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Vortragsreihe "Von Schlesien nach Israel" im Schlesischen Museum zu Görlitz

In diesem Jahr wird der 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel begangen. Aus diesem Anlass führt das Schlesische Museum eine Vortragsreihe unter dem Titel „Von Schlesien nach Israel“ durch. Acht Vorträge werden bis zum Ende des Jahres aus verschiedenen Perspektiven die Auswanderung jüdischer Bürger aus Schlesien in den 1930er Jahren nach Palästina und die Beteiligung schlesischer Juden am Aufbau des Staates Israel betrachten. Dabei werden auch erstmalig Interviews ausgewertet, die in den Jahren 1989 bis 1995 im Auftrag des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim mit aus Schlesien stammenden Israelis geführt wurden. Ausblicke sollen dem jüdischen Leben in Schlesien nach 1945 gelten.
Namhafte Experten aus Deutschland und Polen werden mit ihren Beiträgen im Schlesischen Museum zu hören sein. Es ist geplant, alle  Vorträge im Anschluss in einer Publikation zusammenzustellen.

PROGRAMM

15.04.2008, 19 Uhr
Zur Situation der Juden in Schlesien in den 1930er Jahren
Vortrag von Prof. Dr. Arno Herzig, Hamburg

In Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur Schlesiens spielten jüdische Bürger eine bedeutende Rolle. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begannen die Repressionen gegen die jüdische Bevölkerung. Viele versuchten zu emigrieren. Die jüdischen Bürger, die trotz der Verfolgung noch in Deutschland ausharrten, wurden durch die Novemberpogrome 1938 und die einsetzenden Deportationen in die Konzentrationslager gezwungen, das Land zu verlassen. Ziel der Flucht war für viele Palästina.
Der Schlesienexperte Arno Herzig lehrt am Historischen Seminar der Universität Hamburg.

13.05.2008, 19 Uhr
Willy Cohn – zwischen Breslau und Palästina
Vortrag von Prof. Dr. Norbert Conrads, Leonberg

Der Breslauer Historiker Willy Cohn (1888-1941) erlebte in seiner Heimatstadt den Exodus vieler Juden, die Schrecken der Reichspogromnacht und die Verzweiflung derjenigen, denen die Flucht nicht möglich war. Davon legt das Tagebuch, das Willy Cohn von 1933 bis zu seiner Ermordung 1941 führte, Zeugnis ab. Immer wieder kreisen seine Gedanken um die Auswanderung der deutschen Juden nach Palästina, zu der er sich selbst letztlich nicht entscheiden konnte. Die von Norbert Conrads erstmals edierten Aufzeichnungen über den Untergang des Breslauer Judentums liegen seit kurzem auch in einer Taschenbuchausgabe vor.
Norbert Conrads leitete an der Universtität Stuttgart den Projektbereich „Schlesische Geschichte“. Er ist Autor zahlreicher Studien zur Geschichte Schlesiens.

03.06.2008, 19 Uhr
Isidor Aschheim - Von Breslau an die Bezalel-Schule für Kunst und Kunsthandwerk in Jerusalem
Vortrag von Dr. Johanna Brade, Görlitz

Der handschriftliche Vermerk „Schiff ‚Hilda’ nach dem Brand“ auf einer Zeichnung des jüdischen Künstlers Isidor Aschheim (1891-1968) war der Anlass für eine weit verzweigte „Spurensuche“. Mit Hilfe aus Israel gelang es, die hinter dem Bild verborgene dramatische Geschichte einer Flucht im Jahr 1939 von Breslau nach Palästina zu rekonstruieren. Sie führte den Künstler nach Jerusalem, wo ihm der Aufbau einer zweiten Karriere gelang. Anhand von Bildern, die sich heute im Besitz des Schlesischen Museums befinden, lässt sich der kulturelle Beitrag jüdischer Künstler aus Schlesiens Metropole Breslau zur Kunst der „klassischen Moderne“ beispielhaft belegen.

01.07.2008, 19 Uhr
Die Flucht der Görlitzer Juden
Podiumsgespräch

Unter dem Druck wachsender Diskriminierung und Verfolgung sind die meisten Görlitzer Juden im Laufe der 1930er Jahre ausgewandert, unter teilweise dramatischen Umständen. Mitglieder des Förderkreises Görlitzer Synagoge e.V. schildern die Lage der Juden in Görlitz in den ersten Jahren der NS-Diktatur und stellen einzelne exemplarische Lebensläufe vor. Ferner berichtet der Verein von seinen Bemühungen, zu überlebenden Görlitzer Juden und ihren Nachkommen in aller Welt Kontakt aufzunehmen, um sie zum 100. Jubiläum der Synagogenweihe 2009 nach Görlitz einzuladen.

