Während Premier Sikorski den Antisemitismus klar verurteilte, hielt eine Reihe seiner Anhänger am Mythos der Juden als Inkarnation des Bösen fest. Das Zerrbild vom verräterischen Juden blieb sogar dann bestehen, als der Anteil jüdischer Freiwilliger in einigen Einheiten der Anders-Armee bis auf vierzig Prozent anstieg. General Anders selbst hegte keinen Zweifel, dass sich unter ihnen zahlreiche sowjetische Agenten befänden (S. 151). Mit der Verlegung der Anders-Armee in den Nahen Osten desertierte ein hoher Prozentsatz der wenigen jüdischen Soldaten, denen die Sowjetunion die Ausreise erlaubt hatte, nach Palästina. Dort verstärkten viele von ihnen die jüdischen paramilitärischen Organisationen. Doch trug auch dies zur Verschärfung des polnisch-jüdischen Konfliktes bei. Die auf Anordnung Stalins in der UdSSR neu formierte polnische kommunistische Partei suchte sich ebenfalls zum Sprecher nationaler Interessen zu machen und hielt sich gegenüber den berechtigten Wünschen der Juden nach angemessenem Schutz in einem künftigen Polen öffentlich zurück. Auch fanden Juden in kommunistischen (wie nichtkommunistischen) Publikationen als von den Nazis besonders verfolgte Gruppe relativ selten Erwähnung, sollte doch das Bild der Polen als Hauptopfer erhalten bleiben.
Nachdem die polnischen Kommunisten im Gefolge der Roten Armee zum wichtigsten inneren Machtfaktor im neuen Staat geworden waren, rekrutierten sie eine beträchtliche Anzahl von Juden für die zu besetzenden Funktionen in Armee, Verwaltung und Geheimpolizei. Zur Symbolfigur für den hohen kommunistisch-jüdischen Geheimdienstmann wurde Politbüromitglied Jakub Berman. So besaß der antikommunistische Untergrundkampf, der noch bis in die zweite Hälfte der 1940er-Jahre andauerte, eine starke antisemitische Note. „Weg mit dem judäo-bolschewistischen System und seinen Dienern!“, hieß es in einem der zahlreichen Flugblätter (S. 196). Judenfeindliche Exzesse, so im Juli 1946 in Kielce, folgten. Auf  wessen Konto das Kielcer Pogrom geht, kann auch Agnieszka Pufelskas Buch nicht eindeutig beantworten.
Beim Übergang zum Stalinschen Einparteisystem suchten sich die polnischen Kommunisten des Stigmas der „Zydokomuna” zu entledigen. Kein anderer als Jakub Berman schrieb, die polnische KP sei eine “nationale Partei”, und Wladyslaw Gomulka befleißigte sich in einem Brief an Stalin antisemitischer Rhetorik, was freilich seine (zeitweilige) Entmachtung nicht verhinderte (S. 231f.). Aber nicht in Warschau, sondern in Prag wurde der erste antisemitische Schauprozess des Kommunismus in Szene gesetzt.

