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Stellenausschreibung Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), Oldenburg (Oldb.)
Bewerbungsschluss: 15.12.2008

Am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, einer dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien nachgeordneten Ressortforschungseinrichtung in Oldenburg (Oldb.), ist zum 01.02.2009 folgende Stelle zu besetzen:
Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in (Entgeltgruppe 13 TVöD) im Bereich Kunstgeschichte
Die Stelle ist auf zwölf Monate befristet.
Aufgaben:
- Erstellung fachlicher Gutachten (Anträge auf Projektförderung, Museumswesen, Ausstellungen, Denkmalrestaurierungen etc.)
- Ausarbeitungen und Recherchen zu kulturhistorischen und -politischen Themen;
- Übernahme von institutsinternen Aufgaben (Mitarbeit an Informationsdatenbanken, Online-Redaktion);
- wissenschaftliche Tätigkeit im Rahmen der Konzeption des Instituts.
Anforderungen:
- abgeschlossenes Hochschulstudium der Kunstgeschichte (Schwerpunkt Kunst des Mittelalters oder der Frühen Neuzeit in Ostmitteleuropa), möglichst mit Promotion;
- Erfahrungen im elektronischen Publizieren und sicherer Umgang mit neuen Medien;
- Erfahrungen bei der Durchführung internationaler und interdisziplinärer wissenschaftlicher Projekte und im Publikationsbereich;
- gute Kenntnisse mindestens einer ost- bzw. ostmitteleuropäischen Sprache (vorzugsweise Estnisch, Lettisch, Russisch, ggf. Rumänisch, Ungarisch);
- Museumserfahrung ist erwünscht.
Das BKGE hat sich die Frauenförderung zum Ziel gesetzt. Bewerbungen von Frauen werden daher ausdrücklich begrüßt. Schwerbehinderte Menschen werden bei gleicher Eignung vorrangig berücksichtigt. Die Stelle ist für die Besetzung mit Teilzeitkräften geeignet.

Bewerbungen mit den entsprechenden Unterlagen (Lebenslauf, Publikationsverzeichnis) sind bis zum 15.12.2008 zu richten an:
Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Johann-Justus-Weg 147a
26127 Oldenburg

 

 

 

Tagungsbericht: Spuren der Oberschlesier und Polen in Nordrhein-Westfalen (Kleve, 23.10.-26.10.2008)