30.09.2008, 19 Uhr
Der "Verband ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel" - Rekonstruktion der Aktivitäten anhand der Verbandszeitung
Vortrag von Dr. Ingo Loose, Berlin

Seit 1958 erscheint in Ramat Gan, einer Stadt in der Nähe von Tel Aviv, eine ungewöhnliche Zeitschrift.
Jüdische Emigranten aus Breslau und aus anderen Teilen Schlesiens haben sich in einem Verband zusammengefunden und berichten in ihrer Zeitung über gemeinsame Aktivitäten.  
Dr. Ingo Loose, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität zu Berlin, verfasste u.a. eine Studie  über die Enteignung von Juden in der Zeit des Nationalsozialimus.

14.10.2008, 19 Uhr
Zwischen Schlesien und Israel: Lebensläufe schlesischer Juden aufgrund von Zeitzeugeninterviews
Vortrag von Ramona Bräu, Jena

Das Institut für deutsche Sprache in Mannheim hat in den neunziger Jahren in Israel einzigartige Tondokumente zusammengetragen. In den Interviews berichten schlesische Juden, die in der Zeit des Nationalsozialismus Deutschland verlassen mussten, von ihrer. Kindheit und Jugend in Schlesien, die ersten Jahre in Palästina und Israel, aber auch von Problemen des Sprach- und Kulturwechsels.
Die Historikerin Ramona Bräu studierte u.a. in Breslau und bereitet derzeit ihre Dissertation über die Enteignung von Juden in Niederschlesien vor.

04.11.2008, 19 Uhr
Jüdisches Leben im heutigen Breslau
Vortrag von Rabbiner Itzchak Rapoport, Breslau/Wroclaw

75 Jahre nach den Novemberpogromen 1938, bei der die Nationalsozialisten die Breslauer Synagoge zerstörten, blüht in Breslau jüdisches Leben wieder auf. Ein Symbol dafür ist die Renovierung der  Synagoge "Zum weißen Storch", in der seit 1995 wieder Gottesdienste stattfinden. Die jüdische Gemeinde ist die zweitgrößte in Polen. Und auch das kulturelle Leben der Gegenwart lässt deutliche erkennen, dass jüdische Traditionen untrennbar mit Breslau verknüpft sind.
Itzchak Rapoport, dessen Mutter 1968 Polen verließ, lebte in Schweden und Norwegen.  Seit 2006 betreut er als Rabbiner die jüdische Gemeinde in Breslau.

02.12.2008, 19 Uhr
Schlesien und Israel – Internationale Jugendarbeit am Edith-Stein-Haus in Breslau
Vortrag von Ulrike Poetzsch, Breslau/Wroclaw

Im Geburtshaus von Edith-Stein, der Breslauer Jüdin, Philosophin und katholischen Heiligen, wirkt ein Zentrum für kulturellen Dialog. Durch vielfältige Projekte sollen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen werden. Deutsch-polnische Begegnungen sowie christlich-jüdische Verständigung stehen im Mittelpunkt der Arbeit.
Die Kulturmanagerin Ulrike Poetzsch leitet die Programmabteilung des Hauses

 

KulturmanagerIn im ifa-Twin-Programm 2008/2009 in Lubowitz gesucht

Das Oberschlesische Eichendorff-Kultur- und Begegnungszentrum und das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) suchen für den Ausbau der Kulturarbeit eine/n KulturmanagerIn im ifa-Twin-Programm 2008/2009. Die Stelle in Lubowitz wird als Stipendium des ifa für den Zeitraum vom 1.Juli 2008 bis voraussichtlich 30. Juni 2009 vergeben.
Als KulturmanagerIn konzipieren und organisieren Sie eigenverantwortlich Projekte im Rahmen eines vereinbarten Entwicklungsvorhabens, unterstützen das Zentrum bei internationalen Projekten und der Programmplanung 2009. Dabei arbeiten Sie eng mit dem ifa-Kulturmanager vor Ort zusammen und bilden sich in Fortbildungen weiter. Es ist geplant, Sie anschließend als KulturreferentIn zu übernehmen und fest anzustellen.

Erwartet werden:
- abgeschlossenes Hochschulstudium
- muttersprachliche Polnischkenntnisse und sehr gute Deutschkenntnisse
- bereits erste praktische Erfahrungen im Kulturbereich
- Angehörige/r der deutschen Minderheit und / oder Interesse an Minderheitenfragen, insbesondere der deutschen Minderheit
- hohes Engagement
- Interesse, sich längerfristig am Eichendorff-Zentrum zu engagieren
- gute Office-Kenntnisse, Führerschein Klasse B

Leistungen des ifa:
- monatliches Stipendium in Höhe von 450 € und evtl. Zuschläge je nach Qualifikation
- Fortbildungen je nach Bedarf und nach gemeinsamer Vereinbarung
- Einführungstreffen vor Ort, Zwischen- und Bilanzierungstreffen
- grenzüberschreitende Vernetzung mit anderen ifa-KulturmanagerInnen
- Basisfinanzierung und inhaltliche Unterstützung für eigenständig organisierte Projekte
- Praktikum in Deutschland

