Wangener Gespräche 2011 mit vielfältigem Programm
Der Bunzlauer Dieter Hildebrandt rühmt den Eichendorff-Preisträger Christoph Hein als Freund, Schriftsteller und schlesischen Landsmann

Die traditionsreichen Wangener Gespräche fanden vom 24. bis zum 26. September in der idyllischen Stadt im württembergischen Allgäu statt. Wohl nur eine Handvoll Gäste konnte von sich sagen, schon bei einem der ersten Treffen der geflohenen und vertriebenen Schriftsteller und Künstler dabeigewesen zu sein, die sich seit 1950 hier (und gelegentlich an anderen Tagungsorten) als Wangener Kreis trafen. Eine von ihnen, Monika Taubitz, Schriftstellerin und langjährige Organisatorin der Gespräche, gab einen Rückblick auf die sechzig Jahre. Sie wies darauf hin, dass der Kreis sich bereits 1950 in seiner Satzung auf eine Einbindung schlesischer Kulturpflege in die europäische Einigung verpflichtet habe. Man wollte schon damals „dem besonderen Verständnis der einstigen slawischen Nachbarn und der Versöhnung mit dem jüdischen Volk dienen“. Seit Jahren werden auch polnische Germanisten mit Vorträgen zu den Gesprächen eingeladen. In diesem Jahr sprach die Goldbergerin Magdalena Maruck über den Dichter Kurt Heinicke, dessen Bezeichnung als „Expressionist“ sie im Licht seiner Werke und Selbstzeugnisse hinterfragte. Weitere Vorträge hielten Dietmar Scholz, Maximilian Eiden, Anne Wachter und Norbert Heisig; aus Ihren Werken lasen Harald Gröhler, Reinhard Gröper und Barbara von Wulffen, aus Werken Karl von Holteis Wolfang Thaler. Der Höhepunkt der „Gespräche“ war wie immer die Verleihung des Eichendorff-Literaturpreises. Er ist mit 5000 Euro dotiert. In diesem Jahr erhielt ihn Christoph Hein, 1944 in Heinzendorf (heute Jasienica) in der Nähe von Münsterberg geboren. In seinem Roman „Landnahme“ von 2004 zeichnet er den Lebensweg eines Flüchtlingskinds in der DDR nach. Zum Glück erweckten weder die Jury noch gar der Laudator, der 1928 in Bunzlau geborene berühmte Kabarettist Dieter Hildebrandt, den leisesten Verdacht, sie wollten Hein auf seine schlesische Herkunft reduzieren. Gerade darum gelang es wunderbar, den spezifischen Geschmack, den das Gefühl des Nicht-ganz-Dazugehörens in Heins Prosa ausmacht, zu deuten. Dass dies und die vielfältigen Kommentare zum deutsch-deutschen Verhältnis, Politik, Geschichte und Literatur nicht ohne pointierten Witz angebracht wurden, war bei der Persönlichkeit des Laudators nicht überraschend, aber eine mitreißende und gelegentlich sehr erhellende Auseinandersetzung damit, was es bedeutet, 2011 fern von Schlesien einem eben noch dort Geborenen einen Eichendorff-Preis zu verleihen. Kurz gesagt: Das ehemalige „Taugenichts-Reisestipendium“ lebt und hat uns etwas zu sagen.

Foto: © Ullrich Junker

 

 

Schlesien neu sehen lernen

Ein kurzer Rückblick auf die Arbeit des Kulturreferenten im Jahr 2010

 