Über 60 meist junge Tagungsteilnehmer aus Oberschlesien und Deutschland versammelten sich vom 23. bis 26. Oktober im niederrheinischen Kleve, um beim Herbstforum der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (gdpv) auf die Spurensuche von Oberschlesiern und Polen in NRW zu gehen. Eine Station davon führte die Besucher in das Oberschlesische Landesmuseum. Auch stand eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Landsmannschaft der Oberschlesier auf dem Programm.
Kaum ein deutsches Bundesland hat so viele Einflüsse von Oberschlesiern und Polen erfahren wie Nordrhein-Westfalen. Erste Auswanderer aus unterschiedlichen Gebieten Preußens zogen bereits in den 1870er Jahren Richtung Westen, um in der Schwerindustrie Arbeit zu bekommen. Die Stärke der Auswanderungswelle war dabei von der wirtschaftlichen Situation in der Heimat abhängig. Im Ruhrgebiet wurden diese Auswanderer als „Ruhrpolen“ bezeichnet. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zählte diese Gruppe schätzungsweise rund eine halbe Million Menschen. Mit der Neugründung der Polnischen Republik 1918 gab es eine starke Reemigrationswelle, auch nach Oberschlesien. Doch bewirkten die immer stärker werdenden nationalen Konflikte, die in die sog. Schlesischen Aufstände mündeten, dass viele zurückgekehrten Oberschlesier nach einer kurzen Zeit ihre Heimat verließen und nach Belgien oder Nordfrankreich auswanderten.
Zahlreiche „Ruhrpolen“ haben sich während ihres jahrzehntelangen Aufenthaltes soweit in die westdeutsche Gesellschaft integriert, dass man auch von Assimilation sprechen kann. Es gab jedoch auch eine starke Gruppe, die ihre polnische Kultur und Sprache weiter pflegte. Polnisches kulturelles Leben entfaltete sich mannigfaltig. Eine zentrale Rolle spielte dabei die polnische Seelsorge, in deren Milieu zahlreiche Vereine entstanden sind, die sich auch publizistisch betätigt haben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man zwei weitere starke Migrationswellen von Oberschlesiern nach Nordrhein-Westfalen verzeichnen. Mit der Flucht und Vertreibung der deutschen Oberschlesier bekam das Land NRW wiederum starke oberschlesische Prägung, wofür die Übernahme der Patenschaft des Landes über die Oberschlesier 1964 ein starker Ausdruck ist. Die dritte starke Migrationswelle ist eng mit den Aussiedlern aus Oberschlesien (sog. „Spätaussiedler“) verbunden. Rund 1,3 Mio. Oberschlesier wanderten zwischen 1950 und 1992, insbesondere aber in den 1970er und 1980er Jahren aus.
Die Heimatvertriebenen sammelten sich in Verbänden, um die Erinnerung an ihre schlesische Heimat politisch, kulturell und religiös zu pflegen und weiterzugeben. Auf diese Weise entstanden etwa die Landsmannschaft der Oberschlesier und das Oberschlesische Landesmuseum (OSLM). Das OSLM hatte zunächst die Aufgabe, das oberschlesische Kulturgut der oberschlesischen Vertriebenen zu sammeln und zu pflegen. Das Museum fungierte als kultureller Erinnerungsort. Mit der Öffnung der Grenzen nach 1989/90 konnte sich das OSLM zu einem wichtigen kulturellen Partner der oberschlesischen Kultureinrichtungen in der Region entwickeln. Heute werden wie selbstverständlich gemeinsame Projekte mit polnischen und tschechischen Museen, Universitäten oder anderen Institutionen realisiert.
Auch die katholischen Vertriebenen sammelten sich organisiert, um die religiösen Bräuche und Traditionen ihrer Heimatdiözesen lebendig zu halten. Freilich mussten beispielsweise die Katholiken aus dem Erzbistum Breslau lange Zeit ohne eine „geistliche Spitze“ aushalten. Erst nachdem Papst Paul VI. mit der Bulle „Episcoporum Poloniae“ vom 28. Juni 1972 die deutschen Ostdiözesen aufgelöst hatte, wurden für die deutschen katholischen Heimatvertriebenen als Ersatz Apostolische Visitaturen geschaffen. Die Apostolischen Visitatoren blieben bis 1999 als Vollmitglieder der Deutschen Bischofskonferenz – allerdings nur im Range eines Prälaten – und sorgten seelsorglich für ihre heimatvertriebenen Diözesanen. Nachdem die Vertriebenenseelsorge im Jahre 2006 einer erneuten Reorganisation unterzogen worden ist, sind diese Einrichtungen als Visitaturen für die Priester und Gläubigen des jeweiligen ostdeutschen Bistums bis heute tätig.
Sehr starke Spuren hinterließen die Oberschlesier im religiösen Bereich. War das Ruhrgebiet noch im 19. Jh. stärker protestantisch geprägt, so erlebte die Region mit den Migrationswellen neue Glaubensimpulse. Sehr deutlich wurde das im Verbandskatholizismus – es kam zur Entstehung und Entfaltung zahlreicher katholischer Vereine und Verbände – und vor allem im Wallfahrtswesen, das für die Oberschlesier eine fundamentale Bedeutung hatte. So haben sich Pilgerstätten wie der Annaberg bei Haltern (Westf.), Werl, Velbert-Neviges (Erzbistum Köln), aber auch Kevelaer und Telgte (bei Münster/Westf.) dank der (Ober-) Schlesier zu überregional bedeutenden Kultzentren entwickeln können.
Spuren der polnischen Kultur in NRW lassen sich auch bis ins 19. Jh. zurückverfolgen. Früher wie heute hat sich die Tätigkeit polnischer Gruppierungen um die katholischen polnischen Missionen versammelt. Städte im Ruhrgebiet wie Bochum und Dortmund bildeten Zentren polnischer Verbandstätigkeit. Heute werden in Deutschland Zeitschriften und Magazine in polnischer Sprache gedruckt, die zahlreiche Adressaten erreichen. Dazu zählen nicht nur Mitglieder der Polonia-Gruppierungen oder polnische Erwerbsmigranten bzw. Studenten, sondern auch die Polnisch sprechenden Aussiedler (sog. „Spätaussiedler“) aus Oberschlesien oder aus dem Ermland.
Einen interessanten Programmpunkt bot eine fast zweistündige Diskussionsrunde mit dem Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft der Oberschlesier (LdO), Andreas Gundrum, sowie dem Kulturreferenten der LdO und mit dem Kreistagsabgeordneten der Stadt Ratingen, Sebastian Wladarz (CDU). Vor allem für die zahlreichen polnischen Gäste war dieses Treffen sehr informativ, weil viele noch vorhandene Vorurteile gegenüber den Landsmannschaften im Gespräch abgebaut werden konnten. Andreas Gundrum und Sebastian Wladarz zeigten in einem kurzen historischen Aufriss die Aufgabenstellung der LdO früher und jetzt auf. Vor dem Hintergrund der Unterzeichnung des erneuerten Partnerschaftsabkommens zwischen dem Bundesland NRW und der Woiwodschaft Schlesien können Nichtregierungsorganisationen wie die LdO und das OSLM als wichtige Partner und Botschafter Oberschlesiens in der Bundesrepublik in Erscheinung treten. „Ein Partnerschaftsabkommen ist noch kein Garant für eine gute Zusammenarbeit, es muss erst mit Leben gefüllt werden. Erst solche Nichtregierungsorganisationen wie die Landsmannschaft und das Oberschlesische Landesmuseum können viel dazu beitragen, dass diese Partnerschaft konkret umgesetzt wird“, erläuterte Sebastian Wladarz.
Umrahmt wurde die Tagung von einer Exkursion, die zum Wallfahrtsort Kevelaer, in die römische Stadt am Niederrhein, Xanten, und ins Oberschlesische Landesmuseum nach Ratingen-Hösel führte. Dank exzellenter Führung des Niederrhein-Kenners Tobias Schrörs konnten die Gäste zahlreiche Eindrücke von der Landschaft, Geschichte, Kultur und der Religionsgeschichte sammeln.
Im nächsten Frühjahr plant die gdpv gegen Ende April das nächste Symposium, das ins nördliche Oberschlesien, voraussichtlich in die Umgebung von Rosenberg/Olesno führen wird.
Die Organisatoren danken der Landesregierung NRW für die finanzielle Unterstützung der Tagung.

Dr. Gregor Ploch
ploch@oslm.de

 

4 Forschungsstipendien am Deutschen Polen-Institut, Darmstadt
Bewerbungsschluss: 31.12.2008

Das Deutsche Polen-Institut Darmstadt ist Zentrum für Forschung und Information über Polen und die deutsch-polnischen Beziehungen im europäischen Kontext. Die Spezialbibliothek des Instituts zählt rund 55.000 Bände. Ihre Erwerbsschwerpunkte sind:
-  polnische Belletristik im Original und in deutscher Übersetzung
-  deutsch-polnische Beziehungen (Geschichte, Politik, Kultur u.a.)
-  polnische Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft u.a.
-  deutsche Belletristik in polnischer Übersetzung
-  deutsche Fachzeitschriften zu den Erwerbsschwerpunkten
-  polnische Fach- und Kulturzeitschriften
An die Bibliothek angegliedert ist ein umfangreiches Archiv mit folgenden Bestandteilen:
- Pressearchiv (Schwerpunkt: deutsch-polnische Beziehungen, polnische Innen- und Außenpolitik)
- Autorenarchiv (Materialien zu polnischen Schriftstellern)
- Video- und Audioarchiv
- Dokumentation Polen-Information (Pressearchiv 1970-2000)
- Übersetzernachlässe

Das Deutsche Polen-Institut schreibt für das Jahr 2009
v i e r     F o r s c h u n g s s t i p e n d i e n
für eine Dauer von jeweils vier bis sechs Wochen aus. Bewerbungsschluss ist der 31.  Dezember 2008.

Zielsetzung der Förderung
Mit der Vergabe von Stipendien werden wissenschaftliche Vorhaben aus dem Aufgabenbereich gefördert, der vom Deutschen Polen-Institut vertreten wird. Die Stipendien sollen den wissenschaftlichen Nachwuchs insbesondere aus Polen und Deutschland in die Lage versetzen, die reichhaltigen Bestände in den Sammlungen des Deutschen Polen-Instituts für ihre Forschungsarbeiten auszuwerten. Dabei sollen sich möglichst jeweils ein polnischer und ein deutscher Stipendiat gleichzeitig in Darmstadt aufhalten. Bewerbungen aus dritten Ländern sind ebenfalls möglich.