Weitere Information bei Christian Herkt, Tel. + 48 / 32 / 4149208,  ifaherkt(at)web.de
Bewerbungen (Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugniskopien) schicken Sie bitte  - gerne auch per Email  - bis zum 15. Juni 2008 an:
Górnośląskie Centrum Kultury i Spotkań im.Eichendorffa, ul. Zamkowa 1-3, 47-411 Łubowice (PL),  eichendorffzentrum(at)wp.pl

 

 

Tagung im Glatzer Land

Die im südlichen Teil des Glatzer Landes gelegene Stadt Habelschwerdt (Bystrzyca Kłodzka) war der Veranstaltungsort der diesjährigen Frühjahrstagung der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (gdpv).
Die gdpv ist eine Jugendorganisation, zu deren Zielen es gehört, die junge Generation für die Geschichte und Kultur Schlesiens zu begeistern und sich mit den deutsch-polnischen Beziehungen auseinander zu setzen. Sie veranstaltet mehrmals im Jahr Tagungen an verschiedenen Orten Nieder-, Ober- und Mährisch-Schlesiens und geht auch landeskundlichen Gegebenheiten und Traditionen der jeweiligen Teilregion nach.
Die diesjährige Frühjahrstagung fand vom 24. bis 27. April unter dem Thema „Zwischen Böhmen, Polen und Deutschland. Das Glatzer Land im kulturellen Grenzgebiet“ statt. Über 50 Personen aus Deutschland und Polen, darunter zahlreiche junge Menschen, folgten der Einladung nach Habelschwerdt.
Nach einer umfangreichen Vorstellungsrunde am ersten Abend begann der folgende Vortragstag mit einer thematischen Einführung von Dr. Michael Parak (Görlitz) zur geographischen Lage und historisch-kulturellen Prägung des Glatzer Landes. Anschließend stellte Julian Golak die in Glatz seit der politischen Wende von 1989/90 herausgegebene dreisprachige Zeitschrift „Glatzer Bergland“ vor. Als Ergänzung dazu referierte der im niederschlesischen Landtag tätige Prof. Lesław Koćwin über die polnische und tschechische Lokalbevölkerung in der „Euroregion Glaciensis“, zu deren Mitbegründern er zählt.
Das Glatzer Land erfuhr seine größten Umbrüche im 20. Jahrhundert. Nach der Flucht und Vertreibung der Deutschen und der Ansiedlung von Polen, die im größten Maße aus der Lemberger Umgebung kamen, wurde die lokale Bevölkerung nahezu komplett ausgetauscht. Damit verbunden ist der Verlust des Kulturguts, da die neuen Bewohner des Glatzer Landes die deutschen Bräuche, Traditionen und die Mundart nicht übernommen haben. Insbesondere die aus Ostpolen geströmten Neusiedler rechneten jahrzehntelang stets mit der neuerlichen Vertreibung, so dass eine Integration und Identität mit der Region unmöglich war.
Gleiches Schicksal erlitten die Nordböhmen jenseits der Grenze. So wurde das Grenzgebiet auf beiden Seiten von Neubürgern bewohnt, die mit der Region und mit der Nachbarbevölkerung nicht verbunden waren. Da die sozialistische „Friedensgrenze“ äußerst streng bewacht war und das Glatzer Land militarisiert wurde, entfremdeten sich die Polen und die Tschechen voneinander. Auch heute gestaltet sich die Annäherung beider Völker sehr schwierig. Erstaunlicherweise sind deutsch-polnische Begegnungsmaßnahmen viel fruchtbarer und zahlreicher als beispielsweise polnisch-tschechische Kontakte. Julian Golak deutet diesen Umstand mit mangelnder Kommunikationsebene. So hätten Bildung und Kultur im Glatzer Land heute einen großen Stellenwert, während Nordböhmen überwiegend von der Arbeiterschaft geprägt sei. Hierbei sei es schwierig, eine gemeinsame Sprache zu finden. Dennoch gehen beide Völker aufeinander zu. So steigt etwa die Anzahl von polnisch-tschechischen Schulaustauschprogrammen. Projekte wie die dreisprachige Zeitschrift „Glatzer Bergland“ sind jedoch ein Beweis dafür, dass das Interesse am tschechischen und deutschen Nachbarn wächst, auch wenn es langsam vorangeht.
Einen ausführlichen Überblick über die Geschichte des Glatzer Landes gab die in Breslau lehrende und für Publikationen über die Region bekannte Dr. Małgorzata Ruchniewicz. So wurde den Teilnehmern verdeutlicht, dass das Glatzer Land durch religiöse Auseinandersetzungen erheblich beeinflusst worden ist. Hussitenkriege, Reformation und Gegenreformation haben die Region und die Bevölkerung stark geprägt. Vergleichsweise kurz ist dagegen die polnische Geschichte des Glatzer Landes, die erst 1945 ansetzt.
Ein nicht zu wegzudenkender Aspekt der Geschichte des Glatzer Landes ist der (Kur-) Tourismus, der sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem Massenphänomen entwickelt hat, die Region aber schon früher geprägt hatte. Hierüber referierte Dr. Thomas Przerwa von der Breslauer Universität, ein Experte auf diesem Gebiet, der sich auf die Touristikgeschichte des Glatzer Landes spezialisiert hat. Mit zahlreichen Bildern und Photographien konnte er die Entwicklung dieses für die Region so wichtigen Sektors untermauern. Zum Abschluss präsentierte Dr. Gregor Ploch (Ratingen) den Tagungsteilnehmern einige Legenden und Mythen aus dem Glatzer Land.
Die Tagung wurde von einer ganztägigen Exkursion durch das Glatzer Land und die böhmische Nachbarregion umrahmt. Durch die exzellente Gestaltung seitens der Mitarbeiter des Oberschlesischen Landesmuseums zu Ratingen (Hösel), Dr. Stephan Kaiser und Milena Iskrzycka, konnten sich die Tagungsteilnehmer ein Bild von der Vielseitigkeit und Schönheit der Region machen. Exkursionsziele waren die Schlossanlage in Grafenort, die Kirche in Rengersdorf, die Stadt Glatz, der Wallfahrtsort Albendorf sowie das Benediktinerkloster im böhmischen Braunau. Zur Verdeutlichung der Kurregion wurde auf dem Rückweg der Kurort Altheide angefahren. Abends kam es zu einer Diskussionsrunde mit Vertretern der lokalen Bevölkerung von Habelschwerdt. So kann seit einigen Jahren die Tendenz festgestellt werden, dass sich die Bewohner immer stärker für die Geschichte ihrer „kleinen Heimat“ interessieren. Auch wenn die meisten Familien erst nach 1945 in die Region gekommen sind, können sie sich dennoch mit der Vorkriegsgeschichte identifizieren und als die eigene betrachten. Der Umgang mit deutschen Spuren gehört heute zur Selbstverständlichkeit und wird gerne erforscht. Dennoch müssen die Glatzer strukturelle Probleme bewältigen, wozu etwa die Erwerbsmigration gehört. Viele junge Menschen wandern auf der Suche nach Arbeit ins Landesinnere oder ins Ausland aus, so dass alle Gemeinden starken Bevölkerungsrückgang beklagen. Andererseits versucht man, den Bildungs- und Tourismusbereich noch stärker zu positionieren, um zahlungswillige Gäste zu locken und Arbeitsplätze zu schaffen.
Die Organisatoren danken dem Bundesministerium für Inneres für die finanzielle Unterstützung, ohne die die Ausrichtung der Tagung nicht möglich gewesen wäre.