2011 waren historisch orientierte Vorträge, Musik- und Kulturveranstaltungen Teil der Arbeit des Kulturreferenten. Im März gab es eine Neuauflage des „Schlesischen Nachtlesens“ – das beliebte Lesefest in der Görlitzer und Zgorzelecer Altstadt, wo Prominente an ungewöhnlichen Orten Texte aus der Region und über die Region lasen. Die Veranstaltung soll am 12. März 2011 zum vierten Mal stattfinden. Unter den Musikveranstaltungen ist das beliebte Opernpasticcio „Rübezahls musikalischer Garten“ ebenso hervorzuheben wie die Quartett-Tournee „Der junge Chopin und seine Vorläufer“ mit Konzerten in Görlitz, Oppeln und Bad Reinerz/Duszniki Zdrój. Im April stieß die Vorstellung dreier Projekte zum jüdischen Leben in Schlesien auf großes Interesse: Vorgestellt wurden ein Sammelband „Von Schlesien nach Israel“, ein Film „Auf der Suche nach dem jüdischen Breslau“ von Andrea Zsigmont und Stefanie Trambow sowie die Digitalisierung der „Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel“. Schriftsteller, wie Sabrina Janesch mit ihrem fulminanten Debüt „Katzenberge“, sowie Wissenschaftler und Zeitzeugen wurden nach Görlitz eingeladen. Auch der Kulturreferent reiste zu Vorträgen Themen waren u.a. „Zeugnisse schlesischer Juden“, „Schlesiens Kulturlandschaft und Geschichte in der neueren polnischen Literatur“, „Schlesische Identität – was ist das?“. Am 10. September wurde unter großer Anteilnahme des Fördervereins die Premiere des Films „Häuser des Herrn – Kirchengeschichten aus Niederschlesien“ gefeiert. Projekte von schlesischen Heimatvereinigungen konnten durch die Förderung des Kulturreferenten unterstützt oder ermöglicht werden. Besonders hervorgehoben sei die noch bis Jahresende in der Görlitzer Frauenkirche gezeigte Präsentation der deutsch-polnischen Ausstellung „Exodus des Bartschtals“ über die Flucht der Deutschen aus dem Kreis Militsch-Trachenberg und die oft ähnlichen Erfahrungen dorthin zwangsumgesiedelter Polen.

Schlesien – ein vielen Deutschen exotisch gewordenes Land – gegenwartsnah zu vermitteln, das gelingt am besten durch Reisen. Der Kulturreferent hat im Jahr 2010 Reisen mit mehreren Hundert Teilnehmern unterstützt, selbst organisiert und mehrfach auch begleitet. Der Leitgedanke dabei war: Unbekanntes zeigen, neue Einblicke vermitteln, Schlesien „wie es nicht im Baedeker steht“, auch das Abseitige, weniger Bekannte entdecken helfen. Der Kulturreferent führte zusammen mit Ausstellungskuratorin Anja Köhler die Begleitreise zur Ausstellung „Reiseziel: Schlesien“ nach Breslau und Trebnitz/Trzebnica. Am Grab der hl. Hedwig erlebten die Teilnehmer – wie man im Nachhinein betroffen feststellen muss – kurz vor seinem plötzlichen Tod den Hedwigsforscher P. Prof. Antoni Kiełbasa mit einer hochgelehrten Führung. Mit der Kirchlichen Stiftung Evangelisches Schlesien organisierten Ganztagesexkursionen führten zweimal nach Mollwitz, Brieg und Ohlau (Małujowice, Brzeg und Oława) sowie nach  Boberröhrsdorf und Liebenthal (Siedlęcin und Lubomierz). Die ungewöhnlichen Malereien der Mollwitzer Dorfkirche hinterließen nachhaltige Eindrücke, wie man aus brieflichen Nachfragen schließen kann; nicht weniger waren die Teilnehmer vom Brieger Schloss und seinen Kunstschätzen überrascht. In Boberröhrsdorf gab es neben einer der besterhaltenen Bethauskirchen Schlesiens ebenfalls mittelalterliche Malerei zu sehen: Im von Herzog Heinrich I. von Jauer errichteten Wohnturm finden sich Bilder zur Lancelot-Legende. Liebenthal war als wichtige polnische Filmstadt zu entdecken. Hier wurde der Film „Sami swoi“ („Hier sind alle Hiesige“) gedreht, der bis heute das Bild der Polen von der „Landnahme“ in den Westgebieten prägt.  Im November folgte eine ebenfalls als Reise angelegte Fachtagung von Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung. Die Gespräche, etwa eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Wissenschaft, Museumswesen und deutscher Minderheit über Erbe und Zukunft Oberschlesiens im Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Oppeln oder mit dem Solidarność-Zeitzeugen Leszek Budrewicz am Rande der Ausstellung „Solidarisches Breslau“ waren bewegend und lehrreich.

Maximilian Eiden

 

 

 

 

Stadt Leobschütz will mit ehemaligen Bewohnern noch intensiver zusammenarbeiten

Die südoberschlesische Stadt Leobschütz/Głubczyce und der Heimatausschuss Leobschütz haben am 10. September im Rahmen einer feierlichen Zeremonie eine Vereinbarung über Zusammenarbeit geschlossen. Darin heißt es: "Mit der Rückgabe der Leobschützer Rathausglocke wurde ein erstes Zeichen der Versöhnung gesetzt , der Weg zu einem freundschaftlichen Miteinander eröffnet und die gemeinsame Bewahrung des historischen Erbes des Leobschützer Landes begonnen. Mit dieser Vereinbarung soll der damals begonnene Weg fortgesetzt werden." Die Vertragsparteien wollen die "Pflege des historischen Erbes des Leobschützer Landes"  in enger Abstimmung betreiben. Das erstreckt sich auf die Erhaltung von Kulturgüter und die Aufarbeitung und Zugänglichmachung des noch vorhandenen Wissens. Die Vertragsparteien wollen einander umfassen informieren - auch über Kulturgüterbestände und Dokumente. Angestrebt sind gemeinsame historische Ausstellungen, die den "Gedanken der Verständigung öffentlichkeitswirksam [...] befördern" sollen. Die gemeinsamen Angebote sollen besonders junge Menschen erreichen. Dies Teilte der Heimatausschuss mit. Kontakt: Hubert Lux,  hubert.j.lux(at)t-online.de