Die Vorgeschichte der Ereignisse, die Agnieszka Pufelska in ihrem Buch thematisiert, behandelt auch Holger Michaels Darstellung über Juden und Polen im 20. Jahrhundert. Sein Buch füllt vor allem im deutschsprachigen Raum eine empfindliche Lücke, denn eine umfassende Darstellung der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Polen fehlte hier bislang.
Zudem enthält es im Anhang eine Liste bedeutender polnisch-jüdischer Persönlichkeiten.[2] Das Buch beruht zumeist auf gedruckten Quellen und Sekundärarbeiten aus Polen (Da die Arbeiten von Agnieszka Pufelska und Holger Michael zeitgleich erschienen sind, konnten die Forschungsergebnisse der jeweils anderen Darstellung nicht verwertet werden.).
Michaels Buch ist in vier Teile gegliedert: die Zwischenkriegszeit 1918-1939, die Katastrophe 1939-1945, das Schicksal der Überlebenden
1945-1952 sowie den „Exodus der Letzten“. Der Autor  konzentriert sich auf die Analyse der polnisch-jüdischen Beziehungen im Polen der Zwischenkriegszeit sowie der Volksrepublik, während die Ausführungen zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust vorhandene Forschungsergebnisse zusammenfassen.
Stärker noch als Agnieszka Pufelska betont Holger Michael, dass Juden und Polen zwei eigenständige Nationen waren, die trotz vieler Beziehungen in separaten kulturellen Milieus existierten. Ohne die Anerkennung dieser Tatsache sei eine Analyse der polnisch-jüdischen Beziehungen unmöglich. In Westeuropa, doch auch in Deutschland und Österreich, suchten sich die Juden in ihrer nichtjüdischen Umwelt zu assimilieren. Die Sowjetunion habe hingegen die Juden als Nationalität anerkannt und zugleich ihre Lebensbedingungen denen der russischen oder ukrainischen Umwelt anzugleichen gesucht. Dies verlief indes konfliktreicher, als bei Michael nachzulesen ist.
Keiner der beiden Wege war in der Zweiten Polnischen Republik vor 1939 denkbar gewesen, so der Verfasser. Vielmehr habe die historische Entwicklung, die den Juden einen Platz vor allem im städtischen Handel und den freien Berufen zuwies, für ein Fortbestehen der nationalen Merkmale des jüdischen Volkes gesorgt. Juden stellten in der Zwischenkriegszeit über fünfzig Prozent der Handelsbourgeoisie, und zwei Drittel der kleineren Geschäfte befanden sich in jüdischem Besitz. In den 1930er-Jahren gehörten ihnen aber auch ein Drittel aller Industriebetriebe, was von ihrem wirtschaftlichen Aufstieg zeugt, der wiederum Neidgefühle hervorrief (S. 19).  Zwar begrüßten 1917-18 die Juden das Ende der zaristischen Herrschaft und die Errichtung eines eigenständigen polnischen Staates. Zugleich aber stieß der betont national-polnische Charakter der neuen Republik unter ihnen auf Skepsis.
Dies führte, so Michael, unter den Polen zur weitverbreiteten Ansicht, die Juden nach der Unabhängigkeit 1918 pauschal als Fremdkörper zu betrachten. Als nichtchristliche Volksgruppe waren sie zudem religiösen Vorurteilen ausgesetzt. Die aus all dem resultierenden Spannungen entluden sich bereits 1918 in einer Reihe blutiger Pogrome. Diese stellten die Weichen für eine fortdauernde Distanz der meisten Juden zum polnischen Nationalismus, als dessen Produkt der neue Staat galt.
Der spätere Staatschef Józef Pilsudski war jedoch ein Gegner des Antisemitismus und suchte judenfeindliche Vorurteile zuerst in der Polnischen Legion, dann in der Armee des neuen Staates zurückzudrängen.
So stiegen immerhin fünf Juden bis in Generalsränge auf (S. 69). Doch der entsprechende Passus in der Verfassung vom März 1919, die die Gleichberechtigung aller Volksgruppen festlegte, galt vielen polnischen Nationalisten als ein von den Westmächten aufgenötigtes Zugeständnis, dessen man sich rasch entledigen könne. So brandmarkten vor allem Politiker der rechtsstehenden Nationaldemokratischen Partei den Gebrauch des Jiddischen in Bildungseinrichtungen als „mitteldeutschen Dialekt“ und als Ausdruck einer „Germanisierung“, die den nationalen Interessen Polens zuwiderlaufe (S. 100).
Bedrückend lesen sich die zahlreichen Beispiele antisemitischer Agitation von Seiten katholischer Geistlicher wie auch an den Hochschulen. Dabei betont Michael, dieser habe kein mit dem deutschen Faschismus vergleichbarer Antisemitismus der Ausrottung zugrunde gelegen. Hingegen sei der Kampf um eine wirkliche Gleichberechtigung der Juden im gesellschaftlichen Leben Polens von nationalistischer Seite immer wieder als Ausdruck angeblicher „Überfremdungsbestrebungen“ geschmäht worden. So nimmt es nicht Wunder, das die Arbeiterbewegung, und dies schloss Kommunisten, Sozialdemokraten und den internationalistisch orientierten Jüdischen Arbeiterbund ein, viele Anhänger unter den Juden fanden, wenngleich die Mehrheit von ihnen an bürgerlichen Denk- und Verhaltensweisen festhielt. Der Zionismus hatte sowohl im bürgerlich-jüdischen Milieu wie in seiner sozialistischen Variante zwar eine nennenswerte Anhängerschaft, blieb jedoch insgesamt eine Minderheitenströmung. Der Gedanke einer Auswanderung nach Palästina lag den meisten Juden fern. Kein polnischer Jude (oder Nichtjude) in Polen vermochte sich vorzustellen, dass eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes diese Frage auf eine neue Ebene heben könnte.
