Seiten in anderer Sprache:

Druckansicht aufrufen:

Suchbegriff eingeben:

Hauptnavigation:

Unternavigation:

Ein Informationsangebot des Kulturreferenten für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz

Schloss Eisersdorf/Żelazno. A. Franke, Berlin© 

Sehr geehrte Damen, liebe Leserinnern und Leser,

dieser Tage jähren sich die dramatischen Ereignisse des Jahres 1921 in Oberschlesien - die Volksabstimmung vom 20. März und die letzten blutigen Auseinandersetzungen, die ihr im Mai folgten - zum 90. Mal. Hierzulande sind die von den Siegern des Ersten Weltkriegs nach der Volksabstimmung festgelegte und 1922 umgesetzte Grenzziehung zwischen Deutschland und Polen in Oberschlesien, die seinerzeit so umkämpfte Teilung dieses Landstrichs so gut wie vergessen. Dabei gehören diese bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzung nicht nur zur Vorgeschichte der Propaganda beim deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939.

„Grenzgänger“, eine 2007 erarbeitete Ausstellung des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit (Gleiwitz/Gliwice) hat den Alltag an der 1922 gezogenen Linie untersucht, mit Erinnerungen, Fotos und anderen Originaldokumenten belegt. Die Hinwendung zur Realität der Grenze für die breite Bevölkerung ist etwas Neues gegenüber den bis heute gepflegten Kampf- und Heldengeschichten und gegenüber Polemiken, die sich mit der völkerrechtlichen Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze politisch erledigt haben. Der nüchterne historisierende Blick, aber auch der Austausch und Abgleich der je eigenen Wahrnehmung der Landesteilung bei verschiedenen Gruppen der Bevölkerung tragen zur Heilung historischer Wunden bei. Es wäre schön, wenn alle Oberschlesier - ob sie sich nun als Polen, als Schlesier, als Deutsche sehen - der Ereignisse von vor 90 Jahren mit Gelassenheit und im Hinblick auf eine gemeinsame Gegenwart und Zukunft gedächten.

Mit den besten Grüßen aus Görlitz
Ihr Maximilian Eiden
Kulturreferent für Schlesien