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Behauptungen und Fehlinterpretationen. Die Rezension zur „Geschichte des Glatzer Landes“ im Grafschafter Boten. Eine Erwiderung von Arno Herzig

Im „Grafschafter Boten“ (7/8 2008, S. 17-19) erschien unter dem Titel „Geschichte des Glatzer Landes – Wie die Geschichte der Grafschaft Glatz deutsch-polnisch „umgeschrieben wird“ eine „Besprechung des Buches ‚Geschichte des Glatzer Landes von Prof. Dr. Herzig und Frau Ruchiewiecz (!) (eigentlich müßte es heißen von Frau Małgorzata Ruchniewiecz (!) und Prof. Dr. Arno Herzig).“ So die umständliche Überschrift des Rezensenten Herbert Gröger. Diese Rezension des Buches, das 2006 in deutscher und polnischer Ausgabe erschien und dessen polnische 1. Auflage bereits vergriffen ist, sodass es nun eine 2. Auflage gibt, enthält zahlreiche Fehldeutungen v.a. der Darstellung meiner Mitautorin Małgorzata Ruchniewicz. Dies veranlasst mich zu einer Erwiderung, die zu einer erwünschten Diskussion führen sollte.

Die Rezension von Herrn Herbert Gröger zeigt eine große Voreingenommenheit, und es fällt schwer, auf die hier geäußerten Emotionen sachlich zu antworten. Ich will es dennoch versuchen und folge in meiner Erwiderung der recht sprunghaften Argumentationsstruktur des Rezensenten. Schon die Überschrift überrascht: „Geschichte umschreiben“. Geschichte bzw. die Historie ist keine fertige Ware, sondern das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses. Geschichte kann deshalb nicht „umgeschrieben“ werden. Der Historiker/die Historikerin muss seine/ihre Ergebnisse objektivieren können, das meint, sie mit historischen Quellen belegen. Diesen Vorgaben sind beide Verfasser nachgekommen. Die historische Darstellung ist hinreichend mit Quellen belegt, während der Rezensent lediglich Emotionen bietet, seine Behauptungen jedoch nicht mit entsprechenden Zitaten aus dem Buch belegt.

Die Rezension beginnt mit einem „Vorwort“: „eigentlich müsste es heißen: von Frau Małgorzata Ruchniewiecz! und Prof. Dr. Arno Herzig!“ Das verstehe ich nicht. Es ist üblich die Autoren in alphabetischer Reihenfolge zu nennen, und da kommt nun mal das H vor dem R! Was dann folgt, ist starker Tobak: „Nicht für möglich habe ich es gehalten, dass ein deutscher Geschichtsprofessor und ein Grafschafter Kind dazu, die Neuzeitgeschichte unserer Heimat von einer polnischen Historikerin, geboren im Jahr 1957 in Habelschwerdt, schreiben lässt. Es ist aber so, der deutsche pensionierte Professor lässt von einer jungen Polin die schlimmste Zeit unserer Grafschafter Geschichte beschreiben. Er zieht sich vornehm auf die Althistorie bis zum Jahre 1815 zurück.“ (S. 17, 1. Spalte).
Was soll so ein Satz? Ich pflege meine historischen Publikationen, und dies nicht nur zur Grafschafter Geschichte, selbst zu schreiben und nicht jemanden für mich schreiben zu lassen. Der Einleitung im Buch auf S. 21 hätte der Rezensent entnehmen können, auf wen die einzelnen Teile des Buches zurückgehen; hätte er das getan, wäre ihm auch nicht der Lapsus unterlaufen, den Exkurs „Die Grafschafter westlich der Oder-Neißegrenze“ Frau Małgorzata Ruchniewicz zuzuschreiben. Wir beide zeichnen für den Gesamtinhalt verantwortlich, das heißt, wir stimmen in unseren Ergebnissen überein. Ich ziehe mich nicht „vornehm auf die Althistorie“ zurück. Dass ich in meinem Beitrag die Zeit bis 1815 dargestellt habe, hängt damit zusammen, dass ich für diese Zeitspanne eingehende Forschungen betrieben habe, wie meine anderen Publikationen zur Grafschafter Geschichte zeigen.

Frau Dr. Małgorzata Ruchniewicz, Assistentin am Historischen Seminar der Universität Wrocław (Jahrgang 1970, siehe Buchumschlag, nicht 1957, wie der Rezensent meint), ist als Zeithistorikerin durch ihre Publikationen bestens ausgewiesen. Und sie ist die Erste, die zur Geschichte des Glatzer Landes im 19. und 20. Jahrhundert eingehende Quellenforschungen betrieben und diese Quellen in einer Gesamtdarstellung analysiert hat. Die eng begrenzte – wenn nicht falsche Sicht des Rezensenten im Hinblick auf die Geschichtsforschung dokumentiert der Rezensent mit dem Satz: „So beschreibt die junge polnische Historikerin nicht nur die neuzeitliche Entwicklung unserer Heimat, sondern bringt Aussagen über unsere Mentalitäten, über Intelligenz und Intellektualität zu Papier. Kann ein Mensch fremder Nationalität so beurteilend über unsere „Geschichte des Glatzer Landes“ aussagen?“ (S. 17, 1. Spalte).

