Nachrichten aus dem Schlesischen Museum

Modell der Iser-Brücke. Foto: Verein Schlesische Gebirgsbahn e.V.  

Ausstellung

Die Sonderausstellung „Achtung Zug! 175 Jahre Eisenbahn in Schlesien“ wird ergänzt durch wechselnde Sonderpräsentationen.

Noch bis zum 1. Mai 2018 werden Teile des Ausstellungsprojektes der Deutschen Bahn AG „Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“ gezeigt.
Die Deutsche Bahn AG erarbeitete das Konzept der 2008 entstandenen Wanderausstellung in Kooperation mit dem Centrum Judaicum und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin. Sie beruht auf der im Museum der Deutschen Bahn in Nürnberg gezeigten Dauerausstellung zur Geschichte der Reichsbahn im Nationalsozialismus.

Die Zackenbahn im Modell
Sonderpräsentation vom 5. bis 27. Mai 2018

Der Verein Schlesische Gebirgsbahn e.V. hat über viele Jahre hinweg die Strecke von Hirschberg nach Grünthal (ab 1918 Polubný/Polaun, heute Kořenov/CZ), die sogenannte Zackenbahn, erforscht und in Miniatur nachgebildet. So entstanden detailgetreue Modelle der einzelnen Bahnhöfe und wichtigen Streckenabschnitte, die nun im Schlesischen Museum präsentiert werden. Während der Präsentation im Schönhof stellen die Vereinsmitglieder an den Wochenenden die Modellanlage vor und lassen originalgetreue Züge aus verschiedenen Zeiten fahren. So können Besucher eine der schönsten und bekanntesten Strecken Schlesiens erleben und sich zu einer Fahrt mit der echten Zackenbahn anregen lassen.

Tipp: Exkursion "Mit der Zackenbahn durch Rübezahls Reich" am Samstag, den 21. April 2018.

Ausgewählte Veranstaltungen aus dem Programm des Museums:

Mittwoch, 4. April, 15 Uhr
Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch
Poesie auf Schlesisch. Erinnerungen an den Dichter Karl von Holtei
Die Gedichtzeile „Heem wihl ihch, suste weiter nischt, ock heem!“ („Heim will ich, sonst nichts, nur heim!“) ist schon zur Redensart unter Schlesiern geworden. Sie stammt aus einem Gedicht Karl von Holteis (1798-1880), der den schlesischen Dialekt in die Literatur einführte. Anlässlich seines 220. Geburtstages erinnert Wolf-Dieter Fiedler an dessen bewegtes Leben und vielseitiges Werk.
- Eintritt: 10 Euro (inkl. Kaffee und Kuchen)
- Reservierung: +49 3581 87910,  kontakt(at)schlesisches-museum.de

Mittwoch, 11.4., 17 Uhr
Vortragsreihe „Schlesien für Einsteiger und Fortgeschrittene“
Dr. Johanna Brade: Berühmte Künstler in und aus Schlesien
In Kurzporträts werden bekannte Persönlichkeiten der älteren und neueren Kunstgeschichte vorgestellt. Einige stammten wie Adolph von Menzel oder Friedrich Lessing aus Schlesien, kamen aber erst in Berlin und Düsseldorf zu Ruhm. Andere vermittelten, wie der Barockkünstler Michael Willmann, wichtige Impulse aus anderen Regionen nach Schlesien.
- In Kooperation mit der VHS Görlitz, Fortsetzung am 9.5.
- Eintritt: 6,50 € (inkl. individueller Museumsbesuch am Folgetag)
- Anmeldung erbeten: +49 3581 420980,  info(at)vhs-goerlitz.de
Weitere Termine: Tausend Jahre Schlesische Geschichte am 9.5. und Feiner Schliff und guter Ton - Kunsthandwerk in Schlesien am 13.6.2018

5. Mai
Samstag, 13-19 Uhr
Museumsfest / SZ-Card-Tag
Mit Volldampf! Museumsfest zur Ausstellung „Achtung Zug!“
Das Thema Eisenbahn ist vielfältig, faszinierend, unerschöpflich – und deshalb wird sich bei unserem Museumsfest alles darum drehen! Wir laden ein zu Bahnreisen in Literatur, Film und Musik. Die Görlitzer Band Pimienta Blanca wird für den richtigen Rhythmus sorgen. Unsere Ausstellungen und Vorträge bieten Wissenswertes und Erstaunliches. Junge Gäste können sich selbst als Eisenbahner ausprobieren! Miniatureisenbahnen und große Modelllandschaften werden Sie faszinieren: Das Modell der Görlitzer Bahnanlagen von 1917 kann gemeinsam mit Modellbauer Ingo Wobst erkundet werden. Höhepunkt des Nachmittags ist die Präsentation der originalgetreu nachgebildeten Zackenbahn, die von Hirschberg/Jelenia Góra nach Kořenov (vormals Grünthal bzw. Polaun) führt. Der Verein Schlesische Gebirgsbahn e.V. schuf die raumfüllende Modellanlage, die bis zum 27. Mai im Museum gezeigt wird.  

- Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
- Eintritt frei für Gäste unter 16 Jahren sowie für SZ-Card-Inhaber und ihre Begleitperson

13. Mai
Sonntag, 10-18 Uhr
Freier Eintritt und Führung
Internationaler Museumstag unter dem Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“
Um 10 Uhr lädt Museumsdirektor Dr. Markus Bauer zu einem Rundgang durch die ständige Ausstellung ein.
- Eintritt frei am Internationalen Museumstag

6. Juni
Mittwoch, 15 Uhr
Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch
„Der kühnen Bahn nun folgen wir, die uns geführt Lassalle“. Zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Schlesien
Die schlesische Arbeiterbewegung hat bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht: von Wilhelm Wolff (dem Marx den 1. Band des „Kapitals“ widmete) über Ferdinand Lassalle, den Begründer der Sozialdemokratie, bis Paul Löbe, den langjährigen Präsidenten des Reichstags und Alterspräsidenten des 1. Bundestags 1949. Dr. Markus Bauer erzählt von wichtigen Ereignissen wie dem Aufstand der schlesischen Weber 1844, dem großen Bergarbeiterstreik von 1889, dem Aufbrechen der „polnischen Frage“ in Oberschlesien im frühen 20. Jahrhundert, dem Görlitzer Parteitag der SPD 1921 und dem Widerstand gegen die NS-Diktatur.

- In Zusammenarbeit mit dem SPD Ortsverein Görlitz
- Eintritt: 10 Euro (inkl. Kaffee und Kuchen)
- Reservierung: +49 3581 87910,  kontakt(at)schlesisches-museum.de

Tipp: Exkursion zum Thema nach Breslau am 29. Mai 2018! Über die kommenden Exkursionen informieren wir in diesem Newsletter.  

Magdalena Grzebałkowska ist Gast der LIteraturtage. Foto: Renata Dąbrowska. 

3. Literaturtage an der Neiße: Crossing Borderlands
vom 11. - 15. April 2018 in Görlitz und Zgorzelec

Görlitz-Zgorzelec begeht 20 Jahre Gründung Europastadt in diesem Jahr, gelebte Grenzüberschreitung auf kommunaler, gesellschaftlicher und kultureller Ebene werden gefeiert. 
Gleichzeitig begegnen wir in der Diskussion über Migrationsbewegungen und ihre Folgen, über den Schengenraum ebenso wie die Konsequenzen des Brexits in der medialen Berichterstattung europaweit dem Begriff Grenze - häufiger als Metapher für eine Bedrohung und notwendige Einschränkung, seltener als Synonym für Öffnung, Begegnung und Dialog.
Der Konsens über die offenen Grenzen als Errungenschaft des Umbruchs von 1989 und der EU-Erweiterung von 2004 wird heute innerhalb der Gesellschaften wieder in Frage gestellt. Diese neue Aktualität des Themas veranlasst uns, die diesjährige Ausgabe der Literaturtage an der Neiße unterschiedlichen Facetten von Grenzen und Grenzräumen zu widmen. In Lesungen, Foren und Filmvorführungen nähern wir uns unter besonderer Berücksichtigung Mittel- und Osteuropas diesem brisanten Thema an. Wir diskutieren mit unseren Gästen über die Kunst ihrer Texte, Grenzüberschreitungen im Schreiben, biographische Erfahrungen mit Grenzen und den jeweils eigenen Umgang mit dem aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
Gesamtes Programm unter  www.literaturtage.eu

Auswahl:  
Donnerstag, den 12.04.2018, 19 Uhr, Ort: Synagoge, Görlitz, Sprachen: DE / PL
Feierliche Eröffnung der Literaturtage an der Neiße

Sharing Europe - Wie viele Grenzen verträgt Europa? - Podiumsdiskussion mit Uwe-Karsten Heye, Olga Tokarczuk und Najem Wali, Moderation: Dr. Weronika Priesmeyer-Tkocz, Europäische Akademie Berlin

Freitag, den 13.04.2018, 10 Uhr, Ort: Kino PoZa NoVA, Miejski Dom Kultury, Zgorzelec, Sprache: PL
Pokot (dt. Die Spur) (Regie: Agnieszka Holland, Kasia Adamik, PL/DE/CZ/SK/S 2017, 123 Min) - Filmvorführung und Gespräch mit Olga Tokarczuk, Moderation: Dr. Annemarie Franke, Kulturreferentin am Schlesischen Museum zu Görlitz

Freitag, den 13.04.2018, 17 Uhr, Ort: Miejski Dom Kultury, Zgorzelec, Sprache:PL 
1945. Wojna i Pokój / 1945. Krieg und Frieden - Lesung und Autorengespräch mit Magdalena Grzebałkowska, Moderation: Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien an der Universität Wrocław

Samstag, den 14.04.2018, 10 Uhr, Ort: Apollo, Görlitz, Sprache: DE
Literaturfrühstück mit Dr. Markus Bauer, Ruth-Andrea Lammert, Gabriele Melzer-Heinicke und Magdalena Grzebałkowska, Moderation: Dr. Annemarie Franke, Kulturreferentin am Schlesischen Museum zu Görlitz