Höhe des Stipendiums
Die Höhe des Stipendiums beträgt 1500 Euro (1100 Euro für besonders qualifizierte StudentInnen während der Vorbereitung ihrer Abschlussarbeit). Aus diesen Mitteln sind sämtliche Nebenkosten zu tragen (Reisekosten, Unterbringung, Versicherungen).
Voraussetzungen für die Bewerbung

Die wissenschaftliche Qualifikation der Stipendienbewerberin/des Stipendienbewerbers wird auf der Grundlage der einzureichenden Bewerbungsunterlagen geprüft. Förderungsberechtigt sind bevorzugt Graduierte, Doktorandinnen und Doktoranden sowie promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, im Ausnahmefall auch fortgeschrittene Studierende, die mit einer Forschungsaufgabe beschäftigt sind. Sie müssen in der Regel im Arbeitsbereich des Instituts bzw. in den Sammelschwerpunkten der Bibliothek bereits wissenschaftliche Leistungen erbracht haben. Die Bewerberin/der Bewerber muss über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen und diese bei Bedarf schriftlich nachweisen.
Verpflichtungen der Stipendiaten
Die Annahme eines Stipendiums bedeutet für die Stipendiatin/den Stipendiaten die Residenzpflicht in Darmstadt. Nach Ablauf des Stipendiums ist ein Ergebnis- und Erfahrungsbericht einzureichen.

Außerdem wird erwartet, dass die Bewerberin/der Bewerber während des Aufenthalts das wissenschaftliche Vorhaben in einem Werkstattgespräch mit den Mitarbeitern des Instituts vorstellt.
Verpflichtungen des Deutschen Polen-Instituts Über die finanziellen Leistungen hinaus sorgt das Deutsche Polen-Institut für einen Arbeitsplatz in den Sammlungen des Instituts und unterstützt die Stipendiatin/den Stipendiaten auch bei anderen organisatorischen Fragen, insbesondere bei der Regelung der Wohnungsfrage. Das Deutsche Polen-Institut stellt im Rahmen der Möglichkeiten einen wissenschaftlichen Mitarbeiter des Hauses zur wissenschaftlichen Betreuung zur Verfügung.
Bewerbungsunterlagen

Genaue Informationen unter:
Peter Oliver Loew
Deutsches Polen-Institut
Mathildenhöhweg 2, 64287 Darmstadt
06151/420217
06151/420210
 loew(at)dpi-da.de
 http://www.deutsches-polen-institut.de/Service/Stipendien/index.php>

URL zur Zitation dieses Beitrages
< http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/chancen/type=stipendien&id=3241>

 

 

Erinnerung und Gedenken zur Kristallnacht vor 70 Jahren

Der Beginn der Dreharbeiten für unseren Dokumentarfilm "Drei Synagogen"  soll im Januar 2009 beginnen.
Gegenstand des Filmes  werden die Synagogen in Görlitz, Decin und Breslau sein, die alle drei ehemals dem deutschen Gebiet angehörten und in der Kristallnacht nicht zerstört wurden. Geschehnisse dieser Zeit sollen anhand der Schicksale von jüdischen Menschen und Zeitzeugen aufgezeigt werden. Neu entstandenes jüdisches Leben wird in aller Unterschiedlichkeit dokumentiert werden.
Während wir recherchierten trafen wir auf Zeitzeugen aus Breslau und Görlitz, die jetzt in Jerusalem leben und sich noch an Ihre Kindheit oder das Leben ihrer Eltern in dieser Zeit in Deutschland erinnern.
Wir trafen auch Überlebende, Vertriebene, die sich nicht mehr öffentlich zu dieser Thematik äußern wollen. Wir sprachen mit Fritz Stern, dem ehemaligen Breslauer, der dieses Jahr in Görlitz den "Brückepreis" erhielt.
Als wir die Einladungen zu den Gedenkfeiern der siebzigsten Jährung der Kristallnacht erhielten, beschlossen wir diesen besonderen Tag filmisch festzuhalten in allen drei Synagogen ,als einem ersten sehr wichtigen Beitrag für den zukünftigen Film.
Wie unterschiedlich, wie verschieden wurde dieses Tages gedacht. In die Deciner Synagoge wurde zu einem "Tag der Geöffneten Tür" eingeladen.  Interessierte hatten die Möglichkeit, die Synagoge zu besichtigen und an einer Lesung teilzunehmen.
Die Feierlichkeiten in Görlitz wurden im Vorfeld  mit den Streitigkeiten der Gründung um eine neue jüdische Gemeinde belastet. Trotzdem wurde zu einem Gedenkfest in die Synagoge, die als ein Ort der Erinnerung und ein Ort der Hoffnung umschrieben wurde, eingeladen.
In der "Weißen Storch" Synagoge in Breslau an diesem Tag ein pulsierendes lebendiges Leben der jüdischen Gemeinde unter Beteiligung von Menschen verschiedener Konfessionen, Freunden und Gemeindemitgliedern. Noch einmal haben sich alle vor der großen Renovierung der Synagoge in den nächsten Jahren  zum Gedenken der Geschehnisse vor 70 Jahren versammelt. Bente Kahan, die mit ihrer Stiftung die Erneuerung der Synagoge unterstützt , konnte Vertreter der Stadt, des Ministeriums, die Geistlichen der orthodoxen,  lutherischen und katholischen Kirche und natürlich  Izaak Rapoport , den Rabbi von Breslau und Schlesien  begrüßen. Es war sehr ergreifend, wie er die Mesusa an der Eingangstür der Synagoge befestigte. Das Kunstprojekt "Kristallfenster" initiiert von der "Edith Stein"Stiftung zeigte, wie sich Jugendliche aus Polen und Deutschland in Gemeinsamkeit mit den Geschehnissen dieses schrecklichen Tages in der Kunst auseinandersetzen.
Der künstlerische Höhepunkt an diesem Abend wurde durch die Perfomence "Rysa" des experimentellen Theaters "Zar" aus Breslau gesetzt. In der fast dunklen  Synagoge wurde in Wort, Mimik und wunderbarer Musik die Geschichte einer jüdischen Familie in der Kristallnacht erzählt.
Die Klangstäbe, wie mahnende Glocken, riefen alle in den Innenhof der "Weißen Storch" Synagoge .Von hier aus begann der Marsch zur Gedenkstätte der in der Kristallnacht zerstörten "Großen Synagoge von Breslau" an der Lakowa Straße. Izaak Rapoport gedachte in Gebeten dort der Kristallnacht und  aller Ermordeten, Vertrieben dieser schrecklichen Zeit.