Ausschreibung: "Grenzgänger"-Recherchestipendien
Bewerbungsschluss: 31. Oktober 2010

Das Förderprogramm "Grenzgänger", das die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin durchführt, wird zum 31. Oktober erneut ausgeschrieben. Wer Mittel-, Ost- und Südosteuropa entdecken will, wer eine deutschsprachige Veröffentlichung plant und auf Recherchereise Richtung Osten aufbrechen möchte, kann sich um Förderung bewerben.
Gesucht werden Autoren, die Informationen aus erster Hand sammeln und authentische Orte besuchen wollen und einen eigenen Blick wagen. Die Veröffentlichungen sollen ein breites Publikum erreichen können, zu Diskussionen anregen und zu mehr Verständnis für die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas beitragen. Willkommen sind literarische und essayistische Prosa, Fototextbände, Kinder- und Jugendbücher, aber auch Drehbücher für Dokumentarfilme und Hörfunkbeiträge.
Es können pauschale Recherchestipendien in Höhe von 2.000 bis 10.000 € beantragt werden. Eine unabhängige Jury wählt aus den eingehenden Bewerbungen Projekte zur Förderung aus. Die "Grenzgänger" werden zudem darin unterstützt, ihre Werke in öffentlichen Veranstaltungen zu präsentieren.

Unter folgenden Internetadressen erhalten Sie ausführliche Informationen und können die aktuellen Bewerbungsunterlagen herunterladen:  www.bosch-stiftung.de/grenzgänger (mit Darstellungen bereits geförderter Projekte)  www.lcb.de/grenzgaenger (inkl. Antworten auf die häufigsten Fragen)

Jeder zweite Berliner. Im neuen Literaturblog des Deutschen Kulturforums östliches Europa
begiebt sich die Autorin Roswitha Schieb auf Spurensuche nach schlesischen Einflüssen in Berlin


Im Jahr 2011 soll im Verlag des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam das Buch "Jeder zweite Berliner. Schlesische Spuren in Berlin" erscheinen. Dieses Buch der Autorin Roswitha Schieb wird die vielfältigen schlesischen Einflüsse in Berlin ausloten.
Auf drei Stadtspaziergängen durch die Mitte Berlins und durch die ehemaligen schlesischen Viertel am Ostbahnhof und in Kreuzberg werden typische Merkmale schlesischen Wirkens in Berlin erkundet. Dabei spielen große Namen wie Carl Gotthard Langhans und sein Sohn Carl Ferdinand, Adolph Menzel und Gerhart Hauptmann, die Industriellen-Familie Borsig, Ferdinand Lassalle und viele andere eine zentrale Rolle. Aber neben den Zeugnissen aus Architektur, Literatur und Kunst finden auch wirtschaftliche, politische, religiöse und soziologische Einflüsse Erwähnung. Der Spannungsbogen reicht von den schlesischen Granitplatten auf den Berliner Trottoirs bis hin zu Berliner Stadtikonen wie dem Brandenburger Tor oder Menzels Flötenkonzert.


Der Blog "Jeder-zweite-Berliner" nun möchte zu diesem Buch hinführen. Er möchte die näheren und weiteren Beweggründe der Autorin, dieses Buch zu verfassen, nachzeichnen. Ausgehend von Heimatvorstellungen der zweiten Generation von Vertriebenen geht es auch im Blog um Stadterkundungen, um das Aufspüren schlesischer Mosaiksteinchen, die das Bild Berlins bis heute prägen. Dabei ist der Blog keine Vorwegnahme, kein Vorabdruck des Buches. Vielmehr werden die Texte eigens für den Blog verfasst und verstehen sich als eine Ergänzung zu dem Buch.

 

Den direkten Link zum Blog finden Sie  hier.