Im Klartext bedeutet dies, dass offenbar Amerikaner, Polen oder Engländer nicht über die deutsche Geschichte schreiben dürfen. Dem Rezensent dürfte zudem entgangen sein, dass die neuere internationale Geschichtsschreibung sich nicht nur mit Staatsaktionen befasst, sondern auch mit Mentalitäten und Alltagsgeschichte. Grotesk die dann folgende Unterstellung: „Oder ist ihre Feder geführt worden?“ Wo findet der Rezensent im Text dafür einen Beweis? Wo zeigt sich eine „einseitige Führung“? Wenn die Verfasserin Formulierungen aus den Quellen übernimmt, so tut sie das, was jeder Historiker tut, sie bezieht sich auf Quellen. Oder sollte sie diese „umschreiben“, wofür Herr Herbert Gröger ja ein besonderes Faible hat?

Was den Exkurs „Die Grafschafter westlich der Oder-Neiße-Linie“ betrifft, so stammt dieser nicht von der „fremden Historikerin“, sondern – wie oben bereits angemerkt – von mir (A.H.). Was dort über den „Grafschafter Boten“ und die „Vertriebenenkirche“ steht, ist belegbar. Was soll daran „nicht redlich“ sein? In seiner nicht gerade durchschaubaren Argumentationsstruktur kommt Herr Gröger im weiteren Verlauf noch einmal auf diesen Exkurs zu sprechen (S. 17, 3. Spalte) Dabei bezeichnet er die Ausführungen als „persönlichen Meinungsaufsatz“. Was bedeutet hier „persönliche Meinung“? Die Behauptungen lassen sich alle belegen. Was also ist „ungenau bis zweifelhaft“ an der Darstellung über die Gründung der „Volksgruppe Grafschaft Glatz“ (1952), über die „Heimatgruppe Grafschaft Glatz (1967), über die Partnerstädte und Heimatstuben? Was „tendenziös“ an den Ausführungen über den „Grafschafter Boten“ und den „Rundbrief des Großdechanten“? Von „Feindschaft“, offensichtlich zwischen dem Großdechanten und der Zentralstelle Grafschaft Glatz, spricht nur Herr Gröger. Meine Einschätzung lautet – in angemessener historischer Distanz – „nicht unumstritten“ (S. 496). Interessant, dass Herr Gröger in diesem Zusammenhang für „Meinungsvielfalt“ plädiert. Die persönlichen Kontakte, die sich zwischen alten und neuen Grafschaftern herausgebildet haben – wo von ja auch dieses Buch als deutsch-polnische Gemeinschaftsproduktion zeugt – hätte ich sicher stärker betonen können. Über die Kontakte der Zeitschrift „Ziemia Kłodzka“ zum „Grafschafter Boten“ berichtet Małgorzata Ruchniewicz objektiv auf S. 507f. in ihrem Exkurs, wo sie die Verständigungsbemühungen zwischen Deutschen und Polen nach der Wende darstellt und hier auch eingehend auf die Kontakte zu sprechen kommt.

Dass Herr Gröger bei seiner – gelinde gesagt – begrenzten Sicht von Historiographie im Hinblick auf das Buch von einem „sogenannten wissenschaftlichen Buch“ spricht, verwundert nicht. Dem widerspricht auch nicht, dass er eine Zensur von der Bundesregierung fordert: „Verwundert ist man dann umso mehr, daß die deutsche Regierung ein sogenanntes wissenschaftliches Buch über eine deutsche Geschichtslandschaft durch Polen finanziert und es nicht für nötig erachtet, mit sachkundigen deutschen Stellen wenigstens vorher Rücksprache zu nehmen. Aber der dafür zuständige Kulturstaatsminister ist diesbezüglich schon mehrfach aufgefallen. (S. 17, 1,2 Spalte). Wenn das Bundeskulturministerium eine Publikation finanziert, so lässt sie diese von einem unabhängigen Institut auf den wissenschaftlichen Charakter hin prüfen. Erst dann finanziert es die Veröffentlichung. Dies ist hier geschehen. Dass hier der „zuständige Kulturstaatsminister […] diesbezüglich schon mehrfach aufgefallen ist“, mag wohl damit zusammen hängen, dass er sich an seinen Amtseid hält, der dem Grundgesetz verpflichtet ist. Dort heißt es in Artikel 5: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten […]. Eine Zensur findet nicht statt […]. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei […].“

„Zu den persönlichen Bemerkungen“ des Rezensenten, die für eine Rezension ungewöhnlich den größten Teil der Besprechung einnehmen, folgendes: Gewöhnlich liest man ein Buch von vorn nach hinten und nicht wie bei dieser Besprechung von hinten nach vorn. Aber seis drum. Zumindest betont hier der Rezensent im Gegensatz zu seinen übrigen Äußerungen, dass Frau Ruchniewicz „sachbetont und auch selbstkritisch die schwierige Besitznahme eines ganz fremden Landes [beschreibt], dessen 800jährige deutsche Vergangenheit man mit der Vertreibung der ansässigen Bevölkerung ein für allemal aus den Geschichtsbüchern herausreißen wollte.“ (S. 17, 3. Spalte) Was sie zum Potsdamer Abkommen bemerkt, basiert auf der gängigen historischen Literatur. Der deutsch-polnische „Grenzbetätigungsvertrag“ hat – wie der Rezensent zu Recht feststellt – die Souveränitätsfrage geklärt. Was soll also noch einmal die Diskussion über den Vertragscharakter des Potsdamer Abkommens? Das interessiert heut ungefähr so wie die Tatsache, dass der Papst (bis heute) den Westfälischen Frieden von 1648 nicht anerkannt hat.

