Hier finden Sie aktuelle Nachrichten des Schlesischen Museums und des Kulturreferats für Schlesien

Abschied und Neuanfang im Schlesischen Museum

Die langjährigen Kuratoren Johanna Brade und Martin Kügler gingen in den Ruhestand. Drei neue Mitarbeiter folgen nach.

von links: Katarzyna Sonntag, Johanna Brade, Agata Wozniak, Marian Reisinger. Foto: Ines Eifler

Über 20 Jahre arbeiteten Johanna Brade, Martin Kügler und Martina Pietsch als festes Kuratorenteam im Schlesischen Museum zu Görlitz. Nachdem sich 2021 bereits Markus Bauer verabschiedete und Agnieszka Gąsior als neue Direktorin ans Museum kam, gingen nun auch der Volkskundler Martin Kügler und die Kunsthistorikerin Johanna Brade in den Ruhestand.

Seit Kurzem gehören zu den insgesamt elf festen Mitarbeitern des Museums drei neue wissenschaftliche Kollegen: die Kunsthistorikerin Katarzyna Sonntag als Nachfolgerin von Johanna Brade, der Kunsthistoriker Marian Reisinger für Martin Kügler und die Grafikdesignerin, Kulturwissenschaftlerin, Historikerin und Museologin Agata Wozniak, die im Projekt „Neue Horizonte“ die Digitale Kommunikation des Museums ausbaut. Alle drei können heute auf der Arbeit ihrer Vorgänger aufbauen und für künftige Ausstellungen aus einer reichen Sammlung von fast 70.000 Objekten schöpfen.

Johanna Brade und Martin Kügler bauten ganze Sammlungen auf

Als Johanna Brade und Martin Kügler 1999 ans Schlesische Museum kamen, bestand die Sammlung nur aus einer Handvoll Objekten. Aus Ankäufen, Leihgaben und Schenkungen von Institutionen, Sammlern und Privatpersonen wurde die Sammlung – mit großer Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer – erst im Laufe der Jahre zusammengetragen. „Daran hatten Frau Dr. Brade und Herr Dr. Kügler maßgeblichen Anteil“, sagt Museumsdirektorin Agnieszka Gąsior. „Dafür gebührt ihnen großer Dank. Ohne sie und ihre zahlreichen Kontakte zu Freunden schlesischer Kunst und Kunsthandwerks wäre die Sammlung unseres Museums heute eine andere.“

Wie alle Museumsmitarbeiter, die sich seit Langem mit Ausstellungsinhalten befassen, standen Johanna Brade und Martin Kügler mit zahlreichen gebürtigen Schlesiern in Verbindung, sowohl mit 1945 Vertriebenen und deren Nachfahren wie auch mit Sammlern. Martin Kügler hielt beispielsweise engen Kontakt zu Familien, die dem Museum ihre großen Bestände an schlesischem Porzellan, Silber oder Glas vermachten. Er verwaltete zuletzt über 10.000 Sammlungsobjekte.

Kunsthistorikerin etablierte modernen Schwerpunkt am Museum

Zu Johanna Brades Kontakten gehörten unter anderem Künstlerfamilien wie etwa die Nachfahren von Gerhart Hauptmann. Der Bereich der bildenden Kunst, den die Kunsthistorikerin aufbaute und betreute, umfasst heute über 7.000 Gemälde, Grafiken sowie bildhauerische und textilkünstlerische Arbeiten. Hinzu kommen rund 31.000 Fotografien, die sie in der Fotothek verwaltete. Für die Arbeit der Kuratorin war in den Anfangsjahren ein Kunstsammler von ganz besonderer Bedeutung: Hans Peter Reisse aus Kassel. Da er seine Sammlung avantgardistischer Werke, die in der Zwischenkriegszeit im Umfeld der „Akademie für Kunst und Kunstgewerbe“ in Breslau entstanden, der Stiftung Schlesisches Museum verkaufte, konnte die Breslauer Moderne zu einem Sammlungsschwerpunkt des Museums werden, der immer wieder Stoff für Sonderausstellungen bot und auch in der Dauerausstellung seinen Platz fand: Im Mittelhaus richtete Johanna Brade einen Raum mit einer Auswahl attraktiver Gemälde, Grafik, Skulptur und Plastik ein.

„Diese 25 Jahre in Görlitz waren für mich eine aufregende, vielfältig anregende und manchmal auch richtig spannende Zeit“, sagt Johanna Brade, „in der wir als Museum einiges bewegen konnten.“ Kehrt die 64-Jährige nun mit ihrem Mann zurück in ihre Heimat Niedersachsen, prägt am Schlesischen Museum die Zusammenarbeit von Deutschen und Polen zunehmend den Arbeitsalltag. Genau wie Museumsdirektorin Agnieszka Gąsior und Agnieszka Bormann, die Kulturreferentin für Schlesien, kommt auch Johanna Brades Nachfolgerin aus Polen.

Kuratorenteam verjüngt sich

Die Kunsthistorikerin Katarzyna Sonntag wuchs in Babimost in der Nähe von Grünberg (Zielona Góra) auf, studierte in Wrocław (Breslau), Berlin und Dresden Kunstgeschichte und arbeitete bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Am Schlesischen Museum entwickelt sie gerade gemeinsam mit ihrem neuen Kollegen Marian Reisinger eine Ausstellung, die 2025 anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes 1945 zu sehen sein wird und erneut eine Brücke zwischen Deutschland und Polen schlagen wird.

Wie Katarzyna Sonntag spricht auch Agata Wozniak Polnisch als Muttersprache. Sie wuchs zweisprachig in Berlin auf, wo sie 1987 geboren wurde. Sie hat Grafikdesign, Kulturwissenschaft, Geschichte und Museologie in Berlin, Frankfurt (Oder) und Leicester, England, studiert und in Wien, Detmold und Berlin gearbeitet. „Mein Traum war es seit Beginn meines Studiums, in einem Museum zu arbeiten“, sagt Agata Wozniak. Diesem Traum ist sie nun in Görlitz ein Stück näher, wo sie all ihre bisherigen Erfahrungen im Feld Digitale Kommunikation einbringt. Unter anderem entwickelt sie hier ein neues Leitsystem durch die Dauerausstellung sowie Medienelemente, die das Museum auch für junge Menschen attraktiv macht.

Marian Reisinger führt die wissenschaftliche Arbeit an der großen Sammlung kunsthandwerklicher Objekte fort, die sein Vorgänger Martin Kügler seit 1999 am Schlesischen Museum aufgebaut hat. Er wurde 1988 in Frankfurt am Main geboren, wuchs im brandenburgischen Königs Wusterhausen auf und studierte in Leipzig, Berlin und Wien Geschichte und Kunstgeschichte. Bevor er nach Görlitz kam, arbeitete er in Leipzig am Museum der bildenden Künste, an der Universität und im Grassi Museum für Angewandte Kunst.

Agnieszka Gąsior freut sich, dass ihr wissenschaftliches Team nun vollständig ist, und hofft auf Impulse und Ideen, mit denen ihre neuen Mitarbeiter die Arbeit des Schlesischen Museums beflügeln. „Die Anforderungen an Museen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt“, sagt die Museumsdirektorin. „Dem müssen wir auch beim Thema Schlesien gerecht werden. Doch ich bin zuversichtlich, dass wir das zusammen mit unseren jungen Kollegen schaffen.“

Ines Eifler