Grabkapellen der Schleierherren 

Bauherr für die Restaurierung der Grabkapellen des Hirschberger Gnadenkirchhofs gefunden

Bereits im letzten Jahr hatte die Stadt Jelenia Góra/Hirschberg die wohl letzte Chance zur Rettung der einmaligen barocken Grabkapellen der berühmten Hirschberger Kaufmannssozietät der Schleierherren auf dem dortigen Gnadenkirchhof ergriffen. Im Rahmen des „Operationellen Programms der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Sachsen-Polen 2007-2013” war einem gemeinsam mit dem Verein zur Pflege Schlesischer Kunst und Kultur (VSK) e. V. in Görlitz gestellten Projektantrag zur Restaurierung der Kapellen Erfolg beschieden worden. Der Beginn der Restaurierungsarbeiten war ursprünglich schon für Ende des Frühjahrs vorgesehen, doch hatte die Komplexität der Aufgaben zur Folge, dass sich die Ausschreibungen und Vertragsverhandlungen bis in den Herbst hinein verzögerten. Nun unterzeichnete aber der Bürgermeister der Stadt Jelenia Góra, Herr Marek Obrębalski, am Montag, den 4. Oktober, im Rahmen einer Pressekonferenz feierlich den Vertrag mit der ausführenden Firma der Bau- und Restaurierungsarbeiten. Diese werden das Konsortium ,,WROBUD-ZABYTKI” Spółka z o.o. zusammen mit der renommierten Restauratorenfirma ,,ARS-LONGA” S.J. aus Krakau übernehmen. ARS-LONGA führte unter anderem die Restaurierungsarbeiten der Steinskulpturen auf Schloss Fürstenberg/zamek Kżiaż sowie der Befestigungsanlagen auf dem Wawel in Krakau aus. Der Vorstandsvorsitzender des Konsortiums ,,WROBUD-ZABYTKI”, Herr Stanisław Kawczyński, unterzeichnete persönlich die Verträge mit der Stadt Hirschberg. Unter den geladenen Gästen befanden sich auch die Projektbeauftragten des VSKs, die vom Vereinsehrenvorsitzenden Karsten Riemann angeführt wurden. Auch der Leiter der Delegatur Jelenia Góra des Woiwodschaftsamtes für Denkmalschutz Wrocław, Herr Wojciech Kapałczyński, nahm an den Feierlichkeiten teil. Er machte deutlich, dass er diesem Projekt einen großen Wert beimesse und die fachgerechte Restaurierung der Grabkapellen über den gesamten Projektzeitraum intensiv begleiten werde. Die bis Dezember 2012 abgeschlossenen Renovierungsarbeiten werden 4.040.218,16 Złoty kosten und zu 85 % von der EU finanziert.

Vandalismus, Habgier, vor allem aber Gleichgültigkeit hatten nach 1945 dazu geführt, dass sich die bis dahin gut erhaltenen Grabkapellen heute in einem bedenklichen baulichen Zustand befinden. Viele der Epitaphien und Baudetails sind zerschlagen, beschädigt oder ganz verloren. In den Sandstein der Kapellenwände sind Salz und Feuchtigkeit eingedrungen, die als erste Maßnahme durch spezielle Auflagen auf den Steinoberflächen beseitigt werden müssen. Wegen des schlechten Zustands der meisten Kapellen wird sich der weit überwiegende Teil der Arbeiten auf erhaltende Maßnahmen beschränken. Sollten sich noch finanzielle Freiräume im Rahmen der Projektfinanzierung ergeben, kann eventuell über eine punktuelle Ergänzung des reichen Skulpturenschmucks, vielleicht sogar über die Rekonstruktion eines der nicht mehr vor Ort befindlichen kunstvollen Schmiedegitter der Kapellenportale, nachgedacht werden. Von Seiten der Stadt Hirschberg wurde erneut die Bereitschaft signalisiert, jegliche Unterstützungen, Vorschläge und Anregungen durch die Nachfahren der Schleierherren mit in das Projekt einzubeziehen (Kontakt: <gerhardschiller@web.de>).

Beratung schlesischer Heimatsammlungen
Einladung zu zwei Tagungen im HAUS SCHLESIEN

 

HAUS SCHLESIEN veranstaltet im Herbst 2010 sowie im Frühjahr 2011 im Rahmen des von der Bundesregierung geförderten Projektes „Beratung für schlesische Heimatsammlungen“ eine je zweitägige Tagung zu diesem Thema. Ziel des Projektes ist, der Gefahr entgegenzuwirken, dass in jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit zusammengetragene und liebevoll bewahrte schlesische Kulturgüter verloren gehen, und dazu beizutragen, dass sie am bisherigen Ort unter der erfahrenen Regie der langjährigen Betreuer verbleiben können.