Dass es sich bei dem Hauptkapitel „Das Glatzer Land“ (1815-1945) „über weite Strecken [um] keine Geschichtsdarstellung, sondern eine Anreihung persönlicher Meinungsäußerungen, die oft die Menschen im Glatzer Land negativ darstellen“ (S. 18, 2. Sp.) handelt, auch das ist eine Behauptung des Rezensenten ohne Beleg. Wo erfolgte eine „pauschale Verurteilung“? Kann mir der Rezensent eine Publikation nennen, in der das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Grafschaft im 19. Jahrhundert so umfassend und einfühlsam dargestellt wird wie in der Abhandlung von Małgorzata Ruchniewicz? So ihre Darstellung der Katastrophen, der Armut in den 1840er Jahren (der sog. Pauperismus), der Revolution von 1848/49, des Kulturkampfs, des kulturellen Lebens, des Tourismus etc.? Wo macht Małgorzata Ruchniewicz die „Grafschafter Menschen […] im 20. Jahrhundert plötzlich zu nationalsozialistischen Ideologen“? Auch im Hinblick auf den Nationalsozialismus in der Grafschaft Glatz bietet Małgorzata Ruchniewicz als erste eine zusammenhängende Darstellung. Oder kann mir der Rezensent eine andere nennen? Das Aufkommen des Nationalsozialismus in der Grafschaft Glatz im Kontext zur allgemein deutschen Geschichte behandelt die Autorin sachlich an Hand zeitgenössischer Darstellungen sowie Statistiken, reflektiert die Selbstdarstellungen der NS-Größen und analysiert an Hand der Wahlergebnisse die unterschiedlichen Erfolge des Nationalsozialismus im Glatzer Land. Dabei wird deutlich, dass zumindest im Kreis Glatz-Neurode sogar nach 1932 und 1933 die demokratischen Weimarer Parteien gegenüber den totalitären Parteien NSDAP und KPD die Mehrheit besaßen. Von einer globalen „Nazi-Affinität der Grafschafter“ spricht nur Herr Gröger, bei Frau Ruchniewicz ist davon – aufgrund ihrer sachlichen Interpretation der Wahlergebnisse – nicht die Rede. Das bei Herrn Gröger ohne Seitenverweis der Publikation auf S. 18, 3. Spalte gebrachte indirekte Zitat „dass [es] im Wahljahr 1933 »nach der NS-Machtübernahme« einen enormen Wählerzuwachs von rund 26% gegeben hat“, liest sich bei Małgorzata Ruchniewicz ganz anders (S. 274): „Im Kreis Glatz, der auch das Gebiet des aufgelösten Kreises Neurode umfasste, wurden die Nationalsozialisten zwar zweitstärkste Kraft, erhielten aber nur 26% der Stimmen.“