Der Autor schildert Vernichtung, polnische Kollaboration und jüdischen Widerstand. Er zeigt das tödliche Dilemma, vor denen die Vertreter der Judenräte in ihrer von den Besatzern erzwungenen Zusammenarbeit standen.
Er nennt polnische Denunzianten aber auch polnische Helden, die verfolgten Juden halfen. Hier hätte eine genauere Auswertung der Forschungsergebnisse, die Wladyslaw Bartoszewski (auch in deutscher und englischer Sprache) vorgelegt hat, das Bild noch abrunden können.[3] Wie Agnieszka Pufelska unterstreicht auch Holger Michael, dass die Juden zuallererst die Rote Armee als Befreier ersehnten, und dies unabhängig von ihrer allgemeinen politischen Haltung. Auch ansonsten decken sich die Befunde beider Verfasser in Bezug auf die Ereignisse der Jahre 1939 bis 1945 weitgehend.
Im Kapitel über die Volksrepublik schildert Michael, wie sich die überlebenden oder nach Polen zurückgekehrten Juden, etwa 200.000, unter den neuen Verhältnissen zurechtfinden mussten. Wer im Lande blieb, war bereit, sich auf das sozialistische Experiment einzulassen. Dies betraf auch die Mitarbeit in Partei-, Polizei- und Sicherheitsorganen. Jüdische Sicherheitsbeamte verfolgten mit besonderer Härte die Reste des ebenso antikommunistischen wie antisemitischen Widerstandes. Doch sie waren auch, und dieses bis heute sehr umstrittene Kapitel hätte eine Behandlung im Buch verdient, maßgeblich an der Vertreibung der Deutschen beteiligt.[4]
Hat KP-Chef Boleslaw Bierut, wie der Autor hervorhebt, aber leider nicht genau belegt, ein Übergreifen des stalinistischen Antisemitismus 1952 auf Polen verhindert (S. 223)?  Es war der „Polnische Oktober” von 1956 mit seinen Massenprotesten gegen die Erbschaft des Stalinismus, die zur Herausbildung zweier Gruppierungen in der Partei führten (S. 224). Dies waren die „Pulawy-Gruppe” (benannt nach der Pulawska-Straße in Warschau, der Adresse von Leon Kasman, dem ehemaligen Redakteur des KP-Organs „Tribuna Ludu”) und die „Natoliner” (benannt nach dem Ort Natolin bei Warschau). Zur Pulawy-Gruppe gehörten jüdische Parteifunktionäre, so Jakub Berman und Hilary Minc, „die in der Vergangenheit Vertreter eines harten Kurses [gewesen] waren und nun zu ‘Demokraten’ und ‘Reformatoren’ mutierten” (S. 226f.). Ihre Gegner, die „Natoliner”, waren gegen die Liberalisierung. Zu ihnen gehörten General Józwiak und Vize-Innenminister Witaszewski, doch schob sich bald General Mieczyslaw Moczar, ein Partisanenführer des Krieges, in den Vordergrund.
Dessen Stunde schlug im Frühjahr 1968: Moczar, der nunmehrige Innenminister, spielte eine maßgebliche Rolle bei der antisemitischen Kampagne in Folge der studentischen März-Unruhen. Dargestellt wird der Grad an moralischer Verkommenheit innerhalb der Parteiführung, des Apparates, aber auch der Arbeiterschaft. Dies wurde zum Wendepunkt in der Haltung der polnischen Rechten gegenüber den Juden: Nunmehr galt, laut Michael, die Solidarität mit jenen Juden, die Polen verließen, als Ausweis antikommunistischer Gesinnung. Der Autor verwendet indes die Begriffe „Rechte“ und „Linke“ zu undifferenziert, gelten ihm doch auch liberale Kritiker des Kommunismus als „rechts“. Der Exodus nunmehr auch jener Juden, die ursprünglich mit den Kommunismus verbunden waren, ließ nur eine verschwindend kleine Zahl in Polen zurück; die Schätzungen reichen von fünf- bis fünfzehntausend. Doch auch diese winzige Minderheit wurde Gegenstand antisemitischer Vorurteile.
Schließlich geht der Verfasser noch mit jenem Teil der katholischen polnischen Geistlichkeit scharf ins Gericht, der sich um den Rundfunksender „Radio Maryia“ und die Zeitung „Nasz Dziennik“ gruppiert hat. Dieses Blatt kommentierte 2007 die Ernennung des neuen polnischen Botschafters in Berlin, Marek Prawda, mit den Worten, ihm stünden die Interessen von Deutschen und Juden näher als diejenigen Polens.[5] Die wahren Interessen von Polen, Juden oder Deutschen liegen aber in der Aufarbeitung der Vergangenheit. Deren Kenntnis ist allein keine hinreichende, aber notwendige Bedingung, Antisemitismus und jedem Rassismus zu begegnen. Die beiden hier besprochenen Bücher können dafür wichtiges Wissen vermitteln, aber viel bleibt noch zu tun.