Dr. Gregor Ploch

 

 

Fritz Stern erhält den Internationalen Brückepreis 2008. Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec ehrt sein Eintreten für Demokratie und Wiedervereinigung

Wie der Präsident der Gesellschaft zur Verleihung des Brückepreises, Prof. Dr. Willi Xylander, heute mitteilte, erhält in diesem Jahr der amerikanische Historiker Prof. Dr. Fritz Stern den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. Der Preis wird alljährlich für besondere Verdienste für Frieden und Völkerverständigung verliehen und ist mit € 2.500.- dotiert.
Fritz Stern gilt als bedeutendster US-amerikanischer Historiker für deutsche Geschichte und war bis zu seiner Emeritierung Professor an der Columbia University, lehrte aber auch an der Yale University und der Freien Universität Berlin sowie in Paris und Konstanz. Der 1926 in Breslau geborene Historiker wanderte 1938 mit seinen Eltern aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Amerika aus und nahm später die US-Staatsangehörigkeit an. Er avancierte mit seinen Forschungsarbeiten zu einem internationalen Spezialisten auf dem Gebiet der europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine Einschätzungen der politischen Lage in Europa hatten Gewicht auch in der internationalen Politik. Er hat das Deutschland-Bild in Amerika maßgeblich geprägt. 1993/94 war Fritz Stern Berater des damaligen US-Botschafters in Deutschland Richard Holbrooke.
Stern habe trotz seiner negativen Erfahrungen nie das Interesse an seinem Heimatland verloren und sich intensiv für die Demokratie und die Wiedervereinigung Deutschlands, aber auch für die Aussöhnung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern, besonders zwischen Deutschland und Polen, eingesetzt, begründete Xylander die Wahl des Preisträgers. In einer Zeit, wo Görlitz und Zgorzelec eine neue Seite in der gemeinsamen Aufarbeitung ihrer Geschichte aufschlagen, sei die Vergabe des Internationalen Brückepreises an Fritz Stern ein Signal: Für die Richtung und die Lauterkeit der Absichten beider Städte.
Fritz Stern erhielt bereits zahlreiche hohe Auszeichnungen, so 1999 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2005 den Deutschen Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung und das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
In einem ersten Kontakt zu Willi Xylander zeigte sich Fritz  Stern sehr erfreut über die Ehre, diesen renommierten Preis zu erhalten. Der Termin für den Festakt zur Preisverleihung steht noch nicht fest, die Abstimmung werde aber in den nächsten Tagen erfolgen, so Xylander.
Fritz Stern ist nunmehr der 10. Träger des seit 1993 vergebenen Brückepreises. Frühere Preisträger waren unter anderen die Publizistin Marion Gräfin Dönhoff, Erzbischof von Prag Kardinal Miloslav Vlk, Ministerpräsident Prof. Kurt Biedenkopf, der polnische Außenminister Prof. Wladyslaw Bartoczewski und der Musiker Arvo Pärt.
Wichtige Veröffentlichungen von Fritz Stern sind „Kulturpessimismus als politische Gefahr“, „Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder“, „Der Traum vom Frieden und die Versöhnung der Macht“, „Verspielte Größe“ sowie seine kürzlich erschienene Autobiografie „Fünf Deutschland und ein Leben“.