Die Heimatsammlungen müssen für ein größeres Publikum attraktiv und zugänglich sein, damit sie öffentlich stärker wahrgenommen werden. Dazu will die erste Tagung vom 16.-17. November 2010 im HAUS SCHLESIEN den verantwortlichen Betreibern Unterstützung anbieten. Hier werden Kooperationsmöglichkeiten der schlesischen Heimatsammlungen untereinander, mit deutschen Kommunen und ihren Museen und anderen kulturellen Institutionen sowie mit den jeweiligen polnischen Partnerstädten und deren Einrichtungen aufgezeigt. Eine Möglichkeit wirkungsvoller Werbung für die Heimatsammlungen wäre z.B. die Übernahme von modern präsentierten Wanderausstellungen. Dies bietet sich etwa auch zu besonderen Anlässen wie Heimattreffen vor Ort an.

Bei der zweiten Tagung können die Betreiber Kenntnisse zu den Themen Archivierung, Inventarisierung, Dokumentation, Beschriftung, Präsentation und Vermittlung erwerben bzw. vertiefen. In praktischen Übungen am Beispiel der Sammlungen und Ausstellungsräume im HAUS SCHLESIEN können diese Fähigkeiten weiter ausgebaut werden. Die sachgerechte Lagerung und die Präsentation empfindlicher und wertvoller Exponate wie Textilien, Landkarten, Grafik und Gemälde stehen im Mittelpunkt. Die Teilnehmer befassen sich auch mit der Bedeutung äußerer Faktoren wie z.B. Lichtschutz und Raumklima. 

Für Anmeldungen zu den Tagungen, die auch einzeln buchbar sind,  für Anfragen zur Beratung vor Ort und für Informationen zum „Projekt Beratung schlesischer Heimatsammlungen“ wenden Sie sich bitte telefonisch unter 02244/886-234 an Frau Nicola Remig und Frau Dorothee Herbert, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts.

 

 

 

 

„Verlassene Klöster! Die Säkularisierung schlesischer Klöster 1810“

„Opuszczone klasztory! Sekularyzacja klasztorów śląskich w 1810 roku“

Neue Sonderausstellung im ehemaligen Zisterzienserkloster Rauden (Rudy)
24. November 2010 – 29. Mai 2011

 

Der erste Schneefall in Oberschlesien hat zahlreiche Besucher nicht davon abgehalten, am 24. November 2010 in das  Fortbildungszentrum der Diözese Gleiwitz in (Groß) Rauden / Rudy (Wielkie) (zwischen Gleiwitz / Gliwice und Ratibor / Racibórz gelegen) zu kommen, um an der Eröffnung der neuen Wanderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums  teilzunehmen. Die Präsentation ist eine zweisprachige Adaption der großen Sonderausstellung, die unter dem Titel: „Herrenlos! Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung“ vom Mai bis Oktober 2010 in Ratingen gezeigt wurde.


Die Sonderausstellung zeigt einen kurzen Abriss der Geschichte von Klöstern und Ordensgemeinschaften in der ganzen schlesischen Region. Angefangen von den Gründungen im Mittelalter, über zeitliche Umbrüche während der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges, die Ausfaltung des Glaubenslebens und prachtvolle barocke Umbauten im 17. und 18. Jahrhundert bis zur Aufhebung der Klöster im preußischen und österreichischen Teil Schlesiens. Die Klosteraufhebungen bieten jedoch nicht den Schlusspunkt der Präsentation. Anhand von ausgewählten Beispielen wird das weitere Schicksal der Klosteranlagen aufgezeigt und auf zahlreiche Neugründungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwiesen. Somit wird deutlich, dass die Säkularisation nicht das Ende des geweihten Lebens in Schlesien bedeutet. Vielmehr hat diese eine neue Form angenommen.


Die Präsentation hat in den Ausstellungsräumen des künftigen Diözesanmuseums des Bistums Gleiwitz einen originellen und passenden Rahmen erhalten. Dieses befindet sich im ehemaligen Zisterzienserkloster (Groß) Rauden, das nach der Säkularisation zum Sitz des Herzogs von Ratibor ausgebaut wurde und bis 1945 in dieser Funktion wirkte. Im Zuge der Kriegshandlungen wurde das ehemalige Klostergebäude von der anrückenden Roten Armee schwer beschädigt. Abgesehen von der Klosterkirche, die seit 1810 als Pfarrkirche wirkt und in den Jahren 1947-1950 renoviert wurde, befand sich das gesamte Klosterareal noch bis vor wenigen Jahren in diesem verfallenen Zustand. Heute gehört der Gebäudekomplex der Diözese Gleiwitz und wird zum Fortbildungs-, Konferenz- und Pilgerzentrum ausgebaut. Die Renovierungsarbeiten schreiten im atemberaubenden Tempo voran. Trotz anders lautender Meinungen seitens zahlreicher Experten ist im Klostergebäude eine Reihe von originalen liturgischen und Kunstobjekten aus der Wirkungszeit der Zisterzienser erhalten geblieben. Diese wurden in die Ausstellung integriert und bereichern die Präsentation.