Anmerkungen:
[1] Dies zeigen auch die Kontroversen um das Buch von Gross, Jan T., Fear. Anti-Semitism in Poland After Auschwitz. An Essay in Historical Interpretation, New York 2006, dessen polnische Ausgabe zu Beginn des Jahres 2008 erschien.
[2] Hier fehlt es bei der Erstellung der Todesdaten mitunter an Sorgfalt. Zudem wurde Julian Marchlewski, der kein Jude war, in der Reihe aufgeführt. Hingegen fehlen bedeutende Naturwissenschaftler, so die Nobelpreisträger Tadeusz Reichstein und Joseph Rotblat, doch z.B. auch der Soziologe Feliks Gross und der Dokumentarfilmer Jerzy Bossak.
[3] Bartoszewski, Wladyslaw, Vergossenes Blut uns verbrüdert. Über die Hilfe für Juden in Polen während der Okkupation, Warszawa 1970; ders.; Lewin, Zofia (Hrsg.), Righteous Among Nations. How Poles Helped the Jews, 1939-1945, London 1969.
[4] Vgl. hierzu Sack, John, Auge um Auge. Die Geschichte von Juden, die Rache für den Holocaust suchten, Hamburg 1995 (amerikan. Ausgabe: New York 1993).
[5] Nach einer Mitteilung der Zeitschrift „Polen und wir“ 4 (2006), S. 6.

Pufelska, Agnieszka: Die "Judäo-Kommune" - ein Feindbild in Polen. Das Polnische Selbstverständnis im Schatten des Antisemitismus 1939-1948. Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag 2007. ISBN 3-7705-3960-5; 284 S.; EUR 39,90.

Michael, Holger: Zwischen Davidstern und Roter Fahne. Die Juden in Polen im XX. Jahrhundert (= Edition Zeitgeschichte 29). Berlin: Kai Homilius Verlag 2007. ISBN 3-89706-865-6; 278 S.; EUR 19,90.