Was dann Herr Gröger als 10-jähriger Zeitzeuge über seine Eindrücke der NS-Zeit berichtet, klingt recht begeistert, anders als in der objektiven Darstellung bei Małgorzata Ruchniewicz. Eigenartig und schwer verständlich sein Urteil über die demokratischen Parteien, die angeblich die Weimarer Republik in den Konkurs geführt haben sollten. Die Wähler in Glatz-Neurode sahen das 1933 noch anders! Dass man mit der Akzeptanz des NS-Regimes „auf eine endlich bessere Zukunft“ in der Grafschaft Glatz hoffte, ist die Ansicht des Rezensenten, nicht die der Autorin. Sie schildert objektiv (S. 278), wie sich im Glatzer Land die Nationalsozialisten die Macht rücksichtslos aneigneten und den Widerstand, wie ihn z.B. der Habelschwerdter „Gebirgsbote“ leistete, ausschalteten Die daraufhin gleichgeschaltete Presse zeigte dann, wie Małgorzata Ruchniewicz schreibt, „dass die braune Ideologie die Region rasch und effektiv zu beherrschen begann.“ Das ging auch ohne Radio über die Zeitung, die in allen Dörfern gelesen wurde. Davon beeinflusst waren „nicht so sehr die einfachen Menschen, sondern vielmehr die Eliten der Grafschaft“, so Małgorzata Ruchniewicz. Verwundert der Satz des Rezensenten: „Ich glaube kaum, dass damals jemand eine Vorstellung von den Wirkungen einer Diktatur hatte“. Die Gewaltaktionen gegen die katholische Kirche und deren Verbände, die Małgorzata Ruchniewicz sachlich analysiert, machten es wohl in jedem Grafschafter Dorf deutlich, wie eine Diktatur sich auswirkte. Wie v.a. die Jugend dem schönen Schein der NS-Diktatur erlag, wird in dem Buch recht deutlich aufgezeigt. Wie schwierig es für die Grafschafter war, NS-Ideologie und die Lehre der katholischen Kirche in Einklang zu bringen, auch dafür finden sich in dem Buch Belege (s. die Bildunterschriften S. 291/2). Wie schwierig es war, dies auf einen Nenner zu bringen, zeigt (S. 293) das Gedicht meines „Großonkels“ Robert Karger – er war der Cousin meiner Großmutter Anna Karger – der noch 1937 auf Hitler als den „Gottesfriedensmann“ setzte. Das, was Herr Gröger von dem NS-Leben auf dem Grafschafter Dorf schreibt, ähnelt doch stark einer Idylle und demonstriert augenfällig, wie er als Zeitzeuge (mit seiner eingeschränkten Sicht) dem schönen Schein des 3. Reichs erlag (S. 19, 2. Spalte): „Man lebte im Rhythmus des Jahres, aber man empfand es als gut, daß es plötzlich eine NSV-Gemeindeschwester im Dorf gab, daß z. B. einmal im Monat im örtlichen Gasthaus es eine schöne, oft lustige Filmaufführung gab, natürlich mit NS-Wochenschau. Die Mitglieder der NS-Frauenschaft trafen sich und tauschten ihre Alltagsprobleme aus, auch mit NS-Unterweisungen, die man als quasi damit verbundenes Übel hinnahm. Der NS-Ortsgruppenleiter kam meist aus ihrer Mitte und war eigentlich ein angesehener Mann, der, wie selbst erlebt, in die Sonntagsmesse ging mit allem Drum und Dran. Die HJ wurde oft akzeptiert, denn sie belebte die Wochenendlangeweile und hielt die jungen Leute von den üblichen Auswüchsen überschießender Jungkräfte ab.“ (S. 19, Spalte 2). Letzteres z. B., so kann man dem Buch (S. 290f.), nicht aber dem Rezensenten entnehmen, indem man Kreuze und Muttergottesbildstöcke schändete. Zumindest heute müsste der Rezensent sich eingestehen, welche Folgen das hatte. Dass diese Idylle, nachdem alle Gegner gewaltsam beseitigt worden waren, mit dem Krieg, der Ausbeutung und Unterdrückung der Nachbarvölker finanziert wurde – Deutschland war 1938 praktisch pleite – dürfte heute – die rechtsradikale Szene ausgenommen – allen klar sein.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang die Behauptung des Rezensenten, dass Małgorzata Ruchniewicz dem „derzeitigen bundesrepublikanischen Denkschema“ folgt? Hat Herr Gröger Schwierigkeiten mit der Demokratie in Deutschland, die eine offene Diskussion verlangt? Frau Ruchniewicz fordert in keinem ihrer Sätze, dass „unseren staatlichen Nachbarn gegenüber […] immer wieder demütig gesagt werden [muss], dass wir ein böses Volk waren und nun endlich auf dem besten Weg sind, gute Menschen zu werden!“ (S. 19, 1. Spalte). Der Historiker soll nicht als Moralapostel auftreten, auch ist „die Geschichte [nicht] das große „Weltgerichte“, doch muss erarbeitet werden, wer was verursacht hat. Dieses ehrlich einzugestehen, bedeutet Aufarbeitung der Geschichte, ohne die eine Gesellschaft nicht existieren kann.

Am Ende seiner krausen Argumentationsreihung (S. 19, 2. Spalte) behauptet Herr Gröger: „Einfach infam ist es zu behaupten, dass das Grafschafter Landleben auf den Dörfern sich intellektuell auf den Dorfpfarrer und den Dorflehrer beschränkte. Nicht umsonst hat der von ihm [auf wen sich das auch immer bezieht, A.H.] negativ zitierte Dichter Hermann Stehr das Glatzer Land als das Land der tausend Dichter bezeichnet“. Den Eindruck kann man freilich haben, wenn man – wie Herr Gröger es tut – nicht zwischen intellektueller und kultureller Elite unterscheidet. Über das kulturelle Leben in Grafschafter Dörfern finden sich bei Małgorzata Ruchniewicz ausgezeichnete Passagen (S. 358-375), die Herr Gröger vielleicht noch einmal in aller Ruhe lesen sollte. So anschaulich und emphatisch ist bisher die Kultur des Glatzer Landes im 19. Jahrhundert kaum beschrieben worden. Die Seiten 1-221 des Buches sind nicht, wie Herr Gröger meint, Vorgeschichte, sondern sie sind die Geschichte. Sie bilden mit den folgenden Seiten eine Einheit und zeigen alle Höhen und Tiefen unserer Grafschafter Geschichte in den vergangenen tausend Jahren auf. Nur wer recht voreingenommen dieses Buch liest und dabei Behauptungen hineinliest, die nicht drin stehen, kann dann sprechen, dass mit diesem „Buch mit einem großen Titel […] ein Chance vertan worden [ist], ohne Polemik der historischen Wahrheit und der Verständigung zu dienen.“ (S. 19, 2. Spalte). Es ist doch das Überraschende und Versöhnliche der Entwicklung in den letzten 20 Jahren, dass nun auch die neuen polnischen Grafschafter, die sich stolz als Bewohner der Hrabstwa Kłodzkiego bezeichnen, die gesamte Geschichte des Landes, und das bedeutet auch die deutsche Geschichte und Kultur, als ihre Geschichte begreifen. Nur so wird die Geschichte des Glatzer Landes im kollektiven Gedächtnis fortleben, auch dann, wenn wir ehemaligen deutschen Grafschafter in 20 bis 30 Jahren nicht mehr sind. Das ist die nicht vertane Chance dieses Buches.