Kriemhild Willems-Volke
Medienbüro Heide Blum
 krula-bert(at)arcor.de

 

 

 

Oberschlesisches Landesmuseum unterstützt die „Hindenburger Heimatsammlung“. Erfolgreiches Arbeitstreffen in Essen

Mitte Oktober fand ein Treffen der Leitung des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen-Hösel mit Vertretern des Vertretungsausschusses „Hindenburg OS“ bei der Patenstadt Essen in den Räumlichkeiten der „Hindenburger Heimatsammlung“ in Essen statt. Das Oberschlesische Landesmuseum war vertreten durch den Leiter und zugleich Direktor der Stiftung Haus Oberschlesien, Dr. Stephan Kaiser, und die Mitarbeiter Dr. Gregor Ploch und Charlotte Dietrich. Für den Vertretungsausschuss nahmen an der Unterredung der Heimatkreisvertrauensmann, Damian Spielvogel, die Betreuerin der Heimatsammlung und zugleich Mitglied des Vertretungsausschusses, Helga Zöllig, und das Vertretungsausschussmitglied, Hans-Jürgen Zöllig, teil. Ebenfalls war Dr. Veronika Grabe bei diesem Arbeitstreffen zugegen, die sie die Neugestaltung der Ausstellung im Auftrag des Vertretungsausschusses im letzten Jahr vorgenommen hat.
Das sehr informative und vor allem sehr konstruktive Gespräch war eine Hilfestellung für die Betreuer dieser Sammlung, da einige wichtige und auf die Ausstellung speziell abgestimmte Hinweise seitens von Dr. Kaiser gegeben wurden. Besonders wertvolle und nützliche Informationen wurden im Bezug auf die museumspädagogische Präsentation und den Schutz der Originale (Exponate) vermittelt, die der Vertretungsausschuss weitgehend in der kommenden Zeit umsetzen will.

Damian Spielvogel

 

Bild: Maciej Kulczyński, Wrocław  

Breslau setzt Zeichen der Versöhnung. Neues Denkmal für ehemalige Breslauer

„Zum Andenken an die früheren Einwohner unserer Stadt, die auf Friedhöfen beigesetzt wurden, die heute nicht mehr bestehen“ heißt es auf deutsch auf einer Tafel am neuen Denkmal in Breslau. Die Unterschrift des polnischen Textes lautet: „Wrocławianie“ – die Breslauer. Lateinisch steht es auch über dem Eingang: „Monumentum Memoriae Communis“ - Denkmal des gemeinsamen Gedenkens.
„Dieses Denkmal soll ein Ort für Deutsche und Polen sein, ein Ort, der ehemalige und heutige Breslauer verbindet“, sagte Rafal Dutkiewicz, Stadtpräsident von Breslau. Gemeinsam mit Erzbischof Marian Golebiewski und Bischof Wlodzimierz Juszczak, dem orthodoxen Bischof Jeremiasz, dem lutherischen Bischof Ryszard Bogusz und dem Breslauer Rabbiner Itzchak Rapoport weihte er am 30. Oktober 2008 das neue ökumenische Denkmal des Gemeinsamen Gedenkens ein. Das Denkmal mit hohem Symbolcharakter liegt im Breslauer Grabiszyński-Park. Weiter südlich im Park befinden sich italienische und polnische Soldatengräber. Auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Kommunalfriedhofs Gräbschen waren noch in den 1960er Jahren Gräber erhalten, hier stand das während der Zeit der Festung Breslau zerstörte Krematorium. Heute erinnert das neue Denkmal mit einer fast 70 m langen Mauer an die Einwohner Breslaus, die auf den nicht mehr bestehenden Friedhöfen begraben wurden. Etwa 70 Grabsteine und Erde dieser Friedhöfe sind in diese granitene „Friedhofsmauer ohne Friedhof“ eingelassen. Die schlichte Form und die universelle Symbolik des Denkmals überzeugten die Auswahlkommission, die sich 2005 unter den 25 eingegangenen Vorschlägen für das Projekt der Breslauer Künstler Alojzy Gryt, Tomasz Tomaszewski und Czesław Wesołowski entschied. Schon im Jahr 2000, als auf einem Feld östlich der Stadt ehemalige Grabsteine vom Kommunalfriedhof Oswitz gefunden wurden, entstand in Breslau die Idee für das Denkmal. Diese zum Teil gut erhaltenen Grabsteine wurden auch in die Friedhofsmauer in Gräbschen integriert.
In einer 2007 veröffentlichten Dokumentation aller 120 Breslauer Friedhöfe heißt es, die wenigen, heute noch bestehenden Friedhöfe aus der Vorkriegszeit belegten die historische Kontinuität Breslaus – nicht die nationale, aber die gesellschaftliche, städtische. Die bedeutend größere Zahl der nicht mehr bestehenden Friedhöfe dagegen bezeuge das tragische Los einer großen Gemeinschaft, der Einwohners Breslaus. Nach dem Krieg kam es zu einem Bevölkerungsaustausch von nie da gewesenem Ausmaß. „Die neuen Bewohner, die zwischen 1945 und 1947 kamen, fanden sich in einer fremden Umgebung und in einem fremden Kulturkreis wieder. Die kommunistischen Machthaber versuchten, komplett die Spuren der deutschen Vergangenheit der Stadt zu tilgen. Auch objektive Forschungen zur Geschichte Breslaus und der Region wurden erschwert. Opfer dieser Art von Aktivitäten wurden auch die Begräbnisstätten von Generationen von Breslauern“, schreibt Dutkiewicz in der Publikation über die ehemaligen Friedhöfe.
Nach dem Krieg gab es keine Angehörigen mehr, die die deutschen Friedhöfe besuchen konnten. In der polnischen Stadt hatten die neuen Einwohner keinen Bezug zu den Gräbern. Viele Friedhöfe verfielen und wurden schließlich zu Parks umgestaltet. Eine Ausnahme stellt der alte jüdische Friedhof dar. Das Pantheon der deutschen assimilierten Juden, der Kaufleute, Bankiers, Wissenschaftler und Schriftsteller wurde als Museum der Jüdischen Friedhofskunst gerettet. Hier liegen die Gräber des Historikers Heinrich Graetz ("Die Geschichte der Juden"), des Gründervaters der deutschen Sozialdemokratie Ferdinand Lassalle, die Gräber der Eltern von Edith Stein und der Familie von Willy Cohn("Kein Recht, nirgends").
Die katholischen, evangelischen, orthodoxen oder jüdischen Grabsteine in der Gedenk-Mauer im Grabiszyński-Park spiegeln auch die verschiedenen religiösen Traditionen der Stadt wider. Die Bischöfe und der Rabbiner, die sich zur Einweihung versammeln, haben ihre Sitze in der Stadt, sie vertreten ihre Breslauer katholischen, evangelischen, orthodoxen oder jüdischen Gläubigen. Gemeinsam legen sie nicht nur an diesem Denkmal als erste Blumen nieder. Im ehemaligen jüdischen Viertel zwischen Ring und Stadtgraben gestalten sie alle gemeinsam seit Jahren das „Viertel der gegenseitigen Achtung“. Hier liegen in wenigen hundert Metern Entfernung vier Gotteshäuser: die Synagoge Zum Weißen Storch, die lutherische Kirche der Göttlichen Vorsehung (die ehemalige Hofkirche) und die orthodoxe Kathedrale, außerdem die katholische St. Antonius-Kirche des Paulinerordens. Gegenseitiges Kennenlernen, gemeinsame Gottesdienste, Bildungs- und Kulturveranstaltungen sollen die verschiedenen Bekenntnisse und ihre Schätze für Gemeindemitglieder und interessierte Gäste öffnen. Im „Viertel“ begegnen sich Menschen und Kulturen, Gegenwart und Vergangenheit. Breslau versteht sich heute als Stadt der Begegnung, die aus der Vergangenheit heraus die Zukunft - auch die deutsche-polnische - gestalten möchte. „Viele Generationen von Breslauern haben das Gesicht der Stadt geprägt“, sagt Rafal Dutkiewicz:„Die ehemaligen Friedhöfe spiegeln die Geschichte dieser Erde. Wir bemühen uns heute, sie erneut zu entdecken und anzunehmen.“