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Mario Keßler, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam
E-Mail: < mariokessler(at)yahoo.com>
URL zur Zitation dieses Beitrages
< http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-2-017>

 

Schlesien als Modellfall für religiöse Toleranz? Podiumsdiskussion der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen auf der Leipziger Buchmesse aus Anlass des 300. Jubiläums der Altranstädter Konvention

Schloss Altranstädt, westlich von Leipzig, ist mit seiner vergleichsweise bescheidenen Gestalt gewiss nicht der Ort, an dem man den Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse vermutet.  Und dennoch:  Zum einen erfolgte dort der Friedenschluss des Jahres 1706, in dem August der Starke auf Druck des Sachsen besetzt haltenden Königs Karl XII. von Schweden den Verzicht auf die polnische Krone erklärte. Zum anderen benannte man nach Altranstädt die Konvention des folgenden Jahres, in der Karl XII., Schutzherr der Protestanten im Reich, und Kaiser Josef I., auf die Unterstützung des schwedischen Königs in der Zeit des Spanischen Erbfolgekriegs angewiesen, die konfessionellen Verhältnisse im zu den habsburgischen Ländern gehörenden Schlesien in neuartiger Weise regelten.
Den bislang in ihrer Religionsausübung stark behinderten evangelischen Schlesiern, die sich auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648 massiven Rekatholisierungsbemühungen ausgesetzt sahen, wurde in der Altranstädter Konvention das öffentliche Bekenntnis der Augsburgischen Konfession zugestanden. In den Fürstentümern Liegnitz, Brieg, Wohlau, Oels, Münsterberg und der Stadt Breslau mussten alle Kirchen und Schulen, die ihnen nach dem Westfälischen Frieden weggenommen worden waren, rückerstattet werden. Sechs in der Folge neuerrichtete Gotteshäuser sollten später als „Gnadenkirchen“ – also als der Gnade des Kaisers zu verdankende Kirchen – bekannt werden. Vier von ihnen – Hirschberg, Landeshut, Militsch und Teschen – sind heute noch zu bewundern. Schlesien war fortan ein anerkannt gemischt konfessionelles Territorium, das einzige unter den habs­burgischen Ländern, und es sollte geradezu als Modellfall für die Verwirklichung religiöser Toleranz im frühneuzeitlichen Europa gelobt werden.
Aber war es das wirklich? Und wenn ja, wie entwickelte sich dieses Modell, was ist von ihm heute geblieben? 300 Jahre nach der Unterzeichnung Altranstädter Konvention von 1707 und deren feierlichem Abschluss 1709 in Breslau setzten sich mit diesen Fragen Historiker und Experten im Rahmen einer von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen auf der Leipziger Buchmesse veranstalteten Podiumsdiskussion auseinander: Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll, Historiker an der Technischen Universität Chemnitz, Pfarrer i.R. Dr. Christian-Erdmann Schott, Mainz, Mitglied der Historischen Kommission für Schlesien und mit zahlreichen Publikationen als einer der profundesten Kenner der schlesischen Kirchengeschichte ausgewiesen, sowie Oberkonsistorialrätin Margrit Kempgen, Görlitz, die sich in einer Stiftung für die Bewahrung der geistigen Tradition des evangelischen Schlesien engagiert. Unbestritten bedeutete die Altranstädter Konvention, wie Dr. Schott ausführte, für die schlesischen Protestanten einen beachtlichen Fortschritt. Nicht nur wurden ihnen die 125 rekatholisierten Kirchen zurückgegeben und die unbehinderte Religionsausübung garantiert, sondern konnten zudem die Protestanten nunmehr auch öffentliche Ämter bekleiden, waren sie damit in ganz neuer Weise gesellschaftlich anerkannt. Aber auch für den Kaiser als Landesherren brachte die Konvention bedeu­tende Vorteile, gelang es doch, die Protestanten als loyale Untertanen in das Staatsgefüge einzu­binden. Man organisierte das Luthertum in Konsistorien, als deren Präsidenten katholische Adlige fungierten, die darauf auf die Wahrung der österreichische Staatsdoktrin zu achten hatten. Das Luthertum wurde so gleichsam zum kontrollierten Juniorpartner der österreichischen Staatskirche und hatte nun seinerseits dafür zu sorgen, dass tendenziell anarchische Strömungen, wie etwa der Pietismus, unterbunden blieben. Mit echter Toleranz im Sinne der Aufklärung hatte all dies, so Dr. Schott, noch nicht viel zu tun. Dies sollte sich in Schlesien erst unter in preußischer Zeit durch die Politik eines Friedrich d.Gr. ändern, dem kirchengebundene Religiosität fremd war und der es bekanntlich jedem Untertanen überließ, nach seiner Façon selig zu werden, sofern er nur ehrlich seine Steuern zahlte. König Friedrich II. ging es indes nicht mehr um die Integration der Protestanten in den Staatsverband, sondern die der Katholiken, deren Zahl sich in Preußen durch die Eingliederung Schlesiens verdoppelt hatte. In der Tat gelang es, die katholische Kirche, die zunächst in vollen Rechten belassen wurde, für den neuen Staat zu gewinnen.
War das Verhältnis der Konfessionen im preußischen Schlesien zunächst rein religiös bestimmt, so vermischte es sich im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend mit Fragen der ethnischen Zugehörigkeit. Der in der Romantik aufgekommene Nationalismus, der evangelisch mit deutsch und katholisch mit polnisch in eins setzte, verdeckte schließlich den von der Aufklärung bestimmten preußischen Ansatz der Toleranz. Wie Margrit Kempgen ausführte, gab es erst recht nach der Vertreibung der meisten Deutschen 1945 gegen die polnischen Evangelischen in Schlesien in Staat und Bevölkerung massive Vorbehalte, nicht nur weil sie eine andere Konfession als die Mehrheitsbevölkerung hatten, sondern auch, weil man sie als vermeintliche Deutsche beargwöhnte. Ihre Gemeinden sind heute teils von Lebendigkeit, teils aber auch von Überalterung geprägt. Zwischen diesen polnischen und den wenigen verbliebenen tatsächlich deutschen Evangelischen in Schlesien gab und gibt es aber keine Komplikationen, vielmehr eine enge Partnerschaft. Eine kleine deutsche evangelische Minderheit besteht zurzeit nur noch in Breslau und in Liegnitz. Insgesamt sind es sechs deutschsprachige Gemeinden, die von der polnischen evangelischen Kirche betreut werden. Lediglich die Breslauer Gemeinde, die Zuzug von den Familien sich dort niederlassender deutscher Geschäftsleute erhält, dürfte langfristig vor dem Aussterben bewahrt bleiben. Bemerkenswert ist indes, dass in Görlitz, im bei Deutschland verbliebenen Teil Niederschlesiens, polnische evangelische Christen ein aktives Gemeindeleben entfalten, das über die Neiße hinweg zu den dortigen Glaubensbrüdern ausstrahlt.
Auch wenn, wie Margrit Kempgen bedauernd feststellte, die heutige katholische Kirche in Polen die Altranstädter Konvention nicht positiv bewertet – etwa erkennbar an der Abwesenheit hochrangiger Kirchenvertreter jüngst bei der Eröffnung der Ausstellung „Auf dem Weg zur Toleranz – 300 Jahre Altranstädter Konvention“ im Schlesischen Museum zu Görlitz, so steht die Konvention doch für das reiche Erbe Schlesiens, das heute Deutsche und Polen verbindet und das es heute verstärkt nutzbar zu machen gilt. Dr. Schott ergänzte, dass die Bedeutung der schlesischen Kulturlandschaft nicht zuletzt aus der lange Zeit gelebten Bikonfessionalität der Region resultiere: Wirkten – gewiss vergröbernd gesagt – die Katholiken auf bildnerischer Ebene, so leisteten die Protestanten Groß­artiges auf literarischem Gebiet. Das von Toleranz geprägte Zusammenleben der unter­schiedlichen Konfessionen wurde somit zum Antrieb im kulturellen Wettkampf.  Auch Dr. Schott hob hervor, dass das auf diese Weise geschaffene Erbe als überaus reich gelten kann, es der Region ihren heute erneut wahrgenommenen, eigenen Charakter verleiht. Für die evangelische Kirche nicht nur in Schlesien, sondern in Deutschland allgemein, erwies sich der zähe, aber gewaltlose Widerstand der schlesischen Protestanten gegenüber einem bevormundenden Staat, der in Altranstädt erfolgreich war, als wertvoll: Die Bekennende Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus stand in dieser Tradition, von den ca. 500 Pastoren der Bekennenden Kirche in Deutschland wirkten allein ca. 200 in Schlesien.
Schlesien – hierin zeigten sich Prof. Dr. Kroll und die übrigen Beteiligten der Diskussion einig – ist keine Sache der Vergangenheit. Es ist gemeinsames, lebendiges Erbe von Deutschen, Polen und Tschechen. Zu den hervorragenden Elementen dieses Erbes gehört die einst beharrlich ausge­handelte Altranstädter Konvention, die den Menschen der Region ein friedliches und fruchtbares Zusammenleben ermöglichte. Einen Dank sprach man daher abschließend dem Freistaat Sachsen aus, der mit der Förderung der Wiederherstellung des Schlosses Altranstädt, mit der oben genannten Görlitzer Ausstellung und weiteren Veranstaltungen zum 300. Jubiläum, nicht zuletzt auch mit dieser Podiumsdiskussion der Kulturstiftung auf der Leipziger Buchmesse, an das reiche schlesische Erbe und an Altranstädt als Vorbild für zukunftsweisende Konfliktlösungen in Europa erinnert.