Prof. Dr. Arno Herzig

(Erstabdruck in: Silesia Nova. Vierteljahresschrift für Kultur und Geschichte 5 (2008), H. 2, S. 142-147)

 

Die Robert Bosch Stiftung schreibt den Karl-Dedecius-Preis 2009 für polnische Übersetzer deutscher Literatur und deutsche Übersetzer polnischer Literatur aus

Zum vierten Mal lädt die Robert Bosch Stiftung polnische und deutsche Übersetzer ein, sich um den Karl-Dedecius-Preis zu bewerben. Die Auszeichnung wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut Darmstadt vergeben und geht zugleich an einen deutschen und einen polnischen Übersetzer. Beide werden für ihre herausragenden Leistungen und ihre Vermittlungsarbeit zwischen den beiden Nachbarländern geehrt. Die Preise sind mit je 10.000 Euro dotiert. Die feierliche Preisverleihung findet im Mai 2009 in Krakau statt.
Vorschläge für die Auszeichnung können an das Deutsche Polen-Institut Darmstadt gerichtet werden; auch Eigenbewerbungen sind möglich.

Die Bewerbungen sollen
·einen kurzen Lebenslauf des Übersetzers
·ein Publikationsverzeichnis und
·eine Auswahl aus dem übersetzerischen Werk – ca. 20 Seiten des Original- und des Übersetzungstextes
enthalten und bis zum 15. Dezember 2008 an das Deutsche Polen-Institut, Karl-Dedecius-Preis, Mathildenhöhweg 2, 64297 Darmstadt gesandt werden.
Der Karl-Dedecius-Preis wird seit 2003 alle zwei Jahre verliehen. Die Robert Bosch Stiftung und das Deutsche Polen-Institut setzen sich seit mehr als zwanzig Jahren gezielt für die Verbreitung deutschsprachiger Literatur in polnischer Übersetzung sowie polnischer Literatur in deutscher Übersetzung ein. Von 1980 bis 2000 wurde die von Karl Dedecius herausgegebene »Polnische Bibliothek«, die in 50 Bänden bedeutende Werke der polnischen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart vorstellt, von der Robert Bosch Stiftung gefördert.
 www.bosch-stiftung.de/karldedeciuspreis
 www.deutsches-polen-institut.de/Projekte/Karl-Dedecius-Preis/index.php
Öffentliche Auslobung des Karl-Dedecius-Preises 2009 am 17. Oktober 2008, 15.00 Uhr im Übersetzer-Zentrum der Frankfurter Buchmesse (Halle 5.0 Stand E955) mit Prof. Dr. Joachim Rogall (Robert Bosch Stiftung), Prof. Dr. Dieter Bingen (Deutsches Polen-Institut) und Martin Pollack (Preisträger 2007)

Kontakt:
Dr. Andrzej Kaluza, Deutsches Polen-Institut, Mathildenhöhweg 2
64287 Darmstadt, Tel. 06151– 498513, Mobil 0174-7395037 Fax: 06151– 498510, E-mail:  kaluza(at)dpi-da.de
 www.deutsches-polen-institut.de

 

Weites Betätigungsfeld des VSK in Schlesien. Mitglieder  trafen sich zur Jahrestagung im Kulturzentrum Schloss Lomnitz

Mit unerwartet sonnigen Herbsttagen wurden etwa 40 Mitglieder, Freunde und Förderer des Vereins zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur e.V. (VSK) belohnt, die vom 2. bis 5. Oktober 2008 zur diesjährigen Jahrestagung aus dem ganzen Bundesgebiet und Schlesien ins Hirschberger Tal angereist waren. Die uralten Bäume des Schlossparks Lomnitz leuchteten in sattem Gelb und Rot und begrüßten die Mehrzahl der Teilnehmer bereits am Donnerstagnachmittag zur Eröffnung der Ausstellung über das Leben und Wirken Josef von Eichendorffs im Erdgeschoss des großen Schlosses.

Neue Ausstellung in Lomnitz: „Josef von Eichendorff  -  eine Biografie“
Die Schau, die durch Museumsdirektorin Dr. Idis Hartmann für des Museum Ostdeutsche Heimatstube Bad Zwischenahn aus Anlass des 150. Todestages des Dichters erarbeitet und zusammengestellt wurde, ist nun mit polnischer und deutscher Beschriftung in Lomnitz zu sehen. Frau Dr. Hartmann hielt bei der Eröffnung in Lomnitz einen sehr informativen Einführungsvortrag und spannte einen weiten Bogen vom Geburtsort Lubowitz bis Neisse. Die Örtlichkeiten und Lebensschwerpunkte des Freiherrn vom heimatlichen Schloss in der Nähe von Ratibor, über sein Schülerleben in Breslau, die Studienjahre an den Universitäten Breslau, Halle, Heidelberg und Wien, seine Tätigkeit als Beamter im preußischen Staatsdienst und schließlich seine bis heute die Menschen ansprechende dichterische Leistung, werden in der Ausstellung informativ und einfühlsam gezeigt. 25 Tafeln und einige Vitrinen zeigen die Lebensgeschichte des Dichters an Hand gezielt ausgewählter Illustrationen und kurzer Texte. Begründete wissenschaftliche Recherche und eine kluge museumspädagogische Umsetzung machen die Ausstellung besonders sehenswert.