In seiner Begrüßungsansprache stellte der Leiter des Diözesanbildungshauses, Pater Jan Rosiek, den Verlauf der Renovierungsarbeiten und zukünftige Pläne für die weitere Nutzung des Hauses vor. Gemäß dem Motto der Zisterzienser solle die Einrichtung dem Volk dienen. Die Diözese Gleiwitz repräsentierte der Kurienkanzler des Bistums, Prälat Bernard Koj. Dieser ging auf das Ausstellungskonzept ein und betonte, dass es neben dem Ereignis der Klosteraufhebung (Säkularisation) auch den schleichenden Prozess der Verweltlichung der Gesellschaft (Säkularisierung) gebe, die sich heute besonders deutlich auswirke.
Als Repräsentant des Marschallamtes der Woiwodschaft Schlesien sprach der Leiter der Kulturabteilung, Przemysław Smyczek, und unterstrich die Bedeutung dieser Einrichtung für Oberschlesien. Rauden sei nicht nur in touristischer Hinsicht von Interesse, sondern nehme für die Bewohner Oberschlesiens als kulturelle und geistige Begegnungsstätte eine wichtige Rolle ein.

 

Alle Festredner hoben die Bedeutung der grenzüberschreitenden Wahrnehmung der oberschlesischen Region hervor, die nicht in gegenwärtigen politischen Verwaltungsgrenzen zu denken sei. So war für den Ausstellungskurator, Dr. Gregor Ploch, gerade dieser Aspekt wichtig, dass die Präsentation nicht nur auf den ehemals preußischen Teil Schlesiens eingehe, sondern auch den heutigen tschechischen Teil Oberschlesiens mit einbeziehe. Das sei durch die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Schlesischen Landesmuseum in Troppau / Opava gelungen, die den Organisatoren einige Exponate aus eigenen Sammlungen überlassen hätten. Die Anwesenheit einer größeren Delegation dieses Museums bei der Ausstellungseröffnung in Rauden wurde von allen Gästen wohlwollend aufgenommen.


OSLM-Direktor Dr. Stephan Kaiser freute sich sehr, dass die Ausstellung an diesem Ort realisiert werden konnte. Das schaffe Vertrauen und biete Basis für künftige gemeinsame Projekte mit der Bildungseinrichtung, die sich künftig auch als Diözesanmuseum kulturell betätigen wird. Die Anwesenheit zahlreicher Vertreter der benachbarten Partnermuseen sei zudem ein Zeichen der Wahrnehmung der Tätigkeit des OSLM in Oberschlesien und der Wille zur weiteren Zusammenarbeit, betonte Direktor Kaiser.

 

Adresse:
Ośrodek Formacyjno-Edukacyjny Diecezji Gliwickiej
ul. Cysterska 4
PL - 47-430 Rudy
Tel.: +48 (32) 410 33 11
Internet:
 http://rudy-opactwo.pl/ 

 

 

D I G O S - Projekt Digitales Oberschlesien

Das Internet ist ein wichtiger Faktor innerhalb der gegenwärtigen technischen Entwicklung, wodurch Informationen weltweit zu Verfügung stehen und nicht erst mit großem Zeitaufwand beschafft werden müssen. Bibliotheken als Hauptspeicher wissenschaftlicher Information finden im Internet ihre Vertretung durch so genannte digitale Bibliotheken.

Heutzutage sind fast alle größeren Bibliotheken in der Welt online erreichbar. Bereits bestehende Bibliotheken ermöglichen nicht nur die Nutzung ihres Online-Katalogs (Nachweis eines Titels ohne Beschaffung), sondern eben auch den unmittelbaren Zugriff auf Dokumente. So kann der Nutzer von seinem Arbeitsplatz aus durch die Digitalisierung der Dokumente Seite für Seite eines Buchs einsehen. Mit Hilfe der digitalen Bibliotheken kann direkt und kostenlos auf Texte zugegriffen werden, ohne dass diese in gedruckter Form vorliegen. Digitale Bibliotheken ergänzen persönliche Büchersammlungen und erweitern den Bestand von öffentlichen Bibliotheken. Zudem gewähren sie den Zugriff auf Bestände, die aufgrund ihres historischen Wertes, ihres Inhalts oder ihres Formats oftmals gar nicht oder nur unter Beaufsichtigung angesehen werden können.

