Arbeit, Freizeit, Schichtwechsel: das Schlesische Nachtlesen am 18. April 2026 verbindet Menschen, Orte und Geschichten rund um das Thema Arbeit und präsentiert dabei Schlesien und die Lausitz. Programm unten.
Polizeipräsidium, Bioladen, Maschinenhalle: Am Samstag, den 18. April, verwandeln sich 15 Orte in und um die RABRYKA (Werk I) in ungewöhnliche Lesebühnen. Im Alltag oft unzugänglich, werden sie an diesem Abend Gastgeber von Lesungen, die von 17 bis 22 Uhr parallel stattfinden. Menschen aus Görlitz und Region, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Handel, Öffentlichem Dienst, Kunst und Kultur lesen Texte über Schlesien und die Lausitz vor. Das Publikum beginnt seinen literarischen Spaziergang am beliebigen Ort und flaniert nach Lust und Laune von einem Vorlesevergnügen zum anderen.
Arbeit im Wandel der Zeit
Zentrum des Geschehens ist in diesem Jahr das Jugendkulturzentrum RABRYKA. Die weiteren Vorleseorte liegen in seiner (post)industriell geprägten Umgebung, wo Fortschritt und Unternehmergeist des 19. Jahrhunderts immer noch spür- und sichtbar sind. Passend dazu werden Texte zu Gehör gebracht, die unterschiedliche Facetten der Arbeitswelt beleuchten und dabei auch regionaltypische Berufe der Vergangenheit und der Gegenwart zum Thema haben. Wir begegnen Glasmachern, Bergleuten, Winzern, Webern, Spinnern, Tuchfabrikanten, Wissenschaftlern, lernen aber auch Professionen in der Kunstbranche, Kriminalpolizei oder im Zirkus kennen. Im Sinne einer gesunden Work-Life-Balance kommt auch eine Welt zur Sprache, in der Arbeit keine (wichtige) Rolle spielt. Von der Gegend zwischen Görlitz und Weißwasser (ent)führen die vorgetragenen Texte das Publikum über Niederschlesien bis nach Oberschlesien und Tschechisch-Schlesien und überzeugen davon, dass die Literatur der schönste Weg ist, sich einer Region zu nähern und ihren Geist zu erspüren.
Lesebühne für besondere Menschen
Wie jedes Mal lesen auch beim diesjährigen Schlesischen Nachtlesen besondere Menschen. Es sind Görlitzer Urgesteine, bekannt für langjähriges Engagement in ihrem beruflichen Umfeld, wie Christiane Hoffmann, seit 30 Jahren Projektleiterin des Straßentheaterfestivals Via Thea, oder Helmut Goltz, dessen Seilereidieses Jahr ihr 190-jähriges Bestehen feiert und als Familienbetrieb in achter Generation geführt wird. Die Künstlerin Anja-Christina Carstensen, der Musiker Frank Pschichholz, der Investor Bernhard Icking von der Energiefabrik Görlitz oder Chefdramaturg Martin Stefke vom Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau kamen vor mehreren nach Görlitz und wirken hier seitdem gestalterisch in die Gesellschaft hinein. Neue Gesichter unter den Vorlesenden sind Dr. Stephan Aderhold, der neue Geschäftsführer der Kirchlichen Stiftung evangelisches Schlesien, oder Frank Zeiler, der neue Geschäftsführer der RABRYKA. Von außerhalb kommen Christiane Lehmann, die Leiterin des Glasmuseums in Weißwasser, und der Künstler Klaus Weingarten aus Hannover, bekannt vor allem unter den Jacob-Böhme-Freunden.
Ein besonderer Moment ist es jedes Mal, wenn Gastgeber der Vorleseorte selbst zum Buch greifen. Friederike Saur vom Görlitzer Stofflädchen überrascht damit ihre Kunden und andere Gäste. Und auch in der Polizeidirektion, bei CASUS und im Atelier Sebastian Hähnel schlüpfen Polizist (Tobias Sprunk), Wissenschaftler (Michael Beerbaum, Dr. Martin Laqua) und Künstler (Sebastian Hähnel, Sascha Röhricht) selbst in die Rolle des Vortragenden.
Schichtwechsel – eine kleine Hommage auf den Görlitzer Waggonbau
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Nachtlesen erleben die Gäste von Schichtwechsel bereits ab 14 Uhr in der RABRYKA. Die Auftaktveranstaltung Schichtwechsel – Gespräche und Kulinarisches aus der Kantine vereint einen Blick auf Geschichte und Gegenwart des Waggonbaus in Görlitz mit einem Menü wie aus der Betriebskantine. Entlang von Vorspeise, Hauptgericht und Dessert gibt es literarische Beiträge, Erinnerungen, Gespräche und Raum für Unterhaltung am Tisch. Nach dieser Stärkung für Leib und Seele geht es dann ab 17 Uhr weiter mit dem literarischen Spaziergang. Die einzelnen Stationen unten in der Programmtabelle.