Maria Luft
 MariaLuft(at)web.de

Literatur:
Marek Burak/Halina Okólska: Cmentarze dawnego Wroclawia. Wrocław 2007.

 

Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung nimmt Förderung auf

Ziel ist eine engere Zusammenarbeit von Studierenden und Wissenschaftlern beider Länder

Die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS) nimmt jetzt ihre Förderung auf. Die Stiftung unterstützt Vorhaben vorrangig im Bereich  der Geistes-, Kultur- sowie der Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Projekte sollen in deutsch-polnischer Zusammenarbeit von Studierenden und Wissenschaftlern beider Länder entwickelt und umgesetzt werden. Empfänger der Förderung sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und sonstige wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland und in Polen. Für die Mittelvergabe sind Exzellenzkriterien entscheidend, sowie die Bedeutung der Projekte für die Verständigung zwischen Deutschen und Polen.
Anlässlich des Förderbeginns hob Bundesforschungsministerin Annette Schavan die Bedeutung der deutsch-polnischen Kooperation hervor. "Der  Stiftung kommt eine Schlüsselrolle bei der Vertiefung der  deutsch- polnischen Zusammenarbeit zu. Sie fördert den Dialog und die Verständigung zwischen unseren Ländern. Hiervon profitieren die Menschen in beiden Ländern und in ganz Europa."
Die Stiftung, die vom Bund und dem Land Brandenburg errichtet wurde, verfügt derzeit über ein Stiftungskapital von rund 50 Millionen Euro.
Polen wird der Stiftung in den kommenden Jahren den Gegenwert von insgesamt fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen. Anlässlich der Unterzeichnung des Regierungsabkommens im Juni 2008 hatten Bundesforschungsministerin Annette Schavan und die polnische Wissenschaftsministerin Barbara  Kudrycka die Bedeutung der Deutsch- Polnischen Wissenschaftsstiftung  unterstrichen.
Da die Bestimmungen des Abkommens zwischen den Regierungen Polens und  Deutschlands über die Zusammenarbeit im Rahmen der Deutsch- Polnischen  Wissenschaftsstiftung noch nicht in Kraft getreten sind und die  polnische Seite ihren finanziellen Beitrag noch nicht geleistet hat,  werden Projekte zunächst nur von Deutschland finanziert.
Zweck der DPWS ist die Förderung der Wissenschaft und der Völkerverständigung durch Unterstützung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Wissenschaftlern und Forschern beider Länder. Kuratorium, Vorstand und Beirat der Stiftung sind binational besetzt. Vorstandsvorsitzende ist die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth.
In der ersten Ausschreibungsrunde können bis zum 6. Januar 2009 Anträge auf Förderung gestellt werden.

Weitere Informationen und Formulare zur Antragstellung sind in beiden Sprachen verfügbar auf der Website der Stiftung unter  http://www.dpws.de und  http://www.pnfn.pl

Bundesministerium für Bildung und Forschung
19.11.2008 [Pressemitteilung 202/2008 -
 http://www.bmbf.de/press/2414.php]

 