Weitere Information unter  www.brueckepreis.de

Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec
Präsident
Professor Willi Xylander
Direktor des Staatlichen Museums für Naturkunde Görlitz
Landesmuseum des Freistaates Sachsen
Am Museum 1, Postfach 300 154
02806 Görlitz
Telefon: 03581/4760100
Fax:       03581/4760101
Sekretariat
Stadttheater Görlitz - Intendanz –
Postfach 300 463
02809 Görlitz
Tel.:        03581-474721
Fax:       03581-474736

 

Deutsch-polnisch-weißrussisches Sommerlager „Jüdische Spuren in Wroclaw“ (18.07.-31.07.2008, Breslau / Wroclaw)

Wen suchen wir?
Interessierte TeilnehmerInnen zwischen 18 und 28 Jahren aus Polen, Weißrussland und Deutschland (5 Personen pro Land). Da die Campsprache vorwiegend Englisch ist, solltet ihr euch in dieser Sprache ausreichend verständigen können.

Warum?
Bei unserem inzwischen dritten Sommerlager in Wroclaw wollen wir uns gemeinsam mit Teilnehmern aus Polen, Deutschland und Weißrussland mit dem vielschichtigen kulturellen und religiösen Erbe der historischen Grenzregion Niederschlesien auseinandersetzen. Ziel dieser Spurensuche wird der Einblick in die jüdische Grabkultur des 19. und 20. Jahrhunderts sein, an Hand derer die jüdische Lebenswelt dieser Jahrhunderte erschlossen werden soll.

Was genau haben wir vor?
Nach einer kurzen Einführung in die jüdische Kunst und Geschichte setzen wir uns in zwei Workshops (Fotografie und Journalismus) mit dem Thema auseinander. Dabei soll ein Überblick über den Einsatz und die Bedeutung von Symbolen in der jüdischen Kultur zu unterschiedlichen Zeiten gewonnen werden, wobei die Auswirkungen von gesellschaftlichen und politischen Bedingungen sowie religiösen Vorstellungen auf ihren Gebrauch untersucht werden sollen. Zum Abschluss des Projektes soll eine während des Sommerlagers von allen gemeinsam erarbeitete Fotoausstellung und Dokumentation öffentlich präsentiert werden, um an diesen heute oft vergessenen Teil des Kulturerbes zu erinnern. Unsere Spurensuche wird vor allem auf dem neuen jüdischen Friedhof in der ulica Lotnicza stattfinden, wo auch Aufräumarbeiten durchgeführt werden sollen.

Wer sind wir?
Die Edith Stein Gesellschaft engagiert sich als eine der ersten NGOs Polens vor allen Dingen in folgenden Hauptbereichen:
- jüdisch-christlicher Dialog
- deutsch-polnische Verständigung und
- Förderung zivilgesellschaftlicher Entwicklung
Diese Ziele realisiert die ESG durch ein vielseitiges Programm, welches Ausstellungen, Vorträge, Lesungen und Konzerte ebenso umfasst wie Jugendbegegnungen, Sprachkurse, Workshops und Sommerlager!