Im Rahmen des Projekts Digitale Quellen Oberschlesien ermöglicht die Stiftung Haus Oberschlesien die Nutzung digitaler Bibliotheken im Rahmen des Verbundkatalogs östliches Europa (VOE). Damit wird ältere Literatur rasch und unabhängig vom Standort verfügbar. Dazu wurden zunächst die digitalen Bibliotheken in Polen ermittelt. Sie bieten vor allem rund um das Thema „Schlesische Geschichte und Kultur" und „Historisches Schlesien/heutige schlesische Woiwodschaften" die Möglichkeit, eine erfolgreiche Literaturrecherche zu betreiben. Die relevanten digitalen Quellen wurden herausgefiltert und sind in wenigen Schritten über den VOE,  www.oberschlesisches-landesmuseum.de/de/voe-verbund.html, auffindbar. Fachwissenschaftler und interessierte Laien finden mit Hilfe dieses Systems und einer vereinheitlichten Suchmaske Zugang zu einem breiten Themenspektrum. Die recherchierten Quellen sind aufgrund der eigenen URL nachhaltig zitierfähig. Durch das Projekt wird darüber hinaus die Portalfunktion des VOE gestärkt.

Um digitale Bibliotheken umfassend nutzen zu können, muss der Computer mit den neuesten Versionen von Internet Browsern (Mozilla, Internet Explorer oder Netscape Navigator) ausgestattet sein. Die digitalen Publikationen können nur mit speziellen Softwareprogrammen angesehen werden (AdobeReader/PDF-Format oder DjVu-Format/DjVU-Plug-in). Diese Programme können aus dem Internet und von den Homepages vieler digitaler Bibliotheken heruntergeladen werden.

Darüber hinaus ermöglichen das Softwareprogramm dLibra und das DLF-Projekt einen übersichtlichen Zugriff und eine einfache Recherche. Digital Libraries Federation (DLF) ist ein Projekt, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Nutzung polnischer digitaler Bibliotheken zu erleichtern und das Ansehen und die Popularität der polnischen Quellen zu steigern. Die Homepage (http://fbc.pionier.net.pl/) dieses Projekts vermittelt einen Überblick über die digitalen Bibliotheken in Polen. Ebenso bietet die DLF die Möglichkeit, sich auf einen Blick über neu dazu gekommene digitale Bestände zu informieren. Es finden sich Angaben zu den Statistiken der jeweiligen Bibliotheken und mit einem Klick gelangt man direkt auf die Homepage der gewünschten Bibliothek. Die Digitalen Bibliotheken in Polen verfügen über zahlreiche deutschsprachige Medien.

dLibra ist das erste polnische System zum Aufbau digitaler Bibliotheken und ist gegenwärtig die bekannteste und weitverbreitetste Plattform in diesem Bereich. Das seit 1999 existierende Projekt gibt polnischen Bibliotheken (Universitätsbibliotheken, öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven) die Möglichkeit, ihren Bestand zu digitalisieren. Bibliotheken, die sich der dLibra-Software bedienen, bieten zahlreiche Optionen, um eine gezielte Literaturrecherche durchzuführen. Ebenso bietet dLibra auch eine Vereinfachung für den Nutzer. Die dLibra-Bibliotheken bedienen sich der gleichen Oberfläche, d.h. die Suchmasken sowie die für den Nutzer zugänglichen Optionen sind identisch.

Das Projekt Digitales Oberschlesien – DIGOS wurde vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Wichtige Projektpartner sind die Universitätsbibliothek Wrocław, die Martin-Opitz-Bibliothek Herne und die Schlesische Bibliothek Kattowitz.

Information und Kontakt:

Stiftung Haus Oberschlesien

Fachinformationszentrum Schlesien – Mähren – Böhmen (FIZ)

Bahnhofstr. 71, 40883 Ratingen

 

Tel: 0 21 02 / 96 53 56, Fax: 96 54 00

e-Mail:  fiz@oslm.de / Internet:  www.oslm.de

Neue Akzente zur Zusammenarbeit mit der Bergbautraditionsstube

im oberschlesischen Knurow

 