Samstag, den 14.04.2018, 18 Uhr, Ort: Apollo, Görlitz, Sprachen: DE / PL
Im Strom des Grenzlandes - Podiumsgespräch mit Uwe Rada und Volker Koepp, Moderation: Eva Sturm, Cellex Stiftung, Dresden 
Sonntag, den 15.04.2018, 17 Uhr, Ort: Apollo, Görlitz, Sprachen: DE / PL
Jacob Böhme - das Leben und Werk - deutschsprachige Filmpremiere und Gespräch mit dem Filmemacher Łukasz Chwałko, Moderation: Markus Kremser, freier Journalist aus Görlitz

 Die Literaturtage an der Neiße sind ein Projekt der  Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH, der Kulturreferentin für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz und des Deutschen Kulturforums östliches Europa. Sie werden gefördert aus den Mitteln des Interreg Polen-Sachsen. Europäischer Fond für regionale Entwicklung und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Mehr Informationen finden Sie hier:  https://www.literaturtage.eu/

Die Stiftung Kulturwerk Schlesien informiert:
Verzeichnung des Nachlasses von Dietmar Scholz

Der Maler und Schriftsteller Dietmar Scholz ist am 19. Februar 2016 in Reutlingen gestorben. Die Stiftung Kulturwerk Schlesien beginnt nun in einem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Projekt mit der Verzeichnung seines umfangreichen literarischen Nachlasses. Schriftstellerisch ist Dietmar Scholz mit Prosa und Lyrik hervorgetreten. Sein Werk wurde u.a. 1978 mit dem Förderpreis zum Andreas-Gryphius-Preis, 1985 mit dem Eichendorff-Literaturpreis und 2014 mit dem Edith-Heine-Lyrikpreis geehrt. Neben existenziellen Themen befaßte sich der am 15. Oktober 1933 in Kunitz (Kr. Liegnitz) Geborene in seinen Gedichten mit dem Heimatverlust, der Verarbeitung des daraus entstandenen Schmerzes und dem Versuch seiner Bewältigung, und zwar registrierend, benennend, verarbeitend, vorwurfsfrei und ohne Schuldzuweisungen. Insbesondere diese Gedichte wurden in drei Publikationen ins Polnische übersetzt. Darüber hinaus hat Dietmar Scholz zahlreiche Erzählungen, Essays, Kinder- und Jugendbücher geschrieben, Aphorismen und Heiteres sowie ein Hörspiel. Die Erfassung des Nachlasses soll zum Jahresende abgeschlossen sein, das Verzeichnis dann im Internet veröffentlicht werden. Danach wird der von der Stiftung Kulturwerk Schlesien in Würzburg verwahrte Nachlaß allgemein zugänglich sein.

Weitere Informationen:

Dr. Ulrich Schmilewski
Stiftung Kulturwerk Schlesien
www.kulturwerk-schlesien.de

 

 

 

Informationen des Kulturreferenten für Oberschlesien

16./17. April: Unterwegs in Polen mit Hans Bollinger. Lesung und Diskussion im Gerhart-Hauptmann-Haus und Haus Schlesien

Hans Bollinger bereist Polen seit gut 40 Jahren und war dabei besonders oft in Oberschlesien. Mit viel Sachkenntnis und Feingefühl erzählt er von seinen Begegnungen mit den Menschen und ihrer Umgebung. Er berichtet von seinem ersten abenteuerlichen Besuch in Oberschlesien 1976 und den großen Veränderungen seitdem, von Schloss Lubowitz und Joseph von Eichendorff. Auch geht er der Frage nach, was deutsche von polnischen Oberschlesiern unterscheidet? Seine Begeisterung für die schöne Landschaft und die Leute eröffneten ihm ganz besondere Begegnungen, von denen er anschaulich und unterhaltsam berichtet.

Der Pädagoge und Musiker Hans Bollinger leitet seit über 20 Jahre einen deutsch-französisch-polnischen Verein im Saarland und engagiert sich in der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. Für sein Wirken um die deutsch-polnische Verständigung wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz und polnischen Kavalierskreuz ausgezeichnet. Nach eigener Aussage kennt er Polen besser als Deutschland, wozu neben den zahlreichen Reisen auch die über 40-jähige Ehe mit einer Polin aus Schlesien beigetragen hat.

Die Lesung mit anschließender Diskussion ist ein Angebot des Kulturreferenten für Oberschlesien in Zusammenarbeit mit dem Dokumentations- und Informationszentrum HAUS SCHLESIEN und dem Gerhart-Hauptmann-Haus, unterstützt durch die Deutsch-Polnische Gesellschaft Köln-Bonn e.V.