Unsere Partner bei der Organisation des Sommerlagers sind in diesem Jahr:
- CYID - The Centre for Youth Information and Documentation (Weißrussland)
- Außen- und Sicherheitspolitische Studienkreise e.V. (Deutschland)

ANMELDUNG:
Bei Interesse sendet bitte bis zum 5. Juni folgende, englischsprachige Unterlagen:
- Kurzer Lebenslauf
- Motivationsschreiben (max. 1 Seite)
an:
 martin.gbur(at)edytastein.org.pl
 charlotte.herzog(at)edytastein.org.pl

Wir beantworten Euch auch gerne weitere Fragen!
Serdecznie pozdrawiam

Dominik Ptak
Dyrektor
Towarzystwo im. Edyty Stein
DOM EDYTY STEIN
ul. Nowowiejska 38
PL 50-315 Wroclaw
Tel./Fax. +48 (0) 71 37 20 977
 www.edytastein.org.pl

 

Deutsch-polnisches Dokumentarfilmprojekt über Helmuth James von Moltke

Für ein laufendes deutsch-polnisches Dokumentarfilmprojekt über Helmuth James von Moltke/deutschen Widerstand suche ich eine(n) deutsche(n) Muttersprachler(in) für ein Praktikum im Monat Mai. Das Honorar wird individuell verhandelt.
Das Praktikum würde über den Europäischen Verein für Ost-West- Annäherung e. V. ( www.eva-verein.de) und in enger direkter Zusammenarbeit mit mir, Tanja Cummings (Recherche, Drehbuch, Regie), laufen.
Ich suche jemanden, der/die...
- vorzugsweise Slawistik/Polinistik studiert und/oder sehr gute Polnisch-Kenntnisse hat
- in Berlin lebt
- sehr großes Interesse an Geschichte und an Film/Dokumentarfilm hat
- sehr genau und konzentriert arbeitet (mit Sprache)
Aufgaben während des Praktikums (Mai) wären v. a. die Transkription und Analyse von Interviews (mit polnischen Gesprächspartnern, polnischen O-Tönen) und die Übersetzung ins Deutsche.
Bei guter Zusammenarbeit ist ein weiteres Engagement im Projekt (oder anderen Projekten) möglich.
Ich freue mich auf Ihre Bewerbung, die Sie an folgende Adresse senden können (bitte mit Lebenslauf):  cummings(at)tc-storyboards.de

tc-storyboards
Tanja Cummings
Wartenburgstrasse 3
10963 Berlin
Germany
phone:  +49 (0)30 - 8513260
fax:       +49-(0)30 - 85407155
email:  cummings(at)tc-storyboards.de
 www.tc-storyboards.de

 

 

Tagungsbericht „Die Neiße als Schicksalsfluss für Deutsche, Polen, Tschechen und Griechen“ (13. bis 16. März 2008, Internationale Begegnungsstätte (IBZ) St. Marienthal–Ostritz)