Exkursion in Richtung Liegnitz, Wahlstatt und Leubus
Die seit jeher zum Tagungsprogramm gehörende Busexkursion führte am Freitagmorgen in Richtung Norden. Unter der sehr fachkundigen und bewährten Führung durch Dr. Horst Berndt ging es zunächst über die „Kapelle“ und das Bober-Katzbach-Gebirge hinunter nach Jauer/Jawor zu einer der drei Friedenskirchen, die nach dem Westfälischen Frieden 1648 durch die evangelischen Christen in Fachwerkbauweise auf Backsteingrundmauern errichtet werden durften. Wahlstatt/Legnickie Pole  mit dem ehemaligen Benediktinerkloster und der Kirche Hl. Kreuz und St. Hedwig war die nächste Station. Diesen  heute barocken Klosterkomplex, errichtet nach den Entwürfen K.I. Dientzenhofers, hat nach der Überlieferung die hl. Hedwig an der Fundstelle des Leichnams Ihres Sohnes Heinrich II nach der Schlacht gegen die Mongolen 1241 mit der Stiftung einer Kirche begründet. Die Fresken stammen von Cosmas Damian Asam. Im Langhaus ist die Auffindung des hl.  Kreuzes  durch die hl. Helena und die Kreuzerhöhung dargestellt. Die Führung in der Kirche erfolgte durch eine sehr fachkundige Polin. Der anschließende Besuch der alten Piastenstadt Liegnitz/Legnica führte zunächst zum Glogauer Torturm und zur Herzogsburg, um dann noch das barocke Architekturensemble mit der Jesuitenkirche, dem Piasten-Mausoleum, der Ritterakademie und dem Schloss der Leubuser Äbte zu bewundern. Ein Blick auf das alte Rathaus und die Domkirche ergänzten den ersten Eindruck zu dieser alten schlesischen Stadt. Nun wurde als letztes Ziel des Tages Leubus/Lubiąż angesteuert, das als älteste und bedeutendste schlesische Zisterzienserabtei  gilt (gegründet 1175) und auch „Eskorial“ Schlesiens genannt wird. Schon die  -  selbst im europäischen Rahmen  -   gewaltigen Abmessungen des gesamten Klosterkomplexes (223 x 118 m) beeindrucken den Besucher auf Anhieb. Von weither grüßt die barocke Doppelturmfront der ursprünglich gotischen Stiftskirche. Einzelne Räume sind bereits renoviert und konnten besichtigt werden, wie das Refektorium des Abtes und das der Mönche sowie der Fürstensaal mit Figuren dreier Habsburger Kaiser (Karl VI., Joseph und Leopold I). Ein schöner Tag, angefüllt mit vielfältigen Informationen zur reichen Kultur Schlesiens neigte sich zum Ende und gegen 18.30 Uhr erreichte die Reisegruppe wieder den Ausgangsort Lomnitz.

Bethauskirche Schönwaldau und zahlreiche weitere Projekte  
Wegen des großen Umfanges der aktuellen Vereinsarbeit und der Vielfalt der verschiedenen Projekte begann der Vorstand mit seiner Arbeitssitzung bereits am Freitagabend, um sie dann am Samstagmorgen mit einem zweiten Teil fortzusetzen. Diskussionen über organisatorische Verbesserungen, die vor allem auch aus der räumlichen Distanz der Vorstandsmitglieder notwendig wurden (z. B. Verbesserung des Informationsflusses, Stärkung der Präsenz des VSK in Lomnitz, vermehrte Veranstaltungen vor Ort) nahmen einen breiten Raum ein. Ein wichtiger aktueller Beratungspunkt, zu dem am Sonntagabend Pfarrer Suchowa von der evgl. Kirchengemeinde in Bad Warmbrunn / Cieplice zu einem informativen Gespräch erwartet wurde,  war das Projekt „Translozierung der Bethauskirche Schönwaldau / Rząśnik“. Elisabeth von Küster kündigte den Beginn der Abtragung und Sicherung des Fachwerkgebäudes durch Fachfirmen für den 6. Oktober an.

Künftige Ausstellungen, wie etwa eine durch Dr. Gerhard Schiller gemeinsam  mit einem weiteren Museum zu konzipierende  wissenschaftliche Darstellung  über die „Pfefferküchler in Schlesien“, eine evtl. Präsentation der Ausstellung „Sammlung Haselbach“ sowie die Bemühungen des VSK zum Erhalt der in Zillerthal-Erdmannsdorf/Mysłakowice im „Tiroler Haus / Dom Tyrolski“ untergebrachten Ausstellung über die Zillertaler Zuwanderer im Hirschberger Tal waren weitere Beratungspunke. Außerdem will man Lomnitz auch als Ausstellungsort für eine Schau zur „Altranstädter Konvention“ anbieten, falls in Hirschberg zum Jubiläum der dortigen Gnadenkirche im kommenden Jahr  eine Präsentation dieser Ausstellung nicht möglich sein sollte. Weitere Beratungspunkte waren u. a. das Projekt „Ausschreibung eines Denkmalschutzpreises“ sowie die aktuell vom VSK angebotenen Schlesienreisen. So soll im kommenden Jahr zu den schon bisher durch  Dr. Horst Berndt (Studienfahrt in Niederschlesien) und Dr. Gerhard Schiller (Studienfahrt in Oberschlesien) angebotenen Fahrten eine Reise in das Altvatergebirge im polnischen-tschechischen Grenzgebiet stattfinden.