16. April 2018, 19:00 Uhr, Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf

 

Jenseits des Bauhauses – die Architektur der Moderne in Oberschlesien. Deutsch-polnische Konkurrenzen

Ein Vortrags- und Diskussionsabend im Gerhart-Hauptmann-Haus am Mittwoch, 6. Juni 2018, 19:00 Uhr

Oberschlesien ist nicht nur für seine Zechen und Schornsteine bekannt, sondern auch für seine zahlreichen und herausragenden Bauten der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts. Lange Zeit vergessen und missachtet erleben die Zeugnisse des Neuen Bauens heute eine neue Wertschätzung. 
Ihre Entstehungsgeschichte ist eng mit der politischen Situation Oberschlesiens verbunden, das 1922 zwischen Deutschland und Polen geteilt wurde. Auf beiden Seiten der neuen Grenze setzte eine rege Bautätigkeit ein; im Wettbewerb der Nationen wurde die Modernität der Formen dabei zu einem Symbol für Fortschritt und Gestaltungswillen. Auf deutscher Seite stand die Städteregion Hindenburg, Beuthen und Gleiwitz in Konkurrenz zum polnischen Kattowitz, der Hauptstadt der neuen Woiwodschaft Schlesien.
Wir wollen uns mit ausgewählten Zeugnissen dieser besonderen Bauphase auseinandersetzen und einen Blick sowohl auf ihre Entstehungsgeschichte als auch auf den heutigen Umgang mit der Architektur der Moderne im polnischen Oberschlesien werfen.

Unsere Gäste sind PD Dr. Beate Störtkuhl, Kunsthistorikerin und Wissenschaftskoordinatorin am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa sowie Privatdozentin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, sowie Dr. Juliane Tomann, Leiterin des Projektbereichs „Geschichte und Öffentlichkeit“ am Imre Kertész Kolleg der Friedrich Schiller Universität Jena.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Gerhart-Hauptmann-Haus und Kulturreferat für Oberschlesien 

 

Gesprächspartner aus dem östlichen Oberschlesien gesucht

Für eine Forschung zur Geschichte der Nachkriegszeit werden Familien aus dem östlichen Oberschlesien gesucht, die heute in Polen oder Deutschland leben und deren Mitglieder in der Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Oberschlesier Opfer von Repression (etwa Lagerhaft, Enteignungen, Gewaltanwendung durch Militär/Miliz) wurden.

Sollten Sie Interesse haben oder gerne mehr über die Arbeit erfahren würden wenden Sie sich bitte an lisa.haberkern@us.edu.pl.

Bei den Interviews handelt es sich um unkomplizierte Gespräche und es werden neben Zeitzeugen explizit auch Nachgeborene, wie Kinder und Enkel angesprochen.

 

 

 

25. März 2018: Berliner Senator für Kultur und Europa Gast im neuen Kulturhaus OP ENHEIM in Breslau 

Der Kulturzug / Pociag do kultury, begründet 2016 im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw fährt weiterhin an den Wochenenden von Berlin nach Breslau. Zur Saisoneröffnung am Wochenende 24.-25. März reiste der Berliner Senator für Kultur und Europa Klaus Lederer in die Metropole an der Oder. In Breslau war er Gast der neuen Reihe „Berlin SALON Wroclaw“ im frisch sanierten Kulturhaus Oppenheim am Salzmarkt/Plac Solny.
Schon im Zug gab es Gespräche mit polnischen Kulturpolitikern und Kulturschaffenden, mit von der Partie waren Roswitha Schieb, Uwe Rada und das Team des Kulturzugs.
Das Nachfolgebüro der Kulturhauptstadt Europa Wroclaw organisiert im Auftrag der Stadt Breslau gemeinsam mit der Stiftung Zukunft Berlin (Kulturzug) und dem Kulturhaus OP ENHEIM das Gesprächsforum „BERLINSalonWROCLAW“. Die Reihe widmet sich den Potentialen der Städte Berlin und Breslau und der Wechselbeziehung zwischen Kultur und urbaner Entwicklung. Gäste des ersten Forums am 25. März waren die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Breslau Magdalena PIasecka, der Berliner Senator für Kultur und Europa Klaus Lederer und der Direktor des Nachfolgebüros „Strefa Kultury Wroclaw“ Krzysztof Maj. Moderiert wurde das Gespräch durch Katarzyna Mlynczak-Sachs von der Kunstgalerie Krupa Gallery.

Foto:  www.facebook.com/openheim/

Fahrplan des Kulturzuges ab 30. März 2018:  http://www.vbb.de/de/article/wissenswertes/vbbland-und-polen/kulturzug-nach-breslau-wroc-aw/689252.html

Foto: K. Kandzia 

Schlesisches Museum zu Kattowitz beliebt unter Schüler/innen

Ende Februar wurde der polenweite Internet-Wettbewerb „Best for School Travellers in Poland 2017“ entschieden. Das Schlesische Museum zu Kattowitz erreichte Platz III unter den beliebtesten Reisezielen für Klassenfahrten polnischer Schüler.
Der Wettbewerb dauerte vier Monate und das Kattowitzer Museum folgte der Salzgrube Wieliczka bei Krakau und dem Museum des Warschauer Aufstandes in der polnischen Hauptstadt.