Foto: Wilfried Meyer 

Neue Partnerschaft zwischen NRW und der Woiwodschaft Schlesien

Vom 12. bis zum 15. November 2008 weilte eine große Delegation des schlesischen Marschallamtes in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde vom Marschall Bogusław Śmigielski angeführt. Höhepunkt des Besuches war die feierliche Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung über die Zusammenarbeit und den Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Marschall Śmigielski und Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers am 14. November in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Die Gemeinsame Erklärung soll die beiderseitigen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Woiwodschaft Schlesien stärken. Sie ersetzt und erweitert die am 1. September 2000 unterzeichnete Gemeinsame Erklärung zwischen den beiden Regionen. Nach dem EU-Beitritt Polens am 1. Mai 2004 werden in der Erklärung neue inhaltliche Schwerpunkte auf den Gebieten von Raumordnung, Stadtentwicklung, Energie, Umweltschutz, innere Sicherheit sowie Kultur und Tourismus definiert. Zahlreiche Projekte sollen Ausdruck der Zusammenarbeit sein. Durch Erfahrungsaustausch soll die Nutzung von Industriedenkmälern für touristische Zwecke verbessert werden, gemeinsam sollen Alternativen zur Gewinnung und Nutzung von alternativen Energien geschaffen werden, um den Anteil der erneuerbaren Energie in Schlesien zu heben. Im Hinblick auf das Projekt Ruhr2010 sollen postindustrielle Nutzungsflächen ökologisch und nachhaltig umgestaltet werden. Beide Seiten werden sich auch im Bereich des Katastrophenschutzes und der Spurensicherung bei kriminalistischen Untersuchungen austauschen. Die positiven Erfahrungen des Landes NRW bei der Durchführung großer Fußballveranstaltungen sollen dazu beitragen, dass sich die Woiwodschaft Schlesien für die Fußball-Europameisterschaft 2012 intensiv vorbereiten kann. Schließlich wollen sich beide Regionen im gemeinsamen Kulturjahr 2011 beim jeweiligen Partner präsentieren.
Die Beziehungen zwischen NRW und der Woiwodschaft Schlesien sind bereits vielfältig ausgeprägt. So bestehen gegenwärtig mehr als 90 Städte- und Kreispartnerschaften und über 140 Schulpartnerschaften, außerdem rund 120 Hochschulkooperationen. Nach Angaben der Landesregierung NRW studieren rund 3000 polnische Studenten in NRW. Auch im Bereich der wirtschaftlichen Beziehungen gehört Polen zum wichtigen Partner. Im nordrhein-westfälischen Export nimmt der polnische Staat Rang 10 und im Import Rang 12 ein. Deutsche Unternehmen aus NRW haben in Polen rund 5 Milliarden Euro investiert, was dem Investitionsvolumen der USA in Polen entspricht. Dagegen gibt es ca. 600 polnische Unternehmen in der Bundesrepublik, von denen ein Drittel ihren Sitz in NRW hat.
Damit die Gemeinsame Erklärung auch mit Leben gefüllt wird, ist ein starkes Engagement von Nichtregierungsorganisationen notwendig, die sich als öffentlichkeitswirksame Botschafter der Partnerregion verstehen. So war es kein Zufall, dass die große Delegation unmittelbar vor der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung die Stiftung Haus Oberschlesien und das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen (Hösel) besuchte. Dieser erste Informationsbesuch war zugleich ein großer Meilenstein der Zusammenarbeit, weil sich beide Seiten um eine stärkere Wahrnehmung der schlesischen Region in der Bundesrepublik bemühen. Direktor Dr. Stephan Kaiser gab einen Überblick über Aufgaben und Aktivitäten der Stiftung mit dem Museum. Er erklärte, dass die Kooperation und der Austausch zwischen den Ländern eine Bereicherung seien, da dadurch die Aktualität der Ausstellungen gewährleistet werde. Schließlich sprach Marschall Bogusław Śmigielski, der sich ebenfalls über die gute Zusammenarbeit freute. Besonders lobte er den Einsatz des Museums auch für die Jugend, deren Bedeutung er hervorhob: Die nachfolgenden Generationen seien wichtig für das gegenseitige Verständnis. Anschließend führte Direktor Kaiser die Gäste durch die Dauerausstellung über Kultur und Geschichte Oberschlesiens sowie durch die aktuelle Sonderausstellung „Wir spielen mit“.
Nach Beendigung des Rundgangs trugen sich der Marschall sowie sein Stellvertreter Zbyszek Zaborowski in das Gästebuch des Museums ein und hielten ihren positiven Eindruck von den Aktivitäten und Arbeiten des Oberschlesischen Landesmuseums fest. Zaborowski zeigte sich sehr  beeindruckt von der Sammlung des Museums, die er als „gute Geschichtslektion“ für die Zukunft bezeichnete. Śmigielski gratulierte dem Museumsdirektor zur Sammlung aus der deutschen Zeit Schlesiens. Er drückte seine Hoffnung aus, dass die neue Partnerschaft zur Bereicherung der Sammlungen beitragen wird, um das Bild der Vergangenheit weiter anzureichern.
Der Besuch der Kattowitzer Delegation begann bereits mit dem Besuch des Düsseldorfer Landtages, in dem ein Polnischer Parlamentarischer Abend veranstaltet wurde. Die oberschlesischen Gäste besichtigten des Weiteren den Duisburger Hafen, den Neubau eines Braunkohlekraftwerks in Grevenbroich sowie die Stadt Aachen.

Weitere Informationen zum Besuch des Marschalls und zur Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung“ finden Sie im Internet unter:  http://www.nrw.de:80/Presseservice/meldungen/11_2008/081114STK_Schesien.php

Abbildung: Bogusław Śmigielski, Marschall der polnischen Woiwodschaft Schlesien/Slask, und Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, unterzeichnen die „Gemeinsame Erklärung“ in der Düsseldorfer Staatskanzlei, 14. November 2008
Foto: Wilfried Meyer, Rechte: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Information und Kontakt:
Oberschlesisches Landesmuseum
Dr. Susanne Peters-Schildgen
Bahnhofstr. 62, 40883 Ratingen
Tel: 0 21 02 / 96 50, Fax: 965 400
e-Mail:  info(at)oslm.de / Internet:  www.oslm.de

 

 

Die Cellistin von Auschwitz: „Ihr sollt die Wahrheit erben“. Anita Lasker-Wallfisch in Bremen

Anita Lasker-Wallfisch (geboren 1925 in Breslau) kam anlässlich des Gedenktages am 9. November 2008 auf Einladung der Bremischen Bürgerschaft nach Bremen. Am Denkmal am Landherrnamt hielt sie die diesjährige Gastrede. „Vor 70 Jahren fand die so genannte „Reichskristallnacht“  statt“, sagte sie, „’Kristallnacht’ klingt eher wie eine Festlichkeit – aber es war ein Meilenstein für das, was noch kommen sollte. (…) Im Grunde war es eine Art Generalprobe, für das, was folgte: Wie weit können wir gehen? Es war eine Art grünes Licht. Von diesem Tage an wusste man, dass der Verfolgung der Juden keine Grenze gesetzt war.“
Sie selbst war an diesem 9. November 1938 in Berlin, denn – so erklärte sie – „in Breslau gab es keinen jüdischen Cellolehrer mehr und ein arischer hätte nicht den Mut gehabt, ein jüdisches Kind zu unterrichten. Ich war damals 13 Jahre alt. Ich ging am nächsten Morgen auf die Straße und sah die Verwüstung….“ Anita Lasker-Wallfisch verwies auf die Vorgeschichte zu dieser Pogromnacht, den Judenboykott vom 1. April 1933. Die Zeitzeugin widmete die Gedenkstunde am Mahnmal den Menschen, deren Stimmen für immer verstummt sind.