Heimatsammlungen tragen seit 1945 zur Bewahrung und Sammlung von schlesischem Kulturgut bei. Insofern kommt ihnen eine besondere Bedeutung für die regionale Identität zu. Das gilt in Deutschland und auch zunehmend in Polen. Lokale Besonderheiten prägen die Menschen verschiedener Generationen. Der jeweils unterschiedliche Kenntnisstand schlägt sich ebenso in der historisch-politischen Bildungsarbeit nieder. Mit diesen Aspekten befasst sich die Zusammenarbeit des Oberschlesischen Landesmuseums mit einer besonderen Heimatsammlung in der oberschlesischen Region. Die sehr rege tätige Bergbautraditionsstube in Knurow (Knurów) bei Gleiwitz (Gliwice) besuchten wieder einmal Mitarbeiter des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen (OSLM). Nach der herbstlichen Besichtigung des Steinkohlebergwerks  „KWK Knurów-Szczygłowice“, das zur staatlichen Steinkohlekompanie „Kompania Węglowa S.A.“ gehört, wurde diesmal die Traditionsstube zum Treffpunkt. Dort sind zahlreiche originale Dokumente, Materialien, Karten, Auszeichnungen, Maschinenteile und weitere Andenken an die Geschichte des umliegenden Kohlereviers zusammengetragen worden.

 

Mit aufgebaut und zu einer sehenswerten musealen Einrichtung ausgebaut wurde diese Traditionsstube von engagierten Oberschlesiern, die seit Jahren beruflich mit dem Bergwerk und mit Knurow verbunden sind. Zu ihnen gehört der Oberkustos Bogusław Szyguła, der durch seine Mitgestaltung von Fernsehsendungen über den Bergbau und die oberschlesische Bergbautradition im lokalen Fernsehen  TV Silesia über Oberschlesien hinaus bekannt ist.

Das OSLM und die Bergbautraditionsstube beabsichtigen auch weiterhin vertrauensvoll zusammen zu arbeiten. So soll das gemeinsame Kulturerbe des oberschlesischen Industriereviers noch stärker zur Geltung kommen. Neue Vorhaben ergeben sich aus einem Arbeitsprogramm. Dieses fixierten Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser und Oberkustos Bogusław Szyguła im Beisein von Vertretern des Steinkohlebergwerks „KWK Knurów-Szczygłowice“ und weiterer befreundeter lokaler Traditionsstuben. Die feierliche Zeremonie fand im Direktionsgebäude der KWK Knurów statt. Dr. Stephan Kaiser hob dabei die zahlreichen gemeinsamen Interessen beider Einrichtungen hervor, die sich in vertrauensvoller Zusammenarbeit verwirklichen ließen. Dazu gehöre die große Ausstellung des OSLM über die Geschichte des Bergbaus in Schlesien 2012. Beide Einrichtungen verbunden hat auch ein äußerst wertvolles Exponat, das für die Sonderausstellung des OSLM über die Klosteraufhebungen in Schlesien 2010 ausgeliehen wurde: die mittelalterliche Statue der heiligen Anna Selbdritt aus Knurów, die sich heute in den Beständen des Erzbischöflichen Diözesanmuseums in Kattowitz befindet.

Information und Kontakt:

Oberschlesisches Landesmuseum

Dr. Susanne Peters-Schildgen

Bahnhofstr. 62, 40883 Ratingen

 

Tel: 0 21 02 / 96 50, Fax: 965 400, e-Mail:  info(at)oslm.de / Internet:  www.oslm.de

Öffnungszeiten: di – so, 11 – 17 Uhr, mo geschlossen

 

Die Stadt Bolesławiec als Verbindungsknoten polnischer, deutscher, bosnischer, serbischer und kroatischer Lebensläufe im Kontext der Nachkriegsmigrationen

1946 wurden etwa 15.000 Polen aus den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens in das vom Krieg weitgehend zerstörte Bunzlau umgesiedelt, das seit 1945 Bolesławiec heißt. An die Stelle der deutschen Bevölkerung wurden u.a. Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten (Kresy) und aus Jugoslawien angesiedelt, die dorthin noch im 19.Jahrhundert als Arbeitsmigranten aus Galizien ausgewandert sind. Das Ziel des Projekts besteht in der Annäherung an die Problematik der Migration und ihres individuellen Erinnerns am Beispiel von Interviews mit 16 Zeitzeugen in Polen, Deutschland sowie Bosnien und Herzegowina. Jede dieser Bevölkerungsgruppen besitzt eine doppelte Migrationserfahrung: Sie sind selbst Betroffene und Zeugen erzwungener Migration. Die einzelnen Umsiedlungs- und die Erinnerungspfade werden im Prisma der Stadtgeschichte miteinander verbunden.

Informationen:  http://geschichtswerkstatt-europa.org/projekt-details/items/boleslawiec.html