Mitgliederversammlung mit Neuwahl des Vorstandes am Samstagnachmittag
Für die alljährliche Mitgliederversammlung war der Samstagnachmittag reserviert. Im Gartensaal des großen Schlosses trafen sich die Mitglieder, Freunde und Gäste, um über die aktuelle Vereinsarbeit  der vergangenen Monate informiert zu werden,  hierüber zu diskutieren und einen Ausblick auf die aktuellen Vorhaben des kommenden Jahres zu halten. Vorsitzender Karsten Riemann berichtete über die Arbeit des Vorstandes in zahlreichen Projekten (siehe oben) und informierte auch über die sich recht positiv gestaltende kooperative Zusammenarbeit mit diversen Gesellschaften und Vereinen. Zu nennen waren hier vor allem der „Förderverein Füst-Pückler-Region e.V“ in Bad Muskau, die „Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V.“, die „Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz“, das „Haus Schlesien e.V.“ sowie der „Görlitzer Theater- und Musikverein e.V.“ Auch über das durch Herrn Pfarrer Globisch, Oppeln,  mit Unterstützung des VSK ausgerichtete 13. Schlesienseminar in Groß Stein (29.9. – 4.10.2008) zum Thema „Die Sprachen der Schlesier, gestern – heute – morgen“ konnte recht positiv berichtet werden. Durch gemeinsame Bemühungen war u.a. eine Teilförderung durch die „Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit“ erreicht worden. Als weitere wichtige Projekte, die man auch in Zukunft weiter unterstützen will, wurden u.a. der Wiederaufbau der Engler Orgel in der Breslauer Elisabethkirche sowie  evtl. notwendig werdende Renovierungsarbeiten an der Gnadenkirche Hirschberg dargestellt.

Der Bericht des Schatzmeisters interessierte natürlich alle Anwesenden in besonderer Weise, da nur gesunde Finanzen eine weitergehende Vereinsarbeit ermöglichen. Erfreulich und umfassend waren daher die Informationen des Schatzmeisters Heinrich Dhom, so dass der gesamte Vorstand durch alle anwesenden VSK-Mitglieder vorbehaltlos entlastet wurde. Problemlos erfolgte die turnusgemäß anstehende Neuwahl des Vorstandes. Für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Krzysztof  Ruchniewicz (Stellvertretender Vorsitzender) und Prof. Dr. Marek Zybura (Beisitzer) wurden einstimmig Woijciech Kapałczyński zum stellvertretenden Vorsitzenden und Martyna Sajnog Klementowska zur Beisitzerin gewählt. Alle weiteren Vorstandsmitglieder (Vorsitzender Karsten Riemann, stellvertretender Vorsitzender Dr. Klaus Schneider, Schatzmeister Heinrich Dhom, Schriftführer Stefan Barnowski sowie die Beisitzer Ulrich von Küster und Dr. Jürgen Pyschik) standen für die Mitarbeit weiterhin zur Verfügung und wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Vom neuen Vorstand ebenfalls bestätigt wurde auch Dr. Gerhard Schiller als Vorsitzender des Beirates und somit Mitglied des Vorstandes.   Nach einer informativen Aussprache und weiteren konstruktiven Vorschlägen der Vereinsmitglieder wurde beschlossen, die nächste Mitgliederversammlung und Jahrestagung wieder im Herbst des kommenden Jahres vom 1. bis 4. Oktober 2009 einzuberufen.

Eichendorff-Lieder und Texte: Soiree am Samstagabend
Einen kulturellen Höhepunkt bot die Eichendorff-Soiree am Samstagabend. Stimmungsvoller Kerzenschein empfing die Gäste im Saal des großen Schlosses und verbreitete eine festlich-erwartungsvolle Atmosphäre. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Dr. Joachim Gobbert als Bariton, Luba Nawrocka am Flügel und Dr. Christine Renz mit Texten und Textinterpretationen verstanden es auf besondere Weise, den  Zuhörern die Lebens- und Erfahrungswelt von Eichendorffs näher zu bringen. Die Liedvertonungen von Robert Schumann, Robert Franz, Felix Mendelsohn-Bartholdy und Hugo Wolf, durch Dr. Gobbert gekonnt und  in wohltuender Tonlage vorgetragen und durch Luba Nawrocka am Flügel einfühlsam ergänzt, wurden zum besonderen Erlebnis für jeden Musikfreund.  Eine kurze Darstellung der Biografie von Eichendorffs sowie die Einführung in seine Textwelt durch Dr. Christine Renz bildeten einen stilvollen und ansprechenden Verständnisrahmen. Insgesamt zwei gelungene, froh machende Abendstunden, die  durch ein noch als Zugabe in polnischer Sprache gesungenes Abendlied ihren Abschluss fanden.

Wanderung zu den Falkenbergen im Hirschberger Tal
Der Sonntagmorgen lockte mit strahlender Herbstsonne. Nach der Möglichkeit zum morgendlichen Kirchgang stand ab 13.00 Uhr die traditionelle Wanderung mit „Wanderleiter“ Wolfgang Schubert auf dem Programm. Vom Schloss Lomnitz aus durch den Park ging es das erste Stück entlang des sog. „Lomnitzer Spazierweges“ und weiter in Richtung Boberstein/Bobrów. Hier konnte der ehemalige evgl. Friedhof in Augenschein genommen werden, der durch eine vom VSK unterstützte örtliche Initiative zu einem kleinen natürlichen Park umgestaltet wird. Der Weg führte dann aufwärts zur Höhe der Falkenberge, von denen der Kreuzberg bis 654 Meter aufragt. Bei kurzer Rast mit Imbiss am „Schweizerhaus“ konnte der weite Blick auf den herbstlichen Gebirgskamm genossen werden. Über herrliche Bergwiesen bei schon tief stehender Nachmittagssonne gelangte die kleine Wandergruppe ins Bobertal und über Rohrlach/Trzcińsko, Boberstein und Schildau/Wojanów wurde gegen 19.00 Uhr Schloss Lomnitz wieder erreicht.