Dr. Ernst Gierlich
Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen Kaiserstr. 113
53113 Bonn
Tel. 0228/ 91512-0

 

Über Grenzen. Ein „begehbares Bilderbuch“ über Deutschland und Polen

Geschichte ist keine abstrakte Idee, sondern von Menschen gelebte und erlebte Zeit. Im Projekt „Über Grenzen“ sind Menschen involviert, die die Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und die Jahre des Kalten Krieges unter den verschiedensten Voraussetzungen erlebt haben. Menschen aus Westdeutschland, aus der damaligen DDR, aus Polen, aus den Grenzgebieten mit ihrer besonderen Situation nach dem Krieg; Menschen deutscher Herkunft, die in Polen leben und polnischer Herkunft, die seit vielen Jahren in Deutschland wohnen, erzählen aus ihrem Leben. All diese Geschichten gehen in ein „begehbares Bilderbuch“ ein.
Denn am Ende des Projektes entsteht eine räumliche Installation mit Bild- und Textelementen. Das Material hierfür wird von der Künstlerin Tatjana Utz anhand von etwa 50 Interviews gewonnen, die im Zuhause der deutschen und polnischen Interviewpartner stattfinden. Dort werden deren persönliche Erinnerungen und Geschichten, aber auch das gegenwärtige Umfeld der Gesprächssituation in Tonaufnahmen und Fotos festgehalten und anschließend als Auswahl in Malereien und großformatigen Textfahnen umgesetzt. Diese werden schließlich installativ im Ausstellungsraum zueinander gestellt und puzzleartig zu einem Gesamteindruck verknüpft. Aus den flüchtigen Begegnungen entsteht damit ein nichtlinear aufgebautes, „begehbares Bilderbuch“, das alle Gesprächssituationen enthält und dem Betrachter einen emphatischen Zugang zu einer Zeit ermöglicht, die er sonst vielleicht nur in Form objektiver Fakten aus Geschichtsbüchern kennt.
Das Projekt „Über Grenzen“ lässt auf subtile Weise die Geschichte zweier Länder über Jahrzehnte hinweg aufleben. Dabei geht es nicht um wissenschaftliche Vollständigkeit, sondern um ein sensibles Stimmungsbild. Geschichte wird auf sehr persönliche Weise von unterschiedlichen Blickwinkeln aus darstellt und wertfrei wiedergegeben. In der Summe ergeben die gemalten Lebensräume einen neuen, künstlerischen Raum, der Gemeinsamkeiten und Besonderheiten beider Kulturen nebeneinander stellt und zusammenführt.
Für dieses Projekt werden noch Partnerinstitutionen in Krakau gesucht, die bei der Vermittlung von Interviewpartnern und Übersetzungen behilflich sein können.
Das Projekt wird in verschiedenen Städten Polens und Deutschlands ausgestellt werden. Bisherige Kooperationspartner sind:
- die Generalkonsulate der Republik Polen in München und der BRD in Danzig und Breslau
- Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Warschau
- Museum des Warschauer Aufstands, Warschau
- Polnisches Kulturzentrum, München
- Edith Stein Gesellschaft, Breslau
- Ostsee-Kulturzentrum, Danzig
- Deutsch-polnische Gesellschaft, München
- LfA Förderbank Bayern
- Kunstverein Ludwigshafen
- Kunstverein Aichach
- Kunstverein Traunstein
- Kunstkreis Germering

Tatjana Utz
 tatjanautz(at)web.de

 

Engagement von AKTION SÜHNEZEICHEN-FRIEDENSDIENSTE und HATiKVA e.V. für den jüdischen Friedhof in Breslau (Wrocław), ul. Lotnica (früher: Breslau-Cosel, Flughafenstrasse)