Für die Veranstalter, der Exil-P.E.N. Deutschsprachiger Länder und das IBZ, unter Mitwirkung der Gesellschaft für Sächsisch-Polnische Zusammenarbeit, war es ein Drahtseilakt über den Untiefen der jüngsten Geschichte in Mittel- und Ostmitteleuropa. Fünf große Themen: Deportation und Vertreibung im und nach dem II. Weltkrieg; Widerstand gegen das Naziregime in Polen und Nordböhmen; Aufarbeitung der konfliktgeladenen deutsch-polnischen Gegenwartsgeschichte; Ansiedlung von Griechen und Macedoniern an der Neiße nach 1949 und Zusammenarbeit der Euroregionen nach 1990 sollten so in Verbindung gebracht werden, dass die rund 120 Teilnehmer/Innen des Seminars einen lebendigen Erfahrungsaustausch führen konnten. Ein sicherlich gewagtes Unternehmen, für welches das idyllisch an der Neiße gelegene Kloster St. Marienthal jedoch in mehrfacher Hinsicht geeignet war. Die Zisterzienserinnenabtei war Zeuge der Schrecken des II. Weltkriegs und der repressiven Nachkriegsgeschichte; die sie umgebende Internationale Begegnungsstätte ist seit mehr als zehn Jahren Treffpunkt von Menschen, die die tragischen Folgen der Spaltung Europas überwinden wollen und eine angenehme Arbeitsatmosphäre, die durch die vorbildliche Bewirtung der Teilnehmer begleitet war. Beste Voraussetzungen also für den Gedankenaustausch von Deutschen, Polen, Tschechen und griechisch- sowie macedonischstämmigen polnischen Bürgern! Geleistet werden sollte er in drei Diskursformen: Persönliche Erfahrungen mit der Geschichte, literarische und faktenorientierte Verarbeitung von Massenvernichtung und Repressionen in der Form von Lesungen und Rezitationen sowie die wissenschaftliche Beleuchtung der dramatischen Ereignisse durch Historiker und Publizisten.
Eine kompakte Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, eine Zeitreise durch siebzig Jahre europäischer Geschichte erwartete also die Teilnehmer des Seminars. Ein beträchtlicher Teil des dicht gedrängten Programms war den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gewidmet. Die Gruppe der sybiriacy (Sibiriendeportierte) berichtete über die Zwangsvertreibung von mehr als 800.000 polnischer Bürger/Innen durch Rote Armee und Sondereinheiten des Ministeriums für Staatssicherheit nach dem Überfall der Sowjetunion auf Ostpolen am 17. September 1939. Sowohl Edward Duchnows­ki als auch Bożena Dudzińska, die beiden Vorsitzenden des Verbandes der Sibiriendeportierten, äußerte sich empört über die bislang vergeblichen Versuche, von der Regierung der Russischen Föderativen Republik, als Nachfolgestaat der Sowjetunion, eine Entschädigung für die Überlebenden der Deportation zu erhalten. Auch eine andere Opfergruppe der jüngsten polnischen Geschichte Polens kam zu Wort. Drei Angehörige der Armija krajowa, der 1942 von der polnischen Exil-Regierung gegründeten Heimatarmee, die die Befreiung Polens vor dem Einmarsch der Roten Armee vorbereiten sollte, erzählten über ihr Lebensschicksal nach 1945. Sie mussten untertauchen, denn die Angehöri­gen dieser Armee wurden im kommunistischen Polen wie Verbrecher verfolgt. Viele von ihnen wurden zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Eine größere Gruppe siedelte sich in der Umgebung von Zgorzelec (östlicher Teil von Görlitz) an. Es war wohl ein glücklicher Zufall, dass eine in Görlitz lebende Familie (Dr. Silke Naumann und ihr Sohn Martin) durch Vermittlung der polnischen Bürgerin Majewska auf diese Gruppe aufmerksam wurde. Seit über zehn Jahren betreuen sie nunmehr mehr als zwei Dutzend der ehemaligen AK-Angehörigen, eine freiwillige solidarische Arbeit, wie sie in ihren eindrucksvollen Berichten belegen konnten.
Es gehörte zu den besonderen grenzüberschreitenden Aspekten des Seminars, dass auch die deutschen Vertriebenen durch Zeitzeugenberichte und auf der Grundlage von literarischen Texten zu Gehör kamen. Horst Moudry aus dem nordböhmischen Frydlant erzählte ohne Verbitterung und ohne Hassgefühle über seinen von Erniedrigungen und Willkür bestimmten Lebensweg nach 1945, als er als Sudetendeutscher in der Tschechoslowakei geblieben war und zur Strafe auch fünf Jahre in einem Bergwerk arbeiten musste. Werner Kutscha aus Landau in der Pfalz stellte sein Buch „In der Heimat gefangen“ vor, in dem er seine Erlebnisse verarbeitete, mit denen er als Vierzehnjähriger bei der Vertreibung der Sachsen aus dem jenseits der Neiße liegenden Gebiet um Bogatynia konfrontiert wurde. Und mit welchen Gefühlen kamen die aus den polnischen Ostgebieten Vertriebenen in diesem Gebiet an, das ihnen die Behörden als zukünftigen Lebensraum angewiesen hatten? Halina Baran, polnische Schriftstellerin aus Bogatynia, greift in ihrem Roman „Die Dornen des Windes“ aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts die Problematik der im Raum um Bogatynia lebenden polnischen Vertriebenen auf. Ihre Sehnsucht nach der einstigen Heimat in der heutigen ukrainischen Republik schwankt zwischen der Beschönigung vergangener Lebensweisen und dem Wunsch, noch einmal dorthin zurückzukehren, so ähnlich wie es deutsche Vertriebene für eine kurze Stippvisite nach Pommern oder nach Schlesien verschlägt.
