Es ist zu bewundern, wie akribisch Dr. Petra Peters Erb das Leben und Werk ihres Großvaters Hermann Radzig-Radzyk (1879–1945) erkundet hat. Die Schweizerin ist seinen Wegen in andere Länder gefolgt, hat die Standorte seiner Staffelei aufgesucht und die Sicht auf Orte und Landschaften mit seinen Bildern verglichen. Der Maler hatte Italien, Dalmatien und Belgien bereist und verschiedene Regionen Deutschlands besucht, so auch Schlesien. Seine Ölbilder aus dem Riesen- und Eulengebirge entstanden in den 1920er Jahren.
Petra Peters Erb konnte 74 Werke in den Katalogen der Großen Berliner Kunstausstellungen, von Auktionen und in anderen Publikationen ausfindig machen. Die Bilder befinden sich überwiegend in Privatbesitz. Ihr 2025 erschienenes Album „Der Kunstmaler Hermann Radzig-Radzyk“ versammelt Abbildungen seiner Werke und alle Informationen zu seinem Lebenslauf. Damit ist eine erste umfassende Darstellung zum Schicksal und Schaffen des Künstlers entstanden (herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Kleinmachnow e. V., ISBN 978-3-033-11258-2).
Hermann Radzyk absolvierte eine Ausbildung an der Königlichen Akademie für Bildende Künste in Berlin und arbeitete ab 1909 als Gewerbelehrer. 1934 wurde er entlassen. Seine vorherige SPD-Mitgliedschaft und politische Äußerungen gegen einen Einparteienstaat machten ihn als Beamten im nationalsozialistischen Deutschland untragbar. Dies konnte auch sein 1933 erfolgter Eintritt in die NSDAP nicht verhindern. Der Maler zog sich mit seiner Familie nach Kleinmachnow zurück. Mit seinen Landschaftsbildern ist er auch in der Zeit des Nationalsozialismus auf zwei Berliner Kunstausstellungen vertreten.
Petra Peters Erb ermöglicht mit ihrer Künstlermonografie tiefere Einblicke in das Leben ihres Großvaters. Noch vor fünf Jahren konnte das Schlesische Museum zu Görlitz kaum etwas über ihn in Erfahrung bringen, als in der Ausstellung „Inspiration Riesengebirge“ (11.09.2021–27.02.2022) sein Ölgemälde „Kirchberg in Schreiberhau gegen den Reifträger“ als private Leihgabe von Herrn Dobri-Christoff Watzke gezeigt wurde. Dieses faszinierende Gemälde (90 x 109 cm) aus dem Jahr 1923 ist dem Museum nun als Schenkung übereignet worden.
Am 19. Juni 2026 fand die Übergabe in Anwesenheit von Dobri-Christoff Watzke und Petra Peters Erb statt. Das Schlesische Museum zu Görlitz dankt für diese großzügige Schenkung und nimmt mit großer Freude das Landschaftsbild in seine Kunstsammlung auf. Ein herzlicher Dank richtet sich auch an Petra Peters Erb, die in einem Vortrag den Künstler und ihren Großvater vorstellte.



