Wanderer im Riesen-Gebirge 2. Anthologie der Reiseberichte aus dem 17.-20. Jahrhundert

Gemeinsame Veröffentlichung des Kulturreferats am Schlesischen Museum zu Görlitz und des polnischen Verlages Wydawnictwo Wielka Izera.

Nach dem Erfolg des ersten Bandes und angesichts der Fülle und Vielfalt der noch nicht veröffentlichten Reiseberichte lag die Entscheidung nahe, einen zweiten Band der deutsch-polnischen Anthologie herauszubringen.

Die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk über das Buch: „Ein herausragendes Buch, der Traum eines jeden geschichtsinteressierten Sudetenreisenden. Wanderer im Riesen-Gebirge ist mehr als eine Sammlung von authentischen Reiseberichten aus vergangener Zeit. Es ist ein berührendes Zeugnis der uralten Verbundenheit des Menschen mit Landschaft, Ort, Natur.“

Das Iser- und Riesengebirge, lange Zeit gemeinsam als ein Riesen-Gebirge bekannt, entfesselt seit Jahrhunderten immer wieder kreative Energien. Einige in Text und Bild gefasste Zeugnisse dieser Faszination sind im neuen Band versammelt. Die Anthologie zieren Schwarz-Weiß-Fotografien polnischer Fotokünstler aus dem großen Fundus einer polnisch-tschechischen Ausstellung, die unter dem Titel Karkonosze. Fotografia klasyczna 1945-2021 / Krkonoše. Klasická fotografie 1945-2021 (Riesengebirge. Klassische Fotografie 1945-2021) zeitgleich mit der Entstehung des Bandes (Dez. 2021 – Feb. 2022) in der Galerie BWA in Jelenia Góra (Hirschberg) präsentiert wurde. Die Fotografien hat für die Publikation dankenswerterweise die Kuratorin der Ausstellung, Joanna Mielech, bereitgestellt.

Die Abbildungen entführen die Leser in die magische und zeitlose Landschaft des Riesengebirges. Die Reiseberichte hingegen sind jeweils zeitlich konkret verortet und damit Zeugnisse einer vergangenen Welt. Diesen Aspekt betont der polnische Journalist, Reporter, Fotograf, Buchautor und Umweltaktivist Filip Springer in seinem Vorwort Die gemeinsame Bank vor der Baude (gibt es nicht). Bei aller Suche nach Gemeinsamkeiten und verbindenden Elementen zwischen den alten Wanderern und uns heute sieht er doch vor allem das Trennende, denn „der Blick der Wanderer ist ein Blick aus einer Zeit vor der [ökologischen] Katastrophe, aus einer Zeit vor dem Anthropozän. […] Ja, jenes Riesen-Gebirge, auf das die Wanderer schauen, gibt es nicht mehr, und auch jene Art des Schauens nicht. Es ist nicht möglich, diese Landschaft heute losgelöst von all den Dramen und Schrecknissen zu betrachten, die ihr widerfahren.“

Über sein emotionales und persönliches Verhältnis zum Riesengebirge schreibt der deutsche Journalist und Buchautor Uwe Rada in seinem Nachtwort Mein Riesengebirge. Als Nachfahre der ehemaligen Bewohner des Sudetenlandes mit dem Mythos und Sehnsuchtsort Riesengebirge aufgewachsen, reflektiert er die historischen Zusammenhänge vor dem Hintergrund der eigenen Familiengeschichte. Auch er schreibt über das Verschwinden einer Welt – der der Menschensiedlungen im Riesengebirge. Radas Text ist auch als Einladung zu verstehen, eigenen Beitrag zu der nie endenden Erzählung über das Erleben dieser Landschaft zu leisten: Jeder hat eben sein Riesengebirge.

Die Anthologie Wanderer im Riesen-Gebirge bietet Einblicke in diese verschwundene Welt. Die Lesenden begegnen hier einigen wenigen bereits vom ersten Band bekannten (u. a. Benjamin Schmolck, Adolf Traugott von Gersdorf, Johann Friedrich Zöllner, David Friedrich Schulze) und vielen neuen Autoren (u. a. Christoph Nathe, Theodor von Schön, E.T.A. Hoffmann, Karl von Holtei, John Russel, Ludwig von Rellstab, Karl Herloßsohn), die erneut am Ende des Buches in Form von kurzen Biogrammen vorgestellt sind. So lassen sich die biografischen und historischen Zusammenhänge des jeweiligen Reiseberichts besser einordnen. Für ein besseres Verständnis der historischen, kulturellen und sozial-ökonomischen Wirklichkeit der einzelnen Reisen werden die Texte von fast 200 Anmerkungen in den Fußnoten begleitet und am Ende des Buches werden die in den Berichten erwähnten Maße, Gewichte, Währungen und Münzen erläutert. Dort findet sich ebenfalls ein Verzeichnis über sowohl verschwundene als auch bis heute existierende Bauden und eine Liste ausgewählter geografischer Namen mit ihren heutigen polnischen und tschechischen Entsprechungen – auch als Hilfestellung für all jene mutigen Leserinnen und Leser, die sich selbst auf die Spur der Wanderer im Riesen-Gebirge begeben möchten. Denn auch dieser Band bietet mehr als nur einen Rückblick. Er lädt ein, historisches Reisen aus heutiger Sicht nachzuvollziehen und macht gleichzeitig Lust darauf, mit vertieftem Geschichtsbewusstsein und Blick nach vorn das Iser- und Riesengebirge neu zu erkunden. 

Infos:
Wanderer im Riesen-Gebirge 2. Anthologie der Reiseberichte aus dem 17.-20. Jahrhundert
Redaktion: Agnieszka Bormann
Auswahl der Texte: Marcin Wawrzyńczak, Zusammenarbeit: Agnieszka Bormann, Jowita Selewska
Korrektorat, Anmerkungen: Agnieszka Bormann, Jowita Selewska
Biogramme der Autoren: Thomas Maruck
Gestaltung und Satz: Jacek Jankowski, PontonStudio
508 Seiten im Format 130 x 215 mm, Hardcover
ISBN 978-3-9823231-1-4
25 Euro, Bestellung unter: kontakt@schlesisches-museum.de oder im Museumsshop
Ein Set mit zwei Büchern (wahlweise Band 1+2 in Deutsch oder Band 2 Deutsch+Polnisch) kostet 40 Euro.

Polnische Version des Buches: 
Podróżnicy w Górach Olbrzymich. 
Antologia tekstów źródłowych z XVII-XX wieku

414 Seiten im Format 130 x 215 mm, Hardcover
ISBN 978-83-959324-5-8
18 Euro, Bestellung in Polen möglich über Wielka Izera 

Die deutsch-polnische Veröffentlichung wurde gefördert aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über das Kulturreferat für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz sowie – dank des Sächsischen Ministeriums des Inneren – mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.