„Ihr sollt die Wahrheit erben“
Anita Lasker-Wallfisch ist Cellistin und Mitbegründerin des English Chamber Orchestra. Sie gehörte zum „Mädchenorchester“ unter Alma Rosé in Auschwitz. „Meine Mutter überlebte, weil sie Cellistin war“, sagt heute ihr Sohn Raphael Wallfisch, der ebenfalls Cellist ist. In Auschwitz musste das Orchester am Tor spielen, wenn die Häftlinge morgens aus dem Todeslager in die Fabriken marschierten und abends zurückkehrten, es spielte an Sonntagen und jederzeit für die SS-Leute. Raphael Wallfisch findet es bis heute erstaunlich, dass in seiner Kindheit das Thema Auschwitz nicht vorkam. „Meine Mutter ist eine außergewöhnliche Frau, und sie ist sehr, sehr stark“, beschreibt er die Musikerin, die ihr zweites Leben 1946 in London begann. Anita Lasker-Wallfisch und ihr Mann Peter Wallfisch, ein bekannter Konzertpianist, waren nach dem Krieg als Musiker in das Londoner Leben integriert. Die Nummer an ihrem Arm spielte Anita herunter, um ihren beiden Kinder eine „normale“ Kindheit zu ermöglichen, unbelastet von ihren schrecklichen Erlebnissen. Erst sehr viel später begann sie zu erzählen, machte Notizen, nutzte Wartezeiten auf Flugplätzen oder in Flugzeugen. Für ihre Kinder entstand ein Buch mit Briefen und Fotografien, die ihre älteste, 1952 verstorbene Schwester Marianne in England und Israel sammeln konnte. Später wurde es unter dem Titel „Ihr sollt die Wahrheit erben“  veröffentlicht, in verschiedene Sprachen übersetzt.

Zeitzeugen sind wichtiger als Geschichtsbücher
Erst 1994 brach Anita Lasker-Wallfisch ihren Vorsatz, nie wieder deutsch zu sprechen und Deutschland zu besuchen. Seitdem berichtet sie wie am 10. und 11. November in Bremen vor allem in Schulen von ihrem eigenen und vom Schicksal anderer Opfer des Nationalsozialismus. „Zeitzeugen sind wirksamer als Geschichtsbücher“ ist ihre Überzeugung: „Wenn es uns Überlebende nicht mehr gibt, wird der Holocaust nur noch auf ein paar Seiten in Büchern vorkommen.“ Beispiele aus der ganzen Welt wie im ehemaligen Jugoslawien oder in Ruanda zeigten, dass die Menschen nicht viel gelernt hätten: „Aber das heißt nicht, dass wir es nicht versuchen sollten.“ Anita Lasker-Wallfisch hofft, zu Menschen durchzudringen, die wieder andere erreichen können: „Wir müssen die Erinnerung wach halten!“  ist ihr Appell für eine authentische Überlieferung der Vergangenheit.

Anita Lasker-Wallfisch erzählt diese Geschichte nüchtern, aber lebendig und eindrücklich:
Die Familie Lasker ist eine typische assimilierte jüdische Familie. Literatur, Musik, Sprachen – das ist die Kulturwelt des deutschen Bildungsbürgertums. Die drei Töchter Marianne, Renate und Anita spielen jede ein Instrument, sprechen französisch, lesen die deutschen Klassiker.
Anita ist sieben Jahre alt,  als Hitler zur Macht kommt.
Mit acht Jahren begegnet sie in der Schule zum ersten Mal antisemitischen Bemerkungen: „Gib dem Juden nicht den Schwamm“, sagt ein Kind, als sie die Tafel abwischen will.
Mit zwölf Jahren muss sie nach Berlin gehen, weil es in Breslau keine jüdischen Cello-Lehrer mehr gibt. Sie studiert bei dem bekannten Cellisten Leo Rostal.
9. November 1938, „Reichskristallnacht“: Ihr Vater, der Breslauer Rechtsanwalt und Notar Alfons Lasker wird von Walter Mathias Mehne, einem guten Freund, zuhause abgeholt. Der stadtbekannte, nicht-jüdische Geigenbauer fährt Alfons Lasker den ganzen Tag in seinem Mercedes durch die Stadt. So hat Lasker noch einmal Glück: Er wird an diesem Tag nicht verhaftet wie viele andere Juden. Anita, seine 13-jährige Tochter, kehrt nach dem 9. November zur Familie nach Breslau zurück. Ihr Lehrer Leo Rostal emigriert in die USA.
Als sie 16 Jahre alt ist, werden am 9. April 1942 ihre Eltern ins Durchgangslager Izbica südöstlich von Lublin deportiert. Anita und ihre Schwester Renate sind nicht auf der Liste. Der Vater entscheidet, dass sie in Breslau bleiben. Die Schwestern werden zur Zwangsarbeit in einem Waisenhaus verpflichtet. Ihre Eltern sehen sie nie mehr wieder. 1942 werden die Schwestern wegen Urkundenfälschung, Feindesbeihilfe und Fluchtversuch verhaftet und kommen ins Gefängnis. Das gibt ihnen zum einen Aufschub – sie kommen erst 1943 nach Auschwitz/Birkenau. Zum anderen haben sie nun eine „kriminelle Karriere“, was sie als „Karteihäftling“ vor der Selektion bei der Ankunft bewahrt. Es war besser, „bei der Ankunft ein Verbrecher zu sein, als ein unschuldiger Bürger“ erkennt Anita später.
Beim Aufnahmezeremoniell in Auschwitz erzählt sie dem Häftlings-Mädchen, das ihr die Haare abrasiert und die Nummer tätowiert, dass sie Cello spiele - unter den vorherrschenden Bedingungen eine „Information von nicht gerade welterschütternder Bedeutung“ –  wie sie selbst sagt. Doch die Reaktion fällt unerwartet aus: „Das ist ja phantastisch! Stell dich abseits, bleib dort stehen und warte! Du wirst gerettet werden!“ Kurz danach kommt Alma Rosé, spricht mit ihr über ihr Cellospiel und sagt wieder die Worte: „Du wirst gerettet werden“. Tatsächlich überlebt Anita als einzige Cellistin der „Kapelle“  und mit ihr ihre Schwester Renate fast ein Jahr in Auschwitz. Ende Oktober 1944 werden die Schwestern mit 3000 Gefangenen im Viehwagen nach Bergen-Belsen abtransportiert. Hier werden sie am 15. April 1945 von den Engländern befreit.