 

20 Jahre HDPZ

20 Jahre ist es her, als am 17. Februar 1998 im Beisein des Bundespräsidenten Roman Herzog das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit (HDPZ) in Gleiwitz eröffnet wurde. Den Anstoß zur Gründung des HDPZ gab Thaddäus Schäpe, der von 1992 bis 1997 das Schlesienbüro der Friedrich Ebert Stiftung in Gleiwitz und bis zu seinem Tod 2004 auch das HDPZ leitete. Das Haus hat heute neben Gleiwitz auch in Oppeln seinen Sitz und ist ein bilateraler Trägerverein, an dem polnische und deutsche Institutionen und Organisationen beteiligt sind. Den 20. Geburtstag plant das Haus mit einer großen Jubiläumsfeier Mitte Juni zu begehen, sowie mit einer Reihe kleinerer Projekte zu feiern. Dazu gehört u. a. ein Wettbewerb für Kinder unter dem Motto: „Deutsche Redewendungen”, der sich an Grundschulkinder richtet. Auch ein Notizbuch „20 Jahre HDPZ“ ist erschienen, Interessierte an deutscher Kultur sind eingeladen, Mitglied im Hausfanclub zu werden. „Dafür muss man sich bei uns melden und bekommt einen Ausweis. Jede Teilnahme an unseren Veranstaltungen wird mit einem Stempel belohnt. Je mehr Stempel, desto schönere Preise winken dem Clubmitglied am Ende des Jahres“, so Lucjan Dzumla, Leiter des HDPZ.
Weitere Informationen: hdpz.pl

Klose im Oppelner Rathaus, Foto: www.skgd.pl  

Oppeln ehrt Miro Klose

Die Stadt Oppeln ehrte am 28. Februar den Fußballstar Miroslav Klose mit der Ehrenbürgerschaft. Zur Urkundenübergabe im Rathaus erschien Klose mit seiner Ehefrau Sylwia. Die Idee, Klose zum Ehrenbürger zu machen, entstand bereits 2014. Damals stieß sie jedoch bei den Ratsherren auf keinen fruchtbaren Boden. Und weil man sich in Oppeln soviel Zeit ließ, nahm sich später auch Klose Zeit und wartete mehr als zwei Jahre, bis er die Ehrenurkunde entgegennahm. „Nach dem Ende meiner Karriere musste ich erst meinen neuen Weg finden. Ich habe mich für die Trainerlaufbahn entschieden und das kostete Zeit“, begründete Klose sein Zögern während der Zeremonie im Rathaus.Am 28. Februar besuchte der frisch gebackene Ehrenbürger Kinder der nach ihm benannten, durch die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln gegründeten Fußballschulen in Chronstau (Chrząstowice), Gemeinde Oppeln. Dort feierten mehr als 500 Jungen und Mädchen der 13 deutschen Miro-Fußballschulen ihren Star.Miroslav Klose kam am 9. Juni 1978 in Oppeln zur Welt. 1987 siedelte Miro mit seiner älteren Schwester, seiner Mutter Barbara, einer erfolgreichen Handballerin und dem Vater Jozef, der seit dem 16. Lebensjahr aktiver Fußballer war, in die Bundesrepublik aus.

Der Blick durch den polnischen Adler von Reichenbach/Dzierżoniów auf die Költschener Berge. Foto: www.pow.dzierzoniow.pl  

100 Jahre Unabhängigkeit Polens 1918-2018.

Mit dem 11. November 1918 erlangte Polen seine Unabhängigkeit zurück. An dieses Ereignis erinnern zahlreiche Veranstaltungen in ganz Polen. Im Warschauer Nationalmuseum sind drei große Ausstellungen geplant. In einer Großveranstaltung dürfen am 11. November auf dem Königsweg in Warschau die Hauptstadtbewohner und Touristen eine eigens für diesen Tag komponierte Polonaise tanzen. Krakau will mit seiner Polonaise auf dem Hauptmarkt im August sogar ins Guinness-Buch der Rekorde.
Die polnische Regierung hat ein mehrjähriges Förderprogramm unter dem Titel „niepodległa“ „unabhängig“ für die Jahre 2017-2021 aufgelegt, das eine Vielzahl von Ausstellungs-, Bildungs- und Informationsprojekten in den einzelnen Wojewodschaften fördert. Die  Internetseite https://niepodlegla.gov.pl/ (mit englischer Version) legt davon eindrucksvolles Zeugnis ab. In diesem Jahr darf sich der Tourist oder Besucher Polens über eine besonders starke Präsenz nationaler Symbole nicht wundern. Das Jubiläum 1918-2018 soll nicht durch die Aufmärsche der extremen rechtsnationalen Gruppierungen zum 11. November besetzt werden, sondern im Gegenteil in einem Geist des Patriotismus, Bürgerstolzes und Gemeinsinns das ganze Jahr über begangen werden – so die Botschaft des Programms „niepodległa“.
In den Regionen des Landes, die in Folge der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1918 zwischen Polen und seinen Nachbarn umstritten und umkämpft waren, scheint besondere Sensibilität gefragt. Spielt die Perspektive der Minderheiten und Nachbarn eine Rolle? Wir stellen Ihnen einige ausgewählte Vorhaben vor.