Erlebnisreiche und interessante Tage, gefüllt mit vielen guten Begegnungen und Kontakten,  mit offenen Diskussionen und anregenden Gesprächen, denen zahlreiche Ideen entsprangen, gingen ihrem Ende entgegen.

Kontakt:
VSK, Brüderstrasse 13, D-02826 Görlitz,  www.vskschlesien.de
Vorsitzender: Karsten Riemann, An der Schafweide 48, D-31162 Bad Salzdetfurth, Tel. 05063-700, email: riemann@vskschlesien,de
Spendenkonto: VSK, SpK Oberlausitz-Niederschlesien, Kto.: 15004163  BLZ 85050100

 

Förderprogramm für internationale Jugendprojekte EUROPEANS FOR PEACE. Ausschreibung 2009: 1939 – 2009: Freund und Feind in den Medien

Medien erzeugen Vorstellungen von „uns“ und „den anderen“. In Diktaturen sind sie Instrument der Propaganda. Im Krieg sollen sie der Kriegsführung helfen. In Demokratien prägen sie die Meinungsbildung.
Am 1. September 2009 jährt sich der deutsche Überfall auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Das Programm Europeans for Peace der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ fördert aus diesem Anlass Projekte, die sich mit Feind- und Freundbildern, mit positiven und negativen Stereotypen in Medien auseinandersetzen.
Medien waren im Zweiten Weltkrieg auf allen Seiten ein wichtiges Instrument zur Mobilisierung der Bevölkerung. Die Propaganda der Nationalsozialisten erreichte,  dass die nationalsozialistischen Verbrechen von einem Großteil der Bevölkerung in Deutschland toleriert oder aktiv unterstützt wurden. Aber auch in der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute prägen Medien unser Bild von Freund und Feind, wecken Sympathien oder schüren Ängste, fördern Hilfsbereitschaft oder Gleichgültigkeit. Eine besondere Rolle spielten sie während des „Kalten Krieges“ auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs.
In internationalen Projekten können Jugendliche im Rahmen des Programms Europeans for Peace historisch oder gegenwartsbezogen zu diesem Thema arbeiten. Sie erforschen beispielsweise, wie in Diktaturen durch die Medien Meinungen manipuliert und Menschen als Feinde oder Unmenschen gezeichnet wurden. Die Jugendlichen hinterfragen die Wirkung von Propaganda in Diktaturen und erforschen, wie sie als Mittel der Kriegsführung genutzt wurde. Sie gehen aber auch der Frage nach, welche Stereotype Medien heute in ihrer Berichterstattung nutzen und welche Wirkung sie damit erzeugen. Sie analysieren die Rolle der Medien in Demokratien und untersuchen, ob Medien auch heute Freund- und Feindbilder aufbauen.
Aus  historischer Perspektive können sich die Projekte mit Feindbildern beschäftigen, die die nationalsozialistische Diktatur in ihren Medien propagiert hat und die dazu dienten, sich die Unterstützung der Bevölkerung für Krieg, Verfolgung und Vernichtung zu sichern. Aber auch Feindbilder, die in anderen an diesem Krieg beteiligten Ländern durch die Medien vermittelt und geschaffen wurden, können untersucht werden. Gegenstand gemeinsamer Projektarbeit können auch Darstellungen von Kriegshelden oder von Bildern der (alliierten) verbündeten Länder sein.
Neben dem Zweiten Weltkrieg sind auch die Epoche des Kalten Krieges und die Darstellung von Freund- und Feindbildern in dieser Zeit interessant. Eine Frage kann z.B. sein, wie Verbündete aus dem Krieg zu politischen Gegnern wurden und umgekehrt Feinde zu Freunden.
Aus  aktueller Perspektive kann die Frage untersucht werden, welche Bilder von „uns“ und den „anderen“ Medien heute vermitteln. Erzeugen sie positive oder negative Gefühle wie z.B. Sympathie oder Angst? Knüpfen sie an Vorurteile oder alte Stereotype an? Oder ändern sie unsere Vorstellung von den „anderen“, unsere Gefühle und Haltungen zu ihnen? Welche Darstellungen haben öffentliche Kritik hervorgerufen? Wie kämpfen Minderheiten um eine nicht diskriminierende Darstellung in den Medien?
Zahlreiche Projektbeispiele, eine umfangreiche Linkliste sowie die Bewerbungsunterlagen finden Sie unter  www.europeans-for-peace.de
BEWERBUNGSSCHLUSS 15. Januar 2009

Europeans for Peace
Juliane Tomann
Programmreferentin
Schillerstraße 57
10627 Berlin
Tel: +49 (0)30 3151 7477
Fax: +49 (0)30 3151 7471
 tomann@europeans-for-peace.de
www.europeans-for-peace.de

"Europeans for Peace" ist ein Programm der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", das internationale Projekte fördert. Es wird durchgeführt von MitOst e.V.
 www.stiftung-evz.de
 www.mitost.de