Maria Luft
 MariaLuft(at)web.de

Praktika für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des deutsch-polnischen Jugendaustauschs

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) sowie seine Projektpartner vergeben für die Zeit vom 1. März bis 31. Mai 2009 Praktikumsplätze in polnischen und deutschen Jugendbildungs- und Begegnungsstätten.
Wir bieten ein 13-wöchiges Praktikum in einer polnischen bzw. deutschen Jugendbildungsstätte, während dessen Sie Einblick in die multinationale Jugendarbeit bekommen. Sie werden an der Vorbereitung und Durchführung multinationaler Projekte beteiligt sein und lernen verschiedene Arbeitsweisen sowie Formen der internationalen Jugendarbeit kennen.
Für die Dauer des Praktikums erhalten Sie ein Stipendium, das Lebenshaltungskosten, Reisekosten und Versicherung deckt.
Praktika in Polen richten sich an junge Arbeitnehmer/innen und Hochschulabsolventen/innen aller Fächer, die als Multiplikator/innen, Teamer/innen, Pädagog/innen oder Mitarbeiter/innen von Bildungsstätten und Organisationen bereits erste Erfahrungen in der internationalen Austauscharbeit gesammelt haben und deutsche Staatsbürger sind. Sie sollten über polnische Sprachkenntnisse (mindestens Grundkenntnisse) und über gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift verfügen.
Praktika in Deutschland richten sich an junge Arbeitnehmer/innen und Hochschulabsolventen/innen aller Fächer, die als Multiplikator/innen, Teamer/innen, Pädagog/innen oder Mitarbeiter/innen von Bildungsstätten und Organisationen bereits erste Erfahrungen in der internationalen Austauscharbeit gesammelt haben und polnische Staatsbürger sind. Sie sollten über gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift verfügen.
Bewerbungsfrist: 19. Dezember 2008

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des DPJW:  http://www.dpjw.org/ www.dpjw.org bei Fragen zum Praktikum in Polen:<//a>
E-Mail-Kontakt  joanna.szaflik@dpjw.org bei Fragen zum Praktikum in Deutschland:<//a>
E-Mail-Kontakt  leonardo(at)pnwm.org

 

Projektpräsentation zur geplanten „Dokumentation der Heimatsammlungen"

Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Projekt "Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland" am 18. November 2008 im Bundesinstitut für Kultur und Ge-schichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) in Oldenburg vorgestellt. Es handelt sich um ein kombiniertes Dokumentations- und Forschungsvorhaben über die ca. 400 Heimatsammlungen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland entstanden sind. Diese Ein-richtungen, die bis heute ein Beispiel für ehrenamtliches und bürgerschaftliches En-gagement der Heimatvertriebenen darstellen, repräsentieren gleichzeitig ein wichti-ges Stück deutscher Nachkriegsgeschichte.
Unter den rund siebzig Gästen und Teilnehmern waren Vertreter der Ministerien mehrere Bundesländer, des niedersächsischen Museumsverbandes sowie Vertreter des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaften. Die Thematik Heimatsammlungen wurde im Rahmen der Veranstaltung aus unterschiedlicher Perspektive betrachtet: Ministerialrätin Sabine Deres, Referatsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstrich in ihrem Grußwort die kulturpolitische Bedeutung eines solchen Projektes. In seiner Ansprache ging Jochen-Konrad Fromme MdB auf politische Aspekte im Umgang mit den Heimatsammlungen ein, während die wissenschaftliche Leiterin des Projektes Frau Prof. Silke Göttsch-Elten vom Seminar für Europäische Ethnologie der Universität zu Kiel die Heimatsammlungen im Kontext der Kulturwissenschaften als Orte des Heimatverständnisses, aber auch als kulturelles Erbe und dessen Positionierung in der europäischen Geschichte diskutierte. Besonders deutlich wurde der Umfang einer Gesamtdokumentation der Heimatsammlungen anhand der Beiträge aus unterschiedlichen Bundesländern. Es sprachen Referenten aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen über den Stand der Dokumentationsvorhaben, die von den jeweiligen Ländern finanziert werden. Prof. Dr. Matthias Weber, Direktor des Bundesinstituts, Frau Dr. Heinke Kalinke vom zuständigen Wissen-schaftsbereich Europäische Ethnologie sowie die Projektbearbeiterin Cornelia Eisler M.A. stellten das Erfassungsprojekt vor. Dieses hat zum Ziel, in enger Kooperation mit den Bundesländern und Landsmannschaften, eine vollständige Erfassung und Präsentation aller historischen und gegenwärtig in Deutschland bestehenden Heimatsammlungen zu erstellen. Die Ergebnisse werden laufend in einer öffentlich zugänglichen Internet-Präsentation aktualisiert, die bereits online zu finden ist: www.bkge.de/heimatsammlungen/. Des Weiteren ist eine Gesamtdarstellung zur Geschichte und Bedeutung der Heimatsammlungen geplant, die die Thematik wissenschaftlich aufgreift.
Das Vorhaben, das im Juli 2008 begonnen hat, wird vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Grundlage von § 96 BVFG finanziert. Es wird begleitet von einem Fachgremium, in dem Mitglieder des Präsidiums des Bundes der Vertriebenen, des BdV-Landesverbandes Niedersachsen, des Deutschen Museums-bundes, des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen e.V. sowie die Di-rektoren der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne und des Schlesischen Museums zu Görlitz vertreten sind. Es ist auf eine Gesamtlaufzeit von dreieinhalb Jahren angelegt.

Pressemitteilung des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa vom 19.11.2008

Cornelia Eisler M.A.
Projekt - Dokumentation der Heimatsammlungen - am Seminar für Europäische Ethnologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel c/o Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Johann-Justus-Weg 147 a
26127 Oldenburg
Tel.: 0441/9 61 95 19
Fax: 0441/9 61 95 33
E-Mail:  cornelia.eisler(at)uni-oldenburg.de mailto:cornelia.eisler@uni-oldenburg.de: <//a>
Internet:  http://www.bkge.de/heimatsammlungen/