Das Schlesische Museum im oberschlesischen Kattowitz organisiert eine Vortragsreihe für Schüler und Erwachsene zum Thema „Die Stimme des Theaters“ und macht auf die Geschichte der polnischen Nationalbühne in der Zeit der Teilungen aufmerksam. Für Oktober plant das Museum eine Veranstaltungsreihe für Schüler/innen über die Bedeutung der Unabhängigkeit für die polnische Nationalbewegung in Oberschlesien. Das Schlossmuseum in Pless eröffnet am 26. April die Ausstellung „Schwarzer Adler. Weißer Adler. Pless 1914-1922“.
Eine Interdisziplinäre wissenschaftliche Konferenz „Die Bewohner oberschlesischer Dörfer nach dem Ersten Weltkrieg und Polens wiedererlangter Unabhängigkeit“ findet am 14. Juni im Oberschlesischen Ethnographischen Park zu Königshütte (Górnośląski Park Etnograficzny w Chorzowie) statt.Die Schlesische Bibliothek in Kattowitz organisiert Ausstellungen u. a. zum Thema „Korfanty und die Unabhängigkeit“ (September), „Frauen und die Unabhängigkeit“ (November). In Zusammenarbeit mit dem Institut für Regionalforschungen (Instytutu Badań Regionalnych, BŚ) wird im Juli eine Internetdiskussion zum Thema „1918. Wege in die Freiheit“ gestartet. Die Ergebnisse der Diskussion werden auf der Internetseite des BŚ-Institutes veröffentlicht.
Oppeln gedenkt des Unabhängigkeitsjubiläums u. a. durch einen Radio-Zyklus „So war es wirklich“. Die im öffentlich-rechtlichen Sender Radio Opole ausgestrahlten Sendungen sind Menschen gewidmet, die als Zeitzeugen die Unabhängigkeit erlebt haben. Bereits zum Unabhängigkeitstag 2017 wurde an der Außenwand des Verwaltungssitzes der Wojewodschaft ein Wandbild (Mural) eingeweiht: Es hat die Gestalt einer Filmrolle und in den einzelnen Negativfeldern werden Persönlichkeiten vorgestellt, die eine wichtige Rolle bei der Erlangung der Unabhängigkeit Polens gespielt haben. Auf den Betrachter schauen allgemein bekannte Persönlichkeiten von der Wand herab wie Wincenty Witos, Józef Piłsudski, Wojciech Korfanty, oder Ignacy Paderewski, aber auch Persönlichkeiten, die mit der Region verbunden sind:  Alfons Zgrzebniok (1891-1937), Kommendant der schlesischen Aufstände, Norbert Bonczyk (1837-1893), katholischer Geistlicher und „Schlesischer Homer“ genannt,  Bronisław Koraszewski (1864-1924), Journalist und Aktivist im Oppelner Schlesien.  Das Wandbild ist das Werk von Dr. Bartlomiej Trzos und Studenten des Instituts für Kunst der Universität Oppeln.
In Breslau werden das ganze Jahr über auf dem Gebäude des Woiwodschaftsamtes Porträts der Väter der Unabhängigkeit sowie der Verteidiger Lembergs von 1918 präsentiert. Es ist eine Anspielung auf die Lemberger Wurzeln des Großteils der heutigen Breslauer und vieler Niederschlesier. Für den 2. Mai – den Tag der Flagge – soll eine spektakuläre Feier in Breslau stattfinden. Das Architekturmuseum zu Breslau zeigt eine Ausstellung zum Beitrag Breslaus für die polnische Architekturgeschichte.
Auch in der Görlitzer Schwesterstadt Zgorzelec wird der 100-jährigen Unabhängigkeit Polens gedacht. Das Lausitz Museum (Muzeum Łużyckie) organisiert einen Vortragszyklus und den ersten Beitrag leistet Dr. Ireneusz Wojewódzki von der Universität Zielona Góra/Grünberg. Er spricht am 29.03.2018 über die Polen-Frage während des Ersten Weltkrieges.

K. Kandzia / A. Franke

Podiumsdiskussion mit Prof. Wlodzimierz Borodziej, Dr. Johanne Haubold-Stolle, Dr. Peter Oliver Loew (v.l.n.r.). Foto:  

Bericht zur Podiumsdiskussion über Oberschlesien und Polens Grenz- und Minderheitenpolitik 1918-1939
von Vasco Kretschmann