Juden lebten möglicherweise in Breslau schon vor 1000 Jahren. Erste eindeutige Belege stammen aus der Zeit des Neuaufbaues der Stadt durch überwiegend deutsche Siedler aus verschiedenen Gegenden des Heiligen Römischen Reiches nach den Verwüstungen durch die Mongolen (um 1244). Über verschiedene Etappen der Vertreibung, Verbannung und Wiederansiedlung  der Juden berichten die Chroniken. Viele der bis zum Holocaust in der Stadt ansässigen Familien konnten ihre Ahnenreihen mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. 
Die Synagogengemeinde zu Breslau, als Einheitsgemeinde liberaler und konservativen Juden,  war für viele jüdische Gemeinschaften in den anderen Städten und deutschen Ländern das große Vorbild. Breslau war nach Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg das zahlenmäßig viertgrößte Zentrum jüdischen Lebens in Deutschland. Die Synagogengemeinde bildete den religiöse Mittelpunkt, war zugleich ein Forum für Auseinandersetzungen der verschiedenen Richtungen aber auch ein Ort für innerjüdischen Toleranz und Solidarität. 1910 waren 3,8 % der Einwohner Breslaus jüdisch. Für 1925  gab das statistische Amt der Stadt 23240 Israeliten an. Bereits im Jahr 1934 war jedoch die Zahl auf 20202 gesunken.
Von dem 1854 gegründeten Jüdisch-Theologischen Seminar / Fränkelsche Stiftung gingen bedeutende Impulse der Wissenschaft des Judentums aus, die noch heute weltweit nachwirken. Es erlangte als Ausbildungsstätte von Rabbinern und Religionslehrern auch in Zusammenarbeit mit der Breslauer Universität hohes Ansehen und trug mit zur Emanzipation in die deutsche Gesellschaft bei.
Die Rolle, die Breslaus Juden in der bürgerlichen Gesellschaft der Stadt bis zum Beginn des ersten Weltkrieges, in dessen Zeit sowie in abgeschwächter Weise in den Jahren der Weimarer Republik gespielt haben, lässt sich sehr eindrucksvoll anhand der Gräber der bedeutenden Wissenschaftler, Künstler, Kommunalpolitiker und Kaufleute verdeutlichen, die sich auf den beiden heute noch vorhandenen Friedhöfen befinden. Die jüdisch-deutsche Gemeinde ist durch Vertreibung und Ermordung ihrer Mitglieder völlig ausgelöscht wurden. Auch die wenigen Überlebenden der Shoa, die zuvor von den Nationalsozialisten ihrer deutschen Staatszugehörigkeit beraubt worden waren, mussten - selbst wenn sie von den polnischen Behörden als Opfer eingestuft wurden - nach Kriegsende die Stadt, ihre Heimat verlassen.
Juden aus Breslau, ihre Kinder und Kindeskinder  leben heute in einer Vielzahl von Staaten der Welt. Ihre  Zahl, so auch die im Verband ehemaliger  Breslauer Juden in Israel, wird naturgemäß immer kleiner, aber dennoch bleibt für sie das ehemalige Breslau ihre Heimat. Eine ganz besondere Beziehung gibt es natürlich zu den beiden in der polnischen Stadt erhaltenen Friedhöfen.
Der Friedhof an der ul. Slęźna (früher: Lohe-Strasse) besteht seit 1856. Die letzte Beisetzung fand am 12.8.1942 statt. Seit 1975 ist er als „Museum der Grabmalkunst“ Bestandteil des Städtischen Museums. Sein Erhalt ist im besonderem das Verdienst des heutigen Direktors Dr. M. Łagiewski, der im sozialistischen Polen, als die großen innerstädtischen deutschen Friedhöfe ohne Rücksicht auf kulturhistorischen oder anderen Wert einzelner Grabanlagen liquidiert wurden, seinen Bestand sicherte. Trotz des großen Einsatzes für diese wertvolle Anlage leidet er weiter unter dem natürlichen Verfall. Dennoch  ist er für Besucher aus aller Welt immer ein „Guter Ort.“, der zum Verweilen, Nachdenken und sich Sammeln einlädt.
Juden aus Breslau, ihre Kinder und Kindeskinder leben heute in einer Vielzahl von Staaten der Welt Der Friedhof an der ul. Lotnica (früher: Breslau-Cosel, Flughafenstrasse), dem das Engagement von AKTION SÜHNEZEICHEN-FRIEDENSDIENSTE und HATiKVA e.V. gemeinsam mit polnischen Partnern dient,  wurde Anfang des 20. Jh. im Stil der damaligen Friedhofskultur repräsentativ, parkähnlich gemeinsam mit einem christlichen Pendant angelegt und galt seinerzeit mit all seinen, heute größtenteils nicht mehr existenten Gebäuden als eine vorbildliche und gelungene Anlage.  Seine Größe bot für die zu  dieser Zeit wohlhabende und aufstrebende Gemeinde, die untrennbar mit der Stadt verbunden schien und sich auf dem Höhepunkt ihrer emanzipatorischen Entwicklung befand, auf Jahre hinaus genügend Platz.
Für Deutsche der Nachkriegsgenerationen ist es eine besondere Verpflichtung wenigstens Teile des Friedhofes wiederherzustellen und dauerhaft zu einem „Guten Ort“  zu machen.

Weitere Auskünfte zum Engagement von HATiKVA e.V. und Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste für den jüdischen Friedhof in Breslau (Wrocław) ul. Lotnica geben:
- Frau Erika Buhr; eMail:  erika.buhr(at)yahoo.de
- Herr Dr. Roland Müller: eMail:  roland-mueller-dresden(at)t-online.de
- HATiKVA –Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V. –  www.hatikva.de, eMail:  info(at)hatikva.de info(at)hatikva.de<//a>

Um Spenden zur Finanzierung der Aktion und der notwendigen Erhaltungsarbeiten wird unter dem Kennwort „Friedhof Breslau“
auf das Konto von HATiKVA e.V., Kto.Nr.  31 20 12 39 77, BLZ: 850 503 00, bei: Ostsächsische SpK Dresden gebeten.
Auf Wunsch erhalten Spender am Jahresende zur Spendenquittung auch eine Kurzdokumentation über das Aktionsjahr 2008 auf dem Friedhof.

 

Deutsch-polnische Erinnerungsorte / Polsko-niemieckie miejsca pamieci Projektpräsentation und Call for Authors