Worin also besteht der Unterschied zwischen beiden Schicksalsgenerationen? Sollen es die Dichter richten mit ihren Metaphern von übereinander geschichteten „transkulturellen“ Kulturräumen, in denen sich Kulturen mischen und auch der Rückkehrer möglicherweise wieder einen Platz findet? Für Milan Hrabal, dem aus dem nordböhmischen Varnsdorf stammenden Lyriker, geht es um das Festkrallen im geschichtlichen Prozess, dessen Konturen aber leider immer schwieriger zu erfassen seien. Seine Gedichte, die von der sorbischen Kollegin Róża Domašcyna ins Deutsche übertragen wurden, riefen bei den Zuhörern viel mehr Aufmerksamkeit hervor als seine kulturgeschichtlichen Reflexionen über seine Erfahrungen mit der Verdrängung von Geschichte in der kommunistischen Tschechoslowakei. Diese geschichtswissenschaftlich gebündelten Erfahrungen holten zwei tschechische Referenten nach. Der junge Zeithistoriker Jan Heinzl aus Hejnice präsentierte einen präzis abgefassten Überblick über die geschichtlichen Abläufe in Nordböhmen zwischen 1938 und 1950, die Publizistin Alena Wagnerova (Saarbrücken/ Praha) setzte sich mit dem Schicksal der „anderen Deutschen“, den Nazigegnern, in der Tschechoslowakei der 30er Jahre auseinander.
Und die Ansiedlung von Griechen und Makedoniern östlich der Neiße in den frühen 50er Jahren? Was für die aus Zgorzelec anwesenden polnischen Zuhörer eine wohlbekannte Tatsache war, schien den meisten deutschen Seminarteilnehmern eine geheimniserfüllte Legende zu sein. Prof. Stefan Troebst, Historiker von der Universität Leipzig, lüftete den Schleier über die von Moskau aus gelenkte Ansiedlung von mehr als 50.000 Griechen und Macedonier, die während des Bürgerkriegs in Griechenland als kommunistische Sympathisanten fliehen mussten und auf die sozialistischen Staaten verteilt wurden. Unter den etwa 15.000 Flüchtlingen, die Polen aufnehmen musste, landeten auch einige Tausend in Auffanglagern im südwestpolnischen Raum. Troebst zeichnete akribisch das Schicksal der griechischen und macedonischen Kolonie nach, wurde auch mit polemischen Redebeiträgen anwesender griechischstämmiger Polen konfrontiert, die zum Teil die besondere „Fürsorge“ der polnischen und ostdeutschen Behörden bei der Bereitstellung von Wohnraum und Lebensmitteln betonten, nicht aber, wie der Referent nachweisen konnte, die systematische Überwachung durch die Staatssicherheitsdienste thematisieren wollten. In solchen Disputen zeichneten sich bereits die ersten konkreten Erkenntnisse des Seminars ab. Sie verstärkten sich während der anschließenden Präsentation des neuen deutsch-polnischen Lehrwerkes „Geschichte verstehen  Zukunft gestalten“ (Dresden/Wrocław 2007). Die von Kinga Hartmann im Auftrag der sächsischen Bildungsagentur Bautzen herausgegebenen, gemeinsam mit polnischen und deutschen Historikern entwickelten Unterrichtsmaterialien zu den deutsch-polnischen Beziehungen in den Jahren 1933 – 1949 stellen zweifellos einen entscheidenden Durchbruch bei der schulischen Vermittlung von Geschichte aus dem wissenschaftlich fundierten Blickwinkel beider Länder dar. Die ebenfalls anwesenden Lehrerinnen aus je einem polnischen und deutschen Gymnasium berichteten über die Erprobung der Materialien in der Oberstufe. Bedauerlicherweise konnten die im Vorfeld der Veranstaltung angekündigten Schüler/innen aus organisatorischen Gründen nicht teilnehmen. Der damit ausfallende Dialog zwischen den Generationen, zweifellos ein Mangel des Seminars, sollte in einer folgenden Tagung, die dann von den konkreten Erfahrungen mit dem Lehrwerk gespeist werden könnte, auf jeden Fall nachgeholt werden. Die anschaulichen Ausführungen von Dr. habil. Krzysztof Ruchniewicz, einer der wissenschaftlichen Gestalter der Unterrichtsmaterialien, erwiesen sich als didaktisch und methodisch überzeugend, wenn gleich die konkreten Erfahrungen im Unterricht noch auf sich warten lassen.
Die dreitägige Veranstaltung wies zwei weitere Höhepunkte auf, die auch den zeitlichen Rahmen der Thematik markierten. In der einleitenden Lesung aus Anna Mieszkowskas Buch „Die Mutter der Holocaust-Kinder“, über die Rettung von mehr als tausend Kindern aus dem Warschauer Ghetto durch Irena Sendler, präsentiert von der Übersetzerin Urszula Usakowska-Wolff, ging es um die mahnende Erinnerung an Völkermord. Der abschließende Vortrag von Karl-Heinz Lampertz, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, über „Die Euroregionen in Mittel- und Westeuropa. Gemeinsamkeiten und Unterschiede“ entwarf konkrete politische Konzepte von der Bedeutung der Grenzregionen im vereinigten Europa. Er entwickelte nachvollziehbare Visionen vom Zusammenleben der Völker. Sie wurden vom Publikum deshalb mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen, weil der Referent persönliche Erlebnisse mit seinen langjährigen politischen Erfahrungen während seiner Tätigkeit für den Europarat verbinden konnte.
Das von der Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal und der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung geförderte Seminar verknüpfte den Erfahrungsschatz der Zeitzeugen aus dem II. Weltkrieg mit den literarischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen von einem Zeitraum, der zu den düstersten Kapiteln europäischer Geschichte gehört. Die Teilnehmer verfolgten die Beiträge mit großem Interesse, wenn auch die zu dichte Folge von Referaten und Lesungen zu wenig Zeit für die Diskussion erlaubte. Eine Einsicht, die die Organisatoren des spannenden Seminars, Frau Dr. Beata Bykowska (IBZ) und Hans Lindemann (Exil-P.E.N.), sicherlich bei der Planung einer zukünftigen Veranstaltung an der Neiße berücksichtigen werden.

Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Bremen, Präsident des Exil-P.E.N.