In der Berliner Buchhandlung buch|bund standen anlässlich des bevorstehenden hundertsten Jahrestages des Endes des Ersten Weltkrieges und der Wiederentstehung des polnischen Staates die Situation der Minderheiten und die Grenzziehung nach 1918 im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion. Über 65 Interessierte kamen in das deutsch-polnische Kulturzentrum zu der vom Deutschen Kulturforum östliches Europa und dem Kulturreferat am Oberschlesischen Landesmuseum organisierten Diskussionsveranstaltung. Gäste des Abends waren der Warschauer Historiker Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej (Unter anderem Autor einer Studie zum Ersten Weltkrieg in Ostmitteleuropa), die Museumskuratorin und Historikerin Dr. Juliane Haubold-Stolle (Autorin der Studie: Mythos Oberschlesien. Der Kampf um die Erinnerung in Deutschland und Polen 1919-1956) und in der Funktion des Moderators der stellvertretende Direktor des Deutschen Polen-Instituts Dr. Peter Oliver Loew (Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland).Oberschlesien ist eine von mehreren Regionen, deren Zugehörigkeit nach dem Ersten Weltkrieg umstritten war. Nicht nur zwischen Deutschland und Polen, sondern auch an Polens östlicher Grenze bestanden eine Reihe umstrittener Gebiete. Oberschlesien kam aufgrund seiner industriellen Entwicklung eine besondere Bedeutung zu. Letztendlich dauerte das Kriegsende, die Phase des Übergangs nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 bis zur Festschreibung neuer Grenzen im Genfer Abkommen (15. Mai 1922), noch vier Jahre. Infolge der Auseinandersetzungen wurde die Region geteilt und nationale Minderheiten lebten fortan auf beiden Seiten der Grenze.Włodzimierz Borodziej und Juliane Haubold-Stolle waren sich einig, dass das von Woodrow Wilson geforderte Selbstbestimmungsrecht der Völker in den gemischt besiedelten Gebieten Ostmitteleuropas nicht funktionieren konnte. Hinzu kam im Fall Oberschlesiens eine Bevölkerung, die sich in Teilen weder als Deutsche noch als Polen fühlte, ihrer nationalen Zugehörigkeit unbewusst war, und nun in einer Abstimmung über ihre Zukunft zu entscheiden hatte. Haubold-Stolle erläuterte weiter, dass mit der Volksabstimmung nationale Werbekampagnen, Drangsalierungen und Gewaltausbrüche einhergingen. Nach Borodziej hatten die drei schlesischen Aufstände, vor allem eine symbolische Bedeutung, wobei die nationalpolnische Bedeutung des ersten Aufstands zu bestreiten ist. Jenseits nachträglicher Erzählungen gilt zu beachten, dass die Zweite Polnische Republik ihre Verankerung vor allem im Osten suchte und hier der Polnisch-Sowjetische Krieg (1920) von noch größerer Bedeutung war. Aufgrund der sehr heterogenen Bevölkerungen mit großen nationalen Minderheiten entstanden nach 1918 in Ostmitteleuropa keine Nationalstaaten im engeren Sinne, sondern „Nationalitätenstaaten“. Versuche der Zentralregierungen, diese Minderheiten zu assimilieren, blieben in den gut 20 Jahren ihrer Existenz ohne Erfolg. Borodziej betonte, dass in Oberschlesien, im Gegensatz zu anderen polnischen Regionen, die deutsche Minderheit stark nationalisiert war und dem polnischen Staat ablehnend gegenüberstand – in Teilen war dies auch eine Folge der antideutschen Politik des Wojewoden in Kattowitz, die auch in Warschau auf Ablehnung stieß. Haubold-Stolle verwies abschließend darauf, dass heute die Situation in Oberschlesien eine völlig andere ist. Es gibt zwar immer noch eine deutsche Minderheit, aber diese versteht sich eindeutig als polnische Staatsbürger deutscher Nationalität. Heute ist vor allem die Debatte über eine eigene regionale Identität der Oberschlesier ausgeprägt.   In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde über die unterschiedliche Situation von Minderheiten in der Zweiten Polnischen Republik – vor allem auch in Westpreußen und den Masuren – diskutiert und Ableitungen in die Gegenwart gezogen, in der wieder Fragen zu Zugehörigkeiten und kultureller Homogenisierung gestellt werden.

Die Podiumsdiskussion am 16.02.2018 war eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam, des Kulturreferenten für Oberschlesien am Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen und des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt

Ausstellung im Ethnographischen Museum in Breslau. Foto: K. Kandzia 

Gedenken der Märzereignisse von 1968 in Polen

Im März 1968 gingen Studenten in Warschau, Danzig, Krakau, Breslau, Posen u.a. Universitätsstädten auf die Straße. Anlass für die Studentenproteste war die Absetzung des Theaterstücks „Die Totenfeier“ (Dziady) des Nationaldichters Adam Mickiewicz. Die Demonstranten forderten Kunstfreiheit und die Abschaffung der Zensur. Die Studentenunruhen wurden durch Einheiten der Miliz und der ORMO, (sog. Arbeiter-Aktivisten) niedergeschlagen. Die Staatsmacht mit Władysław Gomułka an der Spitze nutzte die Demonstrationen für eine antisemitische Kampagne aus.

Die Volksrepublik Polen hat, wie fast alle Staaten des Warschauer Pakts, nach dem Sechs-Tage-Krieg die Beziehungen zu Israel abgebrochen. Polnische Juden wurden gezwungen das Land zu verlassen. Im Zuge der antisemitischen Kampagne wurden etwa 20.000 Menschen in den Jahren 1968–71 zur Auswanderung gezwungen. Viele von ihnen mussten ihre polnische Staatsbürgerschaft ablegen.