Das seit Herbst 2006 laufende, auf fünf Jahre angelegte interdisziplinäre Forschungsprojekt „Deutsch-polnische Erinnerungsorte / Polsko-niemieckie miejsca pamieci“ hat zum Ziel, die deutsch-polnische Geschichte aus einer neuen Perspektive wahrzunehmen. Es stellt den ersten Versuch einer Analyse gemeinsamer, geteilter und paralleler deutsch-polnischer Erinnerungsorte dar. Auf diese Weise wird ein methodologisches Neuland betreten, indem zum ersten Mal die Erforschung von Erinnerungskulturen und der beziehungsgeschichtliche Ansatz miteinander verschränkt werden.
Die internationale und interdisziplinäre Ausrichtung des Projekts, seine Breite und die methodologische Innovativität lassen in ihm sowohl einen wichtigen Beitrag zur Förderung des deutsch-polnischen Austauschs und Dialogs erwarten als auch eine aufschlussreiche transnationale Konzeptualisierungsmöglichkeit der Geschichte zweiten Grades (histoire au second degré, Pierre Nora).
Den Kern des Gesamtprojekts bildet eine dreibändige Publikation mit ca. 80 Essays vorwiegend deutscher, polnischer als auch Autorinnen und Autoren aus anderen Ländern, die zeitgleich in Deutschland und in Polen erscheinen wird (2010/2011). In den drei Bänden werden gemeinsame, geteilte und parallele deutsch-polnische Erinnerungsorte untersucht.
Die Veranstalter des Projekts suchen Autorinnen und Autoren, die bereit wären, 30-seitige Essays in deutscher oder in polnischer Sprache über deutsch-polnische Erinnerungsorte für die in Vorbereitung begriffene Publikation zu verfassen. Die Liste der Erinnerungsorte befindet sich auf der unten angegebenen Homepage des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Wir erwarten von unseren potenziellen Autorinnen und Autoren:
-Kenntnisse der wissenschaftlichen Diskurse über die Erforschung der Erinnerungsorte,
-Kenntnisse der deutschen und der polnischen Geschichte (allerdings ist ein Abschluss im Fachbereich Geschichte nicht notwendig),
-Erfahrung im interdisziplinären Arbeiten und
-die Bereitschaft, das Konzept des jeweiligen Essays im Rahmen eines von den Veranstaltern des Projekts durchgeführten Workshops für Autorinnen und Autoren zu präsentieren.
Ihre Anmeldungen bezüglich konkreter vom Konzeptualisierungsteam vorgeschlagener Erinnerungsorte samt CV und Publikationsliste erbitten wir an die Koordinatorin des Projekts, Frau Konczal (  konczal(at)panberlin.de ) bis zum 19. Mai 2008 zu schicken. Der Abgabetermin der Essays ist für Herbst 2009 vorgesehen. Die Publikation wird voraussichtlich Ende 2010 auf Deutsch und auf Polnisch erscheinen.

Das Konzeptualisierungsteam des Projekts:
Prof. Dr. Hans Henning Hahn (Carl v. Ossietzky Universität Oldenburg, Fak. IV, Institut für Geschichte, Abt. Osteuropäische Geschichte), Prof. Dr. Robert Traba (Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften Berlin (CBH PAN Berlin) sowie Freie Universität Berlin, Friedrich Meinecke Institut, Dr. Maciej Górny (CBH PAN Berlin und IH PAN Warszawa) und Kornelia Konczal, M.A. (CBH PAN und FU Berlin).

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit folgenden Institutionen umgesetzt: dem Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Warszawa (IH PAN) und dem Deutschen Polen-Institut, Darmstadt (DPI).

Centrum Badan Historycznych
Polskiej Akademii Nauk w Berlinie
Zentrum für Historische Forschung
Berlin der Polnischen
Akademie der Wissenschaften
Majakowskiring 47
13156 Berlin
Tel. 486 285 40
Fax: 486 285 56
E-Mail:  konczal(at)panberlin.de
 www.panberlin.de
 www.panberlin.de / über uns / Projekte < www.panberlin.de>

URL zur Zitation dieses Beitrages
< http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=9099>

 

Poln. Mitarbeiter am Edith Stein Haus, Breslau/Wroclaw

Aufgrund der immer intensiveren Programmarbeit am EDITH STEIN HAUS sucht die Edith Stein Gesellschaft ab dem 19. Mai 2008 eine polnische Mitarbeiterin bzw. einen polnischen Mitarbeiter für die Programmabteilung.

Profil der Stelle:
Die Mitarbeiterin/der Mitarbeiter wird seine Kenntnisse und Erfahrungen in die vielseitige Programmarbeit einbringen und dabei verschiedene Aufgabenbereiche selbständig betreuen: Projektkonzeption, Antragstellung, Ablaufplanung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Referenten- und Gruppenbetreuung etc.

Anforderungen:
- Erfahrungen in/Interesse an der Organisation von kulturellen und pädagogischen Projekten,
- Erfahrungen in/Interesse an der Organisation von internationalen Austauschprogrammen,
- Vertrautheit mit dem kulturellen und universitären Leben in Wroclaw,
- Interesse an den deutsch-polnischen und deutsch-polnisch-israelischen Beziehungen,
- Interesse an den Kulturbeziehungen zwischen den Ländern Mittel- und Osteuropas,
- sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache,
- gute Kenntnisse der englischen Sprache,
- Vertrautheit mit den gängigen Computerprogrammen,
- überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft und Flexibilität,
- Teamgeist, Offenheit und selbständige Arbeitsweise.

Leistungen:
- systematische Einarbeitung in alle Arbeitsfelder des internationalen Kulturmanagements, 
- Integration in das internationale Team der Programmabteilung am EDITH STEIN HAUS,
- Möglichkeit zur Realisierung eigener Projektideen,
- 3-monatige Probezeit mit Teilzeitvertrag; Option einer längerfristigen Vollzeitbeschäftigung besteht,
- Teilnahme an bedarfsorientierten Fortbildungen und internationalen Seminaren.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung in deutscher Sprache (Lebenslauf mit Foto und max. 1-seitiges Motivationsschreiben) bis zum 6. Mai 2008 an die Emailadresse:  dyrektor(at)edytastein.org.pl

Dominik Ptak
Dyrektor
Towarzystwo im. Edyty Stein
DOM EDYTY STEIN
ul. Nowowiejska 38
50-315 Wroclaw
Tel./Fax. +48 (0) 71 37 20 977
 www.edytastein.org.pl