Stadtbibliothek lädt Kinder zur interaktiven Lesung ein
Für kleine Bücherwürmer zwischen 5 und 10 Jahren hat die Görlitzer Stadtbibliothek um 15 Uhr eine interaktive Lesung aus „Fuchs & Ferkel – Torte auf Rezept“ von Bjørn F. Rørvik vorbereitet. Die wichtige Frage hier lautet: Welche Medizin braucht man eigentlich, wenn man mal so richtig krank ist? Fuchs und Ferkel haben darauf eine klare Antwort: „Zwei Liter Limonade und vier Schokoküsse – viermal täglich“ Doch was passiert, wenn Arzt und Patient gleichermaßen Appetit auf Süßigkeiten haben? Fuchs und Ferkel legen sich hierfür einen Plan zurecht, der sich schnell herumspricht…
Programm des Schlesischen Nachtlesens (17 bis 22 Uhr)
| Vorleser/in | Ort | Text | |
| 1 | Anja-Christina Carstensen, Künstlerin | Atelier ancca, Rauschwalder Str. 69 | Hugo Perls: Warum ist Kamila schön? Von Kunst, Künstlern und Kunsthandel MEHR |
| 2 | Stephan Aderhold, Geschäftsführer der Kirchlichen Stiftung evangelisches Schlesien | Naturkost Arche, Bautzner Str. 32 | Jochen Hoffbauer (Hg.): Sommer gab es nur in Schlesien. Heiteres und Besinnliches von schlesischen Erzählern |
| 3 | Klaus Weingarten, Künstler und Herausgeber der "Magischen Blätter" | Freie Musikschule Görlitz, Bautzner Str. 32 | Bô Yin Râ (Joseph Anton Schneiderfranken): Die Magie des Wortes aus Das Buch vom lebendigen Gott |
| 4 | Bernhard Icking, Geschäftsführer der Energiefabrik Görlitz | Alte Hefefabrik (Maschinenhalle / Kesselhaus) | Heinrich Lee: Grünberger Schattenseite, aus: Agnieszka Bormann et. al. (Hrsg.): Grünberg in Schlesien in Reise- und Presseberichten aus dem 18.-20. Jahrhundert |
| 5 | Frank Zeiler, Geschäftsführer der RABRYKA | RABRYKA (Café Lüders), Conrad-Schiedt-Str. 23 | Joanna Bator: Die Flucht der Bärin |
| 6 | Helmut Goltz, Seilermeister, Senior-Geschäftsführer der Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei GmbH & Co. KG | RABRYKA (Werkstatt), Conrad-Schiedt-Str. 23 | Brigitte Weiß-Kobayashi: Friedrich Sadebeck. Ein schlesischer Baumwollspinner |
| 7 | CASUS-Mitarbeiter: Michael Beerbaum, Doktorand, und Dr. Martin Laqua, Referent für Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | CASUS, Conrad-Schiedt-Str. 20 | Itai Yanai, Martin Lercher: Die vier Prinzipien wissenschaftlicher Kreativität |
| 8 | Christiane Hoffmann, Projektleiterin des Straßentheaterfestivals ViaThea | CYRKUS, Conrad-Schiedt-Str. 20 | Paula Busch: Das Spiel meines Lebens. Erinnerungen MEHR |
| 9 | Mitglieder des Vereins Oberlausitzer Bergleute e. V. | Maschinsky & Krause, Christoph-Lüders-Str. 45 | Karin Lednická: Die schiefe Kirche |
| 10 | Martin Stefke, Chefdramaturg am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau | Cateedrale, Christoph-Lüders-Str. 45 | Armin Stolper: Lausitzer Bekenntnisse |
| 11 | Christine Lehmann, Leiterin des Glasmuseums in Weißwasser | Tagespflege "Stadt Berlin", Hohe Str. 34, Eingang Pontestraße | Ivonne Hübner: Aus Salz und Asche |
| 12 | Tobias Sprunk, Leiter der Stabstelle Kommunikation bei der Polizeidirektion Görlitz | Polizeidirektion (Großeinsatzraum), Conrad-Schied-Str. 2 | Tomasz Duszyński: Glatz |
| 13 | Frank Pschichholz, Musiker | Probenraum der JBO Görlitz, Saal im Werk I (ehem. Direktionsgebäude), Conrad-Schied-Str. 1 | Tomasz Różycki: Die Glühbirnendiebe |
| 14 | Friederike Saur, Verkäuferin im Görlitzer Stofflädchen | Görlitzer Stofflädchen, Demianiplatz 41 | Carl Hoinkes: Horn und Söhne. Roman einer altösterreichischen Tuchmacherstadt |
| 15 | Sebastian Hänel und Sascha Röhricht, Künstler | Atelier Sebastian Hänel, Landeskronstr. 49 | Dadaistische Lesung: Haltestelle 3x zum Brot |
Organisatorisches: Veranstalter, Förderer, Eintritt
Schlesisches Nachtlesen (18. April, 17 bis 22 Uhr) ist eine Veranstaltung des Kulturreferates für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz. Tickets (Bändchen mit dem Schriftzug „Schlesisches Nachtlesen“ fürs Handgelenk): 10 Euro im VVK (bis 17.04 im Schlesischen Museum) und 13 Euro am Veranstaltungstag (Schlesisches Museum von 10 bis 17 Uhr und RABRYKA von 14 bis 21 Uhr). Die Veranstatung wird gefördert vom Bundesministerium des Innern.
„Schichtwechsel“ (18. April, 14 bis 16:30 Uhr) ist eine Veranstaltung der RABRYKA in Zusammenarbeit mit Polyformers, dem Kollektiv für freie Theaterprojekte und dem Kulturreferat für Schlesien. Tickets: 10 Euro; 5 Euro für Gäste des Schlesischen Nachtlesens). Anmeldung erforderlich. Die Veranstaltung wird gefördert vom LOKAL – Programm für Kultur und Engagement, einem Programm der Kulturstiftung des Bundes, der Bundeszentrale für Politische Bildung/bpb und der European Cultural Foundation. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Kinderlesung (18. April, 15 bis 16 Uhr) ist eine Veranstaltung der Stadtbibliothek Görlitz, Jochmannstraße 2-3, Dauer ca. 1 Stunde, Eintritt frei.