Gedenkveranstaltungen in Schlesien

Die Bente-Kahan-Stiftung und das Jüdische Kultur- und Bildungszentrum in der Breslauer Synagoge zum Weißen Storch organisierten zum Gedenken des 50. Jahrestages der Geschehnisse vom März 1968 eine Reihe von Veranstaltungen. Vorträge, Autorentreffen, Filme und Musikstücke, die die Judenverfolgung nach 1968 zum Thema hatten standen im Mittelpunkt. Die Maßnahmen wurden aus den Fördermitteln der Stadtgemeinde Breslau mitfinanziert.
Auch das Breslauer „Pan-Tadeusz-Muzeum“ und das Ethnographische Museum zu Breslau widmeten sich in Zusammenarbeit mit der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Juden in Polen diesem Jahrestag in Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Exkursionen und einer Ausstellung mit dazugehöriger Publikationen (s. Silesia-Newsletter 4/2017).
Das Haus des Gedenkens Oberschlesischer Juden in Gleiwitz organisiert am 24. April eine Vorstellung der Publikation„1968. Es kommen neue Zeiten“ des Ehepaares Ewa Winnicka und Cezary Łazarewicz.

Gedenken in Warschau
Die Universität Warschau organisiert in diesem Rahmen am 27. und 28. Juni in der Fakultät für Politikwissenschaften eine internationale, wissenschaftliche Konferenz unter dem Motto: „März 68. Polen, Europa und die Welt“. Das Jüdische Museum POLIN zeigt bis zum 24. September die Ausstellung: „Der Fremde im Haus“ (Obcy w domu). „Wir sind mit Ängsten erfüllt, da einiges vom März 68 in unserer Gegenwart sichtbar wird. Wir haben im Netzt mit antisemitischen und antijüdischen Hassreden zu tun. Der Hass beginnt immer mit Worten. Dem muss man entgegen wirken, damit der März 68 sich nicht wiederholt“, sagte Zygmunt Stępiński, stellvertretender Leiter des Museums zu Geschichte polnischer Juden POLIN bei der Ausstellungseröffnung. Im Rahmen der Ausstellung und einer Aufklärungskampagne zu den März-Ereignissen werden im Museum Vorträge und Diskussionsrunden mit Unterstützung von „Fellowships at Auschwitz for the Study of Professional Ethics“ (FASPE) organisiert. Am 27. August findet im POLIN-Museum die Theateraufführung „März 68 – wir entschuldigen uns“ statt.

Klaudia Kandzia

Rafael Blau am Eingang zur Synagoge in Reichenbach/Dzierżoniów, Foto: Susanne Hakuba. 

Geschichte und Fotographie: ein Zeitzeugenprojekt zur jüdischen Geschichte in Reichenbach/Dzierzoniow

Die Fotografin Susanne Hakuba und die Historikerin Ruth W. Geall aus London beschäftigen sich mit der Migrationsgeschichte der Stadt Reichenbach/Eulengebirge, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst Rychbach hieß und später umbenannt wurde und seitdem Dzierżoniów heißt. Hinter diesem zweifachen Namenswechsel nach 1945 verbirgt sich die besondere Geschichte der jüdischen Gemeinde dieser schlesischen Stadt.
Die Vorfahren von Ruth Geall sind Teil davon und über die Tagebuchaufzeichnungen ihrer Großmutter ist sie auf die besondere Geschichte dieser kleinen jüdischen Gemeinde gestoßen, die angesichts der nationalsozialistischen Verfolgung durch Verkauf ihres Gotteshauses die Synagoge vor der Zerstörung während der Reichspogromnacht 1938 retten konnte. Nach Ende des Krieges wurde die Synagoge zum Zentrum einer großen Gemeinde polnischer Juden, die auf unterschiedliche Weise den Holocaust überlebt hatten. Ihre Sprache war jiddisch – so wurde aus Reichenbach Rychbach. Im Juli 1946 lebten über 15.000 Juden in der Stadt.

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Odertorbahnhof Breslau in einer Ansicht der 1920er Jahre, Foto: Herder-Institut Marburg. 

Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Breslau

Vom Odertorbahnhof in Breslau wurden in den Jahren 1941-1944 Juden aus Breslau und anderen schlesischen Orten, mehr als 7.000 Menschen, zu den Vernichtungsstätten und in die Konzentrationslager deportiert.
Zum Andenken an diese Opfer des deutschen nationalsozialistischen Regimes wird am 13. April 2018 in der Halle des Odertorbahnhofs eine Gedenktafel enthüllt.
Die Tafel ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts des Schlesischen Museums zu Görlitz, der Jüdischen Gemeinde Breslau,, des Breslauer Stadtmuseums (Muzeum Miejskie Wrocławia) und der Bente-Kahan-Stiftung. Das Projekt wurde gefördert von der Kulturbeauftragten der Bundesregierung.