Nadodrze (dt. Odertor) ist ein Stadtviertel in Breslau (Wrocław), das im Zweiten Weltkrieg nur wenig zerstört wurde, während andere Viertel der Odermetropole fast dem Erdboden gleichgemacht wurden. Viele Vorkriegshäuser aus dem frühen 20. Jahrhundert stehen auch heute noch unverändert dort. Einige sind dem Verfall preisgegeben, andere wurden aufwendig renoviert, und manche warten noch auf ihr Erwachen aus dem Dornröschenschlaf. Vielerorts sind alte deutsche Inschriften an den Gebäuden zu entdecken, die langsam unter dem Putz wieder zum Vorschein kommen. Diese Inschriften sind Thema der Sonderausstellung „Zeichen der Zeit“ im Schlesischen Museum zu Görlitz.
Mit diesen Beschriftungen verbinden sich vielerorts Geschichte und Gegenwart: So wird über dem polnischen Schild eines Friseursalons noch immer ein „Möbelgeschäft“ auf Deutsch beworben. Mitten auf einer Wohnhausfassade ist noch der Hinweis auf eine „Balltafel“ und „Gastwirtschaft“ aus Vorkriegszeiten zu erkennen. Teilweise sind die Inschriften im Original erhalten, teilweise unwiederbringlich verloren oder übermalt, manchmal auch fehlerhaft renoviert – all diese Varianten zeigen, wie willkommen Kontraste im Viertel Nadodrze sind. Die Mischung aus Alt und Neu, Polnisch mit einer Prise Deutsch, zeigt eindrucksvoll, wie sich ein heruntergekommener Stadtteil zum Treffpunkt der Kunst- und Kreativszene wandelt.
Mirko Seebeck, Wahl-Breslauer, Blogger von WroclawGuide.com und Autor von „Breslau (Wrocław) – Ein Alternativer Reiseführer“, lädt in seinem bilderreichen Vortrag zu einem Spaziergang durch Nadodrze ein und zeigt unbekannte Seiten Breslaus – abseits von Marktplatz und Jahrhunderthalle. Im Vortrag wird auch deutlich, wie kreativ die Tourismusbranche das Potenzial der deutschen Inschriften nutzt, um Ortsgeschichte zu vermitteln.
Der Vortrag findet im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „Zeichen der Zeit. Deutsche Inschriften in Schlesien“ (31.01.–13.09.2026) statt.
Der Besuch der Ausstellung ist am 01.03.2026 kostenlos, der Eintritt zum Vortrag kostet 3 Euro.
Ansprechpartnerin
Agnieszka Bormann, Kulturreferentin für Schlesien
bormann@schlesisches-museum.de
0049 162 43 700 28




